am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

wien im abend, bei der nacht

der wettergott hat gesprochen und beschlossen, meinen ersten wienbesuch seit jahren auf den heißesten tag seit wettergedenken zu legen. den ich demzufolge nicht in der wienerwüste außer haus, sondern bei stabilen 29° innerhalb von vier wänden verbracht habe. was allerdings ohnehin mal ganz angenehm und angebracht war, eine weile ohne jeglichen menschlichen input allein am intenet zu verbringen. in der arbeit auch, der freien, nicht dem schreiben, in der am ersten des monats rechnungen zu erstellen sind. erledigt.

wien, oder aber die derzeitige ecke davon, habe ich mir also zunächst und überhaupt in dämmerung und dunkelheit erlaufen. was nicht schlecht ist, denn auch im roman laufen zwei im dunkeln in wien nach hause. allerdings nicht im hochsommer, sondern mehr so im spätherbst. doch das werde ich abstrahieren können, denke ich.

städte bei nacht sind ohnehin eine qualität für sich, im grunde beinah ein privileg der einwohner. denn sie stellen sie her, die qualitäten der nacht. es ist ihre präsenz oder nichtpräsenz, die die stimmung ausmacht. die offenen fenster, die lichter, die stimmen. die schritte auf den wegen, die geschichten, die dort liegen, die warten, überall.

und eine schande sind all die gegenden und orte der welt, die man – und mehr noch, viel mehr, frauen – bei nacht nicht begehen können. weil der mut fehlt, weil da angst ist oder wirkliche gefahr. eine wirkliche schande.

in wien ist auch entschleunigung, und das nicht nur, weil ich ohne arbeit hier bin. wenn auch nicht wirklich in urlaub, sondern immer, wie sowieso immer, in literatur. sogar recht konkret, diesmal. aber dennoch eben keine arbeit, kein pflicht. nur frei schwingends suchen und finden.

wien ist langsamer, wien verlangsamt, mich. das mag am sommer liegen, an der hitze. oder es ist einfach hier, es lebt und wohnt hier. wo wenig abseits des touristischen epizentrums, so mancher laden fixe mittagspausen einhält und im sommer wochenlang zusperrt.

heute sind es zehn grad weniger draußen, es geht ein guter wind und ich werde weiterziehen in einen anderen bezirk. sehen und lernen, wie wien so bei tag aussieht.

keine klagen (74)

am ende geht ja immer alles recht schnell in klagenfurt, und dann ist es auch gleich vorbei. schlagartig sozusagen. ich bin dann auch gleich los, so wahnsinnig schlimm interessiert mich das gewinnen-und-verlieren-spiel ja auch nicht. ich möchte immer nur wissen, ob ich mich an der einen oder anderen stelle nicht ganz doll ärgern muss. mitunter fabriziert kritik ja auch mächtigen unsinn und prämiert eigenartiges.

war diesmal nicht so, nur gewundert habe ich mich an einer stelle ein wenig. aber nicht schlimm, einen preis gab es dafür nicht. alles gut.

noch mehr gewundert hat mich die qualität der jury, die streckenweise eher unterirdisch unterwegs war. zum teil auf der suche nach der autobiografie der autor_innen, verzweifelt beinah. dann wieder irritiert von dem grandiosen stoff, der präsentiert wurde, der aber keine gänge form fand. weil es dafür keine form gibt, noch nicht. vielleicht. aber sollte eine fachjury daran scheitern, wenn da vor ihren augen womöglich etwas neues entsteht? und kapitulieren?

anschließend mit dem zug nach wien, gut klimatisiert, perfektes wlan. nur ein bisschen laut vielleicht, der zug war voll.

heiß ist es bei der ankunft. (noch heißer heute, ich traue mich nicht wirklich raus. bin aber auch froh um eine input-pause.) doch wien ist schön in der nacht. nicht zu voll, nicht zu schnell, zumindest jetzt gerade nicht. irgendwie weich wie die luft. der himmel ist dunkler als in berlin, auch mitten in der stadt. sattes, tiefes blau. mit ein paar einzelnen sternen. überall hockt das alter in den gebäuden, in den wänden und wegen. aus den ritzen lugt es hervor, und ich weiß nicht, ob es gutes verspricht.

vermutlich eher nicht, das weiß man ja. ist ja österreich hier.

ach, das weiß ich doch jetzt schon, dass ich wiederkommen muss. nicht wieder zehn jahre warten oder so. never!

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