am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

#insight

nach und nach wird das leben wieder physisch. wie könnte es auch nicht? diese welt ist eine physische, diese kleine kugel im universum. sie ist aus erde gemacht.

gestern tango, zum ersten mal seit monaten. küchentango* in ganz kleiner runde. zu dritt nur, bei mir im wohnbüro, wie immer kurzfristig ausgeräumten. wir können es noch. wir wollen es auch, wir müssen.

heute dann den ersten physiotermin, auch seit monaten. da war ich skeptisch, weil an hinter der glastür ein martialisch formulierter zettel mit groben hinweisen an das klientel geklebt ist. wir seien alle risikogruppe und sollten uns überlegen, ob eine behandlung aktuell wirklich lebensnotwendig sei. es würde auch nur körperübugen vermittelt, keine handgreiflichen behandlungen. (handgreiflich stand da natürlich nicht, nein.) außerdem musste ich mich auf eine andere therapeutin einlassen, weil meine bisherige dort nicht mehr arbeitet. sowas ist mir immer scheiße, und es ist ja auch vor zirka eineinhalb jahren schwer daneben gegangen.

dann war aber alles super und ganz anders. die neue sehr freundlich und kompetent, ausgesprochen zupackend auch. nix mit nicht handgreiflich und so. für einegute stunde war ich völlig leicht und frei, jetzt habe ich schwer muskelkater. und morgen sicher noch mehr. eine supereinfache aber richtig gute übung zur brustkorbdehnung hatte sie auch parat. ich bin satt begeistert.

gleich danach noch ein treffen mit einer lange nicht gesehenen freundin, auch wenn sie gleich nebenan wohnt. so ist das mitunter. nur drei straßen weiter wohnt sie, unmittelbat neben der physiopraxis. ein öffentliches treffen war das, im öffentlichen raum. in einem café, innen, weil draußen alles belegt war. der innenraum war spärlich besetzt und ständig ging ein durchzugwind, das war ein bisschen unangenehmn. aber wohl angebracht.

begrüßt haben wir uns übrigens auch physisch, nach kurzem einvernehmen selbstverständlich. so war das heute. morgen sitze ich wieder den ganzen tag am schreibtisch. alleine.

* nicht fragen, das heißt so. immer mittwochs.

jetzt wäre ich gern am meer. gleich sofort, wenn es ginge, mitten in der nacht. egal. im dunkeln am strand, im wind und frieren vermutlich. das wäre durchaus okay. irgendwo an der ostsee, weiter muss es ja nicht sein.

ich will es nur hören und riechen, das wasser, sein mächiges rauschen und das salz in der luft. (gibt es das wirklich?)

ja doch, ich weiß. nicht in diesem jahr.

keine frage

im grunde wollte ich mal gar nicht so viel tun, aber natürlich war das eine illusion. ich wollte etwas lesen, wenigstens ein bisschen. und vielleicht endlich in die neue staffel babylon berlin schauen, eine, zwei oder drei folgen. wie gewagt.

stattdessen nur arbeit und ärger. und an die babylon-filme wage ich mich ohnehin nicht, so lange schon. wegen der erinnerung. an den kleinen mac, auf dem ich die ersten folgen gesehen habe, alle. auch wo ich sie gesehen habe, weiß ich noch genau. bei ihr oder bei mir oder anderswo, in dresden zum beispiel. ich erinnere das. alles. ich will das nicht.

also arbeite ich, richte alles darauf aus. jetzt dieses durcheinander, und irgendwann dann das schreiben. nur noch das. und was damit zusammenhängt, das übersetzen natürlich.

mehr ist nicht mehr, und so soll das wohl.

arbeit

und dann reißt oder zerrt etwas im rücken, kurz vorm zu bett gehen. eigentlich beim zu bett gehen, fast schon im bett. es ist kein nerv, dazu ist der schmerz zu oberflächig und taucht auch nur bei bestimmten bewegungen auf. beim aufrichten zum beispiel, oder beim drehen, wenn ich nach dem lichtschalter greifen will. und ich komme dagegen an, schrecke nicht vor ihm zurück. auch kein rheuma also.

das war gestern. den schlaf hat es mir nur wenig gestört, immerhin. so gut wie gar nicht im grunde. verschwunden ist es aber auch nicht über nacht, was immer es ist. ein dumpfer druck, mittig, etwas nach rechts geschoben und dort verkrochen, dass ich ihn den ganzen tag kaum bemerkt habe. oder nicht wahrhaben wollte, weil ja alles ging, gehen und drehen, sogar motorradfahren. kaum ein problem. nur die müdigkeit nach und nach, die sich viel zu früh über die arbeitszeit gelegt hat. die anstrengung beim sitzen im büro, wo mir der bürostuhl seit jeher nicht so recht passen will. die unkonzentriertheit, bis in die augen, die kleine schrift auf den bildschirmen. wobei das wiederum auch an der brille liegen könnte, die mir nicht mehr taugt. was weiß ich.

