raum für notizen

disziplin: unter tage

bonding (97)

25. März 2020 - 11:30

ich sortiere meine diversen arbeitsplätze und arbeitszeiten, die auf einmal alle an einem ort stattfinden. kein schlechter ort: bester schreibtischstuhl von allen, vertrautestes technisches equipment, radio und tv sind dauerhaft griffbereit und die küche mit dem persönlichsten geschmack bestückt. sogar klopapier ist auch noch ein bisschen was da.

ungewohnt ist es, all die arbeit an einem ort konzentriert zu erledigen. nicht mehr akurat wechseln zu können, indem ich den ort wechsle. abschließen mit dem einen, eintreten in das andere. das schreiben, es droht unterzugehen in solchen konstellationen. ich kenne das.

deshalb wohl schreibe ich derzeit spät in der nacht, nach einem vollen arbeitstag, ein paar zeilen zumindest. um es zu halten, mich zu halten. in einer situation, die nicht nur durch die arbeitsplatzorganisation angespannt ist. bis tief ins innere.

gestern nacht also, nach dem grob angesetzen ende des romans, den einsatz für die letzten paar seiten notiert. auch nur grob, aber durchaus tauglich. solche einsätze oder übergänge, das ist wichtig. daran hänge ich oft.

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bonding (96)

21. März 2020 - 21:15

weniger zeit am schreibtisch heute, viel weniger, dafür aber tief im text verschwunden. auf der klaviatur der satzzeichen gespielt und mit der ordnung der worte. jetzt ist der erste teil des letzten kapitels fertig. fünfzehn seiten sind es geworden, sicher noch einmal soviel werden folgen. das ist nicht viel, das ist bald.

das mag nicht viel sein, dennoch ist es wohl komplex. wenn es so wird, wie ich mir das denke. wie es grob notiert steht im manuskript hinten und verfeinert schwimmt in meinem hirn, meinem gemüt und atem. bis es endlich wird.

aber dann ist alles gut.

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bonding (95)

20. März 2020 - 23:13

ich bemühe mich, was sonst soll ich tun. ich kann nichts anderes, also schreibe ich. und es geht wieder besser heute, nachdem mich die letzten tage fürchterlich desorientiert haben, zu durchdrungen waren sie von der wirren welt da draußen.

gestern habe ich zwar auch gearbeitet, kann mich aber kaum erinnern, was genau ich getan habe. heute morgen bin ich dann, gleich nach dem wöchentlichen einkauf, direkt an den schreibtisch. und bin bis gerade eben dort sitzen geblieben. (nein, ganz so schlimm war es nicht. ich bin auch mal aufgestanden.) das war gut. ich habe viel geschafft, ich bin zufrieden.

dabei war viel zu tun: die misslungene handlungsebene einer seitenlangen dialogpassage musste von grund auf durchsortiert werden. inhaltlich stimmte so gut wie alles, nur die handlungsabfolge war ein desaster. das hatte ich sogar schon selbst gemerkt, bevor es mir gestern vormittag dann auch noch explizit aufgezeigt wurde. ich hatte nur den nerv nicht, an den tagen davor, mich intensiv da hineinzubegeben. keine konzentration, nur stress und die wirre welt da draußen. deshalb wollte ich wohl versuchen, mich mit ein paar groben korrekturen aus dieser pflicht herauszuwinden.

also heute dann, es hilft ja nichts. da habe ich zum ersten mal seit langem mit papier und markern gearbeitet. arbeiten müssen, wei der kopf allein es nicht halten wollte. umgeben von dieser wirren welt. unter normalen umständen wäre ich sicher schneller gewesen, das stimmt. aber das resultat ist dennoch okay. denke ich. ich schau mal morgen.

weitere drei seiten sind noch offen, ebenfalls für morgen. mit diesen stünde dann so in etwa die hälfte des letzten kapitels. fest auf den beinen, ohne das sich noch darum bangen müsste.

anschließend geht es natürich weiter. der letzte satz steht bereits da. das sagte ich das schon, oder?

