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archiv: unter tage


krank, vielleicht

11. Dezember 2017 - 14:31

okay, das sollte man nicht machen, blogbeiträge mit den worten „krank. vielleicht“ am ende. überhaupt sollte man immer vorsichtig sein mit den dingen die man sagt, aber noch vorsichtiger mit dem, was man schreibt. manchmal stimmt es nämlich.

minuten nach dem letzten eintrag bin ich dann also unter übelkeit leidend ins bett gekrochen, habe dort stunden weiterhin leidend verbracht, ohne viel zu schlafen, nur um mich im morgengrauen demütig von meinem mageninhalt zu trennen. also nix mit arbeiten gestern, stattdessen in einem fremden bett rumliegen und den vögeln beim fliegen zusehen. auch schön, zuhause geht das nicht. da ist vorm fenster kein himmel.

keine ahnung, was der sinn von krankheit ist. immerhin, die aktion hat mich über drei kilo gekostet. und das imunsystem hatte mal was anderes zu tun, als sich permanent mit dieser blöden rheumaidee zu beschäftigen.

die sprengkraft des tango

09. Dezember 2017 - 11:46

gestern wurde irgendwo auf facebook diskutiert, ob beim tango die frau größer sein kann als der mann. ich will da nicht weiter mitmischen, weil die dortige gastgeberin eben diese diskussion nicht wünscht. sie will für sich einen großen mann, und das ist okay.

aber!

ich platze fast vor irritation ob der dadurch produzierten ausgrenzungen, einschränkungen, bedingungen. große frauen kriegen nie einen passenden tänzer, kleine männer haben eh keine chance, schon gar nicht bei 8cm-gestöckel, wenigstens. überhaupt macht der mann alles, die frau nichts, außer die augen zu und fallenlassen. (also, wenn die augen eh zu sind, wozu ist dann die größe wichtig? aber egal.)

ginge es tatsächlich danach, hätte ich kaum eine chance, jemals tango zu tanzen. zunächst einmal: ich stöckele nicht. nie. ich bin eine schlechte folgende, führe aber immerhin ein wenig besser. hin und wieder. und finde das im grunde auch spannender, weil musikverbundener. ich bin aber nur 168cm groß, wenn das so überhaupt noch stimmt. viele, die ich führe, sind größer als ich. eine der tangofreundinnen ist noch kleiner als ich. und sie ist sicherer und präziser, also deutlich besser als ich, als die meisten.

ich könnte noch bände reden oder schreiben. das tut nicht not, klar ist sowieso: auf einer normalomilonga würde sich niemand (der männer) jemals mit mir abgeben, mich überhaupt nur wahrnehmen. und auf einmal verstehe ich das. ich bin zu groß oder zu klein, zu häßlich oder zu plump, zu unpassend auf jeden fall und ganz und gar falsch. und das ist gut so.

an dieser stelle also ein kleines hoch auf den queer-tango, wo im übrigen, das muß hier wohl mal gesagt werden, nicht etwa nur schwule, lesben, transmenschen und anderes gesocks auch mal miteinander tanzen. so unter sich, schön sauber aussortiert. das wohl auch, das ergibt sich zwangsläufig. die welt ist so, sie macht das nötig, immer noch. aber queer-tango ist das nicht, nicht nur. vor allem werden rollen gewechselt, ständig. führen oder folgen, sich vorwärts- oder rückwärts bewegen. auf die musik hören oder auf die musik und den tanzpartner. folgen ist schwerer, das nur am rande. die erste frage, die geklärt wird, ist nicht die nach der größe, sondern die nach der der aktuellen rollenpräferenz.

und was mich am anfang schwer gebeutelt hat, dieses ständige wechseln, das ist wirklich anstrengend, aber hallo, besonders im kopf, man möchte es nicht glauben. heute ist mir genau das salz und pfeffer im tango, sprengkraft im schädel. mitunter weiß ich sowohl beim zusehen als auch beim selber tanzen nicht mehr so genau, wer folgt und wer führt, weil alles ein gemeinsames wird. was es ja ohnehin ist.

eine musik, eine bewegung. ein scheitern und glücklich retten, so gerade eben noch. ein kurzes gelingen und dann doch gleich wieder scheitern. alles eins, ein glück.

ps: warum also um himmels willen den vielleicht besten tanz des lebens verpassen, drei minuten, mehr ist es doch nicht, weil irgendetwas am körper des gegenübers nicht durch die schablone paßt?

raum

06. Dezember 2017 - 23:03

ich sehe aus den fenstern, die den raum in drei verschiedene richtungen öffnen. draußen ist es still und dunkel. man entgeht, wenn man berlin verlässt, ja nicht nur dem stadt- und menschenlärm. auch der lichtlärm verringert sich erheblich.

ich sehe aus allen fenstern und suche. mein leben.

toter sonntag

27. November 2017 - 00:20

am morgen einfach liegen geblieben und das buch zuende gelesen. ich weiß nicht, wie lange ich so etwas nicht gemacht habe. ich kam mir vor wie das kind, damals, das den ganzen tag dalag und las. und sich dafür beschimpfen ließ, weil doch draußen die sonne. lesen, bis da nichts mehr zu lesen ist.

