am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

essen, das ich als kind nicht kannte und deshalb heute von herzen lieben darf, wie sonst nichts auf der welt. zum beispiel: ingwer!

mein vater flirtet

kranksein ist fein. man macht die seltsamsten dinge zwischen nerv, rotz und tränen. zum beispiel alte fotos einscannen, um sie alten freunden via facebook zeigen zu können. dieses hier unter anderem:

das ist so alt, daß es eigentlich gar nicht mir gehört. es zeigt meinen vater, wie er, irgendwann in den 50ern vermutlich, irgendwo in den bergen, ohne zweifel beim skifahren, eine mir unbekannte junge dame zu bezirzen versucht. seine versuche seinerzeit waren nicht von erfolg gekrönt, man sieht es der dame bereits ein klein wenig an. so ist diese unbekannte dann auch nicht meine mutter geworden und ich eine ganz andere.

na egal, wenn ich mir ihn da so anschaue, wesentlich jünger als ich heute, mitte zwanzig vielleicht. womöglich habe ich mir das kleine bißchen nettheit, das ich manchmal tatsächlich zu besitzen scheine, aus seinen augenwinkeln gestohlen.

anderswo habe ich über ihn einmal folgendes geschrieben: der einzige mensch, der mich je direkt ins gesicht geschlagen hat. das stimmt, das hat er und nicht nur ins gesicht. damals war das erlaubt, die elterliche sorge war noch eine gewalt. lektionen in intimität. so habe ich das gleich im anschluß an den ersten satz genannt. und wenn mich dieses bild sehe, dann weiß ich, warum das genau so stimmt.

da mein vater inzwischen seit fast 20 jahren nicht mehr lebt, ist heute ohnehin weder sein flirten noch sein schlagen von irgendeinem interesse. wichtig ist nur noch das in seinen augenwinkeln, denn das ist mir geblieben.

auf und unter dem küchentisch

eine meiner ältesten erinnerungen reicht zurück in mein drittes lebensjahr, genaugenommen bin ich gerade zwei geworden. das datum ist exakt belegt durch einen stempel im reisepaß meines vaters, sonst wäre mir dieser fakt sicher nicht bekannt. wobei letztendlich natürlich keine gewissheit bestehen kann. es ist möglich, daß ich mich irre, daß ich doch schon älter, also drei oder vier gewesen bin. mehr geht aber kaum, denn da gab es dann schon meinen kleinen bruder. außerdem habe ich aus dieser zeit viel zusammenhängendere erinnerungen.

ich bin also zwei jahre alt, vermutlich, jedenfalls noch ziemlich klein, und werde bei meiner oma in der küche auf den küchentisch gehoben. dort soll dann irgendetwas tun. keine vorführung, nicht tanzen oder ein gedicht aufsagen. nein, ich soll etwas fühlen, etwas zeigen. ich soll mich freuen. ich weiß aber nicht, warum. oder was. ich verstehe einfach nichts. nur diese küchentischwelt, in der ich ganz allein dastehe. und alle sehen mich an. ich selbst sehe nur meine oma, die mich regelrecht anfeuert. ich weiß im hintergrund meinen opa, der sich zurückhält, wie immer. die anderen menschen, die da auch noch sind, kenne ich nicht. sie sind es, die mir angst machen.

genau genommen ist es so: ich erkenne diese menschen nur nicht, denn es sind meine eltern, die für zwei wochen allein in urlaub gewesen sind. ohne mich, ich war in der zeit bei meiner oma zu besuch. das war ich oft, auch später noch. und das war ich immer gerne. während dieser vermutlich ersten elternlosen zeit habe ich übrigens geburtstag gehabt, das zumindest belegt der reisepaßstempel definitiv.

das ganze drumherum dieser humorigen familienanekdote ist mir natürlich erst im nachhinein immer wieder und wieder erzählt worden, davon war mir damals nichts bewußt. im grunde verhält es sich mit dieser geschichte, wie mit allen erinnerungen. es ist eine konstruktion, eine vermutung, bestenfalls eine versuchsanordnung, retrospektiv. eine variante von wahrheit, mehr nicht.

ich selbst erinnere mich allerdings bis heute genau an dieses gefühl, am küchentischabgund zu stehen. ein moment nur, wie ein blitzlicht. die wucht der erwartung, die ich nicht zu erfüllen in der lage bin. meine erste absolute einsamkeit. oder die erste sichtbare, das auf jeden fall. es wird gelacht. vielleicht über die situation, über die algemeine peinlichkeit. vielleicht auch über mich. ich verstehe das alles nicht, aber es liegt an mir. das weiß ich. man fordert mich, fordert mich heraus, fordert mich auf. immerzu. und ich verstehe immer weniger. ich weiß nicht, ob ich auch weine. irgendwann. vor verzweiflung und überforderung. das alles dauert ewig.

als meine oma mir endlich erklärt, wer die beiden sind und was man von mir will, bin ich erleichtert. vermutlich sind alle in diesem moment erleichtert. und ich freue mich tatsächlich, womöglich sogar ernsthaft. vielleicht bin ich aber nur froh, daß die fremden doch keine fremden sind.

zuhause, allein mit meiner mutter, saß ich übrigens immer unter dem küchentisch. daran erinnere ich mich auch, das ist vielleicht noch älter. es ist noch vager, noch undeutlicher. wie ich diesen ort verteidigt habe. wie ich mir wünschte, daß der tisch nicht nur oben ein dach, sondern für mich am besten auch noch wände hätte haben sollen.

das bin ich. so bin ich. vive la différence!

herbstschön

oje, ich bin gruselig herbstmüde, jetzt schon. dabei ist dieser herbst doch ein so schöner herbst. überhaupt ist berlin ja vielmehr eine herbst- als eine frühlingsschönheit. fragt sich nur, was ich eigentlich hier will, wo ich doch eine von herzen frühlingsliebende bin.

wir leben nicht mehr lang

huch. schon wieder einen weltuntergang verpaßt. na egal, muß ich halt noch ein paar tage warten. oder bis zum nächsten geburtstag. vielleicht. bin ich ja gewöhnt.

schicke, moderne fassung des 50er-jahre-hits. ohne zu viel marsch, mit hübsch aufgefrischtem text, nur in den bildern. da ist alles grau wie immer.

migräne, menschlich

manchmal ist meine migräne sanft und nachsichtig. dann taucht sie auf am nachmittag und schaut mir ein wenig zu, kaum daß ich sie bemerke. später schickt sie mich früh ins bett und verwirrt mich mit tiefen träumen von menschen. menschen, die mich woanders hinbringen.

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