am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

engl macgyver

und dann schnell mal gegoogelt, wie man rollen von rollkoffern reparieren könnte. kann man nicht. man kann sie nur tauschen, wenn sie geschraubt sind. koffer mit genieteten rollen sind schrott, da geht nix.

meiner hat verschraubte rollen, zum glück. jetzt hab ich heute nacht zwar keine neue rolle zur hand, aber weil der koffer vier rollen hat, konnte ich strategisch tauschen, damit er sich wenigstens wieder vernünftig ziehen lässt. bis berlin wird es so wohl gehen.

mit dem winzigen schweizer messer hab ich das übrigens gedreht. geht doch!

keine klagen (72)

zurück vom landhafen, wo es richtig kühl geweht hat. sehr angenehm. zum ersten mal verstanden, was die gomringer (aus)macht. ich hätte früher gehen sollen, pünktlich sein, zu ihrer performance. zum erste mal auch diesen photowettbwerb begriffen, wort im bild. in aller ruhe zugesehen und wirklich verstanden. schön.

wichtig auch vor allem, wichtig für das buch, in dem es ja auch um bilder sehen und die welt hören geht. warum auch immer, ich hab mir das nicht ausgedacht. aber heute verstanden, dass es bei bildern viel um schweigen geht. ganz anders als beim schreiben.

wenig menschen getroffen, die ganzen tage eigentlich. alles gut, alles anders. es ist, wie es ist. ich habe zu tun, das allein macht mich noch aus.

keine klagen (71)

temperatursturz auf gute 30°, dazu leichter wind. eine wohltat. ich bin früh am lendhafen, obwohl ziemlich verbummelt. als preis erhalte ich ohne aufpreis einen sitzplatz mit tisch, also so etwas wie einen arbeitsplatz. so residiere ich die ganze lesezeit im schatten, ohne groß herumrücken zu müssen. unglaublich.

die texte packen mich mehr als gestern, zumindest die vormittäglichen. seitdem denke ich nach über stil und stilistik, über thema und stoffe und deren umsetzung. und über sprache, ihre machbarkeit und das, was mit sprache nicht mehr machbar scheint. besser kann es gar nicht sein. über den nachmittag möchte ich schweigen. nichts für mich, nein.

ich weiß nicht warum, aber ich fahre dann wieder nicht an den see. was ein blödsinn ist, im zimmer ist es stickig und warm. ich muss erst die fenster öffnen, um durchzuatmen. und selber ein wenig durschwitzern. aber ich muss halt doch zeugs erledigen, einen anruf und ein paar mails. die rechnung noch? ach naa, das geht auch morgen, übermorgen. montag, bei 39° in wien. uff!

dann will ich erstmal eisessen, topfencremeeis. hervorragend. (gestern war’s übrigens holunderblüteneis und davor graumohneis. alles höllisch gut!) dann wollte ich sandalen haben, fahrradfahren in flipflops macht mir irgendwie angst. ich finde sogar welche, mehr so trekking, billigware. schließlich stehe ich vor einen stand mit kleidern! ich! weit geschnittene hemdartige gebilde, vermutlich einheitsgröße, aus baumwolle oder leinen, ich weiß nicht. ich!

gekauft habe ich keines, aber eher aus geiz als aus nichtgefallen. es wäre mein erstes (selbstgekauftes) kleid gewesen. schade.

PS jetzt wieder im zimmer und erstmalig die potcasts des literaturcafés hören. das dauert. ; )

keine klagen (70)

trotz hitze alle fünf heutigen texte am lendhafen gehört. das war gut auszuhalten, da ging sogar ein warmer wind. außerdem ist für viel schatten gesorgt in diesem jahr.

dannach gleich zügig zurück, eis und salat essen. aus den verschwitzten klamotten raus. nicht an den see, nein. war mir zu heiß, vor allem die fahrt da raus. immer noch 36° grad. die gewitter gehen wohl auch anderso runter, hier ziehen nur ein paar hohe wattewolken durch. bislang.