dann in den tag, den sonntag, der frei sein sollte. frei sein konnte, nach dem überraschend umfangreichen arbeitspensum am donnerstag und freitag in leipzig. also ein bißchen räumen hier und da, die getrocknete wäsche verstauen, entweder in die bügelkisten oder in den schrank, und aussortiertes papier in den container tragen. darüber hinaus habe ich das haus nicht verlassen.

ach, und die neue lampe aufgehängt, retrostyle aus china. aber hübsch und erschwinglich, außerdem vor allem ein testobjekt für ähnliche lampen, die ich selber zu bauen gedenke. mal sehen.

neues licht also.

gerade eben schnell noch die umsatzsteuer 2016 überwiesen. meine verzweifelten steuerbemühungen im oktober haben sich überraschend schnell in einem überaus erträglichen steuerbescheid niedergeschlagen. keine ahnung, ob ich es irgendwie richtig gemacht habe. alles bestimmt nicht, aber zumindest dann doch nicht so falsch, daß es zu größeren verzögerungen durch einen berechtigten bedarf an unbequemen nachfragen gekommen wäre.

ich bin zufrieden mit diesem tag. aber doch nicht so richtig. etwas fehlt ja immer. besonders, wenn man auf anhieb nicht weiß, was.

mitmenschen

11. November 2017 - 22:34

in der wohnung nebenan sind menschen. wenn sie reden, verstehe ich jedes wort. am nachmittag haben sie darüber diskutiert, ob grelle socken zu grauen schuhen passen. dazwischen rauschten dusche und toilette, auch der fön lief mehrfach. darüber die stimmen. dann auf einmal war ruhe, sie sind wohl ausgegangen. später wird dann sicher wieder geschnarcht, so wie gestern.

am nachbartisch im café sind auch menschen. es sind frauen und männer, und sie haben kinder dabei. kleine kinder. kleine wesen, wie der eine mann sie nennt. kleine wesen, die doch noch gar nichts von der welt wüßten und daher am liebsten bei mama und papa seien. also nix mit tagesmutter oder kindergarten, das könne man ihnen doch später nicht erklären. seine tochter versucht derweil, ihrer mutter zu entkommen, die ihr auf schritt und tritt hinterherlangt. moment, sagt sie zu der anderen mutter, deren wesen noch ein säugling ist und mehr oder weniger auf ihr liegt. moment, ich muß grad mal mein wesen vorm tod bewahren. und lacht.

das kind bemüht sich zu der zeit tatsächlich, das kleine podest hinter sich zu lassen, auf dem der caféhaustisch steht. nur wenig höher als eine normale treppenstufe, ein wagnis also, ein abenteuer. natürlich kommt das wesen nicht weit, es klebt schnell wieder an seiner mutter.

manchmal sind mir meine mitmenschen einfach zuviel. ich wende mich ab, lese in einem unverständlichen buch. wenigstens ist es darin leise. nach einer weile kommt mein frühstück. die kellnerin kündigt es an mit: sie haben zuwachs bekommen. ich verstehe meine mitmenschen manchmal wirklich nicht. und tatsächlich ich bin doch nicht immer zu hundert prozent überzeugt, daß es wie selbstverständlich an mir liegen muß. warum ist ein frühstück zuwachs?

dann erst sehe ich die kleine, die sich irgendwie von ihrer mutter losgeeist hat. zwischen zwei stuhllehnen hindurch sieht sie mich an.

moin

10. November 2017 - 23:40

wieder mal auf reisen, und ich weiß nicht genau warum. es geht um geist und seele, es geht ums reden und ums schreiben. soviel ist klar. die dinge finden sich, mitunter bekomme ich es auch mit. wie aus den augenwinkeln, dann ist es augenblicklich wieder verschwunden. keine ahnung, ob ich darauf vertrauen sollte. oder könnte. oder kann.

die gemietete kleine wohnung ist wirklich klein. eigentlich nur ein raum, aber der paßt. im großen und ganzen. auf dem tisch stehen blumen und eine flasche wasser. es gibt tee, zucker und salz, dazu einen wasserkocher. im kühlschrank liegt ein kühlpack. alles wie für mich bestellt. die hochbettkonstruktion habe ich bereits genau studiert, für den fall, daß ich mal ein solches bauen möchte. könnte ja sein.

nur der schreibplatz liegt mit dem fenster im rücken, im erdgeschoß auch noch, schon wieder. schreibklausurorte im erdgeschoss scheinen meine neue spezialität zu werden. ich weiß nicht, was das soll, aber unangenehm ist es. die eingangstür, aus metall übrigens, ist gleich neben mir, dahinter das treppenhaus, unmittelbar dahinter haustür. einen flur gibt es nicht, ist ja nur ein raum. das ist laut, alles ist laut. und der tisch ist aus glas, das ist scheußlich.

