am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

diätstatus

der schreibtischalltag ohne facebook und twitter birgt eine große erleichterung in sich, obwohl sich zunächst beinah so etwas wie eine leere eingestellt hat. das war überraschend. doch jetzt ist alles ruhig, ich vermisse nichts oder zumindest nicht viel. die vier oder fünf sehr persönlichen kontakte mit menschen, die ich eben auch persönlich kenne, die sporadischen updates aus der fernen verwandschaft, mehr nicht. ganz besonders vermisse ich die vielen politischen meinungskriege der ewig gleichen gegnerInnen NICHT.

auch sonst ändert sich viel, eigentlich alles. ich habe viel zuwenig musik im haus, seit heute greife ich auf internetradio zurück, das ich mir vor jahren schon installiert habe, gekauft sogar, aber bislang kaum je benutzt habe. ich bin entzückt. ich wünschte nur, ich hätte wenigstens einen hauch von ahnung von klassischer musik. (nicht zum ersten mal.) gut, einstweilen tut es auch ein wenig jazz. (von dem ich ebenfalls nur wenig verstehe.)

sämtliche hosen, die ich besitze, rutschen mir inzwischen respektlos vom arsch. ich sehe aus wie vor fünfzehn jahren, nur ein bißchen älter natürlich. überhaupt könnte ich abhandlungen zum thema hautalterung verfassen, veranschaulichen sogar, trotz meiner extremen bindegewebsbegünstigung. aber fremd bin ich mir so nicht.

das sein, wie das atmen, braucht keine beweise. es kommt und geht und kehrt wieder zurück. immer.

plötzlich abstürzen. in die nacht hinein nur noch nichtig sein. es braucht nicht noch mehr beweise. einmal muß schluß sein.

ebook bauen (5)

warum ich spät abends mit der arbeit beginne und dann damit in die nacht hinein treibe, weiß ich nicht. auch mein geist ist im grunde am morgen frischer und später dann eher ein nervöses wrack. nicht gut eigentlich für korrekturen.

heute nur ein text, ein langer aber. den ich noch dazu kurzentschlossen ein klein wenig gründlicher überarbeitet habe. es kommen noch zwei weitere solche, bei denen mir das passieren könnte. passieren wird.

stoffsammlung

nach herta müller, herztier und primo levi, ist das ein mensch? nun jeanette winterson, oranges are not the only friut. sehr britisch, klug und komisch. eine wohltat.

lange und gut geschlafen, traumlos. seit dem aufwachen einem seltenen körperlichen wohlbefinden verhaftet.

ebook bauen (4)

ich lese die alten, wiedergefundenen schreibmaschinentexte, an die ich mich allesamt so gut wie nicht erinnere. 20, wenn nicht 25 jahre alt. die kopien sind mit büroklammern zusammengeheftet. beim abziehen sehe ich, daß sie mit der zeit nicht nur druckstellen, sondern auch rostspuren auf dem papier hinterlassen haben. zum lesen setze ich die lesebrille auf. wie grotesk. eine sehr eigenartige konfrontation mit einem anderen ich.

der erste text, stilitisch eine katastrophe, hier und da peinlich, aber insgesamt bin ich überrascht. das ist gut. das ist leicht und schwer zugleich, sogar witzig, hier und da. ich bin wirklich überrascht.

irgendjemand hat die texte offensichtlich korrekturgelesen, sie sind voller zeichen und hinweise. ich weiß nicht mehr, wer das gewesen sein könnte. der zweite text ist langweilig, aber versöhnlich. schon wieder eine überraschung. das papier riecht nach altem papier.

nicht ist peinlicher als mißglückte sexszenen. text drei hat zwei davon, zweieinhalb vielleicht. schlimm, aber der rest ist tröstlich lebendig. und da ist ein ich das irgendwie mich selbst beschreibt. wobei mir dieses selbst mir beinah autistisch vorkommt, sehr seltsam. vermutlich bin ich beides nicht, weder das ich noch das selbst. ich bin nur die, die das geschrieben hat.

text vier, ich schreibe alles klein. damals also auch schon. ich bin erleichtert. was ich beim ersten, flüchtigen durchsehen vor ein paar tagen als grobheit identifiziert habe, war offensichtlich nur eine aktuelle panik. das alles ist stilistisch nicht mehr meins, es ist alt und zum teil recht wirr. hier und da stürzt der text ins banale, dann wieder in eine worthülsenreiche dramatik. aber es ist nicht menschenleer, vor allem sind die menschen nicht leer. davor hatte ich am meisten angst.

der letzte text. darin hatte ich neulich schon geblättert. und der war es, der mich zu dieser grobheitsvermutung verleitet hat. viel sex, dementsprechend peinlich. doch wenn ich über die unzulänglichkeit der umsetzung hinaussehe, ist auch dieser text im grunde vertretbar. (steht da doch zum beispiel: Kein Schrei verläßt seinen Traum.) mehr noch, er schlägt einen erkennbaren bogen, tatsächlich, über die vergangenen jahre, jahrzehnte.

ich bin so anders, so alt, wie ich inzwischen bin. so reich und so arm. aber ich bin ein ganzes.

(keiner der texte wird in das ebook kommen. die ersten vier kommen in den koffer, der letzte auf den stapel mit den aktuellen stoffen. zur erinnerung.)

brennen in den augenwinkeln

fast zehn kilo, die mir wie aus dem körper gefallen sind. mehr als die hälfte davon in einer woche, die scheinbar endlose migränezeit anfang des monats. ein tag auf den anderen, ohne unterlaß. brennen, verbrennen, vergehen. dabei arbeiten, irgendwie, weil die deadline schiebt.

jetzt sehe ich nicht nur anders aus, alles fühlt sich auch anders. nicht nur von außen, wenn ich das gesicht in die hand stütze zum beispiel. mein gesicht selbst ist anders, mit jeder bewegung spürbar. wie die hände, ebenfalls viel kleiner, die ringe fallen mir fast von den fingern, greifen anders. was mich trifft, trifft mich direkt. was ich berühre, spüre ich. ich werde wirklich. und ich weiß nicht, habe tatsächlich ich mich verändert. oder ist es nicht doch diese welt, die verdreht worden ist.

dieses gesicht, das neue, mir doch so vertraute. es wird mich verraten. das dachte ich eher beiläufig, vor ein paar tagen. ein wortspiel, mehr nicht. heute, ausnahmsweise mit kontaktlinsen und ohne brille, sehe ich, daß ich noch nie so sehr mein vater war. diese augen, ein wenig zu blau zwar, um wirklich seine sein zu können. und dennoch. da ist das in seinem augenwinkeln, und schon bin ich verraten.

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