sandalenfilme und tanzverbot. ach ja, es ist karfreitag.
engl
#insight

fast drei wochen bin ich jetzt allein, so gut wie zumindest. in geschäften war ich, in einer apotheke, immer dieselbe, und beim arzt. sonst nirgends. fast alles, was an events geplant war, theaterbesuche oder konzerte zum beispiel, ist abgesagt und längst vergangen mittlerweile. der gesamte sommerurlaub im juni, klagenfurt und wien, hat sich wie von allein demontiert. das wäre grandios gewesen, ich hatte die besten unterkünfte erwischt, die größte freude, schon im vorfeld.
jetzt ist alles leer.
es ist, wie es ist, das lässt sich nicht ändern. aber allein zu sein ist hässlich, das hat mich überrascht. das hätte ich nicht gedacht, im gegenteil. ich dachte, ich wäre gewappnet, geübt sogar. aber für eine weile war es wirklich seltsam, schwer zu ertragen auch. das muss ich zugeben. obwohl ich im grunde alles gemacht habe wie immer. viel arbeit, alles durcheinander, wie jonglieren. immer auf den punkt, nur eben alles zu hause.
irgendwann gestern hat sich das geändert, das unbehagen mit mir selbst und die anstrengung der letzten tage. da war ich dann wieder bei mir. in dem moment, in dem das elendige alleinsein umschlug in die satte klarheit der einsamkeit. ein nur schwer zu tragende brillanz. dort war ich lange nicht, doch genau da bin ich zu hause. an dem ort in mir, den kein anderes mehr teilt. nicht einmal kennt, kein mensch.
so etwas trägt jedes, in sich.
ein bisschen ist das ein glück. für mich, jetzt diese erinnerung aufleben lassen zu können. die jahre in vollständiger verschlossenheit. die reichen, fetten jahre, wenn ich ehrlich bin. das sehe ich heute erst, nicht immer. aber immer öfter. die zeit, in der ich geworden bin.
nichts davon will ich missen.
auch nicht die zeit danach. die hässlichkeit der welt, mit der ich immer nur schlecht zurecht war. doch damit wird schluss sein, irgendwann.
#insight

eines verstehe ich so gar nicht. das gerede davon, dass dieses virus irgendwie demokratisch sei. besonders vielleicht in den englischsprachigen medien. dass es keinen unterscheid mache zwischen den menschen. dass es jeden treffen könne.
ob das hoffnung verheißen soll? oder zukunft? oder was? was für ein schwachsinn. wann hätten krankheit und tod jemals nach alter, schönheit oder berühmtheit gefragt. oder nach einer goldenen kreditkarte. es ist eine der einfachsten weisheiten, dass jedes sein leben als leiche beenden wird. nur das, mehr nicht.
dieses virus aber, diese hübsch gespickte kugel, die auch noch singt, wie ich heute gelesen habe. wissenschaftler haben seine struktur in klang umgewandelt, um mehr zu seinen aufbau erfahren. (oder so ähnlich.) herausgekommen ist eine harmonische melodie, zu hören war sie leider nicht. ich habe aber auch nicht danach gesucht.
dieses virus also ist ein kleines lied, das sich zu wiederholen wünscht. ein musikalisches muster, das von menschlichen notwendigkeiten – zu atmen, um zu leben – tatsächlich nicht viel versteht.
#insight

auf einmal leben alle so, wie ich als kind. das denke ich gerade. wenn sie nach draußen gehen, werden sie unsicher. denn sie kennen es nicht, dieses draußen. wissen noch nicht, wie es funktioniert. haben angst, vielleicht. denn da draußen lauert eine stille gefahr.
ob sie auch drinnen angst haben, so wie ich damals. das weiß ich nicht. ich weiß nicht einmal mehr genau, ob ich selbst früher tatsächlich so große angst hatte. oder ich mir meiner sicher war, als kind schon, auf mich geworfen. und dabei gut gelandet. sicher.
eines ist mir heute klar geworden. in der aktuellen situation derart zurückgesetzt zu sein, in mich selbst gepresst, seit drei wochen etwa. am anfang war es nicht leicht, weil ich es zu gut kenne. weil ich weiß, wie es geht und was passiert. wenn man allein ist, ganz für sich. dann war es anders. es wurde leicht, aus genau demselben grund. eben weil ich es kenne, das gibt sicherheit. menschenleere im leben und schweigen, ich gebe es zu, beruhigen mich zutiefst. und jetzt, sehr plötzlich, ist es noch leichter geworden. weil dann doch alles anders ist, ganz unerwartet neu.
ich habe meinen eigenen raum, ausreichend geld derzeit und die volle gewalt über mein leben, mein wissen, mein tun. das haben kinder nicht, die meisten menschen vielleicht. ich aber habe alles, was virginia woolfe für mich verlangt, trotz der aktuellen repressionen. in gewisser weise liegen auch diese in meiner gewalt. mein handeln ist meine macht. das wissen kinder nicht.
oder ist auch das am ende ganz anders? schon morgen vielleicht. ja.
bonding (102)

seit zwei tagen kämpfe ich mit dem letzten kapitel. das heißt, eigentlich mit der zweiten hälfte des letzten kapitels. die erste steht ja nun schon lange, die rühre ich auch nicht mehr an.
gestern ging es noch einigermaßen mit der arbeit, auch wenn ich auf uralte techniken zurückgreifen musste. papier und bleistift, ein radiergummi, zwei bunte marker. ohne das wäre ich nicht zurechtgekommen. das mag an der hohen konzentration am ende eines textes liegen. oder an der pandemischen weltlage, was durchaus denkbar wäre. ich weiß nicht einmal das mit gewissheit zu sagen.
fakt war gestern, dass ich keine sechs seiten ohne diese hilfmittel hätte überblicken können. während ich sonst in der lage bin, zwanzig, dreißig oder auch vierzig im hirn zu behalten. genaugenommen sogar alle, weit über vierhundert.
heute allein drei stunden an einer einzigen seite geklebt. danach waren es drei seiten, es musste also wirklich sein. auch der rest des bestehenden textes musste an vielen stellen ergänzt und erweitert werden. fünf, sechst stunden lang. fertig bin ich damit nicht, diese überarbeitung muss noch einmal überarbeitet werden. da hilft nichts.
drei seiten sind noch offen. gegen sechs, es war noch hell draußen, habe ich erschöpft aufgegeben.
ich fasse es nicht. ich bin am ende. (noch nicht.)
weiter geht’s: morgen und übermorgen abtauchen in den brotberuf. mittwoch dann.
