raum für notizen

disziplin: unter tage

bonding (139)

21. Oktober 2020 - 01:09

dass ich beide bisherigen manuskriptfassungen in jeweils dem moment fertiggestellt habe, in dem welt draußen unerträglich wird. das verstehe ich nicht, das ertrage ich auch nicht gut. das lässt mich zurück, wie eine idiotin vielleicht, zumindest aber eine absurdität von mensch. ein solches buch in eine solche zeit zu versenken, das ist einfach nur irre.

immerhin ist es auf dem weg. es ist auch angekommen, das hat meine agentin dann doch zügig bestätigt. spüren kann ich gerade nichts mehr. vor ein paar wochen war ich wach und dicht dran, da hätte mir ein klein wenig austausch womöglich geholfen. ich weiß nicht, ob ich darauf gehofft habe. vermutlich schon, obwohl autorinnenseelenpflege ganz sicher nicht zu den agenturaufgaben gehört. sehr gut also, ein glück, dass ich vergessen wurde, über den rand gerutscht bin irgendwie. das wäre sonst ziemlich peinlich geworden, könnte ich mir denken. und auf die art gewöhne ich mir solcherlei komische hoffnung gar nicht erst an.

inzwischen ist alles tot, es gibt nichts mehr zu sagen. etwas ist so tief in mich hineingekrochen, dass es längst nichts mehr mit dem buch zu tun hat. in ein paar tagen nur, das ist beeindruckend. und das geht jetzt auch niemanden mehr etwas an, dazu ist es zu spät.

das will nur überlebt sein, irgendwie, ganz allein.

oder auch nicht.

vor etwas mehr als einem jahr habe ich einen autor im radio so etwas sagen hören wie: immer, wenn ich ein buch fertig habe, bin ich völlig zerstört. damals habe ich mich ein wenig gegruselt, obwohl ich mir das gut vorstellen konnte. vielleicht auch gerade deshalb, weil ich es mir so gut vorstellen konnte. die lösung im radio hatte etwas mit gehen zu tun, mit spazieren vielleicht. oder mit dem laufen durch wälder.

jetzt bin also ich soweit. ich bin zerstört. aber gehen hilft nicht, das weiß ich schon.

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bonding (138)

17. Oktober 2020 - 00:41

einfach nur die erste überarbeitung abschließen, das reicht natürlich nicht. das ding muss ja dann auch raus. vor über zwanzig jahren, als der erste roman an diesem punkt angekommen war, da hat das tatsächlich über ein jahr gedauert. der ausdruck lag in einem karton im ungeheizten extrazimmer, gleich neben dem papiermüll und dem ascheeimer. wenn ich mich recht erinnere.

so ist es jetzt nicht, ein glück. darüber bin ich dann doch hinaus. es ist aber auch unendlich viel leichter geworden, denn ich muss nun nicht selbst die passenden verlage ermitteln. mich umstellen auf verkaufsmodus, was mir so gar nicht liegt. was ich also ohnehin nicht einmal ansatzweise erreichen könnte.

ein pdf erstellen und es an die agentur schicken, das war dagegen heute eine recht einfache übung.

und dennoch beängstigend.

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bonding (137)

16. Oktober 2020 - 01:51

fertig, denke ich.

die erste überarbeitung mit größeren umstruktuierungen und etlichen neuen elementen ist soeben fertig geworden. mitte oktober sollte es sein, so war es mit der agentur abgesprochen. ich bin ein streber, ich weiß. am ende meiner kräfte, mehr oder weniger auf dem zahnfleisch. keine konzentration mehr, kein elan. schlafen kann ich auch kaum noch, das aufstehen am morgen ist eine qual. und wie sich die vergangenheit geöffnet hat. ich weiß nicht, ob ich das alles so wollte. aber niemand fragt mich am ende. ich bin das material, und der text verlangt alles. von mir.

gestern also, am 15. 10. 2020 um 23.59 uhr, habe ich die finale datei gespeichert. die verlagsversion, so nenne ich das mal. sicher nicht ansatzweise veröffenlichungsreif und natürlich noch lange keine druckversion. auch wenn das gröbste erledigt sein sollte, da ist noch viel zu tun. so einiges habe ich auch schon selbst auf der liste. nicht für jetzt und nicht für bald. aber es steht schon da.

so, wie es jetzt ist, werde ich das ding morgen an die agentur geben. und von dort aus? himmel, was weiß ich. das mache ja nicht ich, das wird sich also zeigen. und ich werde es sehen, erleben. vermutlich. das überblicke ich nicht, kein bisschen.

ich begreife das alles sowieso gerade überhaupt gar nicht. heute nacht. sieht aus, als wäre es tatsächlich vorbei.

bis es dann weitergeht, irgendwann.

