home




archiv: alle tage


rücksicht

17. April 2018 - 23:56

kaum eine woche wieder auf dem motorrad unterwegs. und schon ärgern sie mich wieder, die unachtsam zwischen allen fahrspuren agierenden autolenker. die frau immerhin hat entschuldigend gewinkt, nachdem sie meinen weg einfach mal so gekreuzt hatte. alle anderen scheinen nicht einmal zu merken, was sie so tun. der taxifahrer zum beispiel, der erst vom straßenrand aus vor mir kreuzend auf die linke und dann unmittelbar darauf gleich wieder vor mir auf die rechte spur fahren mußte, um dort dann unvermittelt anzuhalten? keine ahnung, was der sich gedacht haben könnte. aber meckern konnte er, weil ich dann erstmal hinter ihm zum stehen kam, da der nachfolgenden verkehr nicht sonderlich gewillt war, mir ein einfädeln zu ermöglichen. besonders unberechenbar allerdings sind die, die telefonieren, ob nun mit oder ohne telefon am ohr. die in ihren businessschlachtschiffen wild gestikulierend ihrem business nachgehen, dabei einhändig durch den verkehr schlingern, nicht besonders rasant, dafür aber mit dreistester blindheit. wirklich gefährlich.

da bleibt mir wohl nichts, nur diese drei: vorsicht, übersicht und nachsicht.

in hamburg

14. April 2018 - 21:00

wann immer ich in hamburg bin, ist es kalt, naß und dementsprechend häßlich. hamburg an sich ist von allen mir bekannten städten die für mich unsinnigste. so war es von anfang an, und das ist jahre her. die menschen hier stecken so selbstsicher in ihren zerknitterten regenjacken. groß sind sie, haben riesige hände und füße und mäuler. durch und durch erwachsen scheinen sie mir, wenn sie ihr allumfassendes moijn in die welt rufen. das macht mir angst, und nur deshalb muß ich wohl so maßlos übertreiben und vereinfachen.

berlin ist da von grund auf anders. die menschen zappeln herum, mal so und mal anders, als stünden sie beständig unter schwachstrom. mehr aber auch nicht. wenn es regnet stehen sie in schlappen auf der straße und wundern sich. oder sie sitzen mit schirm in der hand aufrecht auf dem rad. erwachsen ist niemand, auch die erwachsenen nicht. alle suchen und suchen nach dem, was sich mal finden oder erfinden lassen könnten. oder sie behaupten es zumindest. auch das ein klischee und daher unzutreffend.

doch was will ich hier, ausgerechnet, warum bin ich hamburg? war ich nicht ohnehin viel zu viel unterwegs in letzter zeit? der termin ist morgen erst, und es gibt nicht wirklich einen grund, gestern schon anzureisen, um heute den ganzen tag hier zu verbringen. vorbereiten können hätte ich mich auch zu hause, obwohl ich es vermutlich nicht getan hätte. noch weniger als ich hier dazu in der lage war, die fremde schwer hamburgs lag darüber. die gewissheit, daß diese stadt mich nicht einlassen wird. niemals.

und als schreibzeit? nun ja, auch das war angedacht und kann letztendlich nicht als gänzlich mißglückt bezeichnet werden. die unterkunft habe ich in vollem wissen um ihre schreibuntauglichkeit gebucht. die aus dem letzten jahr stand mir nicht mehr zur verfügung, deshalb sitze ich nun in einer art zelle, in der im grunde nur ein bett und ein fernseher platz hat. und netz natürlich. schreibarbeit unter erschwerten bedingungen, so gesehen war ich recht erfolgreich.

schreiben im öffentlichen raum. korrigiert habe ich oft außer haus, mit bleistift und papier im café. das geht. aber mit laptop? arbeit am offenen herzen der romandatei. in hamburg?

ging auch. was mich überrascht hat. wobei es ja nur überarbeitungen waren, aber egal. es war schreiben, eintauchen in das material. in die menschen, was sie tun und was sie reden. es ging gut. sehr gut sogar. vielleicht sollte ich mir in berlin genau so einen platz in einem café suchen, mit steckdose am besten, und immer wieder mal besuchen. ja?

