die chronik des schmerzes. (neun kelche)
herbstliches in den wochenblättern (91)
der freitag wieder einmal. den lese ich ja auf papier, in meinem alter braucht man das einfach, dieses haptische. das geht nicht anders. ich schreibe ja auch noch mit mit der hand, sehr gerne sogar. besonders gerne mit weichem bleistift oder feinem schwarzem füller. (lesen kann das aber kaum noch wer.) dieser papierfreitag also, immer diese suche nach der onlineversion, wenn ich mal was verlinken will. und diese grundsätzliche lahmheit des freitagservers. das kann schon ziemlich nerven.
aber gut, für diese treffliche analyse auf papierseite eins lohnt es sich. zum schluß heißt es da:
Auf diese Weise setzt Merkel das ewige Gemäkel an ihrem Stil wie einen Hebel zur Durchsetzung einer Politik ein, die in kürzestmöglicher Zeit den maximalen Schaden am Zusammenhalt der Gesellschaft anrichten könnte. Der Vorgang ist aus dem Kampfsport bekannt: Nutze den Schwung des Gegners, um ihn aufs Kreuz zu legen. Das ist der traurige Kern des so genannten Herbstes der Entscheidungen.
ganz fein gestrickt
in letzter zeit lese ich ja immer lieber, eigentlich längst schon richtig regelmäßig bei käthe feinstrick mit. das ist eines jener unpolitischen tagebuchblogs, wie sie vorzugsweise von frauen verfasst werden. also völlig irrelevant und nichtssagend. ;-)
um selbstwert und persönliche schmerzgrenzen geht es da, auch um geld natürlich in dem zusammenhang. spannend und hochaktuell, politisch eben. obwohl ich selbst ja immer noch hartnäckig darauf beharre, daß der wert oder auch der selbstwert eines menschen nieniemals etwas mit geld zu tun haben darf. oder auch nur mit vermarktung, selbstvermarktung. selbstausbeutung? selbstverstümmelung? aber gut, das denke ich, und ich bin gänzlich ehrgeizfrei. schon allein weil das wort geiz darin vorkommt. vermutlich wurde ich so geboren, ein genetischer defekt vielleicht. und ich bin dementsprechend eine ziemlich schlechte selbstvermarkterin. logisch.
zurück zu käthe. sehr fein und meistens höchstpersönlich, was da geschieht. viel persönlicher als ich schreibe. so etwas wie dort gibt es hier wohl nicht, zumindest soweit ich mich erinnere. was zum größtem teil daran liegen wird, daß ich hier ja nicht wirklich anonym bin. ein bißchen vielleicht aber auch daran, daß ich vermutlich älter bin als käthe. wobei ich das letztendlich natürlich nur raten kann. ich weiß aber, einzig in der fiktion steige ich noch in solche tiefen hinab. manchmal ist das dann ja auch ein bißchen persönlich. vor zehn, fünfzehn jahren sah das durchaus noch anders aus.
depression ist auch ein thema bei käthe feinstrick. passend zum herbst, könnte man sagen. aber einfach mal so geht das bei ihr natürlich nicht. auch das geht tief, tiefer als man es vielleicht lesen möchte. da bleibt bei der lektüre das eine oder andere mal der atem eine bruchsekunde lang hängen. wenn angst einfach nur angst heißt und einsamkeit einsamkeit. versagen, verzweiflung und ständiges scheitern. das alles ist mir vertraut, seit jahrzehnten.
ja, ich kenne das, ich weiß. doch auch damit läßt es sich leben, wenn man es läßt. es ist nicht so schwer, nur eben anders als in den vielen schönen geschichten. das muß man wissen. und verstehen. und das dauert mitunter. ich selnbst habe einfach nur früh angefangen, mich darin zu üben. das ist alles.
mittlerweile denke ich sogar, daß depression* ohnehin die einzig taugliche lebenshaltung ist. und wenn es dazu nicht reicht, dann sollte es doch wenigstens eine fundierte, sorgsam gepflegte melancholie sein. ;-)
verkorkster tag. fünf stunden bis der aufwachkopfschmerz endlich verschwunden war. dann lauter arbeit für nix, sämtliche termine für morgen wurden soeben abgesagt. nein, nicht von mir, neinnein.
ich nähe jetzt mal den knopf an, der schon seit tagen darauf wartet. vielleicht erfüllt mich das mit sinn.
das alte berlin
eben in charlottenburg gewesen. ist ja irgendwie eine andere welt, fast schon nicht mehr berlin. charlottenburg eben, da kenne ich mich nicht aus. einmal mußte ich sogar rechts halten, absteigen und auf die karte gucken. und dazu mußte ich den helm abnehmen, um die lesebrille aufsetzen zu können. das war erste mal in aller öffentlichkeit. altern kann sich recht peinlich anfühlen.
freitags
obwohl heute nicht freitag ist, hab ich eben mal wieder in den freitag reingeschrieben. über wählerwürste, von hier recycled, wiederaufbereitet sozusagen.
naja, ist immer noch eine schrecklich lahme seite da drüben, in der herumstöbern keinen großen spaß macht. leider! (ich empfehle also das papierabo, na sowas.)
forever links
okay, kiesern fällt heute mal aus. muß, es geht nicht anders. der nacken spielt nicht mit. schnell noch, wie geplant, bei der werkstatt vorbeifahren, wegen der sache mit den vergasern, ist auch nicht drin. ich kann den kopf heute einfach nicht nach rechts drehen, bin über nacht links wie festgetackert worden. und motorradfahren ohne schulterblick, das ist in berlin einfach unverantwortlich.
was solls, morgen ist auch noch ein tag. morgen wird alles wieder gut, sowieso. und links ist immerhin besser als rechts.
