ich bin eine katastrophale reisende, besonders im vorfeld, wenn es noch nicht ganz losgegangen ist. kurz vor dem abflug, der leerlauf, stundenlang. ich weiß nicht, warum das so ist, bei mir, aber ich hasse es.
einmal unterwegs wird es dann besser, in den allermeisten fällen zumindest. und wenn ich dann da bin sowieso. es gibt also grund zur hoffnung.
früher stand ich in solchen fällen manchmal mit meiner freundin an der haustür und klopfte meine hosen- und sonstigen taschen auf die wichtigsten reiseutensilien ab. money? ticket? sex? ich weiß nicht mehr genau, wofür sex in dem zusammenhang stand. ausweis vielleicht? oder schlüssel?
ich bin dann mal weg, jetzt gleich.
alle tage
gestern die migräneeinheit des monats genommen. keine schlechte wahl, die harmloseste variante für einen wunderschönen sommersonntag. nur ganz leichten druck hinterm ohr und dazu lediglich eine grenzenlose erschöpfung. kaum zu fassen, dieser zustand. keine drei schnellen schritte machen oder auch nur die augen offen halten zu können ohne irgendeinen grund. außerdem die angst, daß es doch noch schlimmer werden könnte, in ein paar stunden oder morgen vielleicht. ist es aber nicht. (bis jetzt.)
vor einer woche saß ich im alten büro in wtal, genaugenommen hinten in der küche. es hat sich wenig geändert, zwei neue studentinnen, eine davon natürlich an meinem platz. in den büros wird nicht mehr geraucht, eben deshalb hockt die letzte mohikanerin mitsamt ihren unterlagen kettenrauchend in der küche. (wie unpassend, wenn mans genau betrachtet.) sonst ist alles beim alten. wenig los an donnerstagen, kurz nach der letzten erscheinung. (ebenfalls ein irgendwie unpassendes wort für die veröffentlichung einer zeitung, ich weiß. wurde von der kettenraucherin geprägt: wir haben da wieder eine erscheinung! ;-)
und ein kleiner junge ist gestorben, vor ca. zwei monaten. der jüngste der büronachkommenschaft, gerade sechs jahre alt. das ist erschreckend, ich weiß, aber man kann es relativieren. wenn man will. er hätte auch am ersten tag sterben können, ich erinnere mich gut. nur mit mühe und wochenlanger intensivstation ging es doch noch weiter. sechs jahre lang also. nicht unbeschadet nach der tortur gleich zu anfang. vermutlich taub und ganz sicher hirngeschädigt, habe ich ihn nie anders als auf den rücken liegend gesehen. meistens schweigend oder schlafend. ein unendlich dünner, kleiner körper, zart und zerbrechlich. mit riesigen augen und wunderbar langen wimpern. voller freude und glück, jedesmal, wenn irgendetwas in sein gesichtsfeld trat. ein licht, eine farbe, ein mensch. zufrieden mit dem zufall, zumindest solange keine körperlichen bedürfnisse oder beschwerden anstanden.
gestorben ist er auf seiner ersten reise. niemals zuvor von den eltern getrennt, nutzt er die letzte nacht, um schlicht zu entschlafen. (eigentlich ja ein blödes wort.) damit es denen, die zurückbleiben nicht zu schwer wird vielleicht. aber das ist meine interpretation, zugegeben. denn die eltern kämpfen jetzt mit der entstandenen leere, der zeit und der energie, die freigesetzt ist. und die so gar nicht genutzt werden kann. auch nicht für den älteren bruder, der, als er kurz darauf seinerseits seine erste klassenreise antreten soll, in panik verfällt, weil er glaubt, daß er dann womöglich auch nicht zurückkommen wird. außerdem wird gerade jetzt, wie bereits lange geplant, endlich das haus behindertengerecht umgebaut.
mitunter paßt einfach nichts mehr im leben, kein gedanke und kein plan. dann ist es einfach so wie es ist. und es ist scheiße.
sobald ich mich hinlege, weinen meine augen. abends, wenn ich schlafen gehe, und am morgen dann gleich wieder, sobald ich aufgewacht bin. tagsüber brennen sie aber nur. ich denke, das ist physiologisch. die neuen linsen vielleicht, soll ja ein anderes material sein.
das andere ich, das normalerweise nur nachts auf mich einschlägt, mich mit knüppeln, äxten und messern malträtiert, kurz vor dem einschlafen, lauert mir neuerdings auch tagsüber auf. an der supermarktkasse steht es dicht hinter mir, schweigend und drohend. ebenso am bankautomaten, auf dem weg zur post, in der u-bahn. auf der autobahn, eben, hat es sogar die bohrmaschine rechts von irgendeinem brustwirbel angesetzt und anschließend rote dynamitstäbe in mir versenkt. wie im comic.
das sind ja ganz neue geschichten. untauglich erzählt zu werden. leider.
gestern gelernt, daß wohl alle dasselbe wollen im leben. lieben eben. und daß da jemand ist, der auch die narben sieht. sich vielleicht sogar traut, sie zu berühren.
danach durch die wiener straße nach hause gefahren, über die brücke. oder eine andere, was solls. darüber hinweg auf jeden fall. tot sein ist lustig.
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gestern: die maschine anstandslos beTÜVt, zwei weitere jahre mit dem fetten blauen elefanten, nicht übel. hupe geht auch wieder. dann zwei maschinen wäsche gewaschen, die dunkle davon mit einem vergessenen stück papier in irgendeiner hosentasche. also anschließend die fetzen einzeln runterfieseln. und den müll runtertragen, die zeitung lesen, eine einzelne rechnung fertigmachen. die pc-maschine schnurrt, durchwühlt die luft, den ganzen tag. schnell noch einen artikel schreiben, ich bin auch eine maschine. telefonanrufe ins nichts, die zeit ist ein leerer akku. ich weiß nicht, was ich will. nein, ich weiß es. aber ich will nicht.