am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

täglich

den tag nicht verloren geben, nur weil nichts passiert ist. der tag ist noch nicht vorbei. was wiederum nicht heißt, dass unbedingt noch etwas passieren muss. damit ich den tag nicht verloren geben muss. ein tag ist ein tag. manche tage sind eine rose, sie beißen und stechen mit ihrem glanz. andere sind wie jauche, in der man ertrinkt. heute ist nichts, das ist ein erfolg.

ich lese, ich glotze vor mich hin. ich dusche, dann versuche ich mich in der welt da draußen. das bleibt seltsam, selbst das einkaufen. immer noch gilt es, die regeln zu finden, sie zu verstehen, sich einzufinden. also mich, mehr noch als früher. schon da war das ja nicht meine leichteste übung. ich denke nicht, dass ich in dieser woche hier groß ausgehen werde. aber das muss ja auch nicht. passieren. überhaupt gar nichts muss passieren, mir ist nichts versprochen.

so ist das. die schmerzen im rechten fuß, die mich gestern haben humpeln lassen, sind heute wie erwartet im laufe des tages verschwunden. rheuma eben. dafür tut der nacken weh, wie so oft, wenn ich mich zu wenig bewege. dann trage ich schwer am eigenen kopf. lesen, schreiben, glotzen, wieder lesen. ich weiß auch nicht, früher war lesen schmerzfrei.

morgen ist ein anderer tag, da will ich raus. schauen nur, eine kamera mitnehmen und das rad. so hab ich mir das gedacht, aber das war vor tagen. mal sehen, was sich am morgigen ergibt. dafür bin ich hier. vielleicht ist das eigentliche leben ja auch der schlaf.

reisen und finden

gestern nachmittag durch wind und regen, tatsächlich gab es sogar satte zehn minuten hagelgewitter, irgendwo in teltow, mit dem motorrad in die kleine stadt gereist. meine kleine schreibstadt. sehr verunsichert, weil die letzten monate einer quasi ausschließlichen heimexistenz mich von der schlechten reisenden, die ich immer schon war, offensichtlich zu einer vielleichtliebernichtreisenden gemacht hat. unsicher auch, weil ich nicht in meiner hier bereits gewohnten umgebung sein kann, die ist anderweitig vergeben. die zweitwahl, nur wenig entfernt, ist weniger geeignet für das stundenlange arbeiten am rechner, dafür wohnlicher, mit vielen hochinteressanten büchern ausgestattet, kunst und design, keine belletristik. das ist gemein, weil völlig richtig für mich. die schreibzeit ist eine denkzeit, diesmal, ein suchen und finden. das passiert nicht am rechner.

so ist das heute, hier. ich bin sehr zufrieden mit der kleinen reise, die ja gerade erst begonnen hat. noch zufriedener mit der unterkunft, die sich exakt in meine bedürfnisse einschmiegt.

so recht weiß ich nicht, was ich tun soll. immer muss ich etwas tun. ich versuche ich mit ausschlafen, was erstmal gar nicht so einfach war, mittlerweile aber erfolgreich. immer noch ungeduscht und in der schlafhose, habe ich gerade erst den ersten kaffee auf. jetzt denke ich über frühstück nach und einen zweiten kaffee vielleicht, dabei habe ich nebenbei hier und ein bisschen was repariert. weil ich auf der suche nach müllbeuteln zur mülltrennung den werkzeugschrank gefunden habe. so muss das, finde ich. die schönen dinge, die sich unterwegs zur verfügung stellen, sollte man noch schöner verlassen. man sollte sie anreichern mit dem, was man selbst tun kann, dem eigenen talent.

diese art der bereicherung ist die einzige mögliche, weil nur so das eigene talent niemals verfliegt. so wird daraus ein ewiges win-win-win-win-win-usw.

freundlich sein

tage, an denen sich die welt unter mir dreht, als wollte sie sich wegbewegen. einfach abdrehen, ganz anderswo hin. das will ich auch. aber wo?

so vieles ändert sich derzeit, wie von selbst, oder es bietet sich an, das ändern. und das ist noch das wenigste. ich greife danach, nach dem wenigen, noch ohne zu wissen, was es ist, was es wird, was es sein könnte. irgendwann dann, später. oder auch nicht, wer weiß das schon.

ich versuche es trotzdem zu fassen, jetzt aber schnell, gerade noch rechtzeitig. den moment zurechtrücken, bevor es zu spät ist. jetzt ist die zeit, es ist eine freundliche zeit. und so grausam dabei.

ich weiß das.

