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archiv: alle tage


sommerzeitpro

28. Oktober 2018 - 22:07

ich mag das ja, diese zeitverwirrung. wenn der körper den ganzen tag eine andere zeit erfährt, als die uhr es vorgibt. eine woche in etwa wird das jetzt so gehen. spätestens morgen nachmittag, wenn es erst dämmert, dann dunkelt und der arbeitstag noch lange nicht zuende sein wird, werde ich es hassen. weil ich dann im dunkeln nach hause fahren werde, das mag ich gar nicht. außerdem werde ich trotzdem nur mit mühe und unter zuhilfenahme eines ziffernblatts herauskriegen, ob ich nun morgen früher oder später aufstehen muß. und dann gleich wieder vergessen.

aber so ist der winter. winter ist, was immer ist. manchmal aber ist sommer. danach dann, hoffentlich mit seiner zeit.

ich liebe diese verwirrung. und das licht, bitte das soll so.

nix da

21. Oktober 2018 - 22:10

sonntag abend, und ich wäre dann mal bereit für ein wochenende. alles fertig, naja, fast. ich hätte noch ein wenig mehr der brotübersetzungsarbeit erledigen sollen. stattdessen fast nur im roman versunken. auch gut. oder nicht?

keine ahnung. ich brauche ein wochenende, dringend und sofort. (aber das wird wohl nix.)

#unteilbar

14. Oktober 2018 - 21:45

anfang oktober 1981, auf der friedensdemo im bonner hofgarten, da war ich nicht dabei. nicht einmal daran gedacht habe ich. ich war 18 und die friedenstäubchen hatten meine vollste verachtung. zu wütend war ich, zu sehr geprügelt und geprägt von der kriegskindergeneration.

beachtlich fand ich es dennoch. 300.000 menschen sollen es damals gewesen sein, zwei jahre später, ebenfalls im oktober, noch einmal in etwa genauso viele in der menschenkette von stuttgart nach ulm.

gesten waren es über 240.000. alle bei mir in berlin, und war ich auch dort. natürlich war ich da. großartige entspannte stimmung. kein palaver, gerangel oder gepöbel, nirgends. kaum polizei sichtbar. wenn, dann schlendernd und quatschend, entspannt. dazu die sonne, die wärme, das licht.

ab jetzt heißt es wissen und glauben, daß alles unteilbar vielfältig ist. und bleibt.

bis demnächst

23. September 2018 - 23:29

seit ich aus der letzten schreibzeit an der stadtgrenze zurück bin, steht das boot hier sauber verpackt in meinem schlafzimmer. bislang habe ich es noch nicht richtig weggeräumt, also hoch oben ins regal verfrachtet. weil ich auf jeden fall noch einmal aufs wasser wollte in diesem jahr. gleich in der nächsten woche hatte ich es vor. was sage ich, keine drei tage später wollte ich zurück dorthin, noch die eine oder andere schlaufe paddelnd erkunden. da ist so noch so viel. meine lust auf berlin schwindet. (immer mehr und immer mehr.)

hat sich dann aber nicht ergeben, viel zu viel arbeit. oder das wetter war mir nicht gut genug. (kann das wahr sein?)

ich denke, jetzt werde ich es wohl wegpacken können. mein boot. oder müssen, denn so richtig warme bootsklamotten besitze ich (noch) nicht. das macht mich ein wenig traurig.

ich bin aber guter hoffnung auf einen neuen sommer, demnächst.

achtung, neukölln

14. September 2018 - 11:47

so richtig angst hatte ich hier noch nie, ganz egal, was in den zeitungen steht. wir sind hier kein aufgegebener problemkiez. nein, auf gar keinen fall. es ist wie überall in den städten, nur vielsprachiger. man sieht sich um, besonders als frau. man passt eben auf. ich achte auf meine umgebung, das tue ich immer. und ich sehe sie, die geschäfte und cafés, die irgendwie unheimlich sind. die häßlichen, fetten autos davor, besonders in der nacht. und die männer, die dazugehören.

das ist alltag, ich gehe daran vorbei. und ich achte auf mich.

in letzter zeit ist mir allerdings ein bißchen viel schießerei auf offener straße. zuviel anspannung und angst überall. zuviel geld und gewalt, egal welcher herkunft. nur noch opfer und täter, in ständigem rollenwechsel. am ende dann tote.

aktuell ist es mir dann doch ein wenig unbehaglich hier. leider.

müde

05. September 2018 - 00:12

erschöpfende zeiten, das.

schreibzeit (11)

02. September 2018 - 20:43

den ganzen tag, von zehn heute morgen bis fast jetzt. dabei nur zirka fünf seiten überarbeitet und unzufrieden geblieben. aber die schreibzeit sitzt fest im sattel, ich kann gar nicht mehr anders. und unzufriedenheit ist normal, wie auch die euphorie. alles nur phasen.

alles normal, ich erkenne es wieder. so geht schreiben, so fühlt es sich an. in mir. auch wenn es lange her ist, daß ich an solch einem batzen saß. außerdem: den ganzen tag an intensiv einer schlechten zeit arbeiten, eine miese beziehung beschrieben, bedingt und verzerrt, aussichtslos. eine grundsituation von der ich weiß, daß sie noch ein paar jahre halten wird. oder bleiben zumindest. so habe ich es entscheiden. warum mache ich das? das macht schlechte stimmung am ende, da gibt es kein entrinnen.

alles nicht neu. nur anders, jedesmal.

zufrieden?

