am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

sprachesoterik

wie sag ichs dem kunden? daß, wenn er in einem etwas windigen marktsegment als solider anbieter rüberkommen will, sich besser nicht als „solide“ bezeichnen sollte. zumindest nicht in der headline.

sprache ist ein unscharfes instrument, sie muß in jeden fall interpretiert werden. daran führt kein weg vorbei. interpretaion ist kommunikation, im wesentlichen zumindest. leerstellen im text werden grundsätzlich freier interpretiert als vorsorglich mit einem wenig konkreten wort umgrenzte bereiche. das ist gut, sehr gut sogar. das ist der kern von lyrik. und werbung.

eigentlich logisch, oder?

letztendlich

die meisten lehrer sind dumm, schreibt madame und hat mehr als recht damit. die meisten lehrer steckt man in die tasche, und die sache ist erledigt. wichtig ist nur, daß genug lesestoff vorhanden ist. doch das ist ja zum glück kein problem. bücher sind überall, und mittlerweile gibt es für den notfall ja das netz.

nach überstandener schule sieht die sache anders aus. da sucht man sich die lehrer selber. und man ist überrascht. zum ersten mal vielleicht, verehrt man sie, möchte gesehen werden, wirklich wahrgenommen. und nicht einfach in ruhe gelassen werden.

manchmal paßt es einfach, und es geschieht, daß man voneinander lernt. tatsächlich. eher selten leider, aber dennoch. bis man sie wieder verläßt, die selbstgewählten lehrer. das passiert. das muß sogar sein. oder sie gehen von sich aus, irgendwann.

zum zweiten mal in dieser woche erfahre ich also heute vom tod einer meiner früheren lehrer. genauer, eine lehrerin. diesmal nicht weit weg von hier, in wuppertal. diesmal ganz in der nähe, in berlin. gesehen haben wir uns nicht mehr, auch wenn ich wußte, daß sie hergezogen war. vor jahren schon. die neue telefonnummer habe ich brav gespeichert, aber letztendlich nie benutzt.

und ich begreife im moment nicht so recht, warum eigentlich nicht.

zürich zum beispiel

ach, dieses drecksberlin! das habe ich denken und schreiben müssen, im juni, kurz vor dem abflug nach zürich.

das ist naheliegend, wenn man den kontrast kennt. vormittags einmal quer durch berlin, dieser schmutzige riese mit gebrochener nase. am nachmittag dann durch zürich. ein schmuckes weltstädtchen, das einfach alles hat.

nein, ich habe an dieser stelle nicht geldstädchen geschrieben. und auch nicht gemeint. ebensowenig die sprichwörtlich saubere schweiz. es muß etwas anderes sein. die gegend vielleicht. die luft, das wasser, der see. die berge irgendwo. manchmal kann man sie ja sehen. ich weiß selbst nicht, was genau es ist.

die alten straßenzüge, unzerstört. auch da, wo neues integriert wurde, erkennt man die absicht. ob häßlich oder nicht, es ist keine not ersichtlich. alles ist stil, nicht zerstörung und krieg. wie in deutschen städten, ganz besonders berlin. zum beispiel die brandmauern überall. die risse und lücken, die bislang nicht zugewachsen sind. und es wohl auch nicht mehr werden.

berlin ist und bleibt eine reststadt, trotz mauerfall vor nunmehr fast schon zwanzig jahren. was nicht bedeutet, daß ich es nicht liebe. so, wie es ist. jetzt und hier. das kommt mir alles schon ganz richtig vor.

aber die häuser in zürich, die seit jahrhunderten miteinanderstehen. ungestört. diese ruhe und gelassenheit.

berliner hinterhofidyll

berlin ist bekannt für seine hinterhöfe. aus aller welt strömen touristen zum beispiel zu den hackeschen höfen. die sind in ihrer verzweigtheit natürlich beeindruckend. aber auch beeindruckend verschandelt, zum teil unzumutbar.

darüber hinaus sehen die meisten hinterhöfe anders aus.

reichlich heruntergekommen.

oder zumindest ziemlich bieder und langweilig.

alte sachen

überrascht lese ich bei fragmente, daß es ja dinge gibt, die man in der kindheit besessen hat. und die da vermutlich noch irgendwo herumliegen. in kisten oder kartons, verpackt im keller vermutlich. vielleicht sogar im früheren zimmer, in dem haus, in der wohnung von damals. das alles gibt es ja noch. eventuell. die gegend, in der man als kind gewesen ist. wo sich jetzt womöglich immer noch irgendwer aufhält, der oder die davon weiß. das hört ja nicht auf. stimmt, das hatte ich total vergessen.

vor über 25 jahren habe ich meine sachen gepackt. alles, was zu mir gehört. den kleiderschrank nutze ich heute noch. den schreibtisch auch und einiges mehr. was ich zurückließ, gehört nicht mehr mir. so sehe ich das.

meine mutter hat mir zum abschied, damals, die drei fotoalben mit meinen kinderbildern ins bereits leere zimmer gelegt. symbolisch sozusagen. jedes einzelne bild hat sie selbst geknipst und das gar nicht mal schlecht. kein einziges hat sie behalten. vermute ich. ich habe sie nicht gefragt.

ich habe die alben mitgenommen und dafür meine schlüssel zurückgelassen. damals war das bitter. erst jahre später konnte ich mich dazu entschließen, diesen ort auch auf einladung nicht mehr zu betreten. aber so schlimm, wie man annehmen könnte, war es auch wieder nicht. solche dinge entwickeln sich langsam. man hat zeit, sich daran zu gewöhnen.

im nachhinein halte ich diesen vorgang sogar für ausgesprochen gerecht und weise. ich ließ ihr das kind. die puppen, mit denen ich nie gespielt habe, die kinderbücher und all die dinge, an die ich mich nicht mehr erinnere. sie ließ mir mein leben.

mein lieblingsfriseur ist übrigens wieder da. zufallstreffer während der ebenso spontanen wie verzweifelten suche heute vormittag. in der niederbarminstraße. was bedeutet, daß ich jetzt wieder verdammt gut aussehe. alt, mit viel weiß, aber dennoch. ganz phantastisch.

kino im klo

gesehen in einem kino in zürich. liefen aber nur vorschauen, und ton gabs auch nicht. wenn ich mich recht erinnere. jedenfalls keinen, der zu den bildern gehört hätte.

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