das dritte silvester in berlin, diesmal in friedrichshain. dort, in einem der oberen geschosse, an einer großen, breiten kreuzung, läßt sich der straßenkampf ertragen. ein bißchen sogar genießen, wenn ich ehrlich bin. die lichter, das heulen und zischen, dagegen der verhalten wirkende jubel vereinzelter gestalten. mit der kraft der drei wunderkerzen verfluche ich das jahr 2006, im hintergrund turnt die stimme von farrokh bulsara in bemerkenswerte höhen und einer der anderen gäste schubst verschmitzt eine leere bierflasche vom balkongeländer. scherben bringen glück. dumm nur, daß die flasche ganz bleibt. die erste zumindest.
die nacht zieht sich, bis in den morgen. die themen kreisen um entscheidungen, die zu treffen sind, wahrsager und katzenschänder sowie die globale erwärmung. und über sex natürlich. sekt mußte ich keinen trinken, statt dessen habe ich mir einen soliden wodka zum anstoßen erschlichen. insgesamt eine ziemlich gute mischung. schlafen gehe ich bei tageslicht.
die karten heute morgen liegen ausgesprochen gut, um nicht zu sagen hervorragend. 2007 scheint mir gewogen zu sein. mal ganz vorsichtig ausgedrückt.
alle tage
scheiß drauf!
der letzte tag beginnt also mit kopfschmerzen, migräneartig. das ist eine prima idee, finde ich. das paßt wie die faust ins auge. so war mein jahr 2006! hinter dem rechten auge schwelt schon den ganzen tag diese hitze. nicht allzu arg, aber doch ausreichend für eine überdeutlich miese laune. es ist eben, wie es ist. es ist 2006. wie könnte es anders sein?
draußen wird jetzt schon seit stunden geschossen, das ist in berlin ganz besonders scheußlich. aber – scheiß drauf! – dann ist es bald vorbei, dieses scheißjahr! endlich!
weihnachtsmüll
prima weihnachten bis jetzt. der hausmeister motzt, weil ich müll runtertrage. er ist in sorge, eben weil weihnachten ist und da bekanntermaßen massenhaft müll anfällt. ich verstehe das, eben drum bringe ich meinen ja vorsorglich vorher runter. der hausmeister möchte aber, daß ich ihn vorübergehend in meinem keller deponiere. also den müll, nicht den hausmeister. ich bin eher nicht geneigt, diesem ansinnen folge zu leisten. zumal ich meinen keller derzeit kaum betreten kann, weil jemand davor seinen sperrmüll säuberlich aufgeschichtet hat. das melde ich dem hausmeister, der darüber nicht sehr erfreut ist. auch nicht darüber, daß ich anfange, meinen müll in die durchaus noch halbleeren tonnen zu schichten. ordentlich, so wie es der hausmeister verlangt. damit mehr reinpaßt. ich verstehe das, so hat mein opa das auch immer gemacht. er hat sogar die glasflaschen, die man damals noch hemmungslos in dem müll warf, mit dem hammer zerschlagen, damit sie nicht unnötig platz wegnahmen. dabei war seine tonne damals kaum jemals mehr als zu einem drittel gefüllt.
die leute sind ignorant, sagt der hausmeister. es ist ihnen völlig egal.
mülltrennung interessiert den mann wenig, aber die tüten müssen ausgeschüttet werden oder zumindest aufgerissen. sonst reicht der platz nicht. das wollen aber die leute nicht verstehen. ich erkläre ihm dreimal, daß ich das durchaus verstanden habe und auch immer so mache. außerdem lege ich ihm meine müllfrequenz dar. etwa alle zehn tage eine kleine tüte normalen hausmüll, zirka alle zwei wochen verpackungen, alle sechs bis acht wochen papier. mehr ist da nicht. und daß heute weihnachten ist, ja, dafür kann ich doch nichts. von mir kommt auf keinen fall was nach, kein baum und kein papier. nix.
die leute haben zuviel, sagt der hausmeister, während er mit einem spaten in eine der tonnen hackt. immer noch, viel zuviel.
ich wünsche ihm frohe feiertage, obwohl ich nicht sicher bin, ab das angemessen ist. er ist türke, aber man weiß ja nie. bäume und geschenke sind ja vermutlich neutral zu bewerten.
müde krieger
was ich nicht sehen kann und was ich nicht weiß, kann ich nicht bekämpfen, also auch nicht besiegen. wenn ich mich abseits halte, im dunkeln, da, wo kaum noch leben ist, verzichte ich somit auf krieg und sieg in gleichem maße. andererseits sollte man mich auch nicht unterschätzen. wahrnehmung und wissen sind seit jeher die schärfsten klingen der krieger. doch die besten von uns wissen auch ohne zu sehen.