urlaub

und ich arbeite, tag für tag, stunde um stunde. so wie immer. dabei geht es nicht nur um den übersetzungsmarathon, nebenbei erledige ich viel, was auf der liste steht. auch da hat sich einiges angehäuft. im grunde ist das gut, weil es bedeutet, dass ich wieder funktioniere. die erschöpfung hat sich verkrochen, vielleicht weil ich mich nicht mehr darum kümmere. so viel kraft ist zurückgekehrt. es ist aber auch irre, irgendwie, ich traue dem ganzen nicht. noch nicht. ich denke, da wartet arbeit. achtsamkeit oder so, ich bleibe mir trügerisch.

für morgen habe ich mir mehr leere vorgenommen. es soll der schönste tag der woche werden, sonne und licht. kein regen. da ruft das motorrad, nach wartung vor allem. luft und sprit tanken, bevor ich die stadt verlasse. gegen ende der woche, was nicht so ein schöner tag sein wird. so steht es bislang geschrieben. und vielleicht auch eine kleine runde fahren. nicht viel, nur zur gewöhnung.

dagegen spricht ein ziemlich genervter rechter arm. der, mit dem ich den computer bediene. selbst meine oberergonomische mausform fängt in letzter zeit an, mich zu quälen. das ist, wie es ist, das ist blöd. und heute ganz besonders. nun ja, das wird sich zeigen. was auch sonst, gleich morgen vermutlich.

ansonsten: lesen! das hat doch schon damals geholfen, schon immer. das weiß ich doch, darauf baut ja alles auf.

#insight neukölln

alles still auf der wesermeile, gestern wie heute. keine partys wie in mitte oder am alex, aber davon habe ich ja auch nur gelesen. doch hier ist es wirklich so. lediglich die kneipe bei mir auf der ecke, die hat auf einmal wieder auf. ein seltsamer anblick nach über sechs monaten. und dann saßen da menschen, draußen, so bis gegen elf. das ist die zeit, so ungefähr, da macht diese kneipe sowieso meistens schon wieder zu. es handelt sich um so eine wohnzimmerbierstammtischkaschemme, die ihr angebot zweckmäßig auch am sonntag vormittag anbietet, wie überhaupt, immer auch tagsüber, am nachmittag zumeist.

ich schrieb es neulich schon, die stimmung wird eindeutig leichter. ich weiß nicht, wie und warum. heute war ich dennoch den ganzen tag zu hause, wie immer nur am schreibtisch, übersetzungskram wegarbeiten. morgen wird es nicht viel anders sein. das war höchste zeit, wieder mal habe ich ziemlich rumgebummelt. und urlaub gilt erst, wenn das fertig ist.

eben habe ich die miete überwiesen für ein bett in der kleinen stadt. leider nicht meine stammunterkunft, dazu war ich zu spät. aber immerhin nicht weit, also eigentlich befindet das diesmalige bett genau eine etage darüber. bislang kann ich mir das allerdings immer noch kaum vorstellen: wegfahren, raus aus berlin, und wegbleiben. dürfen. anderwo sein, über nacht. nicht mehr insight, die ganze zeit. im eigenen saft.

ich werde platzen vor freude, vielleicht. ich weiß auch nicht.

jetzt habe ich urlaub, tatsächlich, über pfingsten hinaus, über meinen geburtstag, bis in den juni. den ersten urlaub seit letzten august, so kommt es mir vor. das stimmt natürlich nicht, auch über weihnachten hatte ich frei. aber das war nicht schön, da war nichts frei. erstens habe ich gearbeitet, wie ich immer arbeite. das ist nicht besonderes. aber zweitens gab es draußen wenig licht, wie das so ist im winter. wenig licht und immer weniger welt in diesem fall. von da an immer zu hause, tage- und wochenlang, bis vor kurzem. so ist nichts frei.

dieser tage spüre ich zum ersten mal wieder ein bisschen welt da draußen, es kommt bewegung auf. das ist so schön, zu schön vielleicht. zu viel, wer weiß das schon. (dass zahlen sich ncht vergleichen lassen.) beim friseur aber kam auch ich mir nicht mehr wie ein alien vor. stattdessen beim warten ein bisschen mit der musik wippen, dabei auch in den spiegel schauen, schwarze brille, schwarze maske, und entscheiden, die matte radikal kürzen zu lassen. sommerfriese, aufbruchstimmung, wuscheltaugliches haupthaar. ich bin so viel jünger als ich alt bin.

womit ich nicht gerechnet hätte: es sieht ganz so aus, als käme ich sogar ein bisschen raus aus der stadt. nicht weit, nur hinaus in die kleine stadt, wo ich nicht viel arbeiten werde, diesmal, nicht schreiben. nur lesen und rumlaufen vielleicht, fotos machen. wird ja auch dort nicht viel offen sein, und wenn, komm ich ja ohne test nicht rein. es klingt ja alles nur so lustig und frei mit den tests, ich kann mir das nicht leisten. einmal die woche ist es umsonst, aber die anderen tage? um einen kaffee zu trinken, ein eis zu essen, ein frühstück. dasitzen und lesen, in einem café, das wäre so schön. doch das ist teuer, es bleibt also erstmal eine schöne illusion. wie auch immer, vorsichtshalber hab ich heute die reklamierte sitzbank fürs motorrad abgeholt. damit wenigstens der arsch trocken bleibt. ist schön geworden, das ding.