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bonding (135)

04. Oktober 2020 - 21:24

aufgestanden und durch das letzte kapitel geritten. nun ja, geritten. aber gehoppelt vielleicht, recht zügig gehoppelt sogar. am frühen nachmittag war ich durch. und überrascht. damit hatte ich nicht gerechnet.

da sich bislang auch keine zufriedenheit einstellen mag, gehe ich davon aus, dass ich noch nicht fertig sein kann. da ist so viel dialog, mit zwei, drei oder auch vier personen. das ist eine ganz eigene kategorie. vermutlich muss das nochmal ein bisschen liegen, bevor ich das beurteilen kann.

zur sicherheit tue ich also etwas, was ich bei diesem manuskript so gut wie nie gemacht habe. ich hab es nicht vermisst, auch kaum je daran gedacht. aber früher habe ich das immer getan, für jedes einzelne kapitel.

ich drucke aus, gerade jetzt. die letzten beiden kapitel.

um im laufe der woche montage und komposition zu prüfen, die struktur der dialoge durchzugehen und vor allem all die anderen ebenen irgendwie zu erfassen. da genau könnte es sitzen.

das problem, das ich gerade nicht erkennen kann. nicht sehen, nur spüren, irgendwie.

ach, wie ich das leid bin. wie unendlich leid.

was besseres aber könnte eine tun als schreiben in dieser zeit. inzwischen lebe ich in einem hochrisikogebiet, darf ohne zweifel bald schon die stadt nicht mehr verlassen. da schreibe ich mich doch gern in fremde welten und die abgründe anderleuts keller. lebe mit menschen, die es nicht gibt, belebe mich selbst in die vielen.

wenn ich es genau bedenke. so viel anders als sonst ist das eigentlich gar nicht. nur ist es mir schon lange nicht mehr aufgefallen, so gut hatte ich mich eingerichtet. mit dem leben und dem schreiben, dass ich sogar das härteste verlassensein meines lebens irgendwo unterbringen konnte. irgendwie, ohne dabei zu verrecken. ich weiß nicht einmal, wo.

was solls. das ist nur neues totes land in mir. und davon bin ich ohnehin angefüllt.

aber schreiben, das ist ein wirklich gefährliches spiel.

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bonding (134)

04. Oktober 2020 - 00:39

nicht viel heute, eigentlich nichts. da ist wohl nicht mehr viel luft. nur zwei oder drei seiten, geputzt, mehr nicht. alles auch gut, soweit.

bis ich dachte, dass da womöglich etwas fehlt. dass ich also vielleicht noch einmal durchsortieren sollte. (aber die anschlüss, die anschlüsse!) oder etwas einfügen, nicht viel natürlich. nur einen kleinen moment, ein einziger. dass die drehung stimmt.

da hab ich es dann gelassen, alles. es fallenlassen, bis morgen.

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bonding (133)

03. Oktober 2020 - 00:51

viel arbeit heute, viel text. und viel geschafft, obwohl vieles auch noch im nebel liegt. unklar, ob es so bleiben kann. ob es steht, gut genug zumindest. für erste. inhalt und form, ich jongliere mit beidem, zeitgleich. ein bisschen ist das ein gewagtes spiel.

das letzte kapitel, wie fast alle ab der hälfte des manuskripts, ist in zwei teile gesägt. mit dem ersten teil dürfte ich einigermaßen durch sein, seit heute. das war nicht leicht, aber doch sauber machbar. der zweite teil, nun das letzte kapitel, dagegen ist ein brocken. alles ist anders, besonders die energie. aber auch die geschichte, dazu gibt es neue szenen, alles rückblenden. eigentlich mehr als das: flashbacks. damit steht und fällt die konstruktion.

ich zweifle nicht, aber das ist noch einmal richtig arbeit. fürchte ich. und gerade bin ich nicht sicher, ob ich mich gleich dieses wochenende da durchprügeln sollte. natürlich ist unklar, ob ich es schaffen kann, in zwei tagen. da ist so viel nebel, überall, dass ich das nicht einschätzen kann. überhaupt gar nicht.

vielleicht ist das aber auch egal.

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bonding (132)

30. September 2020 - 01:25

so recht kann ich gerade die finger nicht vom text lassen. nach der arbeit denke ich darin herum, obwohl ich totmüde bin. ich schlafe so schlecht in letzter zeit. trotzdem schaue dann manchmal sogar in die datei und tippe ein bisschen darin herum. ohne dass ich glaube, damit einen großen wurf machen zu können. vor allem aber schaue ich in bücher, sehr alte bücher, die ich vor jahrzehnten gelesen haben mag. alles über mütter und kinder, frühkindliche entwicklung und schwarze pädagogik. lange nicht gesehen, das zeug. zeug, das mich schaudern lässt.

außerdem schimpfworte recherchiert, gestern schon. das ist gar nicht so leicht. ich will für das buch nicht all die nehmen, die ich selbst kenne. das führt mich auf falschen grund. aber treffliche schmähnamen zu finden oder gar zu erfinden, das ist gar nicht so leicht. das braucht auch noch ein wenig, bis das sitzt.

