raum für notizen

disziplin: alle tage

#insight

17. Januar 2021 - 23:37

ganz egal, welche art von maßnahmen demnächst entschieden werden.

es ändert doch nichts daran, dass das einzige wesen, das sich mir seit mitte märz 2020 spontan und fraglos körperlich genähert hat, der nachbarskater war. er kam am paktboten vorbei zu mir gelaufen, direkt in meine hände. das fell und das lautlose, nur spürbare schnurren, die großen offenen augen. katzenaugen, in denen menschen nichts sehen. überhaupt menschen, ich weiß gar nicht, ob es sie noch gibt.

außer die fünf oder sieben, die ich in den letzten zehn monaten tatsächlich gesehen und auch berührt habe. kurz nur, drei sekunden vielleicht. an die erinnere ich mich.

dunkel.

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brutal

15. Januar 2021 - 22:48

erst verschlafen, vermutlich den wecksender über eine stunde überhört. dann träge an die arbeit: schreiben. mehr habe ich nicht geschafft, obwohl deutlich mehr auf dem programm stand.

zwischendurch der aus wuppertal mitgebrachten büropflanze, die im zimmereck vor sich hinwuchert und die ich schon seit jahren schon vergeblich zu töten versuche, mit einem messer kurzerhand den längst an den rand gedrängten mutterkern herausgeschnitten und auf den balkon geworfen. dazu das jüngste kind ausgerissen, mit bloßen händen, so brutal kann ich sein. mal sehen, wie sich die verbleibende kinderzahl, drei, um genau zu sein, das überleben gestaltet. entweder sie blühen auf, alle, in dem nunmehr riesigen topf. oder sie fangen ein krieg an, bemühen sich, die lästigen geschwister zügig zu verdrängen. vielleicht sterben sie auch endlich, alle. ich bin gespannt.

in alles eingeronnen ist der mittlerweile beinah tägliche kampf mit der pandemibedingten alltagsquälerei, den rein hirngesteuerten wiedergeburten meiner kindheitsfolter vor allem. schon einmal war ich auf mich gestellt, über jahre und jahrzehnte, ohne zukunft, ohne welt. ich brauche ich das nicht, im grunde, nicht noch einmal. ich kenne das schon.

ich bin gläubig, stelle ich fest. ich glaube zum beispiel, dass das leben nicht endet mit der zerstörung des körpers. vor allem aus dem leid gibt es kein entkommen, weder im leben, noch im tod. am ende ist alles dreck. das hat mein vater mir erklärt, eines nachts, da war ich siebzehn: der einfachste weg sei es, in einen müllsack zu kriechen und von innen den eingang zuzuschnüren. später müsse dann nur noch irgendwer den dreck wegräumen.

siebzehn war ich also, als mein vater mich bat, den müll zu beseitigen, der er zu sein glaubte. gewundert hat mich das nicht, auch nicht erschreckt, nur überfordert. die grundidee war mir vertraut, seit jahren. nur hatte er nicht die kraft, nicht wie ich ihn kannte. ich dagegen. siebzehn war ich und habe es getragen, für ihn. auch das.

so war sie, meine familie. mein vater hat einen weg gefunden, dreizehn jahre später, seinen körper zu zerstören auf natürlichem weg. ich durfte ihm zusehen dabei, ihn tragen. soweit ich konnte.

auch jetzt trage ich es, seit fast genau zehn monaten. allein, wie mich das immer enger werdende corona-regelwerk zwangsläufig hinterlässt.

leben will ich so nicht.

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#insight

15. Januar 2021 - 01:06

ich arbeite und arbeite und arbeite. (bürojob, übersetzen, schreibenschreibenschreiben.) mehr welt gibt es für mich nicht, und die lage spitzt sich weiter zu. es wird noch weniger werden, das ist absehbar. die freundin, die gestern auf einen whisky vorbeikam, darf das in der kommenden woche sicher nicht mehr.

damit bin ich auf unabsehbare zeit wieder allein und zu hause. auch weil ich inzwischen immer mehr vermeiden muss, die ersten lebenserfahrungen zu triggern. ich kann kaum noch halten, was dann in mir passiert. in der letzten woche habe ich die diskussion über die schulöffnungen bzw. schließungen nicht ertragen. wie schon im frühjahr schreit alles in mir: sperrt mich nicht ein mit denen, zu hause. in dieser woche ist es das homeoffice. seit mitte märz 2020 erledige ich inzwischen auch in meinem bürojob fast ausschließlich von zu hause. und alles in mir schreit: ich kann nicht mehr, ich will das nicht.

es fehlt die körperliche gegenwart anderer, nicht nur im tango. es fehlt die resonanz von menschen, nicht nur verbal. es fehlt das, was menschen starkk macht. ihre erreichbarkeit, ihr verständnis. es fehlt vertraulichkeit.

