
wie gestern gesagt: heute kurz drüber und gut. kapitel xvi ist fertig. das heißt, eigentlich war es nicht so wirklich kurz, schon noch ein paar stunden arbeit.
weiter mit xvii, ganz etwas anderes. kurz und hart, schmerzhaft.
so langsam sollte ich mich an die planung machen, wie vor einem jahr ausgedacht. es ist nicht mehr weit bis klagenfurt, keine drei wochen. nein, wenig mehr als zwei, sehe ich gerade.
aber ich weiß nicht. gestern dachte ich tatsächlich daran, die reise ausfallen zu lassen. auch dort wird niemand sein, nur die verlassenheit. wenn alle gegangen sind, dann stehe ich allein da, wie immer schon. und warte auf den moment, in dem sich alles klärt. in dem ich dann mitreden kann, endlich.
ich bin so anders als diese welt, als die menschen. deshalb kann ich schreiben, wie ich schreibe. aber es kostet das leben.
also gut: stattdessen einfach nur nach wien, vielleicht? das immerhin ist sinnvoll für den roman.
nein! so geht es dann auch wieder nicht. ich nehme alles, besten dank. oder nichts.

früh wach gewesen, wie eigentlich immer seit einiger zeit. das hört einfach nicht mehr auf. deshalb noch vor zehn am schreibtisch gesessen und in den text.
abgetaucht. gut so, nichts anderes hat noch sinn.
deshalb einfach mal acht stunden am stück, bis gegen sechs gerade eben, im text geblieben. dabei acht seiten geschrieben und dann zügig hinten raus aus dem mammutkapitel, das so etwas wie ein beziehungskapitel ist. endlich, ich würge und kotze an dem, was ich da zu tun habe. jetzt muss ich da morgen nur noch einmal kurz drüber. hoffentlich. und dann ist gut!
acht jahre umfasst das kapitel mit der nummer xvi im übrigen, unfassbare acht jahre auf achtundzwanzig seiten.
und jetzt höre ich mal besser auf hier, ich bin ein klein wenig durch. den wind oder den text, wen kümmerts.
PS jedes mal, wenn ich erneut vorsichtig versuche, die seitenzahl zu überschlagen, die ich so in etwa noch zu schreiben habe, werden es mehr. statt weniger. ich weiß auch nicht.
ich bin keine gute reisende, feiern ist auch nicht so mein ding. beides wird jedoch von den meisten menschen gern getan, habe ich den eindruck, und dementsprechend hoch gehalten. das allein macht mich schon zum alien.
die kleine feier gestern war dennoch richtig nett, dem anlass mehr als angemessen. klammheimlich wurde natürlich meine verlassenheit zelebriert, von mir sowieso. und auch die anwesenden gäste schienen dem thema nicht abgeneigt, der eine oder andere flotte trinkspruch zum beispiel sprach durchaus dafür. und zwang mir ein fettes grinsen ins gesicht. ebenso die blicke, wenn ich mich nicht arg getäuscht habe. obwohl diese nicht so sehr zum grinsen waren.
meine jährliche alterung und der vor einiger zeit bereits unterzeichnete agenturvertrag sind dabei im wesentlichen ebenfalls abgefeiert worden. es gab sogar ein klein wenig applaus, wenn ich mich recht erinnere. zu mehr reichte die kraft nicht, meine kraft. es gab also weder musik, noch eine*n dj und auch keine vorabexklusivlesung. obwohl das eine nette idee war.
nein, das war anders, das ist lange her.
am ende ist dann doch alles wie immer. wenn alle gegangen sind, ist meine verlassenheit grenzenlos. wenn niemand bleibt bis ganz zum schluss, wenn es endlich echt wird und wahr. aber ich habe keine ahnung. ich bin eine schlechte feiernde. niemand sollte da auf mich hören, ausgerechnet.
ich stehe allein, das ist nicht neu. ich bleibe allein, und kein mensch wird daran jemals etwas ändern. ich denke, ich bin so gemeint.
ich denke, ich lasse das jetzt einfach mal so.
heute erstmal bei der osteopathin gewesen, dann die halbe wohnung geputzt, dabei drei rechner geupdatet und dazwischen, beim einkaufen, überraschend nach jahrezehnten mal wieder ein #metoo-ereignis absolviert.
die leergutautomaten unten in den neukölln arcaden stehen in einem großen nebenraum. da stehe auch ich und ärgere mich, dass meine maschine in exakt dem moment den dienst quittiert hat, als ich meine quitting haben möchte. der typ mit dem bart am automaten daneben fängt daraufhin an, von weitem auf mich einzureden. was ich weitgehend ignoriere, zum supermarkteingang gehe und um behebung des dilemmas bitte. was mir auch sofort zugesagt wird.
ich gehe also zurück in den nebenraum, um dort zu warten. der typ quasselt immer noch auf mich ein, während er gleichzeitig mit einem flaschen geschäftigt ist. ich begreife, dass er mich zu beraten versucht, was denn nun zu tun sei. ich gebe ihm zu verstehen, dass alles geregelt ist. was er offensichtlich nicht begreift, denn er redet weiter. ich winke – ahnungslos – ab.
