am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (63)


ein tag in literatur. erst sprechen darüber, dann schreiben, schreiben, schreiben. nicht viel erledigt dabei, knapp zwei seiten mehr, mehr nicht. dann war es plötzlich abend, dunkel draßen, nacht.

dem letzten kapitel musste der letzte schliff verpasst werden, dann doch noch. ein paar schrauben festgezogen und ein paar pinselstriche gesetzt. jetzt erst sitzt es.

dazu musste ich zwei folgen six feet under sehen, hab ich ja alles hier. ganz altmodisch, alle staffeln auf dvd. (also zum ersten mal im original, wo sich mal die gelegenheit ergab. ein hinreißendes hoch auf frances conroy an dieser stelle, die gleich in der pilotfolge ihre figur von grund auf aufreißt. und damit auf einen boden stellt, der sie bis in die letzte staffel trägt.) um dann drei bis fünf sätze dazu schreiben zu können. vielleicht auch sieben, und ein bißchen dialog. (und die restliche zigtaused folgen werde ich nun wohl auch noch sehen müssen, soviel steht fest. alle im original. um bei der letzten wieder endlos heulen zu müssen, ohne jeden zweifel.)

es geht weiter, immer weiter. draußen singt jemand, es ist nicht der regen. es ist eine frau. und sie hört auf in dem moment, in dem ich hier darüber schreibe. ist das ein zufall?

sind worte nur zufall? oder ist es leben, was ich hier tue.

das wahre leben

so viel im kopf. so wenig zeit. wenn alles erledigt ist, dann geht es los, das wirkliche leben. das schaffen.

im alltag sieht das so aus: keine zeit zum schreiben gehabt, nur ein paar ideen. und zweifel über zweifel, die sich aber beheben lassen. alle. durch schreiben.

irgendwann, anderntags.

bloggen im bett. hatte ich fast vergessen, dass das ja geht. dafür steht das feine kleine x61 jetzt fast immer griffbereit rechts neben mir. das netzteil auch, ohne das kann es, will es nicht mehr so recht. beides also auf der neuen ablagebrettererweiterung, ursprünglich für kaffee im bett gedacht. zu zweit, alleine mache ich das nicht. aber so geht es eben auch.

was soll ich sagen? ich bin nicht müde. ich habe alles erledigt, endlich auch die vorsteuer. durch das restgeld gerechnet habe ich anschließend nicht, besser ist besser. ich fliege blind, bis wenigstens nach klagenfurt und wien.

morgens verschlafe immer häufiger, was nicht am späten bloggen liegt. so gut wie schmerzfrei ist schlafen gerade kein problem mehr. ich genieße das. wer weiß, wie lange das geht. dabei bin ich weitgehend traumlos.

zum schreiben ist auch keine zeit. ich vermisse das. sehr.

heute weniger organisiert. macht aber nichts, nach acht stunden arbeit mit latenten hinterkopfschmerzen. nein, wirklich nicht.

zurück zu hause war alles müdigkeit und schmerz. und ein ziemlich zielloses rumgewusel, bei dem am ende doch irgendwie doch ein bisschen was rumgekommen ist. unwichtiges zeug, glaube ich. dann auf einmal: schluss mit lustig. sudden death!

die eine email hätte ich allerdings durchaus auch noch schreiben können, vielleicht sogar sollen. morgen fällt mir wieder nichts ein.

ebenso die passagen im roman, die heute im büro auf mich zukamen. noch nichts ausformuliertes, nur grundstoff, emotional angereichert. also umso schwerer zu fassen, zu halten. doch das ist erledigt. so wie es ist, als grundstoff. unausgereift.

immerhin.

gestern morgen ging ein wenig wind durch mein zimmer und wehte mir im schlaf den nacken kühl. das ist eher selten. doch es war kein traum, es war echt. es war mutig, mit dem gesicht im kissen, den darin verborgenen tränen.

der tag dann war arbeit und literatur. letzteres vorwiegend im tv und im radio. passivliteratur, gedruckt, gelesen und kritisiert. selbst habe ich dann gar nicht geschrieben.

ich war brav, stattdessen, habe langweiliges zeug übersetzt und zuletzt die zugehörige arbeitszeit notiert. der rest war kleinzeug und ein wenig haushalt, so ist alles nötige geschafft. auch zwei oder drei heikle punkte, die ich bereits ein wenig geschoben hatte. abgetragen.

jetzt nur noch bloggen, obwohl ich nicht so recht weiß, was. ist ja auch viel zu spät.

die nächste woche ist voll, bis zum rand. jeder tag für sich, bis zum wochenende. da muss ich dann wohl wieder übersetzen und zwar flott. anschließend geht es dann ja: ab in den süden! (münchen, klagenfurt, wien.)