30. August 2018 - 23:58

was soll aus einem tag werden, der unvermittelt mit dem elenden herrn sarrazin beginnt, dessen neues werk heute erschienen und pompt in meinem weckradio besprochen wurde. völlig verissen zum glück, dieser abgezirkelt plazierte bestseller. aber wtf, welches gnadenlose karma hat sich denn auf dieses timing eingeschwungen.

ich arbeite vor mich hin, übersetzungszeug, bin wenig konzentriert dabei. dann frühstücke mit der  fRau ciclista zu mittag, bringe die tanzschuhe zum schuster und arbeite noch ein bißchen weiter. alles gut.

zum abend laufe ich dann allein zum hermannplatz und  mit 10.000 anderen (die polizei zählt 5000) wieder zurück. gegen nazis. besonders schön dabei. die frau mit dem kind am straßenrand. das kind mit einem pinken plakat in der hand. darauf stand: „liebe statt hass“. so einfach.

ich könnte zufrieden sein. aber naja, ich hatte schon bessere tage.

furcht und segen

28. August 2018 - 22:44

ich schlafe schlecht und träume viel, von mieser arbeit und übler verwandtschaft. beides sucht man sich nicht aus. außer manche vielleicht, die sich diesbezüglich als priviligiert zu betrachten hätten. es aber womöglich nicht tun, weil sie es nicht anders kennen. ich selbst muß mich derzeit so nennen, denn seit einiger zeit bin ich mit freundlicher arbeit, guter bezahlung und bester gesellschaft, die weitgehend unverwandt mit mir ist, gesegnet.

das ist es wohl nicht, was meinen schlaf beherrscht und bedroht. die chemnitzer rottenbildungen, die horden grob entfesselter menschen – oder sollte es besser gleich „männer“ heißen? – ist eine wahrlich bittere sache. nicht, daß es das nicht schon immer gegeben hätte, wie in wellen schwappt die braune urbrühe seit jeher überall umher. mal hier und mal anderswo stinkt es gewaltig. das ist wirklich nicht neu. doch jetzt scheint chemnitz mir ein einschnitt zu sein. nachdem sich die zeichen seit jahren verdichten und verknoten, auf allen ebenen, wäre nun an der zeit für klarheit. doch womöglich ist es dafür längst zu spät.

alles verklärt sich, wird selbstverständlich, kaum jemand empört sich noch. im gegenteil. man teilt und genießt die widerliche gesinnung. das macht mich tief im innersten fürchten. so sehr, daß ich das schreiben heute fast ganz gelassen habe. stattdessen zeug repariert, endlich mal die zerfeddernde handytasche mit nadel und faden geflickt. es beruhigt, wenn man die dinge eigenhändig erhalten kann. (wie im krieg, denke ich in diesem moment. warum denke ich das?)

eigentlich schreibe ich gerade intensiv an einem roman. ich lebe darin, könnte man sagen. um begegnungen geht es darin, um familie und leben im weitesten sinn. es ist also niemand verheiratet, es gibt keinen familienkern, aber kinder natürlich. es gibt verbindungen über jahre hinweg, die sich bewegen, verändern und erweitern. und alles öffnet sich zum ende hin, noch weiter. es wird klar und stabil, immer in dem wissen, daß es so etwas wie sicherheit nicht geben kann.

so ist es gedacht. ja, ich betrachte das als politikum. (und als segen.)

neuerfindung eines eckregals

26. August 2018 - 16:31

gestern allen mut zusammengenommen und die zum teil seit fast genau einem jahr herumlungernden einzelteile zusammengefügt und an die wand geschraubt. oder vielmehr umgekehrt: erst geschraubt und dann zusammengefügt, oben noch einmal geschraubt, fertig. alles in allem war das ganz leicht, viel leichter zumindest, als ich das ganze jahr über gedacht hatte.

anschließend sehr zufrieden gewesen, nahezu beglückt. es ist wirklich gut geworden, durch und durch gelungen. obwohl an wenigstens einer stelle überdeutlich sichtbar schief. aber es ist schön, wirklich schön. es gefällt und entspricht mir. genau! und das ist schließlich das wichtigste.

anschließend die rechte hand unverzüglich in die schiene gelegt, die ich sonst nur in der nacht trage. die anstrengende stop-an-go-motorradfahrt am donnerstag und die werkelei gestern hatte ihren preis.