am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

schreibzeit (3)

angekommen. das hoffe ich zumindest. gestern nacht zumindest fühlte es sich einen moment lang so an. bei einem kleinen rundgang durch die leere und stille da draußen. wobei das relativ zu denken ist. auch hier sitzen menschen draußen und lachen, man hört musik aus den wohnungen, fernsehdialoge und andere stimmen. es herrscht keine menschenleere stille. aber eine fast fahrzeugleere kurz vor zwölf, man hört die eigenen schritte, den boden. er spricht, er antwortet. die straßenlaternen sind auf all das gut eingestellt, sie spenden ein schickes, gelbliches licht. wie früher bei meiner oma. (boshamerweg 84, karnap.) wo mein onkel seinen käfer immer exakt unter eine dieser laternen gestellt hat, damit er das standlicht sparen konnte. damals.

tief in der hektik des alltag und der nicht zu verachtenden hektik, die beständig aus mir selbst resultiert, vergesse ich gern, wieviel leere und schweigen nötig ist, um etwas aus dem nichts in gang zu bringen. zwingend nötig. um raum zu schaffen für wachstum, ideen und konzepte nicht zuletzt. für kreativität eben.

und wie selten ich mir das schaffe. viel zu selten.

heute nur wenig in den text, am nachmittag dann rüber ins LCB. liegt ja quasi um die ecke von hier aus. aber erstmal frühstück jetzt.

guten morgen.

bonding (19)

nicht ganz ein jahr ist es her, daß ich zum ersten mal hier war, in dieser gegend, um mich mit dem so schwer vernachlässigten manuskript zu beschäftigen. zeit also, ein fazit zu ziehen.

ende august 2017 wußte ich kaum noch, was genau mich in den kapiteln erwarten würde, die bereits geschrieben waren. daß ich sie geschrieben hatte, immerhin, das war mir bewußt. daran konnte ich mich erinnern. seitdem waren aber zirka fünf jahre vergangen, und meine erste aufgabe war also, mich zunächst einmal wieder einlesen. beängstigend, bestimmt drei tage habe ich mich davor gedrückt. mich einzufinden in die story, in den stil, in die figuren, in die hauptfigur vor allem. denn die spricht, die gnaze zeit. das alles wiederzufinden, am besten auch wiederzuerkennen. und hinter all dem: den bestehenden text zu begutachten, mir klarheit verschaffen und entscheiden.

ob das alles überhaupt der mühe wert ist.

dafür saß ich eine woche hier, kühl war es, geregnet hat es. die wohnung war unbequem und dunkel. nur die bäume, die kiefern direkt vor dem fenster, waren zauberhaft. am ende hatte ich verstanden. ich wußte wieder, was ich wollte. und ich hatte beschlossen, es zu versuchen. so weit bin ich gekommen, einen plan aber hatte ich nicht.

nur, daß ich mir die zeit nehmen, sie mir quasi kaufen würde. daß ich das einfach tun müßte. das stand fest.

mein eindruck ist, daß ich ziemlich getrödelt habe. planlos vielleicht, was weiß ich. nebenbei habe ich zwei bücher übersetzt. oder waren es drei? der webseitenübersetzungsdauerauftrag läuft sowieso stetig nebenher, wie auch die halbtagsfestanstellung. zwei weitere stammkunden sind mittlerweile abgesprungen, einmal von meiner seite abgesagt. der andere, naja. wurde wohl zeit. dennoch sind mit dem heutigen tag 34 seiten intensiv überarbeitet, was bedeutet daß etzt exakt 50 seiten ziemlich gut dastehen.

eben habe ich mich mit der weiteren planung beschäftigt. zunächst warten noch einmal 25 seiten rohtext unmittelbar auf überarbeitung. rohtext ist dabei teilweise noch übertrieben. vieles ist nur grob notiert, außerdem muß noch so einiges eingearbeitet werden, von dem ich vor fünf jahren noch überhaupt nichts wußte. nicht einmal ahnte. also neu schreiben, weiterschreiben.

das dann sowieso, sicher noch einmal zirka 100 seiten. so viel, das noch fehlt. auch eine idee, worauf es hinauslaufen wird, habe ich bereits. noch nicht ausgegoren oder gar konkret, aber immerhin. die richtung stimmt. und das ist überaus hilfreich. alles.

ach so, das fazit fehlt noch: ich könnte, ich sollte zufrieden sein, oder? durchaus.

schreibzeit (2)

bewölkt ist es, ein wenig windig sogar. der tag gestaltet sich angenehm, obwohl die 30° schon fast wieder geknackt sind. gleich muß ich ein wenig laufen und denken. und ein fahrrad besorgen vielleicht. mein altes schrottrad, das ich bei meinem ersten besuch in diesem jahr leichtfertig einfach am bahnhof hab stehen lassen, ist tatsächlich geklaut worden. kaum zu glauben eigentlich, das war wirklich kurz vor völligem vermurkst sein, mit rahmenschaden sogar. das ist schade, denn ich will auf keinen fall blöd mit dem motorrad umherfahren. wenn ich mal umherfahren mag.