ach, ich freu mich drauf. ohne genau zu wissen, worauf. ein paar tage, träumen und denken, den neuen text (er)finden. so denke ich mir das.

ahnung

es wird menschen geben, die diese pandemie wie eine misslungene episode, einen bösen traum vielleicht abschütteln werden. bald schon, womöglich. es werden die sein, die vorher schon leben konnten, als stünde dieses leben nicht ohnehin immerzu auf der kippe. die ahnungslosen, die von verletzlichkeit nichts verstehen und von verderben. das ist ein geschenk und eine schande. es ist eine bürde.

es wird menschen geben, die diese pandemie wie ein persönliches menetekel vor sich hertragen werden, die die toten zählen und das elend, wie trophäen ihrer festen überzeugung. jetzt schon und für lange zeit vermutlich. weil das sterben im leben nicht enden kann, ohne jemals irgendeine bedeutung. das bleibt. das sind die guten menschen, die mitfühligen besserwisser, voller verachtung und stolz. die, die von sich selbst nichts ahnen. das ist eine qual, kein glück. das tut mir leid.

auch mich wird es geben, denke ich. ich weiß nicht, noch nicht, was diese pandemie mir bedeuten wird. demnächst dann, irgendwann. welchen tiefen sinn, und wie ich weiter leben soll. keine ahnung. das liegt nicht an mir, denke ich. es wird nach mir greifen, das leben, und ich bin bereit. ich bin gespannt sogar, wie es wird. wenn ich mich wieder auswildere in die welt, zu den menschen. irgendwann.

aber sicher ist nichts, das war es noch nie. das ist der unterschied.

#insight

einerseits ist da die erleichterung, die womöglich gerade viele menschen erfasst. verbunden mit einer art hoffnung, dass das alles nun anfängt aufzuhören. wo auch immer das hinführen wird, das aufhören, was also damit anfangen könnte. wie es dann aussieht, das leben, meines und das der anderen. wie es sich verändert hat.

erleichterung auch, weil das impfthema für mich einigermaßen überraschend so gut wie durch ist. vor zwei wochen schon war der erste termin, der zweite, einstweilen abschließende steht auch schon. auch im zusammenhang mit der derzeitigen missplanung ist das durchaus erleichternd, denn ich mag mir gar nicht vorstellen, ich wäre jetzt noch auf der suche nach einer impfmöglichkeit. erfolg scheint diesbezüglich kaum möglich, derzeit, und ich müsste der tatsache ins auge sehen, in ein paar wochen womöglich mit meinem dauerhaft minimierten immunsystem in einer immer gedankenloseren welt herumzulaufen. im bevölkerungverdichtetem neukölln noch dazu, mit all den völlig zu recht freidrehenden energien, gefälschten impfbescheinigungen auch und anderen lügen. oder eben nicht herumzulaufen, obenauf, auf die vierzehn, fünfzehn, monate, die es dann sein werden, immer noch und noch länger allein zu hause zu sein. zu müssen am ende, mehr noch als je zuvor.

von urlaub rede ich an dieser stelle übrigens nicht, von reisen und fluchten in weite welten. das liegt mir fern. ich rede ausschließlich davon, diese wahrlich nicht selbst gewählte menschenleere wieder aufgegeben zu dürfen. zu müssen, dringend. ich werde das tun, egal wie die regeln lauten. vier wochen noch, die zeit und die zahlen. wie es aussieht wird dann alles so sein, dass es mir passt.

anderswo ist krieg, das will ich nicht vergessen. jetzt, in diesem moment. mit der erleichterung können die dinge sich auch ganz anders entwickeln, als die hoffnung es vorzugaukeln vermag.

bittersweet

alles drin mitten in diesem tag: sonne, schneeregen und hagelschauer im gewitter. donner und blitzen, bitter and sweet. der geschmack des lebens. es ist mai, mein mai. es ist gut.

wenn eine sorge entfällt, aus dem leben, aus dem sinn, dann rückt unmittelbar etwas nach. als wäre es ein physikalisches gesetz, das ist mal sicher. eine fragestellung, ein plan, ein problem. manchmal auch eine erfahrung, eine überraschung, ein seltenes erleben. etwas, das nicht die welt aus den angel hebt, auf den ersten blick. auf den zweiten aber lösen sich steine, alte brocken eines falschen selbstverständnisses. mit ein paar worten nur. keine ahnung, ob das jetzt richtig ist. und wohin mich das trägt.

aber sonntag soll sommer. auch das ist gut.

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