am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

besser

bei ihnen ist alles anders, sagt die physiotherapeutin mir heute, als sie gerade an meinem kopf zieht. oder sie zieht an meinem nacken und hält dabei meinem kopf in den händen. was weiß denn ich? jedenfalls soll es entlastend sein. das sagt sie auch noch.

ich dagegen teile ihr mit, dass mir grade die gesamte anspannungsenergie in den kopf schießt. so fühlt es sich zumindest an, und das ist sehr, sehr unangenehm.

die frau versucht es dennoch noch dreimal, jedesmal ein wenig anders. aber es hilft nicht, es ist schrecklich.

es ist eher schlimmer geworden, sagt die physiotherapeutin zum abschied. das ist auch sehr, sehr unangenehm. aber ich weiß ja, dass es erst seit gestern wieder so ist. das war ein langer tag am schreibtisch, und irgendetwa ist da falsch gelaufen.

ich sollte besser aufpassen.

oder einfach alles lassen, sein lassen. wie es eben sein soll. nicht immer alles besser wissen.

alltägliches

viel zu tun im büro derzeit. viel zu tun auch hier, nach dem 8-stunden-tag außerhalb. wieder zu hause. jetzt ist schluss, ohne roman heute. kein stoff mehr, keine qual. stattdessen geld, muss ja auch sein.

alles andere.
was ist das?

nichts, was hier thema sein könnte. das dann doch nicht.

alles fiktion.

bonding (55)


die vierzehn stunden arbeit gestern waren schon ein wenig viel, ich spüre es deutlich. trotzdem geht es natürlich weiter, there is no other way. die arbeit entlang der solide ausformulierten kapitelstruktur macht sich hervorragend. ich kann mich nicht erinnern, das jemals vorher so gemacht zu haben. aber es funktioniert. und darauf kommt es an.

sechs grob heruntergeschriebene seiten seit gestern nacht, einfach so. da passt vieles noch nicht, da fehlt auch noch einiges. aber es ist das so wichtige gerüst, in dem ich im anschluss weiterspinnen kann. das wird gut, aber daran zweifle ich nie. nur das gerüst macht mir sorge, jedesmal. so leicht wie heute kommt es doch eher selten daher.

und siehe, ich bin zufrieden.

die lage, ungeklärt

eine jahreszwischenbilanz 2019 fällt derzeit mäßig aus. ich könnte es natürlich lassen. ich könnte abwarten, schließlich weiß niemand, wohin sich dieses jahr noch entwickeln mag. am ende sieht am ende alles anders aus. wer weiß? aber ich kann es auch aussprechen, weil es eben so ist, wie es ist.

dieses jahr hat mich in vier monaten erst durchgeschüttelt, dann von oben bis unten aufgerissen. es hält mich nachhaltig gefangen in krankheit und schmerz. es verstört mich mit radikaler veränderung, gepaart mit grundsolider schreibarbeit in aller gebotenen geduld. dazu die verlassenheit, nicht nur die aktuelle. die angst, die leere, die wut. alles das.

dazwischen mein herz, schlag auf schlag. ein einsamer reiter, auf ewig unterwegs.

heute lebe ich mit dem ständigen impuls, mich mit dem inneren desaster an die seit jahren vertraute person zu wenden. zu klärung der lage, zu erleichterung auch. bis mir einfällt, dass diese person nicht mehr vertraut ist, und überhaupt in das desaster tief verstrickt. das dann wiederholungsschleife, heute muss ich damit leben.

und morgen vielleicht, und so weiter.

das jahr ist noch lang. dem bin ich möglicherweise nicht gewachsen. denke ich.

alles ist arbeit

fremde rhythmen bilden sich heraus. nach vier, höchstens fünf stunden schlaf mit einigermaßen erträglichen schmerzen, vermutlich aufgrund der kurzen liegezeit, gegen sieben aufgestanden. sofort ohne schmerzen, nur ein wenig steif vielleicht. also gar nicht mal so schlecht, mit freiem kopf fürs erste, und auch sonst weitaus stabiler als in den letzten tagen. dann erstmal ins wasser, ganz neue sitten hier: baden am morgen, mit milchkaffee am wannenrand.