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bonding (94)

07. März 2020 - 00:56

zweiundzwanzig ist fertig, ausgedruckt und abgeheftet. wieder weit über das ziel hinaus geschossen und fast dreimal soviel wie gedacht geschrieben. aber da habe ich eben falsch gedacht, vielleicht aus sicherheitsgründen. damit ich nicht vor angst in die knie gehe, wenn ich mir vorher klar vor augen führe, was es tatsächlich zu tun gilt. das material selbst, den stoff kenne ich genau, und ich weiß um die notwendigkeit der belebung. das kostet zeit und kraft, sammelt seiten und ist die einzige möglichkeit. zu schreiben, zu leben. alles andere wäre selbstbetrug. wie auch betrug an der literatur.

ein ende ist also geschafft. jetzt kommt das zweite, das vermeindlich kleinere. und das eigentlich schwerere, weil da noch vieles geklärt werden muss. morgen muss ich also lesen, die binnengeschichte, das alles noch einmal in mir entfalten. um auch das abzuschließen. viel mehr sollte ich mir nicht vornehmen, vielleicht für das gesamte wochenende nicht.

ziemlich genau vier wochen gebe ich mir für dieses ende, das wirkliche ende. seitenzahlen, wie neulich schon gesagt, verkneife ich mir besser. die erfahrung der letzten monate spricht dafür, da lag ich immer sehr daneben. aber wenn es so etwa dreißig werden, käme das manuskript letztendlich auf zirka vierhundertfünfzig seiten. das klingt doch fett und satt und rund.

nein, das klingt unglaublich!

nebenbei sammel ich neuerdings frische arbeitstitel und schreibe sie mit den alten in eine kleine textdatei. auf einmal kommen sie, ich weiß nicht, woher. und warum. das ist auch alles nicht wirklich gut, bis auf einen vielleicht. den ich hier natürlich nicht verrate, wo kommen wir denn da hin.

buchtitel sind schwer, unfassbar schwer. zu suchen, zu finden, eigentlich nicht möglich. im grunde hänge ich auch immer noch an „bonding“, was es exakt treffen würde. aber das ist englisch, und es lässt sich so gut wie nicht übersetzen. das, was ich meine. darüber hinaus macht die andere bedeutung es für meine zwecke komplett zunichte. in beiden sprachen. das ist gemein, das denke ich jetzt seit jahren.

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exodus

01. März 2020 - 22:00

schreiben. das ist irrsinn, im grunde. jetzt, gegen ende eines solchen projekts, sehe ich es wieder überdeutlich. es ist der reine wahn.

jahrelang ist es wie ein spiel im inneren universum. es ist traum und quälerei, konstruktion und zufall. und niemand sieht mir zu dabei. ohne rücksicht drehe, schiebe und biege ich die dimensionen.

in ein ausgedehntes momentum des eigenen seins.

das am ende in eben dieses eigene hinein exodiert. das ich. dieses kleine ich in dieser großen welt. das dem niemals genügen wird.

was geschrieben steht.

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bonding (93)

29. Februar 2020 - 23:30

kapitel zweiundzwanzig ist durch, fürs erste zumindest. bis nächste woche in der gruppe lasse ich erstmal alles liegen, danach wird es ein paar feinheiten zu korrigieren geben. da habe ich keine zweifel. einstweilen stimme mich auf das letzte kapitel ein, das ja ganz anders sein wird. es bedient nicht denselben erzählstrang, greift eine völlig andere stimmung, eine andere geschichte auf. und die will noch gefunden werden.

nicht wirklich natürlich. ich weiß durchaus, wo ich hinwill. oder hinmuss, das spielt auch mit. immer. doch ich weiß genau den letzten moment, ein ende, das sich gleich wieder öffnet. was aber gefunden werden muss sind aufbau, struktur und ablauf. das letzte stück weg, bis zum letzten punkt.

das ist beängstigend, ja. ich weiß das, ich spüre das. mit jedem atemzug wird es schlimmer. andererseits funktioniert alles wie sonst auch, auch jetzt.

am ende geht alles schritt für schritt und wort für wort. ich begleite die story, gehe an ihrer seite. und wähle, was es noch zu sagen gilt.

mehr nicht.

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bonding (92)

23. Februar 2020 - 21:43

das erste von drei aufeinanderfolgenden erweiterten schreibzeitwochenenden zu hause geht zuende. ich höre jetzt auf zu arbeiten, besser ist besser. obwohl ich noch stunden weiterschreiben sollte, soviel liegt noch in diesem vorletzten kapitel. verborgen. vergraben. aber da ich morgen ohnehin nicht weiterachen kann, ab morgen ist geld verdienen im brotbürojob angsagt.

ich fasse nicht, wie ich in letzter zeit immerzu derart danebenliege. ich sollte es lassen, das seitenplanen und seitenzählen. zügig zu erledigende fünfzehn waren geplant für das aktuelle, vorletzte kapitel. lächerlich, im nachhinein betrachtet. nicht nur, weil ich inzwischen einunddreißig geschrieben habe und noch nicht fertg bin. auch und vor allem, weil ich es vorher hätte wissen müssen. die masse des materials, die intensität, dass es um ein ende geht, einen abschluss. das alles hätte mir hinweis sein müssen, worum es wirklich geht.

