raum für notizen

disziplin: alle tage

schreibzeit (53)

25. September 2020 - 01:11

nach dem abendessen dann doch noch an die schreibarbeit. so ist das manchmal, in letzter zeit eigentlich immer. wenn der tag fast vorbei ist, dann geht es doch noch los. keine ahnung, ob das die angst vor dem text ist. aber angst ist da. besonders vor diesem letzten kapitel, das nicht in ein paar stunden fertig sein wird. sein kann. ich muss es zerstäuben, die struktur aufbrechen auch. und dann sehen, was passiert.

das wird ein paar tage brauchen.

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krumm gewachsen

22. September 2020 - 00:20

die balkontür steht weit offen, draußen ist noch einmal eine sommernacht. eine robuste, aber egal. es ist immer noch sommer. neulich habe ich die pflanzen zusammengeschnitten, alles war schlapp oder welk geworden. das musste weg. dabei habe ich gesehen, dass die seltsam krumm gewachsene tomatenpflanze, die wenig ertrag gebracht hat, an zwei stelle angefangen hat, kerzengerade ein paar zentimeter nach oben zu wachsen und dort blüten anzusetzen. und auch die im grunde vertrocknete mimose setzt an den einzigen, noch ganz lebendigen trieb eine blüte an. glaube ich. schon seit tagen beobachte ich das. jetzt bin ich fast sicher.

in mir entfaltet sich das kind, das ich war. seit die kiste der vergangenheit wieder offen ist. es antwortet, ohne dass ich eine frage gestellt hätte. es fragt nicht, es ist da. jenseits der vielen geschichten, die ich immer und immer wieder erzählt habe, liegt die zeit ohne worte, ohne erinnerung. eine zeit, in die ich nicht reichen kann. von der ich nicht reden kann, weil ich nichts davon weiß. was von da kommt, ist erleben.

heute war es schrecklich.

aber alles wird klarer, konzentrierter, dieser tage. also ist es gut.

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blech

20. September 2020 - 23:57

unglaublich schlecht geschlafen, aufgewacht mit schmerzen im nacken und am unteren rücken. da hlft nichts, nur aufstehen. früh aufstehen, auch am sonntag.

beim frühstück rumpelt es vor dem balkon. unglaublich, wie viele unfälle es schon an dieser kleinen kreuzung gegeben hat, seit ich hier wohne. blöd ist das immer, wenn zweiradfahrer*innen involviert sind. diesmal sind es aber zwei autos, sieht von oben nach einem simplen rechts-vor-links-konflikt aus. nur blechschaden zum glück. oder vielmehr plastikschaden, so sollte, müsste man heute ja langsam mal sagen. plastik und glas.

dann lese ich, sitze mit einem buch in der hand auf dem balkon. das buch macht mich traurig, auch weil es um trauer geht. jemand ist gestorben, freiwillig auch noch. und jemand anders ist übriggeblieben. noch trauriger macht mich aber, dass die übriggebliebene sich irgendwann einen körper in die nacht wünscht. mit haut und wärme, mit sex vielleicht, vielleicht auch nicht. vielleicht nur nähe. das buch ist vor einer weile geschrieben worden. logisch. jetzt irritiert es mich. was war das für eine zeit, in der man sich nähe wünschen konnte, bedenkenlos, einfach so?

ich höre aus zu lesen. als die sonne sich hinter die mauerecke verzieht, verziehe ich mich an dne schreibtisch und erledige ein bisschen was, schreibe ein paar emails. ein tag mal so ganz ohne arbeit, das kann ich wohl einfach nicht.

lange hält es mich aber nicht, dann muss ich raus, muss laufen. nein, nicht laufen, mehr so rumlaufen, zu fuß gehen. es ist warm, es ist schön. ich bin allein, ich bin traurig. so wie gestern oder die tage davor, beim rumlaufen.

eine app zählt mich, ich gehe fast fünf kilometer in etwas über einer stunde. dabei schlendere ich fast, durch den körnerpark und die beiden anderen, gleich daneben. das hab ich alles noch nie so gesehen.

wieder zuhause mache ich ein wenig sauber, am mittwoch kommt der tango zu mir. ich sauge und sortiere, das tut gut. anschließend verliert sich der tag. ich weiß auch nicht. ich will schlafen, tue es aber nicht. ich kann nicht mehr.

dabei habe ich den text tatsächlich den ganzen tag nicht einmal geöffnet. es arbeitet dennoch, denke ich. ich bin so müde.

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schreibzeit (52)

18. September 2020 - 00:07

sehr neben mir, weit ab. nur der text findet mich noch, trifft mich, wird. der rest ist erschöpfung und zunehmend auch schmerz. schreiben ist körperlich, am ende geht es ans letzte.

zum glück ist zeit und raum und geld vorhanden.

alles andere liegt bei mir.