bei genau dieser schimpfnamenrecherche hat sich zu allem überfluss noch ein fenster aufgetan, der titel für das nächste projekt. vielleicht ein arbeitstitel, aber das ding ist so gut. das könnte glatt der endgültige titel bleiben. es ist der schimpfname der hauptfigur, der so unglaublich passt. der den schimpf verlassen und ihr zueigen werden könnte. wenn ich es richtig mache. so eigen ist er. und zusammen mit diesem namen haben sich gleich auch erste neue strukturen gezeigt, ein erzählhaltung womöglich. die grundlage der story habe ich ja schon seit langem fest in der hand. genau weiß ich das alles nicht, natürlich nicht. ich habe auch die zeit nicht, ausgerechnet jetzt tiefer einzusteigen. oder hinauszufliegen aus diesem fenster, um mich umzusehen.

erst einmal muss ich ja durch das aktuelle manuskript. eine oder zwei wochen noch, bis das nächste stadium erreicht ist. wieder nur ein zwischenstadium, aber was für eines. die fassung, die an die verlage gehen wird.

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bonding (131)

28. September 2020 - 00:28

das letzte kapitel ist bereinigt, an zwei stellen etwas frischer text eingefügt. neue elemente, ebenso eine frisch geschriebene seite im vorletzten kapitel. zwei dieser neuen elemente waren höllisch schwer zu erfassen und eigentlich kaum zu schreiben. ich bewege mich am äußersten rand meiner sprache. das ist also noch lange nicht fertig.

grob gesagt ist aber dennoch alles im letzten kapitel auf eine einheitliche überarbeitungsstufe gebracht. bereit für einen weiteren durchgang, um das sprach- und denkgeflecht zu verfeinern. überhaupt für eine feinere ausgestaltung des endes. das kommt dann in der nächsten schreibzeit, nächste woche, donnerstag bis sonntag. wieder vier volle tage, vermutlich. ich hoffe doch!

bleiben zuletzt die beiden neuen elemente, frisch aus der hölle, schlüsselstellen womöglich. die brauchen länger, da bin ich sicher. ich weiß nicht einmal, ob ich es hinbekommen. gut genug, zutreffend. erfahrbar. ich weiß es wirklich nicht, aber irgendwie wird es.

es muss.

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bonding (130)

27. September 2020 - 00:55

es hat sich so einiges sortiert über nacht. das habe ich kurz notiert, zum glück, dann bin ich erstmal durch den regen gelaufen. eine hose kaufen, bei karstadt am herrmannplatz. so leer dort, zum teil auch die regale. dann ein fladenbrot in der nähe des s-bahnhofs sonnenalle. ein ganz schöner marsch, fast zwei stunden. über acht kilometer, sagt die app. früher dachte ich immer, ich schaffe sechs kilometer in der stunde. als kind. aber vielleicht waren es von altenessen bis karnap ja auch keine sechs kilometer. fünf komma sechs, sagt google. und sechsundfünfzig minuten.) aber ich verrenne mich gerade.

wieder zu hause erstmal kaffee und frühstück. dann alle hosen angezogen und das sortiment begutachten, vier hosen aussortiert. hätten eigentlich sechs werden können, aber zwei werde ich wohl einfach aus liebe noch ein- oder zweimal tragen müssen. eh sie dann auseinanderfallen. endlich. anschließend mit der ELSTER beschäftigt, die gern ein verlängerungszertifikat hätte, dieses aber nicht zu mit downloaden will. auf den infoseiten findet sich ein solcher fall natürlich nicht. nur der hinweis, dass man es einfach noch einmal versuchen solle. würde ich gern, nur finde ich den download-ort nicht mehr. der fehlversuch war irgendwann anfang august. ach verdammt, ich verrenne mich schon wieder.

nach der ELSTERei vor frust erstmal ins heiße wasser gestiegen. und weil der nacken heftig schmerzt, nach der nächtlichen motorradfahrt gestern. nicht wirklich ein wunder, das habe ich noch unterwegs gemerkt. der rücken tut auch weh, besonders beim atmen. tief innen, dass ich nicht tief atmen mochte. das bad hat nicht so recht geholfen, jetzt hoffe ich auf die nacht. aber so recht weiß ich nicht, meistens tut es morgens mehr weh. schon wieder verannt. so ist das mit der schreibarbeit.

irgendwie dann doch alles in den text eingearbeitet, was mir vorgeschwebt war. kaum zu greifen im grunde, und es sitzt auch noch längst nicht. aber es steht da., gekb markiert. damit ich es wiederfinde, für die nötigen überarbeitungen. vorher habe ich sogar noch den bestehenden text weiter sortiert und geputzt.

jetzt ist alles ausgelegt, habe ich den eindruck. so wird es zu ende gehen. bleiben fünf seiten auszuputzen, der text steht aber schon gut da. also nicht so schlimm, wie die letzten zehn, zwölf seiten. und dann die neu geschriebenen passagen, abwarten, hängen lassen, wachsen lassen. fertig.

es ist sehr anders geworden, der ganze text. obwohl ich vor allem die kleine binnengeschichte geändert habe. die stimmung, die energie. die tiefe auch. das ist gut, viel besser.

vierhundertachzig normseiten sind es jetzt. das ist mächtig viel, zuviel vermutlich. aber kürzen geht immer, ein bisschen zumindest. kürzen ist gut.

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