am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

rumradeln

es spricht durchaus für mich und diesen ort ‒ oder? ‒ daß ich den schleichradweg am wasser entlang ins zentrum, wo ich gestern dn englischen laden mit creamtea entdeckt hatte, gleich am zweiten radtag gefunden habe, ohne überhaupt danach zu suchen. und umgekehrt auch, also den rückweg.

lag einfach so auf dem weg. bin nur so rumgeradelt.

weniger schön: daß ich am diesigen, eher kühlen morgen das paddeln verworfen habe, um wenig später schon festzustellen, daß es wohl keinen besseren tag hätte geben können. sonne satt, aber nicht allzu heiß. immer wieder mal ein paar wolken, wenig wind.

die seele hätte es gebraucht.

nieder

unter schmerzen in die nacht. lange geschlafen und doch irgendwie nichts. aufwachen mit pochendem schädel. keine migräne immerhin, nur stahlharte muskulatur. es helfen ibu 800, kaffee und der harte strahl der dusche an den richtigen stellen.

jetzt aber mal langsam.

aufrecht

der schreibtisch in meiner derzeitigen künstlerklause ist übrigens kein schreibtisch. es ist nur ein tisch mit einem stuhl, das macht sich nicht besonders gut für den alten rücken, nacken und damit für den gesamtschädel, der allzuschnell erschöpft und müde darniederliegt.

dabei ist es gerade mal zehn. aber die angelegenheit verdichtet sich ja, und es gibt pläne für morgen. da darf ich in ruhe schlafen. oder?

verbunden

erst dachte ich, das essen wäre nicht gut und mir würde schlagartig schlecht davon. ein gutes zeichen für die schlechte wahl, die ich getroffen hatte. dann wurde mir klar, daß es der papierberg war, den ich wirkmächtig neben dem essen hingestapelt hatte.

mit den handschriftlichen notizen war ich schnell durch. überraschend viel war durchaus lesbar, dafür aber inhaltlich kaum noch nachzuvollziehen. die digitalen notizen dagegen, extra ausgedruckt: durchdacht und brauchbar. basiszeug, daten und namen, konstruktionsideen. das ist wichtig, sonst komme ich da gar nicht mehr rein.

dann war da noch das grüne buch, das ich fast vergessen hatte. notizen von unterwegs. so etwas braucht man, wenn zwischendrin noch andere arbeiten anstehen, nicht nur die schreibarbeit. ich zumindest brauche das, muß es immer in der nähe wissen. um die kleinen ideen und einsichten zu notieren, textpassagen auch. so etwas behalte ich einfach nicht im hirn. im hirn behalte ich nur, daß mir etwas eingefallen war. nicht aber was. auch das grüne buch ist ebenfalls weitgehend lesbar, aber viel anfangen kann ich erst einmal nicht damit. vielleicht ist es auch nicht mehr wichtig.

insgesamt unbefriedigend. der text ist außerdem der text, auf den kommt es an. also die notizen zusammengefaltet und eingesteckt. und an den text.

ich habe nicht alles gelesen, das war zu aufregend. das mache ich morgen, vielleicht. ich sollte es tun. ich habe also nur in dem ordner herumgeblättert. ich habe vorne angefangen, aber das war ernüchternd. ich habe weiter hinten ein paar zeilen gelesen, das war noch schlimmer. dann habe ich den bleistift herausgeholt, um gleich mal die nötigsten streichungen vorzunehmen. ab da wurde es besser.

dann kamen die zwei seiten, die mich umgehauen haben. ich wußte zwar, daß ich sie geschrieben hatte. aber nach über drei jahren wußte ich es auch irgendwie nicht mehr. und es hat mich gepackt. da paßt fast alles. ein paar worte nur, ein oder zwei stellen, die mehr genauigkeit brauchen.

es ist, was ich will, daß es ist.

überhaupt stimmt der ton, im großen und ganzen zumindest. kürzen muß ich und putzen. kitsch und ramsch muß weg. die dinge müssen klarer werden, die sprache auch. dabei ist sie für meine verhältnisse schon relativ knapp. das alles ist arbeit, aber das war wohl klar. zum teil ist der text noch roh, erstniederschrift, ohne jegliche bearbeitung. das kann also noch gar nicht stimmen. bei mir nicht, niemals.

randnotizen: die namen stimmen nicht alle. besonders der der erzählerin ist falsch, und obwohl der natürlich am wenigstens auftaucht, stört es mich immens. es gibt auch keinen titel, der bisherige war ja auch nur ein arbeitstitel, und der liegt inzwischen vollkommen falsch. die story hat sich verändert, das war mir gar nicht so recht bewußt. obwohl ich es natürlich wußte.

es geht im kern gar nicht (mehr) darum, daß jemand geht. im gegenteil, es geht um verbindung, um familie eben. obwohl auch das wieder nicht stimmt, es geht gar nicht um eine familie. oder doch? heißen mütter und väter und kinder zusammengenommen nicht familie? ach, was weiß denn ich. das umfasst soviel mehr, und am ende ist es hoffentlich nicht nur diese eine geschichte. eines wächst aus dem anderen, das ist derzeit meine hoffnung.