ich bin unlustig, ich weiß. ich bin eine schlechte reisende. ich bin lieber zu hause. aber im moment bin ich nirgendwo gern.

in mir klingt es nicht so langweilig, wie es sich hier vermutlich liest. aber mehr ist gerade nicht.

zeugs

kein neues kapitel angefangen, nicht am roman geschrieben*. gestern nicht und heute nicht. stattdessen zeugs erledigt. arztzeugs vor allem, das hört einfach nicht auf.

gestern mit der exfrau getroffen. das erste mal seit wochen und boot gefahren, das war seltsam. zwischen warten und erwarten, schuld oder schuldgefühlen und erfahrung. ein bisschen reden, ein bisschen schweigen. alles ein bisschen schräg. ziemlich traurig auch, im nachhinein. die vielen missverständnisse, eines nach dem anderen. zeigt sich und keines lässt sich noch lösen.

zu spät eben. zu traurig auch jetzt.

heute stundenlang im schlafzeugs am schreibtisch gesessen und gearbeitet, endlich wieder mal. ordung in das übersetzerzeugs gebracht, das ich seit wochen zugunsten des romans vor mir herschiebe. jetzt blicke ich durch, so einigermaßen, kann einen plan machen. geld verdienen. spaß macht das aber nicht.

* ein bisschen natürlich doch am roman geschrieben. hier und da ein wort und den abschluss des nächsten kapitels. ein ganzer satz.

kapitel

wenig menschen heute. ein mal blut „spenden“, ein mal kopf „waschen“, der rest war so gut wie leer. ich bin leer, was ich als gewinn werte. gerade jetzt.

tief einatmen vor dem nächsten kapitel. dann ausatmen und nie wieder ein. so soll es eben.

alles offen

dieses wetter macht mich nicht wirklich müde, es macht mich welk, irgendwie.

die klebrige hitze im büro, zwischen ventilator und eisfach, in dem kaum noch speiseeis zu finden ist. motorradwetter ist das auch nicht, entgegen allen annahmen, nein. es ist viel zu heiß. jede fahrt wie ein saunagang. am abend der regen, oder auch die ganze nacht, der abkühlung und bewegung in die luft bringt. wie aus kübeln, mit blitzen und donner und anderenorts auch viel ärger. zugegeben.

ich lese von der empfehlung, türen und fenster zu schließen. doch ich reiße sie auf, alle. um der frische willen, der klarheit, die folgt.

und am tag darauf dann alles wieder von vorn. ja, das ist gut! das kann man machen.

tango adé?

darüber nachgedacht habe ich immer wieder mal, meistens hatte es finanzielle gründe. tango muss nicht teuer sein, aber der unterricht kostet nun mal. und er kostet zu recht. nur ein einziges mal habe ich deswegen wirklich pausieren müssen, mit einer deutlichen betonung auf pausieren. etwas anderes kam mir gar nicht in den sinn. damals.

jetzt ist es anders. bereits im zweiten halbjahr 2018 wandelte sich mein tango von kontinuiertlich zu durchlässig bis löchrig. ich weiß nicht warum, zeitenge vielleicht. das schreiben und der rest der welt. aber auch eine gewisse unlust. in diesem jahr kam dann die physische unfähigkeit hinzu. alles, was sich mir jemals zuvor schmerzhaft in den weg gestellt hat, war nichts dagegen. ohne aufrechten kopf, ohne beweglichkeit im nacken, ohne stabile schultern, ohne starke arme gibt es keinen tango. keine möglichkeit, definitiv. das habe ich erfahren, von woche zu woche über monate hinweg.

inzwischen geht es besser, so ziemlich alles. ganz okay zumindest. beinah schon könnte ich wieder menschlich sein, und werde es womöglich wirklich. es ist durchaus absehbar.

geblieben ist die unlust, die angst.

tango ist tief verbunden mit menschen, mit begegnung, mit berührung sogar, das ist unumgänglich. daran ist nicht zu rütteln, oder nur wenig, sehr wenig. genau das ist es auch, was die meisten menschen schätzen. im tanz generell, aber mehr noch, viel mehr im tango. die nähe, die umarmung, das wagnis, der moment.

mir war das immer das schwerste, ich bin ein tangofeigling.

nur um der musik willen. wegen der möglichkeit zur interpretation derselben, jetzt und hier und immer, wegen der schönheit auch. nur deshalb würde ich bleiben wollen. das mit den menschen, lernen vielleicht. obwohl die hoffnung, so wenig sie immer schon war, beinah völlig geschwunden ist. mittlerweile.

also eher kein tango. nicht mehr, auf lange sicht.

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