plötzlich steht er dann neben mir, eine hand auf meinem rücken, der ich mich zunächst einmal zügig entziehen muss. noch einmal erkläre ich, leicht genervt und immer noch ahnungslos, dass es nichts mehr zu tun gibt, nur noch warten. daraufhin möchte der mann plötzlich bier trinken oder kaffee, was ich – überrascht – verneine. keine zeit, sage ich auf seine prompte nachfrage. statt kein interesse, keine lust. oder überhaupt einfach noch einmal: nein!
soweit, so seltsam.
dann fällt dem kerl der blick nach unten und wieder hoch und gleich wieder runter. ich begreife, dass er meinen körper taxiert, die müden alten knochen. jung ist der typ allerdings auch nicht, sein bart ist weiß, mehr will ich gar nicht wissen. seiner mit einem mal grunzenden artikulation, seiner „anerkennend“ murmelnden stimme entnehme ich – endlich – worauf er eigentlich aus ist.
lass! es! sein! zische ich und meine seinen blick, durch mein männerhemd, das t-shirt und was weiß ich noch alles. seinen plötzlichen absturz in richtung: ficken!
ich gehe auf ihn zu. anders geht es nicht. nicht mehr rückwärts in diesem moment. außerdem, raus aus dem nebenraum, richtung hauptgang. so ist der plan. oder ist es zufall?
zeitgleich kommt der supermarktangestelle, um sich um meine pfandangelegenheit zu kümmern. zwischen den automaten kommt er heraus, also quasi aus der wand. arschloch! sage ich noch. und muss dann dem pfandmann erklären, dass er natürlich nicht gemeint ist.
seit sonntag ist es heiß, zu heiß. es ist sommer. tagsüber kocht mein hirn, das hilft nicht gerade bei der arbeit. welche auch immer. nachts schwitze ich in der schwüle, egal wie ich mich kleide, lagere oder wie weit ich alle fenster öffne.
eigentlich mag ich ja den sommer, aber doch nicht immer gleich so. heiß! die hände sind geschwollen, der blutdruck im keller, für meine verhältnisse. also ausnahmweise mal im unteren optimalen bereich. spät am nachmittag meist haut es mich hin, und ich schlafe wie ein stein. nackt und unansehnlich, wie es eben ist mit bald sechzig, alt und krank. danach bin ich dementsprechend verwirrt. ist es jetzt schon morgen? oder abend? und wer bin ich eigentlich?
jetzt geht gerade ein wetter draußen. der regen kühlt alles runter, wie es sich gehört.
so ist gut.
schreibzeit ist nicht nur anderswo, schreibzeit ist immer auch hier. schreibzeit ist ganz besonders auch hier.
heute war schreibaustauschvormittag, die so wichtige 14-tägige deadline. mein derzeitiges schreibtempo ist allein dieser, von außen vorgegebenen taktung geschuldet. dabei bin ich so tief drin, so fest verankert im text, dass mir kaum noch etwas danebengeht. auch das trägt natürlich zum zügigen vorankommen bei.
wobei zügig oder gar schnell? zirka zwanzig seiten in vier wochen scheint auf anhieb nicht so viel zu sein. wenn ich aber den gehalt des aktuellen kapitels gewichte, aus dem durchaus ein eigenes buch hätte werden könnte. dann bin ich sogleich befriedet.
das ding wird gut. und immer besser.
nach dem schreibaustauch also gleich nach hause an den schreibtisch und die aktuellen zehn seiten bereinigt. zügig. jetzt geht es an den kapitelabschluss, auch das keine ungewichtige strecke.
gleich morgen vielleicht. oder spätestens sonntag, montag.
zurück in der großen stadt, schon lange. gegen elf losgefahren, und noch vor eins schon alles ausgepackt und wieder eingeräumt gehabt. berlin sitzt fest in mir.
danach listen gefunden und zeugs erledigt, tatsächlich auch zwei fenster geputzt. bitte nicht falsch verstehen, saubere, klare scheiben sind überaus erfreulich. ich werde fortfahren, diese herzustellen, bis der punkt auf der liste endgültig getilgt sein kann. außerdem updates gefahren, auf drei rechnern gleichzeitig, ein übersetztes datenblatt korrekturgelesen, formulare ausgefüllt und kopien gemacht.
mit schreiben war so nicht mehr viel zu reißen.
sollte ich also noch einmal derart hadern mit einer deplazierten, viel zu kurzen, aushäusigen schreibzeit. sollte ich erneut der meinung sein, dass ich genausogut hätte zu hause bleiben können, auch weil das zum beispiel billiger ist. dann sei das hiermit wiederlegt und zu den akten gepackt.
zwar neige ich dazu, deutlich mehr zu fressen, wenn ich da so depreviert in der fremde hocke. schokolade, gummibärchen, sogar kekse und kräcker.
aber dafür schreibe ich dann auch, konsequent und ohne frage. ich überlege also, mir alsbald weitere schreibzeiten zu gönnen. (allein, das ist tatsächlich ein wenig teuer.)