am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

chaos

so kann ein tag immer wieder grundlegend anders sein als der darauf folgende. heute also ein riesiges durcheinander gelebt, kein bisschen ordnung und zufriedenheit. alles vollkommen anders als gestern. spät am abend erst wieder ganz langsam zurückgefunden. zu mir. mich wieder wohlgefühlt in meiner wohnung, immerhin das. noch nicht jedoch in meiner haut, auch jetzt noch nicht so richtig.

die anstehenden arbeiten haben sich dementsprechend leichtfertig in das inwendige desaster eingewebt. oder aus ihm heraus erst entwickelt, was weiß denn ich? hier ein bisschen, da ein wenig, kein plan und keine richtung. ich bin ein nichts, ein niemand. sinnlos und verlassen.

naja, nein. so schlimm war es gar nicht. es ging schon alles, irgendwie. in die dringend anstehenden übersetzungen geschaut, ein bisschen was geregelt und viele fehler gefunden. (nicht auf meinem mist, nein.) und rechnungen gemahnt, immer dassebe. das ist lästig, aber soweit alles gut. unzufrieden war ich halt. mit mir und mit allem.

außerdem: die medikamente zeigen wirkung und nebenwirkung. letzteres ganz eindeutig, die verdauung spielt latend verrückt, selbst mein magen meldet sich sporadisch. das tut er sonst nie. das macht auch nicht gerade freude, muss ich sagen. ist aber wohl der preis für die fähigkeit, fünf tage am stück tango zu tanzen. so wie in der letzten woche.

dass ich dann spät in der nacht doch noch an das nächste kapitel bin, war dann genau genommen ein kleines wunder. oder auch wieder nicht, denn es ist das chaos, aus dem sich alles nährt. etwas mehr als eine seite. das ist gut, das ist ein anfang. damit ist die richtung gesetzt, das macht es morgen schon leichter. ich glaube sogar, dass der ansatz insgesamt schon ganz gut geworden ist. ohne große hoffnung und mühe.

das kreative chaos des universums, in mir. das ist zeitlos verschwendet. weil ich es kann.

bonding (65)


früh aufgestanden, aber noch vor dem aufstehen mit dem schreiben begonnen. schreiben im kopf. ran an die szene, im vorletzten kapitel eine, die mir nachhaltig unbehaglich war. und blieb. die ganze zeit ging sie mir nicht aus dem sinn. noch im halbschlaf dann war auf einmal der richtige ansatz da. zwischen traum und tango lag die lösung.

also los, so beginnt ein guter tag. in den dann ohne probleme auch andere arbeit passte, übersetzen und richtig viel zeugs erledigen.

morgen dann den sprung in das nächste kapitel schaffen, einen ersten ansatz bauen. mal sehen, wie das klappt.

ich mag dieses leben, in dem ich das haus nicht verlassen muss, um zu arbeiten. das war schon immer so, aber es lässt sich natürlich nicht einfach so machen. es rechnet sich nicht so leicht. aber ich mag das leben mit dem schreiben.

jetzt sofort geht das natürlich nicht, nur tageweise. oder lange im voraus geplant. aber in vier, fünf jahren vielleicht. und in wien, wer weiß. das könnte mir gefallen.

tango, drogen, arbeit

das war das wohl absolut beste tangofestival bislang, für mich zumindest. ganz anders als ich dachte, vor allem meine kondition. aber nicht nur. auch meine tangofeigheit hat abgenommen, überaus deutlich sogar. also alles gut, noch besser sogar. bestens.

damit hatte ich nicht gerechnet. wo soll das nur enden?

der erste abend danach allerdings ist nun nicht unerheblich in unkonzentration und müdigkeit versunken. beinah ein bisschen wie erschöpfung, obwohl es körperlich besser geht als im gesamten letzten jahr. dank der regelmäßig verabreichten drogen schmerzen weder die füße noch die hände, die außerdem so gut wie auf das normalmaß abgeschwollen sind. selbst früh am morgen merke ich quasi nichts mehr von der qual des gesamten frühjahrs. vielleicht die rechte schulter noch, die gelegentlich ein klein wenig piekt. und die hand mit dem karpaltunnel.

die erschöpfung wohnt also im kopf und nur dort.

das zuviel an arbeit, das ganze durcheinander darin. der trott des haltagsbüros und der gewältige übersetzungsklotz, der danach zu hause auf mich wartet. den ich endlich bewältigen muss, irgendwie, auch wenn ich noch so wenig lust darauf habe. alles überragt von dem endspurt in bezug auf den roman. der hat noch nicht begonnen, ist aber auf einmal in sicht.

das alles will gerade nicht mehr so recht zusammenfinden in mir. wenn es das denn jemals hat. kann ich mir im moment überhaupt gar nicht vorstellen, nicht einmal das.

aber toll, so alles in allem.

tango time, queer

wie jedes jahr. in ein paar atemzügen ist alles anders, die ganze stadt ist tango. am mittwoch abend ist das queertango-festival in berlin gelandet. für mich ging es donnerstag mittag los, kurz nach literatur.