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#insight

09. September 2020 - 01:22

ich verlerne es tatsächlich, das mit den menschen. heute bei einer lesung gewesen, irgendwie die erste veranstaltung seit februar. für mich. das war auch eine lesung, und das war toll. wenn auch schwierig, es ist immer schwierig mit menschen.

heute war es ein elend. als einzelperson allein auf einen platz ganz hinten, hinter eine säule gewiesen worden. so ist das ja jetzt, man bekommt einen platz zugewiesen. ganz am arsch, sage ich. tatsächlich. das war nicht nett. ich habe mich nicht im griff. ich entschuldige mich auch nicht, es ist mir zuviel, alles. dass ich allein sitze, wie alles an mir allein ist seit mitte märz. viel mehr plätze gibt es für zwei, bessere plätze. aber ich bin allein, ich liebe nicht, ich tanze nicht, und meine katze ist auch tot. schon lange.

niemand ist, wo ich bin. außerdem ist es ja womöglich die letzte veranstaltung, in diesem jahr oder im nächsten, oder was-weiß-ich. ich will einfach nur da sein, nicht auffallen und still nach innen weinen. oder hoffen vielleicht, obwohl ich alle hoffnung langsam aufgegeben habe. ich will nur noch schreiben. und hören, was andere schreiben. manchmal. mehr will ich doch nicht.

dann kommt der platzzuweiser zu mir, informiert mich, dass vorn jetzt doch noch ein einzelplatz wäre. eigentlich will ich gar nicht. ich hab es ja nur vergessen, dass ich irgendwo nach hinten gehöre. dahin, wo man nicht gesehen werde. dass ich von allein genau dort hingegangen wäre. ich gehe dann aber doch. ich muss meinen helm beiseite räumen und die schwere jacke, damit ich das nicht alles mit mir schleppe. auch dazu werde ich angewiesen. dann lande direkt vor der kleinen bühne. ein guter platz, aber den hätte ich mir selbst nie ausgesucht, wenn ich ehrlich bin. da bin ich viel zu sichtbar.

hinter mir sitzt die inhaberin meiner agentur. (nicht meine agentin.) ich drehe mich ein paarmal um, sie erkennt mich nicht. was kein wunder ist, wir sind uns nur zweimal kurz begegnet. einen moment lang denke ich über höflichkeit nach, statt der lesung zu folgen. soll ich auf mich hinweisen, später? mich vorstellen? oder ist es höflicher, es einfach dabei zu belassen? ich weiß es nicht. mir ist unbehaglich, und ich weiß nicht, warum.

am ende der verstaltung erzählt mir der platzzuweiser dann etwas von meinem „großen auftritt“, und ich bin sofort erschrocken. meine schuhe haben wohl derart auf dem boden gequietscht, dass ich mächtig gestört habe bei meinem platzwechsel mitten im programm. das ich als trampeltier, und ich habe es nicht gemerkt. ich hab es ja noch nicht einmal gewollt. das ist genau, was ich mir wünsche im leben. jetzt.

ich verlerne alles, was ich mühselig gelernt habe, in vierzig, fünfzig jahren. nach knapp sechs monaten nur kann ich innen und außen nicht mehr auseinanderhalten, verliere die gewalt über meine präsenz und beleidige menschen mit meiner verwirrung. ich verliere das kleine bisschen sicherheit, das ich mir in jahrzehnten erobert habe. vor allem verlerne ich, dem zu folgen, was ich weiß und will. wenn menschen da sind. ich degeneriere zu einem kind, offensichtlich, das vor angst alles falsch macht.

jetzt ich denke nach über einsiedelei. nicht das erste mal in den letzten monaten. alles aufgeben, was ich besitze. ein einzelnes zimmer mieten, irgendwo, nur mit netz für die arbeit. mehr nicht. keine menschen mehr sehen, all das austrocknen lassen in mir. ehe es mir völlig entgleist. die sehnsucht langsam verhungern lassen. es hilft ja nichts.

aber was mache ich dann mit dem buch, das schon so weit, so gut wie fertig ist? beenden und dann vernichten? wie ein mandala?

oder will es leben? und ich habe nicht das recht, es zu töten. aber kann es leben, ohne mich?

das alles ist ein wenig theatralisch, ich weiß. ich will das auch nicht, leben ohne menschen. ohne schreiben. und ich will bei meinem schreiben bleiben, mit meinem gesicht, meinem leben.

aber ich weiß nicht, ob es nicht einfach nicht sein soll. so wie ich will. und ich mich nicht einfach nur einverstanden erklären muss. endlich. denn eigentlich war es doch nie anders.

kein mensch will mich. (hat schon meine mutter immer gesagt: glaubst du, dich will wer?) ich bin allein.

(jammermodus: aus. morgen wieder in den text. der wird so gut, den überlebt dieses ich sowieso nicht.)

