am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

sexy

die wege durch berlin sind grundsätzlich überraschend. und sie bleiben es, auch nach über zehn jahren. immer wieder ist es nicht nur ein bißchen, es ist grundlegend anders. anderswo, ein paar kilometer weiter mitunter. also nicht nur mal mehr und mal weniger verdreckt, mal mehr und mal weniger krumm und schief. das sowieso. berlin spricht viele sprachen, eine legt sich über die andere, dicht beieinander leben sie. durchlässig und durchscheinend, aber verwechseln sollte man sie nicht. die wohnungen in friedenau sind auch innen völlig anders (konzipiert) als die, in den mietskasernen in neukölln. arbeiterklassenblockbebauung aus den 20ern, 30ern, 40ern, dazwischen lückenfüller aus den 70ern. und in charlottenburg erst, wo festangestellte das unkraut aus den steinfugen zupfen. berlin bückt sich, das ist gängige praxis. berlin gibt sich die blöße. berlin ist arm, wie hoch auch immer grund und boden und immobilien gehandelt werden mögen. berlin ist dreck, egal wie und warum es sich putzt.

nicht geputzt wird am kotti, wohin mich meine wege seit einiger zeit einmal wöchentlich führen. der tango ist schuld, der nun in unmittelbarer nähe des kreuzberger traditionsbüros der grünen in der dresdener straße stattfindet. der kotti ist nicht meine lieblingsgegend, das muß ich zugeben. weder unterirdisch, noch obenauf, wie ich den vergangenen wochen erneut festgestellt habe. der kotti ist nicht zu bewältigen, nicht einmal verkehrstechnisch. nicht einmal zu fuß. es ist voll, noch voller als hier bei mir in meinem schicken, mir zugewachsenen szenekiez. direkt vor meinem fenster, wo das europäische und amerikanische jungvolk nacht für nacht herumhipst und seinen ganz eigenen dreck mit sich bringt. lärm und geschwätz vor allem, ignoranz.

der kotti dagegen ist ehrlich immerhin, undurchdinglich und offensichtlich wund. gehandelt wird mit allem: döner, blumen, drogen, dreck. polizei ist vor ort, permanent vielleicht, um zu helfen. oder um auch noch im weg zu stehen, ich weiß es nicht. alles nur gestalten, die einen wie die anderen. die vielen sprachen, die absichten, das getriebene, das nichtverstehen darin. all das. ich auch, wie ich mich irgendwie am rand durchzuschlawienern versuche. um möglichst unbeachtet zu dem schicken loft im vierten stock zu gelangen. nicht weit, wo der tango wartet. eine andere welt. überfordert bin ich, angewidert auch, ich gebe es zu. meine schuhe sind neu, das kommt mir seltsam vor. (vor allem, weil ich selbst lange keine neuen schuhe hatte. nicht solche zumindest, so richtige, aus leder.)

in der kleinen gasse zwischen reichenberger und dresdener, hinter dem geschäftskomplex, ist es immer dunkel, auch im hochsommer. und da ist ein garten, ein artig geharkter vorgarten, den ich noch nie gesehen habe. viel wächst dort nicht, dazu ist es zu dunkel. aber es gibt einen zaun, sicherheitshalber. maschendraht. etwas weiter steht ein mann in lumpen hinter einem transporter und wichst gegen eine wand.

ich bin nicht mehr vierzehn, als die erste begegnung dieser art mich noch geschreckt hat. ich bin vierundfünfzig, achselzucke und gehe weiter. ich ärgere mich höchstens, daß er von mir bekommen hat, was er wollte. ungefragt.

oder anders: ich sehe sie gerade noch, die kurze freude in seinem gesicht, als er sieht, daß ich ihn sehe. fast ein leuchten, das dann doch keines ist. das schreckt nicht, das öffnet einen abgrund an elend, an traurigkeit.

berlin ist nicht sexy, berlin ist gloomy. aber das versteht ja wieder keineR.

die zeit

mai. wie schnell sie geht, die zeit. kaum spüre ich sie, die tage, die nächte,  auf ihrem weg durch mich hindurch. das war auch mal anders, meistens eigentlich in meinem leben. und so recht weiß ich nicht, wie ich jetzt damit umgehen soll. immer von einem zum anderen, ohne übergang. ohne die zeit dazwischen, die so wichtig ist. der atem, die pause. das, was eigentlich zeit ist. leere nämlich und freiheit.

die re:publica anfang der woche sehr genossen, wie eigentlich bislang noch keine. kein anspruch, kein ziel. einfach nur sein, schlendern und menschen sehen, hören oder sprechen. das ist reich. vielleicht lag es aber auch nur daran, daß mit der keynote und den anschließenden ausführungen von frau emcke im grunde genug gesagt war, um ausreichend beschäftigt zu sein. nicht befriedigt, eher aufgebracht. aber gesagt werden muß es ja, immer und alles.

der rest ist arbeit, und arbeit ist frust mitunter. das angestelltensein zum beispiel lerne ich nur langsam, obwohl es seine vorteile hat. große vorteile, wie diese regelmäßigkeit in bezug auf zeit. auch in bezug auf geld natürlich. außerdem ist es durchaus interessant, andere menschen in ihren lang gewachsenen arbeitsstrukturen zu beobachten und wie selbstverständlich in sie eingeflochten zu werden. oder eben nicht. das sind fremde welten.

