am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

greifbar

das war ja klar, denn vor der katastrophe liegen immer die guten tage, wie zum hohn. heute ist es soweit, mein migränegeier ist wieder einmal hinter mir her. immer ganz dicht hinter mir hockt er, spottet und klagt mir sein leid. tippt mir auf die schulter. tippt mir mit der krummen schnabelspitze sachte in die schmerzende stelle links oben in meinem rechten auge mitunter. lacht mir ins gesicht dabei.

das ist nicht schlimm, sage ich mir ein ums andere mal. das ist alles gar nicht so schlimm, bis jetzt. es gibt schlimmeres. noch ist der geier ein geier, der nach aas giert. und nicht nach mir. kein greif, der nach mir greift. ich warte, ich bin bereit. was immer es ist, es geht vorbei. es geht ja immer vorbei.

nur der aasfresser widerspricht. das hilft dir alles nichts, sagt er ruhig hinten in der ecke hockend – wartend, wissend, lächelnd. glaub ja nicht, daß dir irgendjemand hilft. im leben nicht.

als ob ich das nicht wüßte. wenn ich mich kurz umdrehe sehe ich ihn, seine augen, seinen blick. seine not. er wartet auf den tod.

wir beide, wir kennen uns, gut. wir sind ein fleisch, wir leben noch.

help yourself

immer nachts kommt die traurigkeit. wie ein steter, treuer gast, der mich begleitet, besiegt, bedient.

schweißtreibendes wetter. oder sind das nur die wechseljahre? jedenfalls wäre die maschine wieder fahrbereit: tank fixiert, scheinwerfer zurück nach vorne gebogen, spiegel gerichtet. wenn ich denn einen bremshebel hätte.

auf der straße vor der kleinen pizzeria wird gefeiert, gerade gab es applaus. da hat wohl jemand geburtstag. etwas mit kerzen habe ich auch gesehen, ein kuchen vielleicht. ich will auch mal einen geburtstagskuchen, jetzt sofort. obwohl das natürlich unpassend wäre, weil ich ja gar nicht geburtstag habe.

da fällt mir ein, einmal habe ich einen kuchen zum geburtstag bekommen, vor ungefähr fünfzehn jahren muß das gewesen sein. auf jeden fall irgendwann in meinen dreißigern. ein kleiner englischer war das, mit erbeeren und sahne, nur für mich. es gibt ein foto. da habe ich lange haare, einen pferdeschwanz (furchtbar) und eben diesen kuchen in der hand.

letztes jahr habe ich außerdem selbst einen gebacken, einen käsekuchen, und ihn zu dieser eurovisonsfeier mitgenommen. der war natürlich nicht so gut. aber immerhin, das ist doch auch was.

i need a brake

so fängt ein tag gut doch an, nachts um halb drei, wenn es draußen plötzlich scheppert. und ich zehn minuten später auf der straße stehe, um die 230 kilo kawasaki irgendwie wieder in die senkrechte zu bringen. zum glück ist die weserstraße ja mittlerweile durchgehend belebt, so konnte ich wieder nicht in erfahrung bringen, ob ich diese gewichtige aufgabe nicht eventuell doch – unter zuhilfenahme der angelesenen hebeltechnik – allein bewältigen könnte. dazu war der nette mann, der gerade vorbeikam, einfach zu kräftig. und schlaftrunken, mitten in der nacht ist eh kein guter zeitpunkt für solche übungen.

etwas später dann noch ein wenig mit zwei polizisten geplaudert, die prompt vorbeigefahren kamen und nach umgeworfenen rollern suchten. da hat offensichtlich wieder mal jemand spaß gehabt, und einmal im jahr im schnitt bin ich mit dabei, egal ob absicht oder versehen. das immerhin kann ich nach ziemlich genau sieben jahren berlin inzwischen sagen. nicht immer sind die verursacher anschließend so nett wie die letzten beiden male und stellen die kiste wenigstens wieder hin. überhaupt nie kommen sie auf die idee, daß an so einem motorrad dabei immer etwas kaputtgeht. mal mehr und mal weniger, meistens nur kleinigkeiten. diesmal hat es den bremshebel in drei teile zerlegt, mit einem absolut unbenutzbaren reststummel am lenker, außerdem ist der tank vorne an einer stelle aus der verankerung gerutscht. der gumminupf ist aber noch da, das werd ich wohl selbst hinkriegen. auf eine anzeige habe ich großzügig verzichtet, mein bescheidener kleiner beitrag zur entlastung der berliner polizei.

heute morgen dann frühsport, zweimal mit dem rad zum motorradteiledealer in kreuzberg und wieder zurück. und doch keinen passenden bremshebel gekriegt, sondern nur bestellen können. kommt frühestens dienstag. das ist ärgerlich, denn das wetter ist gut und ein bike ohne bremse praktisch unbenutzbar.

schmerzmittel

höchstens vier am tag, sagt mir die apothekerin vorsorglich. ich weiß nicht warum. wenn vier auf einmal nicht helfen, greife ich ohnehin zu anderen mitteln. zu geballten fäusten und scharfen messern und schießeisen zur not.

oh. ganz viel arbeit heute. und morgen. dabei kaum geschlafen und sowieso keine nerven für nix. keine zeit für mich und das, was da alles so schlummert. (oder aber jetzt?)

tender night

einmal habe ich eine liebeserklärung auf englisch gemacht. das ist lange her, über zwanzig jahre. an der küste war das, auf einer wiese, oben auf den klippen. (nein, nicht die weißen.)  weiter unten war das meer. (naja, der kanal.)

irgendwas mit tender habe ich gesagt.

in englisch ist immer alles so anders, so viel leichter. auf deutsch ist da dieser klumpen in mir, da bin ich selbst nur ein klotz.

können kann ich aber beides nicht so recht. ich bin kein ja und kein nein. ich bin ein schweigen im grunde. und dorthin will ich zurückkehre, irgendwann.

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