am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

#insight

heute war ich viel draußen, erst einkaufen, dann zur hausärztin, ein wenig eiliges rezept holen. aber ich gehe zu fuß, mehr als nur ein paar schritte. das ist gut. und checke dabei meine chipkarte fürs quartal ein, kann ja nicht schaden. alles andere ginge dann per telefon oder email, so sieht es dort aus. gähnende leere im warteraum, callcenterstimmung hinter der neu angebrachten plexischeibe.

dann komme ich nach hause und sehe, dass jemand meinen namen unten am klingelbrett einfach so erneuert hat. gut, der alte zettel war wirklich verblasst, lange schon. ein vor ein paar jahren selbst ausgedrucker wisch, weil der offiziell eingefügte schriftzug den üblichen schreibfehler aufwies. ärgerlich. zu einem erneuten austausch war ich aber noch nicht gekommen.

auch die frisch eingefügte transparentfolie lose auf milchiges plastik gelegt weist wieder denselben fehler auf. logisch! vielleicht kam deshalb das kleine paket neulich dreimal hintereinander nicht an. obwohl das kleinlich wäre, letztendlich ist es ja doch nur ein buchstabe.

ich schaue auf den engel, und weiß nicht, was ich tun soll. dann werde ich wütend, ganz plötzlich. ich bin kein engel!

ich laufe hoch in die wohnung, komme mit einem taschenmesser zurück und pople den falschen namen aus seinem gehäuse. dann laufe ich zurück in die wohnung und präpariere das überflüssige e sorgfältige heraus und klebe das ganze mit tesa zusammen. bevor ich es wieder nach unten trage, es sorgfältig zurück an seine bestimmung schiebe.

glücklich bin ich damit nicht, denn jetzt stimmt der name zwar. aber er wackelt und schwankt, ist nicht recht auf der reihe. und immer noch hat irgendwer, den ich nicht kenne, nicht auf mich achtgegeben.

nach all dem vergesse ich erstmal, mir die hände zu waschen.

später liege ich im wasser und sehe den schriftzug vor mit, korrekt buchstabiert, der name, den ich schon mein leben lang trage. er gefällt mir, er ist schön.

er ist eigen. mein eigen, soviel zeit muss sein.

bonding (101)

gestern das letzte kapitel durchgesprochen, alles soweit gut. es bleiben kleinigkeiten, die noch zu tun sind. einzelne worte, geringfügige ergänzungen. darüber hinaus eine letzte idee, die noch eingeflochten werden will. eine feine rote linie, nicht unwichtig. aber wer weiß.

nachgeschaut habe ich schon und gesehen, dass es gewagt ist. einen bogen schlagen von seite 178 auf seite 449? weil ich es kann?

mehr als geschaut habe ich heute dann aber nicht. stattdessen hänge ich mächtig durch. überall hebt sich schon die osterstarre, vierzehn tage pause, auch bei meinen literarischen partnern. damit habe ich auf einmal luft bis zur auferstehung. was sich heute mal in erschöpfung bei gleichzeitigem nichtstun geäußert hat.

naja. kein schönes ende, offensichtlich.

#insight

wiewohl ich nach lösungen suche, nach hoffnungen, verachte mehr und mehr all die täglich publizierten statistiken und prognosen, die doch nur auf unzuverlässigem zählwerk beruhen. dazu immerhin bekennen sich alle, dass ihre berechnungen auf zu vielen hypothetische komponenten ruhen. dementsprechend widersprechen sich die stimmen, heben einander auf und gehen gemeinsam unter.

was also ist wissenschaft. und was ist glauben, noch unbewiesen. wir wissen nicht, auch das sagen viele. so ist auch nur das gewiss, und nur denen ist zu trauen.

jetzt ist jetzt, mehr nicht. morgen ist ein anderes, wir werden sehen.

vor mir mein vater auf einem motorrad. ich soll ihm folgen, und das tue ich. das ist nicht leicht, er ist schnell und die straßen sind voll. an einer abzweigung täuscht er mich. er blinkt links, fährt dann aber rechts über den standstreifen oder die grasnarbe. so schnell fährt er, dass ich nicht folgen kann. nicht folgen will, so etwas tue ich nicht. das weiß er. dass ich mein tempo lebe und fahre. kein anderes.

ich stehe also da, ganz still und plötzlich ganz allein. und denke. vielleicht soll ich links, und nur er rechts vorbei an allem, so schnell es geht. über allem steht, massiv und mächtig, das schwebebahntragwerk. die grüne schlange mit den tausend beine aus metall.

#insight

im bad wohnt jetzt eine spinne. eine richtig schöne, mit kurzen, stammen beinen und mit einem feinen muster auf kopf und schultern. also keine von den winzigen, die fast durchsichtig sind. und unscheinbar. oder so eine mit langen beinen, aber ohne körper. solche waren schon oft hier bei mir im bad. jetzt ist da eine richtige, die sich zeigt. ich bin begeistert.

alles wird gut.

zeitung lesen ist müßig dieser tage. niemand weiß irgend etwas genau. sie forschen und rechnen aufgrund von modellen, dann stellen sie ihre modelle vor. jeder das seine. (so sieht es aus, das männliche ist absicht.) oder neue zahlen, die auch nicht mehr wissen eröffnen. zeitung lesen macht blöd, dieser tage besonders. ich lese darin nur noch die angst vor ostern, wo dann auch alle zu hause bleiben sollen.