aus dem grund kann ich mich auch den abstandregeln und vielen anderen durchaus sinnvollen schutzmaßnahmen immer weniger aussetzen. weil ich die unmenschlichkeit darin nicht auf der haut spüren möchte, nicht im gesicht und nicht im blick. weil ich mich nicht daran gewöhnen möchte, an das denken, das fühlen, die not darin. auch deshalb bleibe ich übrigens zu hause, allein.

es ist wie früher. mein leben ist eine hoffnungsfreie zeit. wenn ich den blick gebe, sehe ich nichts.

es wird kein fest, wenn das alles vorbei ist. es wir ein jubel und geschrei, unerträglich laut. es wird eine dieser partys, bei der niemand wirklich glücklich ist. denn darunter wächst die qual der gemachten erfahrung, die verzweilfung über eigene sterblichkeit, die man letzten endes doch nicht überleben können wird.

nein, es wird noch anders. das ganze wird sich ausschleichen, langsam und heimlich. und niemand wird es merken. so bleibt es dann für immer.

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kleines glück

11. Januar 2021 - 23:51

back at work. immerhin war ich nicht völlig erledigt und neben mir, von anfang an. also durchaus konzentrationsfähig, ziemlich früh am morgen sogar: auf und dann frisch ans werk.

naja, ging so. für eine weile zumindest.

auch sonst nicht viel erledigt, keine wäsche, keine einkäufe, nix. aber egal, die erschöpfung kommt auch so. lange vor mitternacht. und gerade als sie einsetzt kommt auch der impult, ein bisschen in der küche herumputzen zu wollen. dem gebe ich nicht nach, nein. oder nur ein bisschen.

den ganzen tag bestaune ich das gestrige bild von mir. diese große freude zu sehen, eingebettet im offensichtlichen glück meiner kleinen existenz damals.

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schreibzeit (61)

11. Januar 2021 - 00:09

natürlich war ich dann doch im text, gleich nach dem aufstehen, die kaffeetasse neben der tastatur und los. ganz gemütlich allerdings, mit überaupt keiner art von zeitdruck. das war schön, so macht es spaß.

ich konnte in aller ruhe das wiederum etwas komplex gebaute kapitel überschauen und die reinen infoabschnitte angehen. kürzen natürlich, das allein hat schon fast zwei seiten gespart. es bleiben drei längere abschitte mit wichtigem geschehen, nur zwei davon hängen grob zusammen. das wird noch ein bisschen was.

das mache ich selten, derart gelassen und gezielt seite für seite eben nicht nacheinander zu überarbeiten. da müssen dann am ende natürlich noch die anschlüsse geprüft werden, aber das sollte kein problem darstellen.

nebenbei noch einen logikfehler entdeckt. das passiert, wenn man seite für seite aber durchaus nicht chronologisch und mit einem vorab feststehenden plan schreibt. plotten? what for?

ein sehr zufriedenstellender sonntag war das. deshalb: schreiben, für immer.

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schreibzeit (60)

10. Januar 2021 - 00:57

schreibpause. das heißt bei mir, dass ich heute tatsächlich nur das kapitel noch einmal überflogen habe, dass ich am donnerstag bereits durchgegangen bin. und etwas mehr als zwei seiten von dem danach.

also so etwa drei stunden heute, vielleicht auch vier. dann war schluss.

hirn und körper sagen mir seitdem: das war zuviel.

naja, was soll ich sagen?

schreiben ist nie zuende.

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schreibzeit (59)

06. Januar 2021 - 23:51

manchmal ist schreiben die hölle, eigentlich sogar ziemlich oft. dann gibt es tage, da will es mich fressen, auf immer vernichten. das gibt es nicht zu oft, zum glück, aber gestern war so einer.

keine ahnung, ob es an meiner körperlichen verfassung lag, bedingt durch die last des letzten jahres. corona-jahr nummer eins. bedingt auch durch die viele arbeit in den letzten fünf jahren, nahzu nahtlos, ohne wochenenden oder urlaub. dazu die monatelangen rheumaschmerzen, die unfähigkeit zu schlafen, gefolgt von der trennung vor nunmehr bald zwei jahren. alles das vielleicht.

aber eigentlich wohl doch nur das material, dieses eine kapitel, reichlich verzockt, dabei aber ziemlich wichtig. das war klar, in dem moment, in dem ich es durchsah. und erst recht, als ich angefangen habe, es zu bearbeiten. diese wucht, die mich zu erdrücken drohte. gruselige erinnerungen auch an MEMORY, damals. den text, den ich kaputtgeschrieben habe, letztendlich. der über wochen, wenn nicht monate, in der art auf mir lag. bis ich abgebrochen habe, ihn begraben, irgendwo in mir. und auf der festplatte natürlich.