zeit ohne pause, ohne ruhe. auf lange sicht ist das nichts für mich. ich werde lästig, nicht nur mir selbst. irgendwann wird die fRau ein lied davon singen wollen, können oder müssen. das gefällt mir gar nicht. das tut mir jetzt schon leid, immer wieder.

urlaubsreif. das wort wiederhole ich seit wochen wie ein mantra. es ist auch nicht mehr lang hin, zwei wochen oder so. quatsch, 10 tage. also bleibe ich tapfer. und immerhin, die maschine läuft wieder, ist heute innerhalb von sekunden angesprungen. so soll das sein. das mag mir ab morgen dann schon mal ein kleines bißchen urlaub sein.

nichts ist richtig im falschen

seit ich dieses holzbastelbuch übersetze hätte ich gerne eine eigene werkstatt im garten. mit tischsäge und oberfräse, mit hobelbank und allem, was sonst noch nötig ist. lebenswichtig sozusagen.

noch lieber wäre mir allerdings, ich hätte diese verdammte wordpressinstallation auch nur halbwegs im griff. und könnte das alles hier wenigstens ein ganz kleines bißchen so einstellen und gestalten, wie ich es gern hätte.

aber das geht nicht, weder das eine noch das andere. einfach alles nicht. ich hab ja auch gar keinen garten.

(das nur so zur erklärung, warum das bloggen hier so langsam aber sicher versiegt. macht einfach keinen spaß, wenn alles immerzu falsch ist.)

gelungener tag

was so ein richtig gelungener sonntag ist, so fängt dieser natürlich nicht nur mit der gewohnt schaumunfähigen milch an, sondern auch mit gänzlich mißlungenem kaffee. weiter geht es dann mit der unverbindlichkeit von technischem gerät und einem kleinen mißgeschick bei der datensicherung. verdammte nachhaltigkeit. dann ist bei den ersten vorbereitenden maßnahmen zur bevorstehenden freiradelsaison der fetteste aller hinterreifen geplatzt. längstriß im schlauch, über 20 zentimer. ja, das macht spaß.

was noch? weiß nicht, jetzt geht alles in migräne unter. ungeschick und angst. arbeit und traum. lösung und erlösung. oder ich habe mir eben auf dem rad, dem anderen, nur mächtig was im nacken eingeklemmt.

außerdem: wechseljähriges hormongerangel, ständiges schwanken zwischen fastmigräne und leichter übelkeit. nicht so schlimm, aber auch nicht schön.

ich bin erschöpft.

von den dingen möchte ich schreiben, ihnen folgen zunächst. ihren mustern und strukturen, in sie hineinkriechen. weil da die geschichten leben, die die menschen nicht erzählen. weil sie es nicht können, weil sie nicht wollen vielleicht. das kommt vor. meistens aber wissen sie nichts davon, sehen die zusammenhänge nicht. mir selbst geht es so, wenn ich mich betrachte. wenn ich das versuche. dann weiß ich nur, was ich längst schon weiß. je älter ich werde.

die dinge aber, die sprechen einen andere sprache.

küchengewinn

es war eine der besten ideen überhaupt, vor ziemlich genau einem jahr die küche umzubauen. obwohl ich zu der zeit beständig daran gezweifelt habe. ob das sinnvoll oder überhaupt nötig ist, die ganze prozedur. hat insgesamt immerhin sicherlich an die vier monate gedauert. und war auch nicht ganz billig, obwohl ich ja alles selbst gemacht und günstigst besorgt habe.

doch die passende arbeitsflächenhöhe und die entscheidung, nach jahren und jahrzehnten erheblicher gegenwehr eine spülmaschine anzuschaffen, haben sich als goldrichtig herausgestellt. ich weiß gar nicht mehr, warum ich so lange so vehement gegen spülmaschinen plädiert habe. heute liebe ich sie heiß und innig, neben dem platz und der organisation. und dem zugewinn an schönheit. schönheit der dinge, der farben, des lichts und des raumes.

oder anders gesagt: ich kann jetzt schon fast ein bißchen gut kochen, manchmal. und ich mache es gerne, das ist das beste.

mißmut

wechseljahre snd keine migränejahre. dieser zustand schwindet mit den jahren, sofern er zuvor einen zusammenhang mit dem gemeinen hormonschwung aufzuweisen hatte. die quälerei scheint vorüber, seit einiger zeit schon. geblieben ist eine dumpfer druck, der aus dem rücken bis in die frühere migräneseite aufsteigt, eine unterschwellige übelkeit und leichter schwindel. schlimmer wird es nicht mehr, nicht wirklich. doch das alles bleibt dann für tage. diesmal von donnerstag früh, und noch immer ist es nicht vorüber. medikamente helfen, ein wenig, machen mich fast wieder menschentauglich. es sind sogar dieselben wie früher. aber wer will das schon, drei tage hintereinander.

bleibt also eine schlappe im alltag, eine hängeparie, ein gewisser mißmut. der steht mir nicht besonders, hoffe ich zumindest. ist aber auch passend, irgendwie, altersentsprechend.

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