raum für notizen

disziplin: unter tage

bonding (102)

05. April 2020 - 22:56

seit zwei tagen kämpfe ich mit dem letzten kapitel. das heißt, eigentlich mit der zweiten hälfte des letzten kapitels. die erste steht ja nun schon lange, die rühre ich auch nicht mehr an.

gestern ging es noch einigermaßen mit der arbeit, auch wenn ich auf uralte techniken zurückgreifen musste. papier und bleistift, ein radiergummi, zwei bunte marker. ohne das wäre ich nicht zurechtgekommen. das mag an der hohen konzentration am ende eines textes liegen. oder an der pandemischen weltlage, was durchaus denkbar wäre. ich weiß nicht einmal das mit gewissheit zu sagen.

fakt war gestern, dass ich keine sechs seiten ohne diese hilfmittel hätte überblicken können. während ich sonst in der lage bin, zwanzig, dreißig oder auch vierzig im hirn zu behalten. genaugenommen sogar alle, weit über vierhundert.

heute allein drei stunden an einer einzigen seite geklebt. danach waren es drei seiten, es musste also wirklich sein. auch der rest des bestehenden textes musste an vielen stellen ergänzt und erweitert werden. fünf, sechst stunden lang. fertig bin ich damit nicht, diese überarbeitung muss noch einmal überarbeitet werden. da hilft nichts.

drei seiten sind noch offen. gegen sechs, es war noch hell draußen, habe ich erschöpft aufgegeben.

ich fasse es nicht. ich bin am ende. (noch nicht.)

weiter geht’s: morgen und übermorgen abtauchen in den brotberuf. mittwoch dann.

unter tage | 0 » | plink

bonding (101)

03. April 2020 - 23:21

gestern das letzte kapitel durchgesprochen, alles soweit gut. es bleiben kleinigkeiten, die noch zu tun sind. einzelne worte, geringfügige ergänzungen. darüber hinaus eine letzte idee, die noch eingeflochten werden will. eine feine rote linie, nicht unwichtig. aber wer weiß.

nachgeschaut habe ich schon und gesehen, dass es gewagt ist. einen bogen schlagen von seite 178 auf seite 449? weil ich es kann?

mehr als geschaut habe ich heute dann aber nicht. stattdessen hänge ich mächtig durch. überall hebt sich schon die osterstarre, vierzehn tage pause, auch bei meinen literarischen partnern. damit habe ich auf einmal luft bis zur auferstehung. was sich heute mal in erschöpfung bei gleichzeitigem nichtstun geäußert hat.

naja. kein schönes ende, offensichtlich.

unter tage | 0 » | plink

bonding (100)

29. März 2020 - 23:20

die erste (hoffentlich) lesbare fassung des letzten kapitels. steht!

gerade eben, vor ein paar minuten, war ich durch. 448 (norm)seiten, rund 112.000 wörter. insgesamt.

die arbeit an dem letzten kapitel, die letzten drei tage, das war die hölle. nicht schön, ohnehin. aber jetzt, gerade jetzt. in dieser coronawelt.

was ist das? was soll das? wozu?

am donnerstag wird das ganze durchgesprochen, via skype oder so. danach kommt das letzte bisschen, der (erste, grobe) feinschliff. das kann oder wird durchaus noch einmal ein paar tage brauchen.

aber dann ist fertig. (fürs erste.) also vor ostern, wie geplant.

unter tage | 0 » | plink

bonding (99)

28. März 2020 - 00:30

schreiben ist schrecklich. ich weiß nicht, warum ich das tue. vielleicht nur noch, weil es albern wäre, nach über zwei jahren, die letzten zwanzig seiten auszulassen.

keine ahnung, ob es heute so schwer war, weil es eben die schwere texterstellphase ist. alles noch unsortiert und unfertig, das macht unzufrieden. kaum ein augenblick klarheit oder schönheit gar, nichts das die türen öffnen würde. bislang. und immer die angst, dass es auf einmal nicht mehr funktionieren könnte. jederzeit.

