raum für notizen

disziplin: alle tage

#insight

28. April 2021 - 00:47

alles still draußen, tatsächlich. alles dunkel auch, schlafen die alle schon? sind sie überhaupt noch da? die menschen, die nachbarn, was tun sie gerade? manchmal höre ich ein fahrzeug, vor allem immer wieder das laut heulende motorrad aus der direkten nachbarschaft. spät in der nacht ist das, egal wie kalt es ist. wohl weil die straßen jetzt so schön leer sind. vermute ich jedenfalls, ich weiß es nicht.

ich bin auch still, und ein bisschen betrunken. das bin ich neuerdings fast jeden abend. ein kleines bisschen nur, aber naja. es ist kaum zu ertragen, das alles. was aus uns wird, den menschen, den nachbarn. alle reden über sich, ich ja auch. ich bin mir wichtig, es ist sonst niemand hier.

aber das hauen und stechen, das sich seit ostern überall entwickelt. derzeit vor allem rund um den immer noch raren impfstoff, trotz aller versprechungen. jeden tag wird es schlimmer, gerade sind es die eltern, die den größen lärm verursachen. mir werden tipps zugespielt und praxislisten, wie auf einem schwarzmarkt. auf twitter lese ich von lustigen menschen, die auf der suche nach dem geilen stoff von hausarzt zu hausarzt durch die halbe stadt laufen. und sich wundern, dass es da voll ist, beängstigend fast, und die dort arbeitenden menschen unfreundlich, genervt bis ablehnend.

was sagt uns das, global betrachtet, in einer globalen pandemiesituation? ich ahne da wirklich nichts gutes.

ich höre jetzt auf, kein wort mehr über das impfdesaster. (und damit meine ich nicht nur die mangelwirtschaft. die war absehbar, zumindest global.) meine lage kenne ich, die ändert sich ja auch kaum. ob mit oder ohne impfung. draußen ist mehr licht, das ist alles. es ist kalt und ungemütlich in diesem frühling, der kälteste april sein zwanzig jahren oder so. hab ich neulich gehört, ich weiß nicht mehr wo. dann kommt der mai, mein mai, und diese welt ist und bleibt doch unerträglich. nicht nur für mich, vermutlich. oder nicht? um mich geht es hier gar nicht. oder doch?

nein, hier geht es nie um mich.

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warten auf papier

26. April 2021 - 00:33

jeden tag zum briefkasten laufen und nachsehen, ob ein brief von der hausverwaltung da ist. vor etwas über einem jahr wurde mir die miete gekürzt und der zuviel gezahlte betrag zurück überwiesen, zwei mal. bis ich dann den dauerauftrag entsprechend geändert habe. das war wohl wegen des berliner mietendeckels, der jetzt wieder abgeschafft wurde. ich habe mich gar nicht darum gekümmert, seinerzeit, dachte auch gar nicht, dass das auf mich zutreffen würde. erst die hausverwaltung hat mich darauf gebracht. jetzt bin ich gespannt, ob ich nachzahlen muss, was ich von mir aus anstandslos gezahlt hätte.

komisch, irgendwie.

und auf den brief mit dem impfcode warte ich. obwohl mir klar ist, dass die für die mir entsprechende gruppe noch gar nicht raus sind. das hätte ich mitgekriegt, im netz oder in der presse. irgendwo. ich laufe also sinnlos hinunter und hoffe nicht, ich tue nur so. ich bin nicht ungeduldig, nicht neidisch oder wütend gar. ich weiß, was sache ist. ich will warten, nicht drängeln, mich vor allem nicht blamieren. aber ich muss wohl. papier allein hilft nicht.

ich will also und werde andere wege suchen müssen. finden, denn auf einmal ist mir eng, das war das ganze jahr nicht so. hier in meinem kleinen, mich umgebenden berliner hotspot, ganz für mich allein, mit meinem dauerhaft minimierten immunsystem.

das geht nicht mehr.

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still sein

21. April 2021 - 00:32

alles still, es ist nacht. alles wiederholt sich, das ist offensichtlich. es kommt und geht, dann kommt es wieder und alles geht von vorne los. bis es zu einem ende kommt. so ist das menschsein, im wesentlichen.

jetzt ist das ende absehbar, endlich. das ist gut, es ist nicht mehr weit. es ist furchtbar, herzzerreißend und schmerzhaft. doch es hilft nicht, it needs to be done.

ansonsten geht es weiter im text. das gerüst macht sich schon ganz gut, und es wird sich finden mit der zeit. alles.

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zumutung

19. April 2021 - 23:57

schwerer tag, sehr schwer. viel drin, auch überraschendes. und alles will aufgegeben werden. vermutlich.

