am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

tierisch, 28

ich höre genau, wie im nebenraum die katze kotzt. die katze, die seit dem 28. september 2004 tot ist. die auf dem letzten bild schon nicht mehr ganz da war.

der 28. september, das ist so ein tag. ein tag der zerstörung, seit jeher. auch 2009 wieder. und überhaupt.

keine ahnung, wie ich gerade darauf komme. ich weiß, noch ist august. und auch nicht der 28.

ach ja, die katze. das lisatier kotzt. und mir ist schlecht.

verfügung

ein wirrer traummorgen, ein überraschender arbeitstag, und jetzt kein ende. mit mir nicht, mit nichts. sind doch alles nur worte, mein gott. ich will meine worte, wieder.

omas seife

ganz unten im regal eines drogeriemarktes omas seife von früher entdeckt. dabei einfach dem geruch nachgegangen. jetzt weiß ich, es gibt sie noch. jetzt möchte ich immerzu ins bad rennen und mir die hände waschen. und dann daran reichen. ich weiß auch nicht.

tomaten anbauen in der stadt (11)

die tomatenernte ist in letzter zeit ein wenig ins stocken geraten, was ohne zweifel mit der latenten zurückhaltung der sonne zusammenhängt. oder anders gesagt: regen mögen sie überhaupt nicht. ganz so tragisch ist das aber nicht, immerhin sind sie einigermaßen überdacht.

sogar die eiertomaten haben sich von der arschfäule weitgehend erholt und sind tatsächlich recht genießbar. ich trickse sie allerdings auch aus und pflücke sie im noch fast grünen zustand, um sie dann im schrank nachreifen zu lassen. so gehts.

und so sieht das jetzt also aus:

nicht besonders, ich weiß. keine einziges bißchen rot derzeit. das dichte, fast satte grün oben gehört übrigens zu dem baum auf der anderen straßenseite. das eher blaßgrüne bis gelbe davor, das sind die tomaten. und das fette grün in der mitte, die wuchender minze. und rechts außen dann, der lavendel.

tomatenpflanzen sind häßlich, ich sagte es bereits. überhaupt lassen sie an schönheit noch mehr zu wünschen übrig, wenn sie erst einmal in die produktion eingestiegen sind. vielleicht ist das draußen, auf freier wildbahn anders. tomaten sind flachwurzler, innerhalb kürzester zeit haben sie ihre kleinen balkonkisten durchzogen. keine ahnung, was passieren würde, hätten sie unten mehr platz, mehr erde, mehr mumm. vermutlich würden sie größer, stärker und schöner. und trügen noch mehr früchte. das ist hier aber nun mal nicht.

ich bin diesbezüglich übrigens radikal. ich reiße nicht nur die toten, sondern auch die gelben blätter und zweige einfach ab. ohne rücksicht auf verluste. ich will jetzt nur noch die tomaten. und grüne sind noch ziemlich viele in wartestellung.

tomatenbalkone, so wunderbar sie auch sein mögen, sehen von außen immer belanglos aus. und meiner, da ich fettes, buntes geblüm so gar nicht mag, schneidet diesbezüglich immer besonders schlecht ab. ich mag schon gar nicht mehr hinsehen. (und komme irgendwie auch nie auf die idee, davon mal ein bild zu machen. so kann ich das jetzt hier auch nicht zeigen.)

also nix mit prachtvoll und groß. statt dessen hab ich vor ein paar tagen mit irgendetwas kleinem lilanem (japanische falsche irgendwas, hab ich vergessen) und zweimal frischem männertreu aufgerüstet. dieses blau! (auch nicht im bild.) einfach nur so, einfach nur für mich. sieht sonst kein mensch.

unten fahren derzeit übrigens die hochzeitskutschen durch neukölln.

zwangslauf

hirnentwicklungen können nicht rückgängig gemacht werden, steht da. diese defizite gehören also zu mir. so ist  das, ich weiß es ja. nicht erst seit heute. und ich lebe es. aber wie?

ein guter sommer

heute abend ist es sehr schön draußen. oder aber auf dem balkon, was ja auch irgendwie draußen ist. die luft ist feucht und schwer. und klar, wie das leben mitunter. ein guter sommer also.

ach fuck

sehe gerade amy zum ersten mal live, jetzt gerade auf arte. (sonst hab ich immer nur die grausam verlallten suffschnipsel erwischt.) jetzt, wo sie nicht mehr life, sondern tot, verbrannt und begraben ist. und im hintergrund, the perfect sound of rain in berlin.

was für eine stimme, was für eine sicherheit in diesen wie auch immer verwaschenen phrasierungen. wie geht denn das? als könnte da nie was verrutschen. was für eine verfluchte eleganz in modulation und dynamik, diese vielen farben. was für ein dreck. was für ein spaß.

ja, die hätte ich gern mit 50 noch auf der bühne gesehen, mit ausgeleierten tattos und einer noch breiteren stimme. mit noch mehr echtem lebensdreck in jedem atemzug. mit witz und wahrheit. mit weite und tiefe.

also, wenn ich selbst dann noch gelebt hätte. (oder leben würde? wie sagt man denn da? gelebt haben würde, vielleicht. die möglichkeitsform der zukunft.)

mein großer vogel

schon lange denke ich mir meine migräne nicht mehr als etwas, das in meinem körper geschieht. es handelt sich vielmehr um einen vogel, einen greif, der mir im nacken sitzt. tag für tag. ein paarmal im monat greift er zu, er kann nicht anders. dann starren wir uns an, ein paar stunden, ein paar tage. ich sehe ihn, er kann nicht von mir lassen.

dennoch sagt er es, immer und immer wieder: ich laß dich. ganz leise, wie zu sich selbst. das ist sein mantra, das ist sein ziel. ich laß dich, ich laß dich, ich laß dich.

und das tut er dann auch, jedesmal. er hält wort und läßt mich frei. läßt mich leben. bis zuletzt.

so entschwinden die tage in entsetzen. untauglich bin ich, für beinah alles. besonders für menschen.

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