
ein bißchen langweilig auf dauer, das permanente soliwechselspiel. in grandioser katakombenkulisse dann aber doch gar nicht so schlecht.


ein bißchen langweilig auf dauer, das permanente soliwechselspiel. in grandioser katakombenkulisse dann aber doch gar nicht so schlecht.

wenn es soweit ist, wenn sich der frühling nicht mehr vor der tür, sondern bereits ist zimmer befindet, denke ich jedesmal, daß das leben, die menschen draußen laut werden. frühlingsfroh. das gefällt mir, selbst wenn es, und das ist natürlich häufig so, sich um jungmännergeheul oder hundejaulen handelt. besonders in der nacht. in neukölln ist das ist nahezu unvermeidbar.
kurz darauf fällt mir dann aber wieder ein, daß dieser eindruck wohl nur dadurch entsteht, daß bei mir zu exakt dieser zeit wieder die türen und fenster weit offen stehen, den ganzen tag. bis in die nacht. die frühlingsfreude ist also reine illusion, was ein bißchen schade ist. aber so ist das eben.

wie soll ich sagen? ich bin ein ruhrpottkind. das bedeutet, daß ich im grunde keine architektur kenne, die vor 45 errichtet wurde. das ruhrgebiet lag in trümmern, nach dem krieg. in essen befand sich kein stein mehr auf dem anderen.

das stimmt so natürlich nicht. es gab und gibt ein paar herausragende gebäude, vorwiegend im essener süden oder aber die alte synagoge zum beispiel. die wohngebiete aber bestanden aus 50er-jahre schuhkisten oder rußverdreckten alten zechensiedlungen.

wohnschmuck ist mir fremd. wuppertal, wo ich auch eine ganze weile gelebt habe, ist zwar anders, aber auch nicht besonders schmuck. und berlin? naja.
vielleicht bin ich gerade deshalb so anfällig für städte wie wien oder prag.

andererseits wird ja überall nur ziegel auf ziegel geschichtet.
wuppertal ist halt ein altes autonomennest, immer noch.

berlin feiert und züri brännt. (sieht aber anders aus als 1980, hat ja gar nicht mehr diese hübschen korbgeflechtschutzschilde, die schweizer garde.)
so etwas darf man sagen, auf offener straße. so nennt man kinder, die sich daneben benehmen. die heulen und treten, die um sich schlagen. um ihr leben kämpfen, ohne rücksicht auf verluste. das ist hart, ich weiß. das tut weh. solchen kindern kommt man besser nicht in den weg. ich kenne das, ich verstehe das. das ist nicht das problem.
doch der junge auf der straße. er dreht sich weg bei diesem wort, dreht sich um und geht. er sieht nicht zurück. recht so, so muß es sein. die erwachsene ist zunächst erstaunt, dann selbstgerecht und zufrieden. ahnungslos, hat sie doch gewonnen. im verzweifelten spiel eines kindes. triumphiert.
ich möchte reinhauen in die drecksfresse, die „drecksviech“ sagt. doch das tut man nicht, auf offener straße. ich weiß das. ich schweige. und weiß.
doch der junge. der wird zwei, drei ecken weiter sicher irgendwen finden wird, dem er es heimzahlen kann.