11. April 2018 - 23:27

man muß nur anfangen, sag ich ja immer, danach wird es leichter. alles. (nun ja, wenn die pausen nicht zu abgründig werden.) nach dem aufwachen, dem losgehen. das schreiben und das träumen, da muß man nur dranbleiben. doch an den anfang gewöhne ich ich nie. an die halb offenen augen, die dämmerung, die bodenlosigkeit. an das weiße blatt und den leeren eingabebereich.

deshalb graust es mir wohl auch jedes jahr im frühling, wenn ich das motorrad wieder in betrieb nehmen will. man weiß ja nie. anfänge dauern, mitunter.

oder ist das die angst vor der traumlosigkeit, die mir selbst noch nie passiert ist. die ich aber gesehen und gefühlt habe in menschen. zu nah mitunter.

interessant

05. April 2018 - 21:37

am tag vor dem kleinen, recht spontanen treffen mit meiner familiengeneration (alle ende der 50er bis weit in die 60er jahrgänge) kommt dann dieser scobel im tv. wie soll ich sagen? paßt. (besonders am anfang.)

(psychische) gewalt ist gewalt.

03. April 2018 - 13:20

auf die hiesige amsel um kurz nach sechs ist nicht wirklich verlass. im leichten regen hat sie ihren einsatz ausgesetzt, und ich habe verschlafen. wobei sich die erledigungen dieses ganz normalen arbeitstages, der heute ja nun wieder ist, schnell abgehakt waren. die finalen übersetzungskorrekturen rauschicken und eine rechnung, mehr erstmal nicht. erledigt.

der weitere plan: erstmal raus hier, draußen ist frühling, endlich. außerdem erinnere ich mich, zum schreiben gehört bewegung. das löst das denken, bringt es ebenfalls in bewegung. das ist wichtig. besonders wenn seitenweise text unzufriedenstellend daliegen und auf eben jene bewegung warten und hoffen. ein spiel mit den energien.

und dann muß ich ja auch noch über einen titel nachdenken, nicht zum ersten mal. bislang ist nichts brauchbares aufgetaucht, das passt mir gar nicht. das ist unangenehm. nicht einmal einen akzeptablen arbeitstitel, der die lage einigermaßen beruhigen könnte, habe ich bislang. das, was passen würde, kommt alles auf englisch daher. und sorry, das geht gar nicht.

schreib(t)raum

02. April 2018 - 22:22

noch nie habe ich im erdgeschoss gewohnt und es gut gefunden. außer bei meinen großeltern vielleicht, das halbe zechenhaus, wo man von der küche aus direkt in den garten gehen konnte. aber selbst da fand ich das zimmer oben, in dem ich schlafen durfte, wenn ich dort war, wesentlich besser und spannender. es hob mich weg von den anderen, da war ich für mich.

hier bin ich also jetzt im hochparterre, wie es so schön heißt. und es ist wunderbar. es ist auch lustig. wenn ich die terrassentür öffne stehe ich zirka achtzig zentimeter über dem boden, weil es gar keine terrasse gibt. wollte ich da raus, müsste ich springen und aufpassen, daß ich nicht im lavendel lande. unglaublich hell ist, besonders am nachmittag, wenn die sonne scheint. weil das gegenüberliegende gebäude eingeschossig ist. zwischen den gebäuden ist rasen, aber auch steine, ein weg, und viele töpfe mit pfanzen. etliche sind noch in plastikfolie gepackt, bis der winter vorbei ist. endgültig. es gibt katzen, kinder und fahrräder hier im hof, brennholz, gießkannen und sitzgelegenheiten. ein baum auch. der müll hat einen eigenen raum mit schicker holztür. die menschen sind sehr nett und unaufdringlich. alle. weiter hinten sind sicher noch richtige gärten. da gehe ich nicht hin, das scheint mir zu privat. ich bin ja nur zu gast.

das haus gegenüber ist ziemlich nah, aber das ist mir egal. die fenster haben einen soliden sichtschutz, und es liegen auch nur fünf wohnungen hier im hinterhof. glaube ich. das macht nicht viele menschen.

alles in allem, es ist seltsam. ganz anders wie ich es im allgemeinen gern zu haben glaube. hoch über allem, fern dem getriebe. das kann ich mir gerade gar nicht mehr vorstellen. gut, es wäre blöd, wenn hier kein licht wäre, nur mauern mit fenstern, die auf mich herabblicken. aber diese erdnähe!

es überrascht mich, sehr. daß das ein guter platz zum schreiben ist. ist es aber.