genug der rätsel. keine ahnung, ob mir ein guter titel gelingen wird. ich bin skeptisch, will aber auch nichts konstruieren. auf jeden fall jetzt noch nicht. also muß ich damit leben. und arbeiten, irgendwie.

den weg gehen.

jetzt doch mit rad unterwegs, die vermieterin hat es mit günstig zur verfügung gestellt. rot ist es, mit damenrahmen und rücktrittbremse. was auch sonst. außerdem macht es mitunter seltsame geräusche. die handbremse bringt fast nix, ich muß also rücktreten. das habe ich mit etwa 11 jahren das letzte mal gemacht. das ding macht mir mehr angst als das rennrad zuhause, und das will was heißen. ich schleiche durch die straßen, altersgemäß könnte man sagen, aber ich komme herum.

die suche nach einem café hat sich entsprechend gezogen. vielleicht auch, weil ich nicht anhalten wollte, einfach so, weil ich keinen platz finden konnte. für mich. so bin ich oft, so bin ich meistens, wenn es um etwas geht. dann finde ich mich nicht zurecht. anhalten konnte ich erst, als ich längst die kleinstadtmitte erreicht hatte, und das auch nur, weil da musik war. straßenmusik, die mich gelockt hat. also kein wasser, kein see, wenig gemütlichkeit. stattdessen ein solider routinebetrieb ohne jeden pfiff.

erst auf dem rückweg stoplterte ich über ein englisches café, außen angeschlagen sind scones und clotted cream, also cream tea. verdammt! (ich hoffe, ich finde das morgen wieder.)

papierkram

nachzulesen, was ich vor jahren unter dem titel „going“ als schreibreflexion über dieses projekt zu verkünden hatte, scheint mir zunächst einmal sinnlos. zuerst kommt die papierarbeit, der mehr oder weniger sorgfältig zusammengeheftete ordner mit bereits bestehendem text, ausgedruckt und vollgekritzelt mit blei. das erinnere ich noch. dazu die notizen, zum größten teil wohl auch handgeschrieben. das werde ich kaum noch lesen können.

abgesehen davon, daß „GEHEN“ nicht der titel sein kann, das immerhin ist klar. GEHEN muß gehen. selbst „going“ funktioniert nicht mehr als blogbegleitung, bewegt sich beides in die völlig falsche richtung mittlerweile. das weiß ich. aber weiter weiß ich nicht.

am besten, ich nehme den packen mal mit raus und suche mir irgendwo ein café, in dem ich es zwei, drei stunden aushalten kann. wasser hätte ich gern dazu, klar und ruhig. seen gibt es ja hier genug.

darf ich das? haben, mir wünschen? darf ich mich trauen?

arbeiten will ich

aller anfang ist schwer. noch schwerer aber ist es, verlorene, fast vergessene, womöglich längst verrottete fäden wieder aufzunehmen. doch genau das steht jetzt an, dafür bin ich hier. eigentlich. der griff nach etwas, das vor fast genau drei jahren in sich zusammengefallen ist. dazu sind blogs gut und schrecklich zugleich, um solche fakten glasklar nachschlagen zu können.

vom 17. august 2014 stammt der letzte eintrag, auch das war bereits ein anschlussversuch. ein gescheiterter, wie ich heute weiß. am 2. november 2014 dann eine affirmation, die verzweifelt klingt. und am 15. februar 2015 eine eher schlichte arbeitsnotiz über das erstellen eines exposés. mehr nicht. das ist alles.

bislang traue ich mich nicht, sämtliche einträge nachzulesen. vielleicht sollte ich das auch gar nicht, das ist schnee von gestern. vorvorgestern, wenn man es genau nimmt. womöglich ist es wichtiger, einfach den text aufzuschlagen, der griffbereit neben mir liegt. 59 seiten, plus notizen bezüglich personal, konstruktion und weiterentwicklung und verschränkung der story.

so sieht es aus. das steht an.

reisen soll ich

vielleicht sollte ich nicht weniger reisen, sondern mehr. obwohl mir hier bislang so ziemlich alles danebengeht. der versuch, ein fahrrad zu leihen zum beispiel, ist mir heute großflächig misslungen. dabei habe ich zumindest den ersten willigen dealer mit dem wunsch nach einem richtigen rad, also einem mit freilaufnabe und ohne körbchen vorn, aller wahrscheinlichkeit nach heftigst beleidigt. was mir im nachhinein ein wenig leidtut. und etwas anderes ließ sich dann in dem gesamten städtchen tatsächlich nicht finden, zur strafe womöglich.

ersatzweise dachte ich kurz an ein boot, die einer der späteren radverleiher auch in petto hatte. dazu hatte wiederum ich nicht das richtige equipment dabei. und wohl auch nicht die traute, denn es wäre mein erster kanutrip ganz für mich allein gewesen.