aber man könnte was draus machen. so etwas in der art, vielleicht, irgendwann, in der nähe von berlin. als ständige schreibklause. oder pendlerbutze. oder was auch immer, je nachdem wie sich die dinge finden.

das ist ein komischer tag heute. ich bin eine schlechte reisende.

das LaTeX-experiment

08. November 2017 - 18:21

etwas über ein jahr ist es jetzt, daß ich mich in lohn- und brotabhängigkeit begeben habe. frei- und bereitwillig, aber nur halb. zwanzig stunden, alles andere bleibt frei. fazit gefällig?

es ist noch luft nach oben. programmiererInnen sprechen eine sehr eigene sprache und leben in einer eigenen welt. wie vermutlich jede berufssparte, aber handwerkerInnen verstehe ich einfach besser. die sind irgendwie handlicher, und da weiß ich, was sie tun. der wesenskern des programmierens hingegen erschließt sich mir nach wie vor wenig.

andererseits.

versehentlich bin ich in der zeit selbst so etwas wie eine winzige miniprogrammiererin geworden. eine LaTeX-programmiererin, mit mittlerweile vierundfünfzig. was es so alles geben kann. und so gut bin ich inzwischen, daß ich heute im zuge einer notwendigen generalüberholung des gesamtdokuments nebenbei die eigenen blöden anfängerfehler von vor einem jahr bemerken und beheben konnte. also nicht wirklich fehler, aber programmierungenauigkeiten. um genau zu sein.

also aus der perspektive gefällt mir der wesenskern des programmierens wiederum recht gut.

aperitiv

30. Oktober 2017 - 23:56

heute wollte ich als erstes die bohrlöcher, die die abgebauten bücherregalmeter im schlafzimmer hinterlassen haben, verspachteln und anschließend das zu besorgende holz sorgfältig vermessen. das hätte spaß gemacht. dann war da aber auch noch die steuererklärung, die schon wieder seit etlichen tagen regungslos und dabei durchaus vorwurfsvoll meiner nachdrücklich bedurfte.

damit hatte sich der schöne freie tag alsbald erledigt, und ich befand mich frustriert in weniger als einer stunde. von wohltuenden 36° auf unterkühlung ohne den hauch einer chance, das unvermeidlich notwendige zügig abzuschließen, wie ich es eigentlich vorgehabt hatte. ein elend, ein elendes ich, ein desaster. die elster ist ein grausamer vogel, hinterhältig und unergründlich.

solches lässt sich nicht retten, auf keine art. solches ist verlorene zeit. da passt zum abschluß nur eines, billiges gesöff, wermut mit viel eis. das eine vielfach unterschätzte, passend kleine größe für den anlaß.

30. Oktober 2017 - 00:12

zeit vergeht, in der ich versinke, mich verliere und alles. ins leere erstarre am ende.

das schreiben vergessen. einfach nicht mehr daran denken. anders sein. mir vorstellen, daß es reichen könnte, das bauen. nur noch das, nichts sonst. kein illusionen mehr, keine flausen. mir nichts mehr einbilden, wie es mir als kind schon vorgeschrieben wurde.

ich habe eine dübelschablone für normale runddübel bestellt, die kommt günstiger als eine nutfräse. bohrmaschinen habe ich ja schon.

das wird nicht helfen. das wird nichts ändern. das weiß ich.

27. Oktober 2017 - 19:13

ich denke, ich werde mich trauen und das bett, das mir mein vater kurz vor seinem tod noch eigenhändig gebaut hat, ein wenig an die gegebenheiten anpassen. nicht viel, nur die ablagefläche am kopfende, wo sie nicht unerheblich deplaziert ist, zu einer seite hin erweitern. daran anschließend zwei oder drei eckregalbretter und ein bißchen gestänge für zwei neue lampen. ganz durchgedacht ist der plan noch nicht, abwarten.

was ich allerdings beibehalten will und muß, ist die verarbeitung des bettes ohne jegliches metall. alles nur holz und leim, so hat mein vater das gemacht. und das muß natürlich bleiben. ich werde also erstmals mit flachdübeln arbeiten und dafür eine nutfräse besorgen müssen. für vielleicht zwei dübel, das heißt vier schlitze. irgendwie irre, aber darauf freue ich mich am meisten.

umbauprojekte sind übrigens gefährlich, immer. die dinge geraten in bewegung. irgendwie alle.

heute morgen kam mir die eigenartige idee, die zwei meter sechzig bücherregal aus dem schlafzimnmer ersatzlos zu entfernen. ist ja doch recht voll geworden mit der zeit; nicht nur das schlafzimmer, die ganze wohnung irgendwie. und irgendwo muß man ja mal anfangen.

darum steht jetzt hier eine kiste mit papier, das der vernichtung preisgegeben werden wird. bücher! jawohl, ich kann das. bücher wegwerfen. kann ich! außerdem habe ich das unsägliche getan. ich habe an einigen wenigen, sehr wohl gewählten stellen in den verbleibenden büchermetern, immerhin noch zirka dreißig, die zweitreihe eingeführt. schande über mich!