am morgen habe ich angefangen, den tag über fast nichts geschafft und nichts verstanden. nicht gewusst, was ich tun sollte. bis weit in die nacht dann aber doch gearbeitet, überarbeitet, geschreiben halt. weil es dann auf einmal doch ging. bis tief in die nacht im text, bis tief in die erschöpfung, physisch wie kongnitiv. das ist keine hölle, das ist vernichtung.

am morgen dann festgestellt, dass es so schlecht gar nicht geworden ist. zwei oder drei stellen, die sich festgehakt hatten und nicht so leicht gelöst sein wollten. aber eigentlich nur kleinigkeiten. anschließend gleich das nächste kapitel, ein kleines zum glück. jetzt bin ich zuversichtlich, dass es morgen weitergeht. recht flüssig sogar, hoffe ich.

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06. Januar 2021 - 23:21

zwei wirklich schlimme tage. gestern war alles eine einzige schreibqual, unerträglich. ein unglaublich schwieriges kapitel. dazu die sich immer weiter zuspitzende corona-situation, die mich wieder tiefer in die isolation treibt. was nicht das schlimmste ist. schlimm ist die vergangenheit, die mir von allen seiten getriggert wird, dass ich mich kaum retten kann. ich sitze hier, allein zu hause, und kämpfe um meine integrität.

heute wieder etwas, das ich früher migräne genannt hätte. nicht wirklich genau so, aber vom gemüt her passt es. darüber hinweg das schreiben, immerhin, das hat ganz gut funktioniert. das geburtskapitel. (ist echt nicht leicht.) als es dunkel wurde, wurde es besser. noch besser, nachdem ich ein bisschen was gebaut habe. eine kleinigkeit nur, aber fein. ein bisschen ibu war auch mit im spiel.

dann die bilder vom trump mob vor dem capitol. ich meine, im capitol. jetzt bin ich müde.

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05. Januar 2021 - 00:59

noch so ein trüber tag. dunkelgrau bis grottenschwarz, auch tief in mir.

ich sitze da und arbeite, ein bisschen an den übersetzungen, eine rechnung schreiben, dann im roman. nichts funktioniert so richtig. kurz, sehr kurz öffnet sich dieses fenster, dahinter das land, in dem ich all das einfach seinlassen würde. ausgerechnet mitten im romantext passiert das. dieses absolutes: ich will nicht mehr. nichts. und das macht auch nichts, es hat ja doch keinen wert.

zum glück bin ich zu alt, um so etwas ernst zu nehmen. ich weiß, dass unlust die qualität meines schreibens nicht beeinflusst. also schreibe ich, wühle mich durch den totel verdreheten text, den es durchzukämmen gilt. das dauert und dauert, aber es funktioniert. letztendlich.

darüber hinaus habe ich nur das vor langer zeit schon abgefallende frontschmuckteil wieder ans rennrad geklebt und ihm außerdem etwas luft gepumpt. damit wäre es fahrbereit. ich mag es so sehr, es ist ein echt schönes teil. leicht wie ein hüpfer, aber auch unglaublich hektisch. immer noch macht es mir eine heidenangst. dennoch werde ich es ab dem frühjahr oder so endlich auch mal wieder ausfahren. hoffe ich.

raus aufs feld.

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#insight

04. Januar 2021 - 00:51

am samstag den ganzen tag so ein montagsgefühl gehabt. kein wunder natürlich, wenn der freitag ein feiertag nach einem halbtag ist. silvester und heligabend sind ja irgendwie zwischentage, wie normalerwesie nur der samstag. und rosenmontag auch, wenigstens früher. im westen.

seit einiger zeit sage ich das so: im westen. damit bin ich dermaßen berlin, dass mir das ein bisschen peinlich ist. wo ich doch eigentlich immer mehr den eindruck habe, dass ich durch bin mit dieser stadt. durch und durch, irgendwie.

2021 beginnt mit miesester stimmung. zwar hat es geschneit heute, es ist sogar ein wenig davon liegengeblieben. das könnte das gemüt aufhellen, sollte man meinen. doch die welt ist, was sie ist, seit fast einem jahr. und es wird schlimmer.

ich mag keine illusionen mehr stemmen. vor wochen schon ist mir die zeit gebrochen, tief in mir habe ich den zusammenhang verloren. alles, was vorher war, ist verbrannt. ich bin noch da, doch mir bleibt nur noch, was früher war.

mein elender grund, über den ich nun doch wieder etwas lerne. ich dachte, damit sei ich durch, so weit es nur geht. jetzt weiß ich, dass es immer weitergeht. es hat mich nie verlassen hat. und wird mich nicht verlassen, wobei ich das durchaus begrüße.

das macht mich seltsam, vielleicht. so wie früher, doch da wusste ich von nichts. diese zeit dagegen, jetzt. macht mich ganz unten, ganz tief verzweifelt klar.

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