am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

heute vor 20 jahren völlig überraschend eine hürde genommen. stirn an stirn mit meinem vater. aus versehen eigentlich, familiäre barrikaden eingerissen, wie im sturm. und zugleich wie von allein. niemand hat es gesehen, auch worte gab es keine. mein vater sprach nicht mehr, ein schlaganfall lag zwischen seinem geburtstag und dem tag danach. dem tag, an dem ich dort war. allein. oder nein, natürlich nicht. da waren viele. selbstverständlich waren da viele. menschen, die ich alle kaum beachtet habe.

kein wort mehr möglich. und womöglich hätte es auch nichts zu reden gegeben. damals.

heute dagegen wäre das womöglich anders.

heute würde mein vater 83, wäre er nicht schon vor 20 jahren gestorben. nächste woche donnerstag, gegen 2 uhr nachts etwa, wenn ich mich nicht total vertue. ich war 30 und zusammen mit meinem bruder ganz allein bei ihm. in der nacht. gut so.

alles gut. ich bin erwachsen seitdem. (spätestens.)

lichtspiele

die spitzenklöpplerin jetzt gerade auf arte. muß ich mit zirka vierzehn oder fünfzehn in einem kino in essen gesehen haben, erinnere mich aber so gut wie gar nicht an den inhalt. nur daß ich dort war, in dem kleinen studiokino in der lichtburg, was für eine name, daran erinnere ich mich. und an die zeit damals. daß ich ins kino geflüchtet bin, in das dunkel der filme, mehrmals in der woche. allein. daß ich niemals mit jemandem gesprochen habe, auch nicht über filme. auch nicht über diesen film. nicht einmal verraten habe ich, wo ich war. niemals. daß ich wo war. daß ich war. wenn ich war. war ich?

so habe ich gelebt, damals. so lebe ich noch heute. fast. nicht ganz. aber ich lebe noch.

zurück im alten sumpf. alles desolat, beruflich wie privat. schön, daß sich das auch noch reimt.

klischees

auf dem hinflug hat der typ neben mir tomatensaft bestellt. auf dem rückflug der hat sich vor dem start bekreuzigt. und jetzt sehe ich die bilder von einem flugzeugabsturz in den nachrichten.

zurück im alten drecksberlin. sehr, sehr müde. nicht einmal in die wanne werde ich noch, obwohl der rücken es dringend gebrauchen könnte, steche nur noch schnell die blasen unter den füßen auf. darüber hinaus gibt es erstmal keine klagen.

keine klagen (26)

unterwegs. die drei stunden schwechat werden mir durch kostenfreies freies wlan erleichtert, es gibt sogar steckdosen. meine person sortiert sich bereits, arrangiert sich zurück in die alte form, reißt sich zusammen. ich mag das nicht, alles sollte anders werden. mehr leben, mehr wort. mehr mut. so sollte es sein. es wird zeit.

(dazu der dunkel grollende schmerz in nacken und schulter. tut so, als sei er nicht da. ich bin eben doch so alt, wie ich bin. auch wenn ich den einen oder anderen zwanzigjährigen offensichtlich locker im schwimmen schlage.)

doch in berlin warten berge. berge, nicht das meer.

keine klagen (25)

über sechs stunden geschlafen, das erste mal in dieser woche. sonst gab der handywecker jedesmal diese erschreckenden prognosen von sich: noch 3h, 38min. oder so ähnlich. die migränepanik von gestern hat sich auch erledigt, keine zusätzliche reiseplage in sicht. nur der nacken schmerzt, tief innen die schulter, bei jeder bewegung. das ist normal, denke ich. das ist immer.

weiter zu denken, fällt mir schwer.

es ist vorbei. in wenigen minuten werde ich wieder heimatlos sein in diesser stadt, noch etwas herumlaufen, proviant kaufen, bevor ich mich zum bus, zum flughafen begebe. drei oder vier stunden werde ich in schwechat absitzen müssen, erst spät am abend wieder in berlin sein. unterwegs.

wo ist das.

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