stille orte übrigens, wenn dann der sägelärm von früh morgens verstummt ist, haben die eigenschaft, daß man die menschen viel deutlicher hört. einzelne menschen in der unmittelbaren umgebung. das ist mir ein wenig seltsam, verstörend fast. also passe ich sehr genau auf, was ich tue. welche musik ich in welcher lautstärke wähle zum beispiel.

schreibzeit (1)

die nacht war stickig. regen gab es bislang nicht, aber eine nachbarin hat den rasen ausgiebig gesprengt. das hat ein wenig geholfen.

auch in potsdam, in idyllischer babelsbeger hinterhoflage, fangen einzelne menschen gegen sieben uhr an, mit sägen zu sägen. also nicht gleich hier im hof, zum glück. aber auch nicht weit. und dann ist man halt wach, früh wach.

beim duschen tatsächlich ein wenig geföstelt. wie schön. der untere rücken schmerzt noch, aber weniger als gestern immerhin. der nacken ist deutlich besser. mit rucksack motorrad zu fahren war ja noch nie so mein ding. und das hat sich im alter nicht geändert, muß ich jetzt mal sagen. (ich geh ja auf die sechzig, das flüstere ich mir selbst mitunter zu. und glaube es mir bislang kaum.)

ein wenig planlos bin ich noch was die arbeit angeht. alle türen zu, aber das wird schon. es ist ja zeit, ein klein wenig zeit, nur dafür. schreiben.

ver\reisen

was für ein ermüdender tag. diese hitze, so langsam kann ich das wirklich kaum noch begreifen. es scheint immer mehr zu werden. gestern war es heißer, ich weiß. wenn man den messungen und ziffern vertraut. aber die fahrt heute, mit einem nicht voll aber doch ziemlich bepackten motorrad hat mächtig geschlaucht. zumal die kiste mir beinah hingeknallt wäre als sie schon fast vollständig bepackt war. das übliche, eine seite des hauptständers wollte gern im boden versinken, allen kleinen pflastersteinen zum trotz. das resultat sind 250 kilo in schräglage. kein schöner anblick und auch nicht leicht zu handhaben. geflucht und geschwitzt habe ich, noch bevor es überhaupt losging.

viel vergessen habe ich. also nicht nur das eine teil, irgendeines, das man halt immer vergißt. sonst klappt es ja nicht mit dem reisen. nee, diesmal fehlen die mehrfachsteckdose, die richtigen kopfhörer (dafür andere, geht ja auch), das opinel (denn in keiner ferienwohnung sind die scharfen messer wirklich scharf) und ein paar toilettenartikel. alles nicht schlimm, kann man alles besorgen oder drauf verzichten. aber komisch ist es schon. eigentlich bin ich anders.

vor allem aber müde jetzt.

die wohnung ist wird heiß, ausgerechnet am nachmittag steht hier voll die sonne. und es gibt nichts, um sie wenigstens ein bißchen auszusperren. außer einem riesigen ventilator. das heißt: arbeiten am morgen und dann später am abend wieder. so sieht es aus. und so wie jetzt geht es.

dazwischen ist paddeln angesagt. viel trinken, wenig essen. oderirgendsowasinderrichtung.

möglichkeiten

vor zehn jahren oder so, kurz nachdem ich nach berlin gekommen bin, dachte ich eben. da hätte ich eine werkstatt mieten, ein auto kaufen und mich auf flohmärkten und bei trödelhändlern umsehen sollen. schicken schrott finden und in tolles zeug umbauen, tische, lampen, regale usw. möbel halt und dann verkaufen, das wärs gewesen. das wäre heute noch fein, eine werkstatt haben. das vor allem. und geld wär da wohl auch drin gewesen.

aber auf sowas kommt man nicht, wenn man so gar kein geld hat. nicht einmal auf die idee. und wenn, dann hätte ich mir vermutlich eingeredet, daß ich nicht ausreichend qualifiziert bin. eine dekorateurin ist ja keine schreinerin. oder? also hätte ich auch nie jemandem davon erzählt, der oder die vielleicht das hätte vorfinanzieren können, was so alles nötig gewesen wäre. und das wäre ja nicht wenig gewesen. ein unsichtbarer kreislauf, der ins nichts führt. nennt man auch armut.

heute machen das, was ich damals hätte beginnen können, alle möglichen heimbastler auf die unsinnigste art. und bilden sich was drauf ein, bloggen und twittern drüber und schreiben bücher am ende. (die ich dann übersetzen darf, immerhin.) das mit der qualifikation wäre damit also ausgehebelt, wenn nicht ohnehin. aber darum geht es gar nicht. es geht darum, einfach immer im leben zu tun, was man gut kann und gerne will. und eben das zu erkennen. ebenso zu erkennen, daß das nicht mehr funktioniert, wenn da so gut wie kein geld ist. armut macht immer auch das denken arm, die ideen und die kreativität und damit das schöpfen und schaffen. so sehr man sich dagegen wehren mag. das hätte ich nicht von mir gedacht.

