am ende bleibt die angst, am ende dorthin zurückkehren zu müssen, wo ich herkomme. das wäre das ende, ich bliebe ein nichts.
nachts treibe ich meine wölfe zusammen, wir müssen umziehen. es sind hunderte, das hatte ich völlig vergessen. schweigend und still, mit ruhigen, sanften augen gehen sie ihren weg. jeder einzelne, auf meiner höhe angekommen, schaut mich an. ich schaue zurück. durch die gitter, die ich ihnen schuf.
verhaftet
diese enge nicht mehr ertragen, nirgends. nicht im körper, nicht im denken, nicht im gemüt. und keine hoffnung, im leben nicht.
was nicht zu mir gehört, nein, das hat ein anderer mir vorgefertigt eingepflanzt. dieses gefangensein, dieses ständige überleben müssen, dieses elend. als sei es die letzte, die einzige wahrheit, was es nicht ist. aber wie damit leben?
also:
mein kleines rheuma darf (noch) gar nicht so heißen, denn ist (noch) gar kein richtiges rheuma. (ich sag ja, es ist ein reißen!) möglicherweise, ganz vielleicht nur, will es später einmal ein richtiges rheuma werden, aber das steht noch überhaupt nicht fest. erstmal geht es also darum, herauszufinden, wie es sich so benimmt in mir, was es eigentlich hier will oder soll. worauf hinaus? in sechs wochen wird nochmal nach ihm gesehen, ob es sich in der zwischenzeit nicht vielleicht einfach wieder schlafen legen mochte.
ich denke da ja glasklar: mir reicht es schon, längst, schnell wieder raus damit und gut ist. schluß! große lust macht mir das nämlich nicht, soviel steht fest.
ärzte dagegen werde ich wohl nie begreifen. wie können die so schnell sein? ich selbst weiß kaum noch, was ich geredet habe, kaum daß ich wieder aus der tür bin. hoffentlich war nicht allzuviel blödsinn oder sonstwie falsches dabei. könnte aber durchaus sein, denn warum die frau, mit blick auf meine paar kinnhaare, unbedingt meinen schamhaaransatz sehen wollte, verstehe ich nicht wirklich. (nein, ich bin eher nicht trans, nehme keine hormone, auch nicht illegal. war es das?)
montagvormittagsschock
ich will nicht feige heißen und telefoniere noch vor dem kaffee mit der empfohlenen spezialistenpraxis, um dort einen termin zu ergattern. dauert eh monate, wenn nicht noch länger, bis ich kassenschnösel da was kriege. wurde mir ja schon gleich so angekündigt, ich bin also gelassen. genau so ist es dann auch, die frau am telefon blättert im juni herum. lieber nachmittag sage ich vorsichtig zu dem ersten vorschlag, weil ich mich kenne. vormittags bin ich kaum kommunikationsfähig, zumindest fremden gegenüber, wenn es zugleich auch noch um mich gehen soll. der körper, die schmerzen und ich eben. was ist das nur? mir weitgehend unbekannt, unvertraut auf jeden fall. das wird also nix am vormittag, das weiß ich genau. das muß ich so gar nicht erst versuchen.
die frau blättert weiter. heute abend, sagt sie dann. da sei wer abgesprungen. oh, himmel! und nun?
