am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

ein schöner tag

das wetter hat sich beruhigt. am abreisetag zeigt sich die kleine stadt von ihrer süßen seite. blauer himmel, sonnenschein, vogelzwitschern. der rest ist stille und menschenleere, was vermutlich irgendwie zusammenhängt. das pfeifen ferner flugzeuge zeugt von deren ferne, es kommt und geht. so ist das hier.

um mich herum ist alles so gut wie gepackt, das ambiente weitgehend zurückgebaut in seinen präsentationsmodus. in zwei stunden kommt die reinigungskraft, aber die vermieterin hat mir erlaubt, meine gepackten sachen einfach noch hier stehenzulassen und mir einen „schönen tag“ zu machen. heute kommt kein neuer gast mehr, erst morgen. auch die wohnung hat also erstmal pause, das sei ihr gegönnt.

ich frage mich, was genau das ist, ein schöner tag. rumlaufen, fotos machen und eisessen? das wäre das erste, was mir dazu einfällt. dann noch eine weile in einem café sitzen und nichts tun. zumindest nichts tun müssen, nicht einmal lesen oder schreiben. nur schauen.

der berliner maschine noch ein paar stunden den rücken zudrehen. wobei mir das bereits gleich wieder anstrengend erscheint.

berliner maschine. das hätte ich auch nie gedacht, dass ich meine stadt irgendwann einmal so nennen und so empfinden würde. vor jetzt fast fünfzehn jahren, als ich hergezogen bin. als ich genau das wollte, eine große maschine, die für nichts gut ist. da mitten hinein.

das ist lange her, und es wird eine lösung geben müssen in absehbarer zeit. die wirklich tolle und günstige wohnung in berlin aufzugeben, scheint mir unsinn. bleibt nur die variante eines winzigen zweitwohnsitzes, einer permanenten schreibhöhle quasi, irgendwo am wasser. ein schreibtisch mit bett, für viele schöne tage.

ist das nur vermessen? oder ist das schon utopie. darf ich das, überhaupt auch nur denken? von mehr will ich ja erstmal gar nicht reden.

bonding (53)


früh aufgewacht, gefrühstückt, dann früh an die arbeit gegangen. alles gut, der text ist doch noch lebendig geworden, im letzten moment sozuagen. zusammen mit der ersten tangopassage. endlich. zurück in berlin werde ich acht seiten ausdrucken und abheften. dann werde ich weitermachen, vielleicht nicht sofort. aber weiter, noch weitere 80 seiten. der aktuellen rechnung zufolge, vermutlich mehr. ich kenne mich doch.

langsam klärt sich also die lage, die innere, meine ich. meine lage. ziemlich spät, diese schreibzeit ist ja nun so gut wie vorbei. ein fazit bringe ich nicht zusammen, aber immerhin: ein kapitel. doch es war keine reine schreibzeit diesmal, es war eine schmerzzeit und eine heilzeit und womöglich so manches mehr. so hoffe ich.

aber ein anderes fazit hat mich heute erwischt. vor etwa zweieinhalb jahren, also im august 2017, habe ich angefangen, einen alten, kaum angefangenen text ausgraben zu wollen. seine fragmente genaugenommen, hier an diesem ort. noch nicht in dieser genialen wohnung, aber auch nicht weit. ende 2017 dann noch einmal hierher, in eine andere unterkunft, und kaum einen schritt weiter im text. wenig anders sah es dann anfang april 2018 aus, das war letztes jahr ostern. zum ersten mal in dieser wohnung hier, beste lage, bester schreibtisch, bestes ambiente. ich glaube, ich hing im vierten kapitel fest. und wusste nicht weiter.

dann lief mir ein dranbleiben über den weg, genau zu diesem datum. ein tag nach meinem geburtstag. seitdem läuft es, zu hause ebenso wie in den schreibzeiten. ich könnte auch sagen, ich habe meine schreibzeit jetzt auch im eigenen heim. endlich. das hilft ungemein.

der letzte sommer dann, wieder hier in dieser wohnung. ich suche nicht weiter, genau hier ist es richtig. august 2018 also, ein jahr nach dem vorsichtigen anfang, und es war grandios. unschlagbar heiß, unerträglich im grunde. aber ich mitten in der arbeit und immerzu zweifelnd. anders kann ich wohl gar nicht erst. und ich ebenso mitten in dieser kleinen stadt, voller sehnsucht nach ruhe und weite. so sehr, dass ich gar nicht wieder gehen wollte.

und jetzt? nun ja, ich weiß noch nicht so recht. wird sich zeigen.

doch der unterschied lässt sich messen. er beläuft sich seit heute auf 197 seiten text. und einen agenturvertrag. ich glaube, das kann sich sehen lassen.

twin peaks am see


ich neige ja dazu, fotos immer aus der position zu machen, in der ich mich gerade befinde. für das foto ist das natürlich nicht immer die beste position, das ist mir schon klar. dennoch bleibe ich dabei, einstweilen, nicht nur der einfachheit wegen. es soll doch zeigen, was ich sehe.

und zumindest hier ist es supereinfach, da kann ich eigentlich gar nichts falsch machen.