ich kann also nicht wirklich sagen, was ich getan habe, geschrieben, den ganzen langen tag. heute ganz besonders, stundenlang habe ich gesessen. aber ob das gut war, ob es brauchbar ist, was da jetzt steht. etliche seiten sind es, das weiß ich, vorsortiert nach überarbeitungszustand. ich hoffe, dass es wenigstens lesbar ist. aber ich werde nachschauen müssen, morgen. um das beurteilen zu können.

vor allem ist natürlich die konzentration doch immer wieder arg gestört, durch ein virus.

unter tage | 0 » | plink

bonding (98)

26. März 2020 - 23:52

es sind nur noch wenige seiten, ein bisschen was zu sagen, zu erzählen. nicht mehr viel. meine vorgehensweise ist seltsam, schon gestern und vorgestern war das so. ich knabbere an den äußeren ränder dieser paar seiten und versuche, von dort in die mittte vorzudringen. ich umzingle etwas, von dem ich noch nicht weiß, wie es am ende ausgestaltet sein könnte. sein wird.

auf die art habe ich heute das letzte material an die ränder gegossen und in die mitte laufen lassen. alles, was noch nötig ist, ist eingeflossen, da bin ich sicher. der boden überall bedeckt. sechs seiten stehen nun da, mittig noch sehr grob, nein schlimmer noch: rudimentär. für die mich seit tagen umschlingende unkonzentriertheit jedoch ist es gut. nicht gut genug, sondern wirklich gut.

so gut, dass es morgen nur besser werden kann. werden wird.

unter tage | 0 » | plink

bonding (97)

25. März 2020 - 11:30

ich sortiere meine diversen arbeitsplätze und arbeitszeiten, die auf einmal alle an einem ort stattfinden. kein schlechter ort: bester schreibtischstuhl von allen, vertrautestes technisches equipment, radio und tv sind dauerhaft griffbereit und die küche mit dem persönlichsten geschmack bestückt. sogar klopapier ist auch noch ein bisschen was da.

ungewohnt ist es, all die arbeit an einem ort konzentriert zu erledigen. nicht mehr akurat wechseln zu können, indem ich den ort wechsle. abschließen mit dem einen, eintreten in das andere. das schreiben, es droht unterzugehen in solchen konstellationen. ich kenne das.

deshalb wohl schreibe ich derzeit spät in der nacht, nach einem vollen arbeitstag, ein paar zeilen zumindest. um es zu halten, mich zu halten. in einer situation, die nicht nur durch die arbeitsplatzorganisation angespannt ist. bis tief ins innere.

gestern nacht also, nach dem grob angesetzen ende des romans, den einsatz für die letzten paar seiten notiert. auch nur grob, aber durchaus tauglich. solche einsätze oder übergänge, das ist wichtig. daran hänge ich oft.

unter tage | 0 » | plink

bonding (96)

21. März 2020 - 21:15

weniger zeit am schreibtisch heute, viel weniger, dafür aber tief im text verschwunden. auf der klaviatur der satzzeichen gespielt und mit der ordnung der worte. jetzt ist der erste teil des letzten kapitels fertig. fünfzehn seiten sind es geworden, sicher noch einmal soviel werden folgen. das ist nicht viel, das ist bald.

das mag nicht viel sein, dennoch ist es wohl komplex. wenn es so wird, wie ich mir das denke. wie es grob notiert steht im manuskript hinten und verfeinert schwimmt in meinem hirn, meinem gemüt und atem. bis es endlich wird.

aber dann ist alles gut.

unter tage | 0 » | plink

bonding (95)

20. März 2020 - 23:13

ich bemühe mich, was sonst soll ich tun. ich kann nichts anderes, also schreibe ich. und es geht wieder besser heute, nachdem mich die letzten tage fürchterlich desorientiert haben, zu durchdrungen waren sie von der wirren welt da draußen.

