als die frauen ein kreis bilden stehe ich dicht dahiner, als einzige in zweiter reihe. ich zweifle nicht an meiner position, es scheint mir angemessen. dann schafft mir eine eine lücke und zieht mich hinzu. anschließend recken wir gemeinsam die fäuste. alle.
bonding (13)

das soll erfüllt, und das nicht nur irgendwie. bis auf die letzten fünf seiten fühlt sich alles recht solide bis gelungen an. danach sah es nicht aus in den ersten tagen. das wichtigste: ich erkenne mich wieder im schreiben, ich bin mir vertraut. im moment weiß ich nicht mehr, was all die zweifel immer sollen. da ist nichts, was nicht mehr funktioniert. so wie früher oder eben anders. aber es geht, mit aller leichtigkeit und schwere. eigentlich ist es sogar besser.
die fünf seiten sind auch kein problem. ich bin ja morgen noch hier. oder ich nehme sie mit nach berlin, da muß es ja schließlich auch irgendwie weitergehen. das wäre sogar gut, einen fixen anknüpfpunkt zu haben. möglich natürlich, daß der alltag in berlin das eigentliche problem ist.
wie also geht es weiter, zurück zu hause? wo ich keine tage zur verfügung habe, einen auf den anderen, an denen ich stunden vor dem bildschirm sitzen kann. ende offen, und wenn es zwei, drei oder vier uhr nachts wird. aber auch anfang offen, schlendern, glotzen und hadern. auch das gehört dazu. schreiben braucht so viel zeit. so viel disziplin.
wie also weiter, nächste woche?
schreib(t)raum
noch nie habe ich im erdgeschoss gewohnt und es gut gefunden. außer bei meinen großeltern vielleicht, das halbe zechenhaus, wo man von der küche aus direkt in den garten gehen konnte. aber selbst da fand ich das zimmer oben, in dem ich schlafen durfte, wenn ich dort war, wesentlich besser und spannender. es hob mich weg von den anderen, da war ich für mich.
hier bin ich also jetzt im hochparterre, wie es so schön heißt. und es ist wunderbar. es ist auch lustig. wenn ich die terrassentür öffne stehe ich zirka achtzig zentimeter über dem boden, weil es gar keine terrasse gibt. wollte ich da raus, müsste ich springen und aufpassen, daß ich nicht im lavendel lande. unglaublich hell ist, besonders am nachmittag, wenn die sonne scheint. weil das gegenüberliegende gebäude eingeschossig ist. zwischen den gebäuden ist rasen, aber auch steine, ein weg, und viele töpfe mit pfanzen. etliche sind noch in plastikfolie gepackt, bis der winter vorbei ist. endgültig. es gibt katzen, kinder und fahrräder hier im hof, brennholz, gießkannen und sitzgelegenheiten. ein baum auch. der müll hat einen eigenen raum mit schicker holztür. die menschen sind sehr nett und unaufdringlich. alle. weiter hinten sind sicher noch richtige gärten. da gehe ich nicht hin, das scheint mir zu privat. ich bin ja nur zu gast.
das haus gegenüber ist ziemlich nah, aber das ist mir egal. die fenster haben einen soliden sichtschutz, und es liegen auch nur fünf wohnungen hier im hinterhof. glaube ich. das macht nicht viele menschen.
alles in allem, es ist seltsam. ganz anders wie ich es im allgemeinen gern zu haben glaube. hoch über allem, fern dem getriebe. das kann ich mir gerade gar nicht mehr vorstellen. gut, es wäre blöd, wenn hier kein licht wäre, nur mauern mit fenstern, die auf mich herabblicken. aber diese erdnähe!
es überrascht mich, sehr. daß das ein guter platz zum schreiben ist. ist es aber.
bonding (12)

gestern habe ich über einen taubenschlag geschrieben, heute morgen auch nochmal, bei der überarbeitung. eben dann, beim flanieren durch die kleine stadt mit einem schokoeis in der hand, stand ich unvermittelt vor einem. ein taubenschlag, irre. hab ich ja ewig nicht mehr gesehen!
so findet sich alles. auch die dinge.
ostern. montag. es ist immer noch kalt draußen, einstellig auf jeden fall. nachts hatte ich kalte füße, aber das fenster war natürlich auf. das geht nicht anders. jetzt macht die sonne die außenwelt ganz behutsam ein wenig frühlingsweit. also schwinge ich mich gleich auf mein schrottrad und schepper ein wenig durch die kleine stadt.
ich darf auch. die korrektur der neuen buchübersetzung ist fertig, kann morgen raus, alle rechnungen sind geschrieben, gehen auch morgen raus, und noch ein paar andere sachen erledigt. mehr so privatzeug. außerdem ein paar seiten roman mächtig bearbeitet, der rest kommt dann heute abend.
ich bin absolut TOP.
den ganzen tag die hütte nicht verlassen. schade eigentlich, aber bei dem wetter. schneeregen und wind, die ganze zeit. heute nacht geht es noch einmal runter bis an den gefrierpunkt. für dienstag sind dann 19° angesagt, bislang zumindest. gestern waren es noch 15°, also wer weiß. kaum vorstellbar ist es ohnehin. ich weiß auch gar nicht, wie ich das aushalten soll.
für die arbeit passt es allerdings gut. morgen noch, bis an die stelle, die ich mir vorgenommen habe. dann habe ich genug, um eine probe aus der hand geben zu können. das ist nicht viel, das sollte klappen. und dann einen tag und einen halben pause. denkpause, draußen an der luft. und immer noch in der netten kleinen stadt.
ich bin zufrieden.
bonding (11)