02. April 2018 - 14:12

ostern. montag. es ist immer noch kalt draußen, einstellig auf jeden fall. nachts hatte ich kalte füße, aber das fenster war natürlich auf. das geht nicht anders. jetzt macht die sonne die außenwelt ganz behutsam ein wenig frühlingsweit. also schwinge ich mich gleich auf mein schrottrad und schepper ein wenig durch die kleine stadt.

ich darf auch. die korrektur der neuen buchübersetzung ist fertig, kann morgen raus, alle rechnungen sind geschrieben, gehen auch morgen raus, und noch ein paar andere sachen erledigt. mehr so privatzeug. außerdem ein paar seiten roman mächtig bearbeitet, der rest kommt dann heute abend.

ich bin absolut TOP.

01. April 2018 - 23:39

den ganzen tag die hütte nicht verlassen. schade eigentlich, aber bei dem wetter. schneeregen und wind, die ganze zeit. heute nacht geht es noch einmal runter bis an den gefrierpunkt. für dienstag sind dann 19° angesagt, bislang zumindest. gestern waren es noch 15°, also wer weiß. kaum vorstellbar ist es ohnehin. ich weiß auch gar nicht, wie ich das aushalten soll.

für die arbeit passt es allerdings gut. morgen noch, bis an die stelle, die ich mir vorgenommen habe. dann habe ich genug, um eine probe aus der hand geben zu können. das ist nicht viel, das sollte klappen. und dann einen tag und einen halben pause. denkpause, draußen an der luft. und immer noch in der netten kleinen stadt.

ich bin zufrieden.

01. April 2018 - 15:03

ostern. sonntag. ich hatte auf eine schönere außenwelt gehofft, wo doch die außenwelt hier in der kleinen stadt außerhalb berlins sowieso schon so schön ist. aber es ist kalt, durchaus gefrierpunktnah und es schneeregnet gelegentlich.

macht nichts, muß ich eben drinbleiben. hier ist es auch schön, hell und warm vor allem. außerdem schlicht eingerichtet, ohne jeden schnickschnack, dafür mit viel stil. und mit einem riesigen schreibtisch! diese (oder natürlich eher so eine) wohnung würde ich mir als schreibstudio wünschen. so sehr! genau hier, dürfte gern auch kleiner sein. das ist aber wohl unerschwinglich, fürchte ich. was die überlegung, ganz hierher zu gehen, noch näher rücken lässt. andererseits ist aber auch das sicher nicht billig.

ach.

wie auch immer: ich habe zu arbeiten. jetzt.

weben

29. März 2018 - 23:46

die schreibklausur so dicht an die alltagsarbeit zu legen, war nicht geplant. auch nicht, daß ich aufgrund der hohen taktung der letzten wochen wie ein rasendes rädchen hier stranden würde. aus der arbeit direkt in eine überraschend erschreckende leere. und stille. von 100.000 auf NULL. sozusagen.

die unterkunft, in der ich gestern abend gestandet bin, ist die bislang beste, die ich seit letztem sommer hier in der gegend hatte. (die teuerste auch.) passt bis fast ins letzte. große leere und schlichtheit, raffinierte raumgestaltung, schöne bilder, gutes bett, sogar platz zum sitzen. (meditatative kissenecke. das sitzkissen hab ich natürlich persönlich hertransportiert. )

nur das netz könnte langsam mal funktionieren, das hab ich schließlich mitgebucht. (ein hoch auf die mobilen 15gb, die ich sonst im leben, d. h. im monat, nicht aufbrauche.) in der küche gibt es keine scharfen messer. natürlich nicht, die gibt es nie. also habe ich vorgesorgt diesmal und mein opinel dabei. außerdem den milchschäumer und die miniespressokanne.

aber das bad hat fußbodenheizung, meine güte ist das toll.

die nächte sind ruhig und grundsätzlich dunkel. durch die nebelige kälte schien mir gestern ein fußballplatzflutlicht ins fenster, heute ist auch das still. tagsüber hört man, daß ganz in der nähe eine autobahn ist, vielbefahren. wenn man genau hinhört, liegt dieses raschen über allem.

ich bin müde, so müde.

hab aber zügig alles erledigt, was noch anstand, inklusive einkaufen usw. dann der mann im fahrradladen, bei dem ich schnell was billiges zum kette fetten kaufen wollte. ölen, heißt das. kette ölen! hat er dann auch gemacht, für umsonst, was mir ein wenig peinich war. mein grauenhaft verbogenes schrottrad, das zirka drei jahre im keller gestanden hat. aber fahren geht schon noch, so einigermaßen. zur not.

morgen soll es sonnig werden und zweistellig, bevor dann zu ostern der schnee zurückkommt. das wird helfen, den kopf freizukriegen. hoffe ich. ich glaube, ich stehe ganz gut da.