die stelle ist nicht neu, übrigens. da beißt es mich immer, wenn es mich beißt. von hinten durch die brust, wo es dann bleibt für eine weile. es könnte schlimmer sein, ein hexenschuss oder so. ist es nicht. nur ein muskel vielleicht, eine andere art von verspannung, die mir die luft nimmt. während ich doch nur versuche, meinen kopf zu tragen. dieses leben zu leben.

ich verstehe nicht viel, dieser tage, jetzt. ich verstehe die welt nicht mehr. vieles ist so arg und so scchwer und viel schlimmer noch. so schlimm müsste es gar nicht sein. nichts. ich sehe das, doch das ist nur schwer zu erklären. vielleicht es eine lüge, ein missverständnis. etwas, das ich nicht verstehe. und deshalb nicht erklären kann.

es ist eine andere realität. ich lebe ein leben ohne kampf, bis zum schluss. so dachte ich mir das.

no man magic

dieser mensch, der präsident zu sein glaubt, ausgestattet mit macht. macht sein land zeitgleich zum schlachthof und schlachtfeld. und klingt dabei wie ein pfaffe, ein zauberer, ein schmock.

doch da ist niemand, kein mensch und kein zauber. da ist nichts, nicht einmal schlechte kunst oder heller wahn.

nur illusion.

da ist ein armer mensch, ein mann mit macht, der wirft dreck in die luft. das ändert nichts, das hat es noch nie. das macht es nur schlimmer. alles.

da ist keine magie.

cool

draußen pfeifen die krähen den regen an. es ist ein wirklich schöner sommer, dieser coronasommer, schweißtreibend mit wind und regen. die autoreifen werden laut, wenn wasser in den straßen steht. lauter als die motoren, das heulen und kreischen der kavalierstarts, die die hiesige jugend gerne zum besten gibt. das ist es, was sonst meine ecke hier beherrscht.

in diesem sommer ist es cool, und ich bin froh darüber. die hitze der letzten jahre wäre mir nichts, nicht jetzt. eigentlich nie, ich mag die kälte. obwohl ich auch nicht gern friere. doch es gibt kälte, die mich nicht frieren lässt. die einfach nur klarheit herstellt, mehr nicht. diese kälte meine ich.

die schwüle dagegen, die letzten beiden klebrigen sommer. die haben mich erschöpft, vor allem anderen. jetzt dagegen ist es gut.

ich weiß auch nicht. warum?

#insight

zurückgeworfen auf mich, ein selbst. das ist alles. ich sage nicht, dass es leicht ist. so klein zu sein, ein kern, ein korn. bereit zu wachsen. bereit auch zu warten, was mir allerdings nicht so behagt. nicht mehr, nicht noch mehr. davon hatte ich schon mehr als genug.

draußen geht alles mehr oder weniger wieder los. es sieht auch immer mehr danach aus, auch wenn ich mich an den berliner top-adressen nicht sinnlos herumtreiben mag. ich fahre nicht u-bahn oder bus und ich gehe nicht in kneipen oder bars. ich gehe auf den balkon. von da aus klingen die nächte immer noch anders als zuvor, leichter und leiser sind sie. mir gefällt das.

doch auch ich bin wieder häufiger unterwegs. da sind wieder menschen in keinem leben, echte menschen. nicht nur ihre gesichter auf dem bildschirm und ihre stimmen in meinem headset. das ist gut. und doch ist es auch seltsam. mehr als zuvor spüre ich, wie anstrengend mir menschen sind. immer noch, ganz egal, wie lieb sie mir sind oder wie sehr ich sie vermisse. anschließend kämpfe ich, immer, um mich. ich suche nach dem selbst, das ich bin. der kern, das korn. das gilt es zu schützen, dass es wachsen kann, irgendwann.

ich weiß nicht, ob das klug ist oder auch nur sinnvoll. denn im grunde hat sich noch nie jemand auch nur dafür interessiert. selbst die, die es fressen wollten, sch davon nähren, weil sie es besser nicht wusste. auch die hatten keine ahnung, was es ist. nur seine kraft, die kannten sie wohl, die fähigkeit zu wachsen. sonst hätten sie mich nicht brauchen können.