die vorgehensweise der letzten monate stellt sich als nicht besonders glücklich heraus, was allerdings auch keine große überraschung ist. nichts, absolut gar nichts habe ich getan, seit ich das letzte mal hier in schreibklausur war. das läßt sich leicht am zeitstempel der datei anblesen: 16. 12. 2017.
also immer wieder von vorn, so fühlt es sich an. auch wenn es natürlich nicht ganz so ist, sondern vielmehr ein durchaus notwendiges wieder einfinden, das dann in einem kleinteiligen überarbeiten ausartet. normalerweise macht mir das richtig spaß, ist eigentlich mein liebstes. routinearbeit zwar, sorgfältigstes überdenken und arrangieren. dennoch toll. aber das dann immer und immer wieder an derselben stelle, alle paar monate, immer wieder die ersten beiden kapitel.
das nervt.
aber das ist jetzt getan, hoffentlich. weiter geht es ab jetzt im text, mit dem richtigen schreiben.
naja, richtiges schreiben. was immer das jetzt wieder heißen mag? oder: wie das wieder ausarten mag!
ostern. sonntag. ich hatte auf eine schönere außenwelt gehofft, wo doch die außenwelt hier in der kleinen stadt außerhalb berlins sowieso schon so schön ist. aber es ist kalt, durchaus gefrierpunktnah und es schneeregnet gelegentlich.
macht nichts, muß ich eben drinbleiben. hier ist es auch schön, hell und warm vor allem. außerdem schlicht eingerichtet, ohne jeden schnickschnack, dafür mit viel stil. und mit einem riesigen schreibtisch! diese (oder natürlich eher so eine) wohnung würde ich mir als schreibstudio wünschen. so sehr! genau hier, dürfte gern auch kleiner sein. das ist aber wohl unerschwinglich, fürchte ich. was die überlegung, ganz hierher zu gehen, noch näher rücken lässt. andererseits ist aber auch das sicher nicht billig.
ach.
wie auch immer: ich habe zu arbeiten. jetzt.
weben
die schreibklausur so dicht an die alltagsarbeit zu legen, war nicht geplant. auch nicht, daß ich aufgrund der hohen taktung der letzten wochen wie ein rasendes rädchen hier stranden würde. aus der arbeit direkt in eine überraschend erschreckende leere. und stille. von 100.000 auf NULL. sozusagen.
die unterkunft, in der ich gestern abend gestandet bin, ist die bislang beste, die ich seit letztem sommer hier in der gegend hatte. (die teuerste auch.) passt bis fast ins letzte. große leere und schlichtheit, raffinierte raumgestaltung, schöne bilder, gutes bett, sogar platz zum sitzen. (meditatative kissenecke. das sitzkissen hab ich natürlich persönlich hertransportiert. )
nur das netz könnte langsam mal funktionieren, das hab ich schließlich mitgebucht. (ein hoch auf die mobilen 15gb, die ich sonst im leben, d. h. im monat, nicht aufbrauche.) in der küche gibt es keine scharfen messer. natürlich nicht, die gibt es nie. also habe ich vorgesorgt diesmal und mein opinel dabei. außerdem den milchschäumer und die miniespressokanne.
aber das bad hat fußbodenheizung, meine güte ist das toll.
die nächte sind ruhig und grundsätzlich dunkel. durch die nebelige kälte schien mir gestern ein fußballplatzflutlicht ins fenster, heute ist auch das still. tagsüber hört man, daß ganz in der nähe eine autobahn ist, vielbefahren. wenn man genau hinhört, liegt dieses raschen über allem.
ich bin müde, so müde.
hab aber zügig alles erledigt, was noch anstand, inklusive einkaufen usw. dann der mann im fahrradladen, bei dem ich schnell was billiges zum kette fetten kaufen wollte. ölen, heißt das. kette ölen! hat er dann auch gemacht, für umsonst, was mir ein wenig peinich war. mein grauenhaft verbogenes schrottrad, das zirka drei jahre im keller gestanden hat. aber fahren geht schon noch, so einigermaßen. zur not.
morgen soll es sonnig werden und zweistellig, bevor dann zu ostern der schnee zurückkommt. das wird helfen, den kopf freizukriegen. hoffe ich. ich glaube, ich stehe ganz gut da.