anschließend gleich an die arbeit, was sonst. etwas anderes steht mir hier nicht mehr zur verfügung. und ich finde es ziemlich in ordnung, fürs erste zumindest. ganz bei mir in meinem rhythmen, meiner verzweiflung, meiner idiotie. das gehört einfach dazu, das weiß man vorher. meine liebeszeit ist schreibzeit geworden, einfach so. es gibt schlimmeres, wutzeit oder angstzeit. depressionszeit womöglich, umzug ins tote land. kenne ich alles, und wer weiß. sicher kommt da noch was. bald schon.

heute aber: nur vierzehn stunden arbeit, mehr nicht. romanschreiben, dann broterwerbsübersetzen, dann wieder am roman schreiben. das neue kapitel anfangen, einfach mal anfangen. da bringt mich derzeit offensichtlich tatsächlich so leicht nichts raus. nicht mehr.

ein tag der arbeit, unterbrochen nur von einem lange spontantelefonat mit meiner ältesten freundin. neunzehn war ich, als ich sie das erste mal traf. und sie unglaubliche achtundzwanzig! gesehen habe ich sie fast zwanzig jahre nicht mehr. damals war in der nachbarschaft gerade ein kind geboren, das heute, nach bestandenem abi, erstmal auf weltreise ist. durchaus denkbar, dass ich die freundin nie wiedersehen werde, auge in auge. die entfernung ist mittlerweile groß, und ich habe nicht vor, dorthin zurückzukehren.

das macht nichts, wir sind einander verbunden.
sie ist zuständig. und ich rufe an.
ganz einfach.

bonding (54)


im eifer der inneren und äußeren gefechte fast vergessen, dass das fünfzehnte kapitel ja seit tagen schon zum ausdrucken ansteht. und anderes auch. die neue, ausführliche kapitelstruktur zum beispiel, die vor allem. sieben kapitel auf fünf seiten ausgeführt. (lustig: die ersten fünf kapitel haben noch auf eine seite gepasst. damals. ; )

damit wird sich die verschmierte und verkrakelte übersicht der letzten wochen deutlich verbessern. hoffe ich.

und natürlich musste ich dann auch noch mal ran an das aktuelle kapitel, kurz vor ausdruck. da kann ich nicht anders, denn ein bisschen was geht ja immer. noch.

planänderung

überraschung. auf einmal ist das wochenende, das rappelvoll mit menschen und maschinen hätte sein sollen, komplett leer. menschenleer auch. eigentlich war ich eingeplant, um bei der exfrau, die auf der VELOberlin ein rennen organisiert, zu fotografieren. und morgen hätten wir e-bikes zusammen testen wollen, für mich. sogar ein podcast war ursprünglich geplant, wochenlang war ich aufgeregt deswegen.

es wurde nicht explizit erwähnt, aber gestern nacht habe ich natürlich etliche wochenenden aus meinem kalender gelöscht und mich bei menschen abgemeldet, die ich an dem einen oder anderen getroffen hätte. ab jetzt wird vieles menschenleer sein, aber das ist nur gut. so war ich von anfang an. und so hätte ich bleiben sollen.

ach, es ist nicht so, dass ich das nicht immer schon gewusst hätte. aber ich bin mutig, ebenfalls immer und immer wieder. ich verstehe menschen, ich mag sie sogar. die meisten. und dann denke ich eben, dass es womöglich doch irgendwann ein gegenseitiges verständnis geben kann.

was nicht geschieht, niemals.

jetzt also ist auf einmal alles leer. viel platz und viel zeit. das buch wird wohl schneller fertig, als ich dachte. und es wird anders werden, das kann ich nicht verhindern. das will ich auch nicht verhindern. alles anders.

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