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schreibzeit (50)

07. September 2020 - 23:58

ich tue, was ich kann. alles ist aufgerissen. der text frisst an meinem leben, ich habe das erlaubt. es muss. ich schreibe nicht über mich, aber ich schreibe von mir. auch.

so ist das.

mein hirn kommt an seine grenzen. vierhunderziebzig seiten, alle im kopf. ich finde nicht mehr alles, was ich suche. ich vergesse, welche kleinigkeiten ich erledigt habe. das ist nicht so wichtig, aber störend. das größere immerhin, das habe ich noch im blick, im kopf und im gemüt.

geht schon.

das umschalten auf die arbeit fällt schwer. auch das umschalten auf menschen. das umschalten auf die welt sowieso. trump first, oder wie heißt das? das ist etwas, das ich einfach nicht packe. es packt mich an, aber: macht doch euren dreck allein! (macht ihn weg!)

es ist alles zu viel.

aber es geht weiter. natürlich tut es das.

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oh, mann!

07. September 2020 - 00:53

ich schreibe mich in den wahn, und alles wird klarer dabei. ich tue fast nichts anderes. aber eben nur fast.

gestern zum beispiel war ich im baumarkt, das erste mal seit jahren. naja, monaten, aber egal. war ziemlch leer dort, ich hatte abr dennoch nicht wirklich die ruhe weg. immerhin weiß ich jetzt: es geht. durchaus auch öfter mal, wenn es dann wieder ans bauen geht. hoffentlich bald.

neue raspeln und feilen habe ich aber bei ebay bestellt. cooles zeug, profiqualität, nur ein wenig abgewrackt. zu lange lagerung vermutlich, aber das macht natürlich überhaupt nichts. werkzeug wird ja mit der zeit noch abgewrackter. als ich dann aber auf der homepage des anbieters war, man muss sich die guten verkäufer ja auch mal merken, da hat es mich dann doch mächtig ausgehebelt.

da steht: WERKZEUG FÜR ECHTE MÄNNER

im jahr 2020! ernsthaft?!

naja, dann eben nicht. die wollen mich derart überhaupt gar nicht als kundin. das können sie haben.

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befreunden, beleben, bereichern

02. September 2020 - 00:36

es ist nacht, schon wieder nacht. ich bin durch, so durch. alles. der tag hat mich zerlegt, in kleine teile und noch kleiner. so klein wie möglich, doch wer weiß das schon. innen in aufruhr und daher fast durchgehend unfähig mich zu konzentrieren ist mir vor allem die heutige arbeitszeit unendlich peinlich. das muss ich morgen zu retten versuchen, irgendwie, auch wenn es vermutlich keiner gemerkt hat. ich sitze allein, die ganze zeit.

es ist herbst, schon wieder ist herbst. ich würde es gern anders sehen, aber im supermarkt gibt es schon lebkuchen und pfeffernüsse. es gibt kein zurück. mir graust vor diesem herbst, diesem winter, mehr noch als sonst. es war ein schöner sommer, nicht zu heiß und recht entspannt. es war schön, aber es ist vorbei.

und so wird es nicht weitergehen, das ist absehbar. das lässt sich wohl nicht vermeiden. mir graust vor der dunkelheit und dem alleinsein, der monatelangen kälte, die da auf mich wartet. vermutlich. nicht vor der einsamkeit. einsam bin ich immer. aber so wie ich bin, bin ich auch gerne mal unter menschen. sitze oder stehe dabei, wenn andere einander befreunden, beleben, bereichern. es ist so schön, das zu sehen. ich muss dazu nichts beitragen, ich will es oft auch gar nicht. ich will es nur sehen.

doch das wird es wohl nicht geben.

vielleicht werde ich ein wenig bauen, endlich. sprechen mit dem werkzeug, leben mit dem material. dem holz, dem metall, den farben. das ist lange her, und es steht noch so viel aus.

so habe ich mein leben begonnen. mit der liebe zu den dingen, weil ich von der liebe der menschen nichts wusste. das gab es nicht, davon musste ich erst lesen. später, als ich es gelernt hatte. das lesen. als meine inneren welten darin, endlich, eine entsprechung fanden.

und weiß ich es jetzt? das mit der liebe? oder schreibe ich nur davon, tue so als ob?

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gift

01. September 2020 - 00:28

alles gerät aus den fugen und fügt sich wieder zusammen. hoffentlich. nicht neu zusammen, vielmehr wird es etwas neues sein. etwas ganz anderes, das ich sicher nicht beeinflussen können werde. nicht mehr, dazu ist es zu spät.

ich bin ja einverstanden, durchaus. ich habe sogar damit angefangen, nicht wissend, was ich damit anrichte. jetzt ist es viel, viel zu viel geworden. und es wird immer noch mehr.

ich muss damit leben, ohne frage. ich kann auch. ich will.

seit ein paar tagen kann ich es sehen, aus den augenwinkeln, ganz am rand noch oft. es bewegt sich, es lebt. doch ich kann es noch nicht fassen. nicht in worte, nicht einmal in gestotter. oder sinnvolle bilder. ich kann es nicht einmal berühren, aber es berührt mich.

ich saufe den text, ohne rücksicht auf verluste.

dann kommt der rausch, zwangsläufig.

dann die entgiftung.

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