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flow

19. April 2021 - 00:28

früh wach geworden heute, es war so still. nicht einmal vögel zu hören, vielleicht wegen des leichten regens. oder weil hier immer wenig vögel sind. außer den elstern, die so seltsam klingen. als sängen sie von einer anderen welt.

viel gab es nicht heute, nichts das musste. zum glück hatte ich gestern schon ausreichend gearbeitet. ich muss mich ranhalten mit den anstehenden übersetzungen, da hab ich zu lange vielleicht nicht geschludert, aber doch immer nur gerade so am limit agiert. das war mal echt gut gestern.

außerdem die bretter für die unterkonstruktionserweiterung des schreibtischs zusammengesetzt, geleimt und geschraubt, auch das gestern schon. heute stand also nur wachsen und zusammensetzen auf dem programm. dabei habe ich erkannt, dass ich vor monaten, als ich das blech bestellt habe, einen ganz anderen plan im kopf hatte, als am donnerstag, als ich das holz besorgt habe. jetzt ist die blechverkleidung zwei zentimeter zu kurz. das macht zwar nichts, das kann ich gestalterisch einbauen. und es ist sowieso an der seite, da sieht man es kaum. aber das passiert, wenn man nicht zügig weitermachen kann. im bauen, wie im schreiben, wie im leben. man verliert den flow, und alles wird anders. der kleine rest dekowachs immerhin hat so gerade eben gereicht, das war fantastisch. morgen oder irgendwann kommt dann noch das blech dran. dann ist es das. endlich. durch!

anschließend stehen noch etliche kleinigkeiten in der wohnung auf der liste. eine ganz ordentliche liste, die kann ich gut überall dazwischenschieben, bevor es dann an die etwas größeren dinge im wohnbüro geht. nichts riesiges, also kein neubau oder so, aber insgesamt doch recht viel. alle regale neu, den schrank mit dem plattenspieler und ein paar wandbretter andersfarbig wachsen, dann das große regal umbauen und ebenfalls wachsen. mit all dem muss ich wohl warten, bis es wirklich wieder baumärkte gibt. denn da werde ich dann oft hinmüssen.

zuletzt der tisch mit der schwarzen glasplatte. ganz neu. bauen! darauf freue ich mich am meisten. aber das dauert wohl noch. jetzt bin ich müde.

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#insight

17. April 2021 - 00:59

nach den monaten der zurückhaltung, seit anfang des jahres im grunde, ach, mehr als das. dazu über ein jahr im homeoffice und zum teil tage- und wochenlanges alleinsein. nur schweigen und warten. warten darauf, dass doch auch die außenwelt irgendwann genauso zurückfahren müsste.

ist aber nicht, und kommt auch nicht.

heute war dann einfach mal nix mehr mit #insight, schnauze voll und so. warum denn ich, immer allein?! ich hab also dieses freitesten versucht, wirklich eine grausame prozedur, brutale körperverletzung, jawohl. und dann war ich im baumarkt, hab die holzzuschnitte besorgt, die ich mir monatelang verkniffen hatte. ich bin selbst rein und hab sie mir geholt, einfach so. ich war im baumarkt! das wäre natürlich gar nicht nötig gewesen, ich hätte durchaus auch noch ein paar monate, so fünf oder sechs vielleicht, weiter warten können. warum denn auch nicht? aber schön ist es natürlich schon, morgen kann ich den schreibtisch fertigbauen. endlich.

im gartencenter war ich dann auch noch schnell, wo ich schonmal so einen schönen test in der tasche hatte. mit den pflänzchen war ich nicht besonders erfolgreich, es ist noch zu kalt und vieles noch gar nicht verkaufsfertig gewachsen. das sagte der nette angestellte dort, mit dem ich gesprochen habe. mit maske und irgendeinem abstand, den ich weder gemessen, noch irgendwie beachtet habe. in dem moment. obwohl uns schon auch klar war, was sache ist. nur 20% umsatz machen sie derzet, hat der nette mann noch gesagt. ich komme wieder, habe ich gesagt.

überhaupt war es schön draußen, trotz der kälte ganz warm in der sonne. das hätte ich nicht gedacht. und viele menschen waren unterwegs, sicher alle getestet, wie ich. oder auch nicht, scheißdrauf. einer hat mich nach dem weg gefragt, ohne maske. der hatte noch nicht ejnmal eine am ellbogen, wie ich meine am handgelenk. den weg wusste ich außerdem auch nicht, aber scheißdrauf.

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pressen

11. April 2021 - 23:59

vieles, was ich nicht mehr sage. nicht, weil es hier nicht gesagt werden kann, nein. mir fehlt die lust und die kraft. etliche ideen habe ich nicht einmal verworfen, das nicht. ich habe sie nicht einmal angefangen. ich sitze nur da, tue nichts, nicht einmal denken. nur müde bin ich, immerzu. ich müsste mich zwingen. ich zwinge mich, jetzt.

vieles auch, das ich nicht mehr lese. das eine buch trage ich seit ende august mit mir herum. also von schlafzimmer ins wohnbüro und wieder zurück. manchmal mit zu arzt oder so, irgendwo wo man sitzen darf und warten. doch ich lese nicht. auch nicht in der süddeutschen, die ich mir aus einer laune heraus für eine weile für das wochenende bestellt habe. so richtig in papier, wie das riecht.

billiges papier, hochwertig bedruckt. immerhin habe ich die bücher auseinandergezogen und sortiert, wie ich das seit jeher mache. ich habe den wirtschaftsteil durchgeblättert, die reiseberichte und stellenanzeugen unbesehen weggepackt. jetzt ist da nur noch der wichtige, aber ungelesene kern. seit samstag trage ich auch ihn mit mir herum, zusammen mit dem einen, dem weitgehend ungelesenen buch. es ist schlimm.

aber der geruch. der text, das papier, das funktioniert noch. wie die unterschiedlichen, die verschiedenen blätter schmecken, das weiß ich genau.

