6.
Schlaf ist ein Problem. Nächte sind für vieles gut, für intensives Arbeiten, für und Konzentration auf das Wesentliche einerseits. Für Schweigen und Stille und Glück. Ebenso jedoch für Angstfülle, Menschenleere, Einsamkeit. Für dDie Qual der endlosenr Wiederholung Interpretationsschleifen. Alles ist möglich. Für, Erleuchtung und Verzweiflung gleichermaßen.
Es hilft nichts, alles wird stärker und klarer, auch ohne Schlaf. Der Schmerz ist es nicht. Schmerz ist vorhanden, zwangsläufig. Daran läßt sich nichts ändern. Und Karla ist einverstanden, mehr und mehr. Schmerz ist real. Er ist ein guter Teil auf dem Weg. Denn Schmerz ist gnädig, deutlich. Besser und leichter zu ertragen, als man meinen möchte. Im ersten Moment.
unter tage
wienrecherche (4)

jahrelang danebengelegen und ein foto, das – wie ich inzwischen vermute – meine großmutter väterlicherseits zeigt, für ein bild jener wiener urgroßmutter gehalten, die nunmehr definitiv oben zu sehen ist. die also, um die es ab sofort gehen soll. seltsam, denn es hat nur einen einzigen blick auf die rückseite des falsch eingeschätzten originalbildes gebraucht, um als herstellungsort einen stadtteil von essen auszumachen. das aber ist zeitlich unmöglich, denn in essen war das wiener fräulein keinesfalls mehr so jung, sondern bereits mutter von drei söhnen.
darüber hinaus muß ich vor jahren genau gewußt haben, welches das richtige bild ist, denn ich habe von beiden – der urgroßmutter und dem dazugehörigen urgroßvater – extra die originalfotos abfotografieren lassen, um sie meinem vater wiedergeben zu können. eine aktion, die – nebenbei bemerkt – seinerzeit gar nicht so billig war, jetzt aber am relativ neuen, weichen photopapier leicht zu erkennen ist. [tja, vorscannerzeiten.]
ich bin recht froh, daß das obenstehende das richtige ist. das, wovon auszugehen sein wird. es gibt einfach mehr her.
totes land (allgemein)
zeitgemäßer zynismus und schräg dagegen an möglicherweise ebenso zeitgemäße romantik oder sogar pathos. das ist das dilemma, denke ich. darüber hinaus weiß ich nicht viel und lasse es der einfachheit halber einfach werden, wie es ist. vielleicht. denke ich. könnte natürlich sein, daß die sache damit gestorben ist.
wienrecherche (3)
„Das Wien, an das man denkt, wenn man „Wien“ sagt, … dieses Wien existiert nicht mehr.“
conclusio des eröffnungsessays von Friedrich Torberg im merianheft wien, juli 1968, unter dem titel Wie weit reicht Wien. man bedenke dabei dieses, nur zwölf jahre zuvor.
das ging aber schnell, muß ich sagen. oder ist es die zeit, die nummer, die 68, auch in wien?
wienrecherche (1)
das merianheft wien, mai 1956, ist heute angekommen. Herbert Eisenreich schreibt darin zu abschluß seiner „Meditation über Wien“ mit dem titel „Talent zum Glück“:
„Nicht als Stadt, so schön sie auch ist, sondern als Idee ist Wien wichtig für die Welt, sofern diese noch einmal einen geistigen Ort braucht, an dem sie zur Besinnung kommen kann.“
so sitze ich da, mit dem frühstückskaffee auf dem balkon, die sonne im gesicht, wie gestern vorsorglich vorbereitet, und meditiere über die heimat des pathos.
totes land (28)
zum schreiben gehört zwingend auch der zwang. (in einem früheren stadium disziplin genannt.) es hilft nichts, die dinge bis zur unerträglichkeit schleifen zu lassen. im gegenteil, es scheint nur immer schwerer und schwerer zu werden. obwohl es letztendlich nicht so ist, zumindest nicht bei mir.
seit der letzten migräne kämpfe ich um den schlaf. nicht um träume oder andere esoterisch schöne dinge. nein, schlicht und einfach um schlaf, der länger als drei stunden andauert und nicht stunden auf sich warten läßt. müdigkeit bis hin zur erschöpfung prägt die tage, und das liegt nicht am frühling. ausnahmsweise.
es liegt an einem satz. der satz, den ich seit wochen habe liegen lassen, mitten im laufenden text. die stelle, an der die arbeit weitergehen muß. wenn ich mich denn aufraffen würde, endlich. mich zwingen. der satz lautet: Schlaf ist ein Problem. und er gehört meiner hauptfigur, nicht mir. (aber wer weiß das schon so genau, in dieser phase der arbeit, in der alles, das steht, vielleicht doch wieder fällt.)
angefangen mit diesem satz haben sich zäh ein paar weitere gefunden. quälend, wenn drei sätze dreißig minuten brauchen. es ist der zwang, der weiterhilft. (oder doch die disziplin?) jetzt sind fließend zwei weitere seiten grob skizziert. geht doch. vor allem geht es weiter, nach so einer zwangsmaßnahme.
[mal sehen, wie das mit dem schlaf heute sein wird.]
über fiktion
um das einmal festzuhalten: ob im blog oder woanders, jedes stück noch so banaler text ist im grunde als fiktion zu betrachten. mehr oder weniger zumindest. wahrheit und wahrhaftigkeit sind etwas grundsätzlich verschiedenes. ich spiele nicht inquisition, weder hier noch sonstwo. zum beispiel esse ich kartoffeln am liebsten mit schale, trotz der pellkartoffeln.