heute ist alles anders, und so ist es auch gut. jetzt. denn mit der werkstattidee wäre auch gewerbe, steuern und marketing verbunden gewesen. letzteres vor allem, mächtig viel davon. und damit habe ich es ja nicht so gar nicht. schon die freiberuflichkeit verlangt mir diesbezüglich einiges ab, das mich an den rand der verzweiflung treibt, mitunter. also ist es gut, alles gut. nur ein wenig schade halt.

und überraschend, auf einmal glasklar vor sich zu sehen, was möglich gewesen wäre. (damals. und was ich wohl im moment alles übersehen mag?)

neukölln ist laut im sommer, besonders in diesem sommer. menschen schreien herum, weil sie freude haben oder streit. das geht bis spät in die nacht, in der nacht wird es sogar besonders laut. ich habe große sehnsucht nach ruhe, immer mehr eigentlich. die kommende schreibzeit wird das beinhalten. das macht mir fast angst, denn es sind nur 10 tage. und das ist nichts. das wird sie seele nur noch sehnsüchtiger machen.

aber ruhe immerhin habe ich selbst. stille und schweigen ist mir zueigen, trotz aller inneren unruhe, die ich ebenso beherberge. das geht nicht verloren, es ist mir nicht fremd.

langsamkeit dagegen? langsamkeit ist eine andere welt. meine sehnsucht danach ist aber ebenso päsent und will befriedigt werden, so fremd mir langsamkeit an sich auch ist. und sie wird bereitstehen in meinem potsdamer schreibrefugium, in allen raumecken wird sie herumlungern, auf den wegen, die ich schon ganz gut kenne, und in der luft. ob ich sie erkennen werde? oder auch nur ertragen?

wo langsamkeit doch zum schreiben gehört, ganz und gar untrennbar damit verbunden ist. (für mich zumindest. andere sind da schneller, ich weiß.) schreiben ist vertrauen in die zeit, die vergeht. und auf die momente in der zukunft, die möglichkeiten, die in diesen augenblicken darin liegen und geschöpft werden können. könnten.

jetzt: an die arbeit, die koffer anschrauben und so weiter. zeugs regeln, keine langsamkeit vorschützen.

endlich

viel zu tun, bis ich am mittwoch endlich wieder in schreibzeit gehen kann.

das boot mußte geflickt werden. tatsächlich. das soll mir erstmal wer nachmachen, so ein doch recht robustes packraft gleich bei der dritten fahrt zu perforieren. aber es war ein eisen, davor hatte man mich gewarnt. eine rostige winkeleisenstange, senkrecht am uferboden, im böschungsbewuchs versteckt. was will man da machen.

dann die beiden seitenkoffer fürs motorrad. seit über zwei monaten stehen sie hier herum, und genau so lange suche ich nach einer lösung, sie auch anzubringen. das heißt, die lösung war im grunde recht einfach, allein die umsetzung. es waren einfach die passenden eisenwarenteile nicht zu bekommen. nirgends, nicht einmal im exquisitesten fachhandel. von baumarkt ganz zu schweigen. fündig wurde ich schließlich in einem bootsgeschäft, zumindest geeignete haken gab es da. die u-form-schrauben allerdings waren tatsächlich nicht aufzutreiben, die mußte ich aus einer gewindestange selber biegen. schön sind sie nicht geworden. die schlosser haben mich damals in der lehre nicht wirklich haben wollen, obwohl die deko-auszubildenen eigentlich durch alle vorhandenen handwerke geschleust wurden. aber frauen in der schlosserei? damals wohl noch undenkbar. was ein schraubstock ist, weiß ich dennoch und besitze auch einen. mein opa hat mir das gebiet nicht vorenthalten. metall ist dennoch nicht so mein ding.

morgen dann nur noch festschrauben und gleich weiter im text. bügeln und dabei nachdenken, das hilft vielleicht weiter.

jemand im haus ist gestorben, vielleicht vor tagen schon. entdeckt wurde es erst gestern, die hitze hat dabei geholfen. ich habe nichts gemerkt, obwohl auch ich mehrfach an der tür vorbeigegangen sein muß. man wünscht es sich, das es anders wäre. daß menschen nicht einfach so sterben, während man selbst ein paar türen weiter ißt und trinkt und schlecht träumt. und dann tot sind, während man selbst trinkt und träumt und zur arbeit fährt. als wäre nichts. aber es ist so. das war mir klar als ich nachts, als die polizei den körper aus der wohnung holte, an der im treppenhaus bereitstehenden bahre vorbei einen blick in die offenstehende wohnung nicht nicht werfen konnte.

aber warum mußte ich auch noch einmal raus, um nach einem mond zu suchen, der eh nicht zu finden war. heute morgen war dann alles wieder (polizei)versiegelt.

aber ohne probleme abtrennbar, sagt der mensch, der die bilder bringt und grinst. schnauze, sage ich und wende mich an den arzt. die bilder sind höchst realistisch, schön bunt auch, beinah dreidimensional. verstehen kann ich sie dennoch nicht. sind das strahlend blaue augen irgendwo zwischen meinen eierstöcken? wieder wende ich mich an den arzt, der hinter den bildern hockt. dann wache ich auf, und das radio spielt „lean on me“. (we all have to live, we all have to die.)

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