aber beim reisen verlässt man ja seine komfortzone, so soll es doch sein. man soll sich unwohl, unbehaglich und verloren fühlen. richtig? scheitern vorprogrammiert.

also vielleicht morgen. ein rad oder ein boot. und vermutlich liege ich dann im wasser, ich kenne mich doch.

die dinge

heute morgen hat es mich ein wenig gebissen, und ich dachte, ich sollte vielleicht das bild, das ich von meiner familie gezeichnet habe, irgendwie rehabilitieren. obwohl sie das sicher nicht verdient hat.

natürlich wurde mit mir gesprochen. ich habe auch ohne zweifel geantwortet, wenn es mir angemessen schien. wie sonst könnte ich heute sprechen, lesen und schreiben. ich habe sogar „widerworte“ gegeben, wie mir gerne und häufig bescheinigt wurde. die kindliche form der gegenrede, wie mir scheint, die in den 60er und 70er jahren nicht besonders gefördert wurde. das grundkonzept kommunikation habe ich also durchaus verstanden und nach kräften angewendet. aber wirklich geredet wurde eben nicht.

immer wenn es um etwas ging, wurde vorwiegend geschrien. und anschießend geschwiegen, mitunter auch geschlagen. nicht immer war ich das objekt, es gab auch andere. und es gibt sicher vieles, das ich damals nicht verstand und daher heute nicht weiß. auch das ist kommunikation.

was ich weiß, sind die dinge. die männer haben mir gezeigt, was es damit auf sich hat, mein vater und mein opa. auch sie haben nicht viel geredet, der bergmann und der schreiner. sie haben mich zusehen lassen, hören, riechen und verstehen. bald durfte ich sägen, hämmern und bohren, mit den eigenen händen. bald wußte ich, was „anreißen“ bedeutet.

mein opa, der bergmann, hatte einen schuppen, in den er sich zurückzog, wenn es ihm draußen zu laut wurde. ein verschlag eher, voll mit werkzeug, nägeln und schrauben, einer werkbank, einem schraubstock und zwei luftgewehren. nach dem krieg hatten dort die hühner gelebt. in einer ecke stand die kiste mit meinem spielsand, es gab auch ein fenster, das meistens mit anmachholz zugeräumt war. an die äxte durfte ich nicht, an die waffen schon. oder ich habe es einfach getan, sie waren nicht scharf.

kaum jemand folgte meinem opa in sein reich, alle erledigten dort gerade das, was es zu erledigen gab. wäscheklammer holen, besen, gartenscheren oder rasenmäher. nur ich hielt mich dort gern auf. ich ging auch allein hinein und „spielte“ mit den gegen den rost gefetteten schusternägeln, den nach größe sortierten muttern und der munition, die aussah wie kleine diabolos. ich tat nichts verbotenes, auch wenn ich die gewehre vorsichtig aus ihrer ecke nahm. ich durfte dort sein.

mein opa baute mir eine fußbank, damit ich an die werkbank reichte. dann ließ er mich nägel in einer reihe in ein brett schlagen und lobte mich anschießend. er zimmerte mir einen kleinen hängeschrank für mein werkzeug. ein winziger hammer, eine feile und ein 1m-zollstock. noch einiges mehr habe ich ihm abgeschwatzt, um es in dieses kistchen zu legen. schraubendreher vermutlich und „böhrchen“, wie er zu den feinen bohrern sagte, die so gerne brachen.

ich war sehr stolz auf meinen eigenen werkzeugschrank und all die schönen dingen, die sich darin befanden. irgendetwas daran war sehr klar und rein. und liebevoll.

auch mein opa hat irgendwann versucht, mit mir zu reden. das war lange vor der frau in bayern. ich hockte vor dem schuppen und warf groschen an die wand. eine art glücksspiel, wenn man es genau bedenkt. mein opa warf mit und ließ mich gewinnen. ich weiß nicht mehr, was er gesagt hat. er sprach über meine mutter, die seine tochter war. es klang wie eine entschuldigung. vielleicht. es klang hilflos.

mein schreck war riesig, ich war nicht vorbereitet. ich konnte es nicht einmal fassen, das durfte nicht sein. ich konnte über die dinge in der familie nur schweigen, wie alle es taten. ich dachte, das wäre die regel. ich dachte, sie gelte für alle, für immer. und ich konnte die regel nicht brechen.

ich flüchtete. ich lief weg, phyisch betrachtet, und ich verharrte. diese art von schweigen, die keine freiheit bedeutet, die keine tiefe hat und keine stille in sich birgt. sondern nur die angst vor dem großen knall, wenn die bombe dann platzt. irgendwann. (was sie niemals tut.)

keine ahnung hatte ich, damals, daß ich darin nicht die einzige war. wir alle, vermutlich, waren darin gefangen. die einen schrien vor angst, die anderen schwiegen.

was bleibt sind die dinge. die schärfe von metallspänen. holz und sein geruch. wie es klingt, wenn man das stecheisen ansetzt oder die axt. wie es pfeift und singt, wenn es schreit.

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