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das schweigen der bilder

10. April 2021 - 00:41

die küchenelektrik hat keinen schaden genommen, die lampe funktioniert noch. oder wieder, jedenfalls problemlos. das knie ist nicht mehr blau, kein bisschen, nur die haut braucht noch ein wenig zur heilung. aber es tut noch weh, unten drunter, innen drin. immer mehr sogar, auf die knie kann ich noch nicht wieder. doch wer will das schon.

der tag hat sich vertrödelt und ich bin mit ihm. nur dagesessen im grunde, mir ist nichts passiert. ich habe ein puzzle gelegt, unsinnig lange. das war nicht schön, es war dumm. vor ein paar tagen habe ich das große kalenderblatt in der küche umgelegt, am fünften des monats erst. das passiert mir sonst nie, obwohl der kalender da nicht als kalender hängt. sondern als bild. bauhaus in diesem jahr, die bilder erinnern mich, das wusste ich gar nicht. was ich als kind im kunstunterricht gemacht und gelernt habe, das muss bauhausgeprägt gewesen sein.

eben erst habe ich das bild gesehen, das kalenderblatt, das ich vor tagen verspätet umgeblättert habe. vorher nicht, auch das habe ich vergessen. so ist mein sein, so entwickelt sich mein gemüt. alles schwindet und schweigt mit dem schweigen der welt, wobei sie doch so brüllt und kreischt. diese gräßliche welt.

und tango? auch davon habe ich neulich ein bild gesehen. was ist das?

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wasser

09. April 2021 - 01:24

immer wieder in den letzten wochen und monaten habe ich gedacht, wie lächerlich doch dieses wasserproblem zum jahreswechsel 2019/2020 war. im bad bei den nachbarn über mir war irgendwas mit dem ablauf nicht in ordung, deshalb tropfte es von der decke in meine wanne. das war nervig, nahezu penetrant schien mir der eingriff in meine privatsphäre.

keine ahnung hatte ich, damals, von dem, was kurz danach kommen würde. von den wirklichen, tiefen eingriffen in unser aller leben. in mein leben auch, von dem nicht mehr viel übrig ist, seit über einem jahr. auf jeden fall aber seit etwa anfang dezember. so wie es war, mein leben, wie es sein soll, für mich: das wichtigste fehlt, alles, ist völlig verschwunden. das, was für mich und meine lebengeschichte existenziell ist. seltsame dinge, die ich längst nicht mehr erklären mag, weil es anders ist, so anders, was ich lebe. ich bin anders, aber was solls. und meine existenz interessiert natürlich nicht, doch damit bin ich völlig einverstanden. (damit keine zweifel aufkommen.)

heute nachmittag dann, es dämmert gerade, stehe ich in der küche und dort läuft wasser aus der deckenlampe in meine wohnung. richtig viel, als hätte jemand einen wasserhahn aufgedreht. ein sitzkissen ist durchnässt, eine riesenpfütze auf dem boden, meine hand geht zum lichtschalter, um das desaster besser sehen zu können. das lasse ich dann aber, zum glück, gerade im rechten moment. die lüsterklemme liegt im wasser, stelle ich später fest. aber erstmal platziere ich schnell ein paar eimer, greife meinen schlüssel und laufe nach oben.

der nachbar ist ahnungslos. nein sagt er, hier ist nichts. obwohl ich das wasser laufen höre, von draußen, aus dem treppenhaus. nachschauen geht er aber zum glück doch. und dreht den wasserhahn zu, der seine küche offensichtlich in eine duschtasse verwandelt hat. (wie das geht? keine ahnung, es gibt doch überläufe. dachte ich.)

immer von dort, von da oben kommt wasser über mich. diesmal ist es erst durch das kabelloch in der decke gelaufen, dann hat es etliche nasse stellen an decke und wand hinterlassen, sogar auch im bad, wo es wieder in die wanne getropft ist. diese stellen trocknen inzwischen schon langsam und hinterlassen leichte schatten mit deutlich gelben dreckrändern.

es ist so schön, das zu beobachten. wie mir alles undicht wird, da musste ich schon lachen. heute.

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kalt

07. April 2021 - 00:00

am abend all die traurigkeit einsammeln, aus den ecken und winkeln der wohnung, und sie oben auf die bettecke, also mir auf den körper schichten. damit ich nicht friere, die nacht.

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