also ins hotel. jetzt liege ich auf dem bett und will auf jeden fall gleich fußball schauen. deutschland wird weltmeister. (schwer zu googlen, die termine der deutschen frauenfußballmannschaft. nach gefühlten drei bis sieben stunden immerhin steht fest, ich habe mich geirrt. der nächste termin ist erst samstag. ich meine, mich erinnern zu können, dass die drei (oder waren es womöglich fünf?) spiele der männermannschaft im letzten jahr on top auf der google-hauptseite zu finden waren.)

die texte selbst? ach, es ist wie jedes jahr. ich bin keine kritikerin, ich will das auch gar nicht. umgehauen hat mich nichts wirklich und vieles auch schlicht nicht interessiert. (schicke ausrede, wie so ein kritiker.) anderes war interessanter, aber dafür formal eher zäh. also, selber lesen, los.

meine achtung, meine arbeit liegt ganz woanders: in den deutlich fragileren entstehungsphasen von text, zwischen hoffnung und angst. exakt da, wo noch alles schief gehen kann. oder zum stillstand kommt, weil es so viele möglichkeiten gibt. die atemphase, die kein kritiker jemals durchpusten sollte. wobei teil der bachmannshow natürlich ist, dass genau das jederzeit passíeren kann. und auch zweifellos passiert.

dabei scheinen auch die kritiker_innen bislang etwas müde, wenn nicht zahm. sie mögen irgendwie fast alles, zumindest ein bisschen. udn wenn nicht, dann liegt es womöglich am stoff, am fehlenden eigenen interesse oder an sonst was. streiten tun sie mitunter über die art, wie sie streiten möchten. immerhin.

keine klagen (69)

heute alles anders. der zug überpünktlich, ziemlich leer und überaus angenehm, die ganze fahrt. es war ein österreichischer zug.

auch sonst alles ein wenig anders als sonst. gleich nach der ankunft rüber ins musil-museum zur stipendiatenlesung. liegt ja direkt gegenüber. diesmal aber nicht bis zuletzt geblieben, weil noch zu viel unruhe, so viel noch zu tun war. das fahrrad klarmachen, das hotel auch. auf dem weg festgestellt, dass eine rolle des rollkoffers den geist aufgegeben hat, sich quasi in zersetzung befindet. den rest dieser tage werde ich also mein gepäck auf einem verdaddelten stück plastik hinter mir herzerren. was bei diesem wetter kein spaß ist, sondern sport. t-shirt und hemd klatschnass. also duschen und ein bißchen was essen und trinken, bevor schon die eröffnung losgeht.

das hotel ist okay, das zimmer ist klein, aber es funktioniert. alles. wlan ist umsonst und funktioniert. oh, wunder. die geniale unterkunft der letzten beiden jahre, exakt zwischen lendhafen und orf-studio, war diesmal leider nicht zu haben. das macht mich traurig, jedesmal, wenn ich dort vorbeifahre. einen oder zwei tage ist sie belegt dieser tage, mittendrin, also vermutlich nicht von einem tddl-besucher. aber wer weiß.

zur eröffnung das übliche gerede, weil es so muss. wichtig ist nur die leseauslosung und rede zur literatur. immer. diesmal hat clemens setz von zersetzung gesprochen. über dichter, die sich an der realität verheben und nach berlin ziehen. und über die progrome unserer zeit.

danach ist die nacht keine mehr nacht geworden, längst bin ich zurück und blogge. in aller ruhe, denn es ist früh am tag. sozusagen. lange vorbei, die zeiten, in denen ich zwischen drei und vier oder fünf angetrunken den mobiltelefonwecker zu stellen versuchte. und der mir, nach erfolg des unterfangens, allen ernstes meldete, er würde dann ich zwei stunden dreizehn miniuten tätig werden. gnadenlos.

und das ich. so etwas tue ich sonst nie. und vermisse es auch nicht. oder vielleicht doch?

heiterer

was denkt sich die bahn dabei, ausgerechnet den von mir gebuchten zug auffallen zu lassen. ersatzlos gestrichen, einfach so? (naja, nicht einfach so, es gab schon einen grund. der zug ist halt kaputtgegangen, so die mitteilung.)