die vielen menschen, die alle frei haben, die kinder wie die erwachsenen. die alle reisen wollen, in den frühling, sich besuchen. oder ans wasser, ans meer, an die luft. und menschen, die zu hause hocken, frustriert, weil sie nicht reisen dürfen, nicht fliegen. oder fliehen. die auf sich geworfen sind, vielleicht zum ersten mal. und auf die menschen, mit denen sie leben.

in der zeitung lese ich auch von bußgeldern, die am donnerstag in berlin beschlossen werden sollen. auch das fällt vermutlich in die kateorie osterangst. keine partys, keine veranstaltungen, keine zerstreuung. trotz wind und wetter, luft und lust. so ist das, so soll das.

aber auch keine besuche. strafe zahlen soll ebenso, wer sich in einer wohnung aufhält, die nicht die eigene ist.* das verbannt mich dazu, auf unbestimmte zeit ganz für mich zu bleiben, allein.** das sperrt andere mit den menschen zusammen, mit denen sie in einer wohnung leben, zufällig. männer mit ihren frauen und umgekehrt und noch anders. vor allem aber kinder mit ihren eltern, das ist fatal.

das baut einerseits auf die heile familie, im kern vier personen, die es nicht gibt. nicht einmal da, wo die menschen auf der eine familie besteht, sich wohlgesonnen sind. familie reicht nicht, reicht nie. und es demontiert andererseits jede vorsichtige idee von diversität. was sollte ich tun, hätte ich noch eine partner*in oder vielleicht mehrere. was?

das geht weit, das muss man wissen. das verlangt viel. das ist nicht recht.

* bis zu 500€!

** was ich im übrigen tue, über zehn tage länger als gefordert jetzt schon.

#insight

heute war winter, es hat geschneit. eine viertel stunde vielleicht. nächste woche ist frühling, denke ich. nächste woche bin ich auch mit dem buch durch, alles im plan. die idee war, zu ostern frei zu haben und ins freie zu gehen.

frei zu sein. daran werde ich mich halten, irgendwie.

aber noch ist es ja nicht. frühling.

#insight

das, was sich gestern in die waschmaschine geworfen habe, ist jetzt immer noch nicht gewaschen. ich habe es vergessen, gleich mehrfach. auch heute. mal sehen, ob ich morgen daran denke. ich glaube, ich habe es auf den zettel geschrieben und auf den schreibtisch gelegt. ich brauche solche schreibtischzettel, besonders an tagen, die ich zu hause verbringe. die zünden sonst nicht, diese tage. die verlaufen, wie nichts.

zündungszettel. das sind übrigens keinen todo-listen. die habe ich auch, die sind für etwas ganz anderes gut.

morgen ist brotbüroarbeitstag, dienstag und mittwoch auch. ich mag das nicht, dass das so nah zu mir nach hause kommt. sich in meinem wohnbüro breitmacht, mitten zwischen meiner so ganz anderen arbeit.

andererseits kann ich endlich die wäsche waschen. oder sie noch einmal vergessen, den lieben langen tag. und nebenbei versuchen, in der arztpraxis anzurufen. bin gespannt, wie das funktioniert. auf jeden fall zur apotheke, gegen mittag vielleicht. mit einer schicken stoffmaske im gesicht, mal sehen.

lustige aussichten, eigentlich. aber nein, trotz allem: ich hätte es wirklich gern anders. alles.

bonding (100)

die erste (hoffentlich) lesbare fassung des letzten kapitels. steht!

gerade eben, vor ein paar minuten, war ich durch. 448 (norm)seiten, rund 112.000 wörter. insgesamt.

die arbeit an dem letzten kapitel, die letzten drei tage, das war die hölle. nicht schön, ohnehin. aber jetzt, gerade jetzt. in dieser coronawelt.

was ist das? was soll das? wozu?

am donnerstag wird das ganze durchgesprochen, via skype oder so. danach kommt das letzte bisschen, der (erste, grobe) feinschliff. das kann oder wird durchaus noch einmal ein paar tage brauchen.

aber dann ist fertig. (fürs erste.) also vor ostern, wie geplant.

#insight

innen ist alles wie immer. vier oder fünf tage lang denke ich jeden morgen, dass ich das bett neu beziehen möchte. ein bisschen was frischen in diesen tagen. und immer am abend sehe ich, dass ich es vergessen habe. kurz bevor ich wieder hineinfalle, ins ungemachte.

heute morgen denke ich endlich daran, ziehe die bezüge und das laken ab und stopfe alles in die waschmaschine. den rest vergesse ich, bis spät in der nacht. wenn ich eigentlich nur noch ins bett will, bloggen. doch dann muss ich auf einmal die kissen schütteln und beziehen, die matraze stemmen, um das laken aufzuziehen, und neues schlafzeug wählen.

ich nehme das, was ich lange nicht getragen habe, weit über ein jahr, weil jemand anders es immer anhatte, hier bei mir.

passt.

draußen war ich nicht, nur beim müll. nicht beim späti, obwohl ich daran gedachte habe. doch ich hatte zu tun, zu arbeiten, zu schreiben. ich habe viel gesessen, und wenig gegessen. auch das passt.

ich weiß nicht, wie das sein wird, wenn ich mit schreiben fürs erste fertig sein werde. nach ostern und den ganzen mai. wenn das wetter dann wieder besser sein wird, noch besser. mehr sonne, mehr licht.

das wird ein balkonsommer, denke ich.

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