gestern habe ich zwar auch gearbeitet, kann mich aber kaum erinnern, was genau ich getan habe. heute morgen bin ich dann, gleich nach dem wöchentlichen einkauf, direkt an den schreibtisch. und bin bis gerade eben dort sitzen geblieben. (nein, ganz so schlimm war es nicht. ich bin auch mal aufgestanden.) das war gut. ich habe viel geschafft, ich bin zufrieden.

dabei war viel zu tun: die misslungene handlungsebene einer seitenlangen dialogpassage musste von grund auf durchsortiert werden. inhaltlich stimmte so gut wie alles, nur die handlungsabfolge war ein desaster. das hatte ich sogar schon selbst gemerkt, bevor es mir gestern vormittag dann auch noch explizit aufgezeigt wurde. ich hatte nur den nerv nicht, an den tagen davor, mich intensiv da hineinzubegeben. keine konzentration, nur stress und die wirre welt da draußen. deshalb wollte ich wohl versuchen, mich mit ein paar groben korrekturen aus dieser pflicht herauszuwinden.

also heute dann, es hilft ja nichts. da habe ich zum ersten mal seit langem mit papier und markern gearbeitet. arbeiten müssen, wei der kopf allein es nicht halten wollte. umgeben von dieser wirren welt. unter normalen umständen wäre ich sicher schneller gewesen, das stimmt. aber das resultat ist dennoch okay. denke ich. ich schau mal morgen.

weitere drei seiten sind noch offen, ebenfalls für morgen. mit diesen stünde dann so in etwa die hälfte des letzten kapitels. fest auf den beinen, ohne das sich noch darum bangen müsste.

anschließend geht es natürich weiter. der letzte satz steht bereits da. das sagte ich das schon, oder?

unter tage | 0 » | plink

bonding (94)

07. März 2020 - 00:56

zweiundzwanzig ist fertig, ausgedruckt und abgeheftet. wieder weit über das ziel hinaus geschossen und fast dreimal soviel wie gedacht geschrieben. aber da habe ich eben falsch gedacht, vielleicht aus sicherheitsgründen. damit ich nicht vor angst in die knie gehe, wenn ich mir vorher klar vor augen führe, was es tatsächlich zu tun gilt. das material selbst, den stoff kenne ich genau, und ich weiß um die notwendigkeit der belebung. das kostet zeit und kraft, sammelt seiten und ist die einzige möglichkeit. zu schreiben, zu leben. alles andere wäre selbstbetrug. wie auch betrug an der literatur.

ein ende ist also geschafft. jetzt kommt das zweite, das vermeindlich kleinere. und das eigentlich schwerere, weil da noch vieles geklärt werden muss. morgen muss ich also lesen, die binnengeschichte, das alles noch einmal in mir entfalten. um auch das abzuschließen. viel mehr sollte ich mir nicht vornehmen, vielleicht für das gesamte wochenende nicht.

ziemlich genau vier wochen gebe ich mir für dieses ende, das wirkliche ende. seitenzahlen, wie neulich schon gesagt, verkneife ich mir besser. die erfahrung der letzten monate spricht dafür, da lag ich immer sehr daneben. aber wenn es so etwa dreißig werden, käme das manuskript letztendlich auf zirka vierhundertfünfzig seiten. das klingt doch fett und satt und rund.

nein, das klingt unglaublich!

nebenbei sammel ich neuerdings frische arbeitstitel und schreibe sie mit den alten in eine kleine textdatei. auf einmal kommen sie, ich weiß nicht, woher. und warum. das ist auch alles nicht wirklich gut, bis auf einen vielleicht. den ich hier natürlich nicht verrate, wo kommen wir denn da hin.

buchtitel sind schwer, unfassbar schwer. zu suchen, zu finden, eigentlich nicht möglich. im grunde hänge ich auch immer noch an „bonding“, was es exakt treffen würde. aber das ist englisch, und es lässt sich so gut wie nicht übersetzen. das, was ich meine. darüber hinaus macht die andere bedeutung es für meine zwecke komplett zunichte. in beiden sprachen. das ist gemein, das denke ich jetzt seit jahren.

unter tage | 0 » | plink