und alles ist gut, alles richtig gemacht. nur einen kurs pro tag gebucht und als helfer*in keine taxitanzverpflichtungen (einspringen bei ungrader teilnehmer*innenzahl) übernommen. ein wenig angst hatte ich dennoch, das pensum, inklusive der abendlichen milongas, nach fast halbjähriger tanzuntauglichkeit nicht bestehen zu können. hat sich als ziemlich unbegründet herausgestellt, glücklicherweise. alle sich bisher einstellenden körperlichen beschwerden sind muskelkater oder altbekannte tangomiseren wie ausgeprägtes fußsohlenweh. an letzterem trägt allein das schuhwerk schuld. der nacken dagegen freut sich offensichtlich über die rotationsbewegungen der unteren körperhälfte und knirscht nur noch, schmerzt und drückt hingegen kaum, heute. überraschung.

der rest ist reine freude. wieder sind ausgezeichnete lehrer*innen angereist, allen voran tango con*fusion, mit einem ausgezeichneten, wohldurchdachten unterrichtskonzept. präzise und humorvoll.

vor allem anderen aber. ich bin entspannt, was solls. ich tanze mit menschen, die ich jahrelang nur angesehen habe. warum auch nicht. dann wieder sitze ich am rand und schaue nur. und sammle ideen und material auf dem weg, für den weg bis zum ende des romans. das auch. das ist überall.

ps: ein bisschen gehts ja noch weiter, heute und morgen. mal sehen. ob die kraft reicht.

#englreisen

freitag, samstag, sonntag. seit meiner rückkehr fast nur geschrieben oder sonstwie in literatur beschäftigt. vorbereitungen für den stipendiumsantrag zum beispiel, heute morgen gleich angegangen. und schon so gut wie erledigt, nur noch den textauszug auswählen. später dann, ein bisschen zeit ist ja noch.

das motorrad zurückgeholt. wieder einmal – wie eigentlich immer, wenn ich in klagenfurt bin – stand es vor der werkstatt herum, ohne dass es dort hätte stehen müssen. nichts ist geschehen, aber zugegeben, die anforderungen diesmal sind hart. moderne, verstellbare hebel für ein über 30 jahre altes motorrad zu suchen und zu finden, ist sicher kein vergnügen. und ich allein wäre damit heillos überfordert.

bessere hebel für meine kleinen hände gibt es also erstmal nicht. aber den händen geht es inzwischen wieder ganz gut unter der neuen medikation. ausgesprochen richtig gut sogar, bis auf ein paar ausreißer in ungünstigen momenten natürlich. wie das so ist. doch das fahren macht wieder spaß, so ist es wieder mit leichtigkeit verbunden und mit weniger angst behaftet. das habe ich erstmal ausgenutzt, zumal das wetter dazu bestens taugt. kühl ist es und windig. ein wenig feucht auch, was mir nicht behagt. aber kein regen, der war gestern und die nacht hindurch.

außerdem: kurz nach dieser sommerlichen rundreise in sachen literatur, münchen, klagenfurt, wien, habe ich gleich die nächste tour festgemacht. und erstmal eine unterkunft in wuppertal gebucht. drei tage dort, in der alten, der ersten wahlheimat, bevor es todesmutig ganz „nach hause“ geht. zur geburtstagsparty meines ältesten cousins, im august.

also schreiben in wuppertal. essen im congo. kaffee im milia. und schweben natürlich.

das hatte ich lange nicht. unsicher war ich, bis kurz vor der buchung. ob ich das überhaupt will. aber jetzt freue ich mich halb verrückt.

gegenüber von meinem schlafzimmer, in der stammkneipe auf der ecke, wird heftig gesungen, geklatscht und gejubelt. gekichert auch, gefeiert eben, in jeglicher hinsicht. es ist eine hochzeit! ich hätte es wissen können, am späten nachmittag sind sie mit einer kutsche vorgefahren. naja, vielleicht eher ein planwagen. also gar nicht so, wie die fiaker in wien, auf hochglanz poliert und ein_e kutscher_in mit melone. aber mit pferden, immerhin.

bis jetzt machen sie immer noch spaß da draußen und haben lärm dabei. ich gönn es ihnen ja, aber ich kann so nicht schlafen.

schreibzeit (25)

meistens bedeutet schreibzeit, dass ich berlin verlasse, um anderswo in ruhe zum schreiben zu finden. manchmal ist es aber anders. dann muss ich zurückkommen, um festzustellen, dass ich meinen regelmäßigen abgabetermin komplett aus den augen verloren habe. und deshalb dringend loslegen muss.

gut so. und nicht gut, der plan war anders: geldverdienen.

aber schreiben geht vor. schreiben ist arbeit. viel arbeit, doch es läuft. immerhin, bis montag sollte es einigermaßen stehen. anders geht es aber auch nicht, denn dann kommt büroarbeit und das tangofestival und so weiter. und das geldverdienen, natürlich, das übersetzen, das ebenfalls dringend ist. dafür steht ja auf dem plan.