andererseits ist es ein glück zu sehen, dass ich mich immer vom material beherrschen lasse. oder lenken zumindest. wie auch sonst? was bin schon ich? ich zwinge den stoff nicht in meine armselige vorformulierung. ich weiß um die wichtigkeit der improvisation, gerade auch beim schreiben. woher sonst käme der klang, der atem, das leben.

am donnerstag also geht es weiter. erst ein paar noch grobe passagen ausweiten, dann noch einmal von vorne bis hinten durch die gestern und heute neu geschrieben seiten. am freitag. danach dann sofort ins nächste, ins letzte kapitel

dafür bleiben drei wochenenden, erweiterte schreibzeit zu hause. dann ein kurzer ausflug nach leipzig, zur messe. schreibzeitunterbrechung, das muss möglich sein. das ist vielleicht sogar wichtig, in dem fall. danach noch einmal zwei fette wochenenden, bevor die osterfreizeit beginnt.

jetzt habe ich schon wieder durchgerechnet und zeit gezählt. was für ein unsinn. immerhin verrate ich nicht, auf welche ziffer sich meine seitenzahlvoraussage für das letzte kapitel beläuft. sie mir selbst zu verheimlichen, war mir jedoch nicht möglich. leider.

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schluss jetzt, nichts

17. Februar 2020 - 23:21

alles wird anders, immerzu. zu der schreiberschöpfung gesellt sich neuerdings eine gewisse aufgeregtheit. zunächst im text, da nähert sich der vergangenheitsstrang dem gegenwartsstrang bis auf ein paar monate. und auf einmal verwechsle ich permanent die zeitformen. ich starre bruchteilsekunden auf das wort „klang“, ohne zu verstehen. ohne zu wissen, ob es eine gültige verbform darstellt. von der bedeutung ganz zu schweigen. so lange starre ich, dass ich sie nicht nur spüre, die leere und hilflosigkeit in meinem hirn. die zeit steht, und ich kann sie für einen augenlick betrachten und studieren. die zeit und die leere.

gut, das ist das, das ist normal. irgendwie. zumindest der schreiballtag, die schreiberfahrung, die schreiberschöpfung. gleichzeitig nähert sich der text insgesamt dem jetzt. meinem jetzt, meiner wirklichkeit. wenn ich in ein paar wochen fertig sein werde, dann wird er relativ zügig gelesen und gewertet werden. von meiner privaten testleserschaft, sorgfältig zusammengestellt, wie auch in der agentur. und dann: was weiß ich!? jedenfalls wird er nicht jahrelang irgendwo einen papierstapel bilden, wie der erste roman. damals. auch an dem punkt starre ich in die leere und die zeit. und verstehe nichts.

überhaupt, dieses nichts. dieses schreiben ist mir mehr und mehr zu meiner buddistischen praxis geworden. so gesehen waren die letzten jahre ein heart-core retreat, in dem ich mich vielfältig und nachhaltig schlecht benommen habe. unaufmerksam war ich, rücksichtslos, vor allem mir selbst gegenüber, und weitgehend verwirrt. auch das ist ziemlich normal. und gut geschrieben habe ich in diesem zustand, hoffentlich.

ich weiß nicht, wo und wie ich da am ende herauskommen werde. noch kann ich nichts davon sehen, nur die angst. weil alles immer anders ist. es gibt keine garantie.

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bonding (91)

16. Februar 2020 - 01:00

einiges ist mir klargeworden mit dem heutigen schreibreichen tag.

zum einen war ich zu schnell. nicht im schreiben, obwohl vielleicht auch das. vor allem aber im denken, in meinen erwartungen an mich selbst. das aktuelle kapitel lässt sich nicht einfach so zügig runterreißen. quasi wie nebenbei. es lässt sich auch nicht ohne sorgfältige konzentration knapp halten, immerhin umfasst es etwa zwei jahre. es soll ja durchaus knapp sein, hat aber bei aller knappheit das plansoll jetzt bereist überschritten. wie schon so oft in der arbeit an diesem text. form und länge findet sich weitgehend von allein, und auch der inhalt enthält immer razum für improvisation.

zum anderen habe ich begriffen, dass ich wohl zweimal ein ende schreiben muss. schließlich habe ich zwei erzählstränge, und beide verdienen einen sauberen abschluss. am ende sogar einen zusammenschluss, von dem ich noch keinen schimmer habe.

aber das kommt erst im nächsten, im letzten kapitel. daran denke ich jetzt nicht. es geht immer nur schritt für schritt, sonst geht es nie.

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