da wollte ich meiner neuerlichen verwunderung über die hiesige stille dadurch ausdruck verleihen, dass ich hier von dem rechen schreibe, der am ostersamstag das einzige war, das zu hören gewesen ist. ein rechen, der sicher dreißig meter von meinem fenster entfernt von meiner netten nachbarin gleichmäßig über den boden bewegt wurde. und wie sehr ich in diesem umfeld darauf achte, dass weder meine musik, noch ich selbst irgendwie unzulässigen lärm verursachen. womit ich mich unweigerlich als berliner großmaul etablieren würde, was ich natürlich nach kräften zu vermeiden versuche.

und dann wecken mich heute morgen sieben oder acht kräftige stöße aus einem laubbläser, der offensichtlich auch hier irgendwo wohnt. in diesem friedlichen hinterhof. ich bin nachhaltig entsetzt.

bonding (52)


so. das war kapitel 15. morgen noch einmal durch die letzten beiden seiten, dann soll das gut sein. bis auf weiteres zumindest.

zwei seiten tango übrigens. wenn ich schon nicht mehr selber tanzen kann. irgendwer muss ja, soll ja. in meinem namen. und die drei machen das ganz gut, glaube ich.

wie drei? ach so, naja. was weiß denn ich!? ; )

noch ein ganzer tag morgen, anschließend ein halber vielleicht. ich weiß es noch nicht so genau. das sollte reichen für zwei seiten. ich mag das ja, wenn die orte, die dinge und die zeit sich derart einig sind. das ist selten.

schreibzeit (19)

diese schreibzeit entwickelt sich mehr und mehr zu einer heilzeit. seit gestern ist mir klar, dass die ganze woche schon immer sehr viel zeit ist zwischen den schreibphasen lag. eigentlich arbeite ich kaum mehr als zu hause, nur dass hier dazwischen ruhe herrscht. nicht nur stille, das auch. (obwohl hier heute wieder mal fußball war, aber das kenne ich ja schon.) es ist auch nicht das erledigen all der anderen anstehenden dinge, die arbeit, die arzt- und physiotermine, hin und wieder ein wenig tango, sofern möglich und der sukzessive wohnungsumbau. (der ist ja auch noch nicht bewältigt, hat sich lediglich abseits gestellt, ganz von selbst.) auch das fehlt hier natürlich.

aber es ist nicht nur das. da kocht diese raserei tief in mir. weit jenseits der englsgeduld, die es braucht, um ein buch über die jahre fertigzuschreiben. über die ich offensichtlich ebenso verfüge. seltsam.

gute tage, schlechte tage

und heute so mittel, vielleicht. keine gute nacht, auf jeden fall. ich finde keine ruhe im schlaf, gerade wo ich am tag so viel davon habe. da spiegelt sich wohl all der stress der letzten jahre, die weitgehend ohne pause quasi durch mich hindurchgerast sind. irgendwann ist damit wohl einfach schluss.

dementsprechend flügellahm bin ich, besonders rechts. aber im allgemeinen wird es besser. auf jeden fall.

anders auch, alles.

bonding (51)


beim schreiben muss man sowohl mit erwartungen als auch mit prognosen immer so vorsichtig wie möglich sein. ich sollte das wissen. ich weiß es auch, aber ich ignoriere es mit größtmöglicher bereitwilligkeit.

zwei kapitel hatte ich mir vorgenommen in dieser schreibzeit. das eine, kleine fertigmachen, das ja längst angefangen und im grunde schon so gut wie abgeschossen war. dann das folgende, weitaus größere. zumindest grob durchpflügen sollte doch drin sein, dachte ich, einmal von vorne bis hinten. so war das geplant. gewesen.

nicht eingeplant war die müdigkeit, obwohl ich gerade die hätte voraussehen können. und sollen. doch das eigene, das so tief in das schreiben hineinwirkt, mitunter, gerade das verleugne ich seit jeher nur allzu gern. zumindest wenn es um die physis geht. ebenso nicht eingeplant war die arbeit an der kapitelstruktur, obwohl diese glasklar auf der hand lag. ignorieren ließ sich das nicht, auch nicht übersehen. nur dachte ich eben, das wäre an einem nachmittag erledigt.

da lag ich wohl falsch, in beidem.

gerade eben erst zeigt sich, dass ich wohl froh sein kann, wenn mir das eine, kleine kapitel noch gelingt. genau genommen bin ich zuversichtlich, es läuft wieder. ich musste nur erst zurückfinden an diese stelle des manuskripts, während die intensiven planungen der ersten paar tage hier sich ja auf ganz andere, viel spätere romanphasen bezogen. eine rasante reise, ich muss schon sagen.

doch im grunde liege ich jetzt ganz gut, es gibt nichts zu klagen oder zu jammern. schon gar nicht wegen der zeit, im gegenteil. übersicht habe ich gewonnen, spielraum und weitsicht. damit lässt sich doch arbeiten, ganz sicher.

oder anders gesagt: ich denke wieder, dass es durchaus etwas werden könnte in diesem jahr. fertig werden, meine ich, mit allem. nicht nur das eine oder andere kapitel, sondern die erstfassung.

tragisch ist nur, dass jetzt gern bleiben würde, hier an meinem schreibzeitort. gerade habe ich mich eingegrooved, dehne mich aus zwischen schlafen, arbeiten, mittagsschlafen, eisessen, radfahren und weiterarbeiten.

so ein woche noch, zusätzlich. das wäre gut.

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