schreibzeit, naja. das ist immer auch eine schwere zeit. es reicht eben nie.

bonding (64)


gegen ende, obwohl ich das so richtig nicht sagen mag, denn es sind sicher noch an die 80 seiten zu schreiben, die es in sich haben, wird alles, was mir im hirn umhergeht, immer fetter, immer mehr. kaum noch zu halten, eigentlich. auch gar nicht alles jetzt im augenblick zu erledigen, fast alles ist für später, wenn der text endgültig steht.

ich bemühe mich, das alles zu halten, wenn nötig zu notieren. leicht ist das nicht, so vieles beim schreiben hängt am augenblick. das heißt, so vieles geht auch verloren, zwangsläufig. damit lebe ich, damit leben vermutlich alle, die schreiben.

ich sollte viel mehr notieren, denke ich. ich bin ausgesprochen notierfaul bei diesem projekt. das macht mir ein wenig angst, obwohl ich nicht sehe, das mir das ganze noch völlig entgleiten könnte. es ist also qualität, die ich verschenke. oder zeit. oder beides.

in wien gewesen zu sein hingegen war gut, mehr als das. es hat mir viel in sicht gebracht, das ich mir ebenfalls viel mehr hätte notieren sollen. vor allem aber habe ich endlich begriffen, warum höchstpersönlich, wenn auch viel zu kurz, in wien zu sein so wichtig war.

man kann vieles lesen über eine stadt, im netz oder sonstwo. es gibt stadtpläne, aus allen erdenklichen zeiten und epochen. es gibt fotos und bilder, es gibt so viel. gerade bei so alten, weltberühmten städten wie wien ist das überhaupt kein problem. ich habe auch etliche bücher hier, über die wiener moderne, spaziergänge in wien, hitler in wien und wenigstens drei über die kaffeehauskultur. in alle habe ich hineingesehen, das eine oder andere ganz gelesen. alles hat nicht geholfen, und jetzt weiß ich warum.

es ist unendlich simpel: ich arbeite mit einer ich-erzählerin, die nicht in wien lebt, sondern nur regelmäßig aus privaten gründen dort ist. unter anderem auch in der jetztzeit der story, die nicht viel raum einnimmt, aber umso mehr besser gebaut sein muss. meine erzählerin ist also keine touristin, sie wird sich nicht selbst die sehenwürdigkeiten aufzählen, die ohnehin jeder besser kennt. oder zu kennen glaubt. dafür kennt sie sich im privatleben der stadt aus, weiß um wetter und licht, kennt wege abseits des ersten bezirks. sie war noch nie auf dem zentralfriedhof oder ist mit dem riesenrad* gefahren und macht sich nicht die mühe, einmal wie blöd durchs stetig überfüllte café central zu laufen. wie sonst alle.

so wie ich dieser tage.

* na gut, ich gebe es zu. ich bin schon einmal riesenrad gefahren, als kind. und kam mir vor wie in einen straßenbahnwagen gesperrt, der unendlich langsam seine eigenartige runde dreht. war damals ziemlich langweilig.

wien zu tag, zu spät

vorgestern war es, endlich etwas kühler und wind in wien. ich hatte nur keine zeit, mich hier zu äußern. oder ich wusste nicht, was ich hier sagen sollte. es gab nichts zu sagen.

ich hatte nichts vor in wien. ich wusste nicht, was ich suche. straßenbahn bin ich gefahren, immer im kreis, um den ring, wie es dort heißt. hin und wieder bin ich ausgestiegen, eingetaucht in die kulisse des ersten bezirks, hineingelaufen. bombastisch groß ist es dort mitunter, dann wieder widerlich eng. menschen gibt es auch, einheimisch beschäftigte und touristengruppen, zwischen den mächtigen bauten und in den engen gassen.

doch das alles ist es nicht, nicht meins.

käsekrainer essen war ich dann und ein eis. nicht mehr im zentrum, sondern irgendwo, wo wien eine völlig normale stadt ist. mit menschen, die leben und arbeiten und den sommer genießen. wiener auch, vermute ich mal. wobei es um mich herum fast die ganze zeit vielsprachig klang. wie auch hier, in neukölln, wenn ich vor die tür gehe. das ist es wohl, was ich gesucht habe. etwas in der art.

und ein bißchen auch gefunden, in den knapp drei tagen. (dazu später mehr.)

gestern dann die rückreise, leicht ginverkatert. alles super, nur mein koffer ist jetzt endgültig kaputt. außerdem hat man mir unterwegs den schicken berlinaufkleber von der vorderseite gestohlen. miese menschen das.

heute ein ganz normaler tag in berlin, beinah schon wie immer. aber ich nicht so wirklich. die osteopathin meint, es wäre jetzt alles besser mittig mit mir. was immer das heißen mag. nichts schlechtes vermutlich. der kühlschrank ist wieder voll, der balkon sauber und noch mehr zeugs erledigt.

einen plan habe ich nicht.

im gegenteil, wie verloren bin ich, heute. ich weiß auch nicht. ist es das licht? es scheint mir härter in berlin. als in wien. wo ich war.

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