insgesamt war das heute dann schon eine ganz gehörige anstrengung, mehr als die doppelte zeit unterwegs gewesen zu sein. und gleich zu anfang die warterei. ich weiß, es gibt viele züge nach münchen, aber ich habe sicher drei oder vier ausgelassen, die schon als überfüllt vorangekündigt waren. mein gepäck zu bewältigen, war ohnehin anstrengend mit nur einer hand, einem arm. ich sehe dabei vermutlich unbeholfen aus, wenn nicht trottelig. ich bin langsam und übertreibe alles immer ein bißchen. damit niemand ernsthaft glauben kann, ich wäre wirklich so. wobei das vermutlich ein trugschluss ist. sicher sehe ich aus wie eine weißhaarige alte, körperlich eingeschränkt, was ja durchaus stimmt, aber dafür in turnschuhen. kenne ich doch, sehe ich doch selber, solche leute.

das rechte handgelenk hat die linke symptomatik im laufe des tages übrigens zunehmend übernommen. jetzt ist sie ganz dort und pocht, während die linke sich weitgehend beruhigt hat. also ein deutliches rheumaspiel, das da stattfindet. auch das ist anstrengend.

eine gesamtanstrengung, die sich jetzt gerade deutlich niederschlägt. in mir schlägt sie sich nieder, und schlägt mich nieder.

zu allem überfluss hatte ich genug zeit, um mich über mich selbst zu ärgern. warum bin ich nicht gestern schon, also am montag, nach münchen? ich hätte mir viel hetze und verumutlich auch den heutigen ärger erspart. ich hätte einen tag in münchen gehabt, und ich hätte die kaltmamsell noch angetroffen. wobei herr kaltmamsell aka herr rau mich auch ganz hervorregend versorgt hat, mit handtüchern, risotto und drei verschiedenen schokoladen. warum? ich weiß, ich wollte urlaubstage sparen, für den august im westen, zusammen mit der exfrau. aber das hätte ich ändern können, schon längst. mein kleines festangestellendasein hat für dieses jahr noch massig ulaub übrig, fast zwei drittel.

die weisheit des alters ist das alles nicht gerade.

heiter

was denkt sich dieser körper dabei, dass mich am ersten reisetag mit einem schmerzhaft pochendem linken handgelenk aufwachen lässt? bis in die schulter bin ich unbelastbar. die rechte seite behagt mir auch nicht recht. gestern saß ich noch den ganzen tag im büro am pc, danach auf der kawa. das kann ja heiter werden, unterwegs.

was denkt er sich, dieser körper!

zum glück ist der koffer recht leer, aufgrund meiner packkonsequenz, der rucksack auch. kaum papier, das kommt dann eh, in klagenfurt.

gleich stolpere ich also zum südkreuz, in den zug nach münchen, in dem ich mich so oft mit der exfrau getroffen habe, auf dem weg nach leipzig, dresden oder eben münchen. allein.

aber erst höre ich noch im radio über das sterben vor der zeit und den umgang damit. passt.

keine klagen (68)

morgen mittag gehts los. gut 25 stunden anfahrt diesmal, inklusive übernachtung in münchen und zugfahrt durch die berge am mittwoch früh. ankunft überpünktlich zur 1. lesung, der literaturkurslesung, die sonst kaum jemand besucht, den ich kenne. grundsätzlich ist da sowieso mehr so der betrieb, also menschen, die ich nur vom sehen kenne. und sie mich überhaupt nicht. aber ich bin gerne dort, immer wieder. inkognito, sozusagen. und diesmal erst recht.

die verlassenheit wird mich auf auch reisen begleiten, mehr noch vielleicht als hier. davon gehe ich im moment aus. so viele, die nicht dort sein werden in diesem jahr. es wird also einsam sein in klagenfurt. ich werde still sein inmitten des betriebs um mich herum, ich werde viel schweigen. vermutlich.

oder schreiben? das sterbekapitel in klagenfurt schreiben?

pack

immer dasselbe. ich versuche ein wenig ordung und struktur in die zusammenstellung von sachen zu bringen, die ich in den koffer packen sollte. weniger ist mehr, besonders diesmal, wo ich einige stationen zusätzlich zu bewältigen habe.

schlechte reisende, die ich bin. aber wien! nach klagenfurt geht es nach wien! das ist es doch wert.

und dann fange ich auf einmal an zu sortieren und aufzuräumen und auszumisten. hier in meiner wohnung, nicht in meinem koffer. weil das kleine desaster ja doch immer nur das abbild des großen desasters ist.

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