jetzt geht die zeit des rückzugs also vorbei, einstweilen zumindest. und ich will lieber bleiben, bei mir. ich will warten und wachsen, obwohl es kaum noch auszuhalten ist. nicht das mit dem virus, das ist wie es ist.

doch das selbst, das ich bin. die frage nach dem werden und wachsen. dabei möchte ich bleiben.

gar nicht schlimm

vierundzwanzig stunden, mehr als das, also zwei fast völlig verlorene tage. seit sich gestern, gegen mittag etwa, mein rechner verabschiedet hat. mein hauptrechner, der neueste und teuerste, den ich je besessen habe. auf den ich mich fest verlassen zu dürfen dachte, ohne jeden zweifel. für die nächsten jahre, wenigstens. ausgerechnet der schaltet sich aus, mitten bei der arbeit. der arbeit im büro auch noch. aus und nichts mehr, nicht das kleinste bisschen restleben. nur noch sinnfreie todeszeichen, nicht einmal das bios-gemorse. nur ein beständiges blinken der tastatur samt der leuchtdioden. sonst nicht.

da hat sich eindeutig hardware verabschiedet, vermutlich gleich das mainboard. aber alles nicht so schlimm, könnte man meinen. ich besitze einen ersatzrechner, genau für diesen fall. der alte ist noch ziemlich fit, ich halte ihn sogar regelmäßig auf dem neuesten stand. so bin ich. nur ein bisschen lahm ist er halt. vor allem aber: der zusammenbruch des schicken, neuen teils dürfte ein garantiefall sein, da bin ich ziemlich sicher. also alles halb so wild. wirklich.

nur dass dann genau in dem moment das gerödel losgeht, im hirn und im handeln, und nicht mehr so schnell aufhört. erst das kranke teil prüfen lassen, nach der diagnose die möglichkeiten analysieren, daraufhin die rechnung suchen, die zum glück doch nicht tief vergraben in dem toten gerät schlummert, sondern auf der externen festplatte. himmel. dann mit der arbeit die einrichtung einer neuen remote-verbindung zusammenbastelt, was nicht sogleich gelingt. zwschendurch mit dem service des laptotp-verkäufers telefonieren, um den ablauf zu besprechen. auch, dass ich die ssd ziehen und behalten will, vorsichtshalber. was mir allein dann aber nicht gelingt, also nochmal zum fachmann damit. wo ich immerhin die schrauben selber lösen kann. gefunden hätte ich das element aber nicht. nebenbei den ersatzrechner anpassen, der ja eben doch nicbt so ganz richtig eingerichtet ist. den toten rechner einpacken, den paketdienst. halt, noch den drucker einrichten. warum geht der drucker eigentlich nicht mehr. wo ist die verdammt einrichtungs-dvd? und warum benutze ich eigentlich nicht die neue universal-dockingstation für den alten rechner, statt der alten, wo ich alles umstöpslen.

himmel! so war das seit gestern mittag. und als dann alles soweit so ziemlich wieder benutzbar und erledigt. dann kam der nerv, weil ich nichts, aber auch wirklich gar nichts von meiner arbeit geschafft habe. am meisten wohl noch im brotberuf, aber doch kaum etwas. schlechtes gewissen deswegen. aber noch weniger der anstehenden seriellen übersetzungsarbeit, auch deshalb ein schlechtes gewissen. und rein gar nicht für das manuskript. nada!

das macht dann nicht nur das gewissen schlecht, sondern vor allem das gemüt. und ans bauen habe ich nicht einmal gedacht, obwohl der baumarktbesuch dringend auf der liste steht.

das ist doch völlig verloren. alles

#insight

morgen wieder ins büro, das erste mal seit über drei monaten. ich freue mich sogar, auf die fahrt, auf die menschen, auf all das andere. das, was nicht zu hause ist. ich musste allerdings alles selbst organisieren und damit eben auch selbst verantworten. maske mitnehmen, desinfektionsmittel und ein handtuch, nur für mich. dann mit dem direkten büroraumkollgen besprechen, dass wir uns besser absprechen und nur abwechselnd persönlich erscheinen. niemand zwingt uns, niemand fragt nach, keiner gibt wenigstens ein paar grobe regelungen vor. das ist ein bisschen gemein, aber was soll ich machen. es muss halt irgendwie gelingen.

ich tue, was ich kann. wer weiß schon irgendetwas.

vielleicht gibt es auch bald wieder tango, unterricht in ganz kleiner runde. vielleicht. ich weiß noch nicht so recht.

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