am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

stoffsammlung

nach herta müller, herztier und primo levi, ist das ein mensch? nun jeanette winterson, oranges are not the only friut. sehr britisch, klug und komisch. eine wohltat.

lange und gut geschlafen, traumlos. seit dem aufwachen einem seltenen körperlichen wohlbefinden verhaftet.

ebook bauen (4)

ich lese die alten, wiedergefundenen schreibmaschinentexte, an die ich mich allesamt so gut wie nicht erinnere. 20, wenn nicht 25 jahre alt. die kopien sind mit büroklammern zusammengeheftet. beim abziehen sehe ich, daß sie mit der zeit nicht nur druckstellen, sondern auch rostspuren auf dem papier hinterlassen haben. zum lesen setze ich die lesebrille auf. wie grotesk. eine sehr eigenartige konfrontation mit einem anderen ich.

der erste text, stilitisch eine katastrophe, hier und da peinlich, aber insgesamt bin ich überrascht. das ist gut. das ist leicht und schwer zugleich, sogar witzig, hier und da. ich bin wirklich überrascht.

irgendjemand hat die texte offensichtlich korrekturgelesen, sie sind voller zeichen und hinweise. ich weiß nicht mehr, wer das gewesen sein könnte. der zweite text ist langweilig, aber versöhnlich. schon wieder eine überraschung. das papier riecht nach altem papier.

nicht ist peinlicher als mißglückte sexszenen. text drei hat zwei davon, zweieinhalb vielleicht. schlimm, aber der rest ist tröstlich lebendig. und da ist ein ich das irgendwie mich selbst beschreibt. wobei mir dieses selbst mir beinah autistisch vorkommt, sehr seltsam. vermutlich bin ich beides nicht, weder das ich noch das selbst. ich bin nur die, die das geschrieben hat.

text vier, ich schreibe alles klein. damals also auch schon. ich bin erleichtert. was ich beim ersten, flüchtigen durchsehen vor ein paar tagen als grobheit identifiziert habe, war offensichtlich nur eine aktuelle panik. das alles ist stilistisch nicht mehr meins, es ist alt und zum teil recht wirr. hier und da stürzt der text ins banale, dann wieder in eine worthülsenreiche dramatik. aber es ist nicht menschenleer, vor allem sind die menschen nicht leer. davor hatte ich am meisten angst.

der letzte text. darin hatte ich neulich schon geblättert. und der war es, der mich zu dieser grobheitsvermutung verleitet hat. viel sex, dementsprechend peinlich. doch wenn ich über die unzulänglichkeit der umsetzung hinaussehe, ist auch dieser text im grunde vertretbar. (steht da doch zum beispiel: Kein Schrei verläßt seinen Traum.) mehr noch, er schlägt einen erkennbaren bogen, tatsächlich, über die vergangenen jahre, jahrzehnte.

ich bin so anders, so alt, wie ich inzwischen bin. so reich und so arm. aber ich bin ein ganzes.

(keiner der texte wird in das ebook kommen. die ersten vier kommen in den koffer, der letzte auf den stapel mit den aktuellen stoffen. zur erinnerung.)

brennen in den augenwinkeln

fast zehn kilo, die mir wie aus dem körper gefallen sind. mehr als die hälfte davon in einer woche, die scheinbar endlose migränezeit anfang des monats. ein tag auf den anderen, ohne unterlaß. brennen, verbrennen, vergehen. dabei arbeiten, irgendwie, weil die deadline schiebt.

jetzt sehe ich nicht nur anders aus, alles fühlt sich auch anders. nicht nur von außen, wenn ich das gesicht in die hand stütze zum beispiel. mein gesicht selbst ist anders, mit jeder bewegung spürbar. wie die hände, ebenfalls viel kleiner, die ringe fallen mir fast von den fingern, greifen anders. was mich trifft, trifft mich direkt. was ich berühre, spüre ich. ich werde wirklich. und ich weiß nicht, habe tatsächlich ich mich verändert. oder ist es nicht doch diese welt, die verdreht worden ist.

dieses gesicht, das neue, mir doch so vertraute. es wird mich verraten. das dachte ich eher beiläufig, vor ein paar tagen. ein wortspiel, mehr nicht. heute, ausnahmsweise mit kontaktlinsen und ohne brille, sehe ich, daß ich noch nie so sehr mein vater war. diese augen, ein wenig zu blau zwar, um wirklich seine sein zu können. und dennoch. da ist das in seinem augenwinkeln, und schon bin ich verraten.

weil das auto nicht anspringt, öffne ich die motorhaube. dann lasse ich es so auf dem bürgersteig stehen, ein paar tage lang. als ich wieder einmal hingehe, ist der motorraum so gut wie leer. trotzdem springt der wagen problemlos an. fahren kann ich aber nicht, weil auch die pedale verschwunden sind. alle.

ebook bauen (2)

jeden tag ein text oder aber wenigstens 10 seiten. so geht es vielleicht. (keine ahnung, warum ich den blick nicht bündeln kann, warum ich immer wieder ausfliege.) im ersten text gleich viele, sehr seltsame fehler gefunden. falsche wörter sogar. dennoch arbeite flüchtig, nicht gründlich. schaue wirklich nur nach fehlern, ergänze hier und da ein wort. ändere ein paar unds, oders, abers. mehr nicht.

dann noch die erstveröffentlichungshinweise ergänzt und noch einen text eingefügt. den ich möglicherweise wieder auswerfe, kann gut sein. die vier auf papier gefundenen noch nicht angesehen.

die alten texte zu lesen bekommt mir nicht. ich bin erstaunt über die grobheit darin. meine grobheit wohl, vor 15, 20 jahren. nach zwei tagen ruhe ist die übelkeit jetzt wieder da. keine ahnung, wie und ob das gut ist, was ich da tue.

novella (23)

alles gelöscht, 42 seiten. dann einen neuen ersten satz geschrieben. (geht ein  bißchen durcheinander hier, ich weiß. was soll ich machen?)

ich krieche die prachttreppe hinauf und drücke die schwere tür ganz unten mit der hand auf. gegen allen widerstand, das geht einfach und leise. gegen die kleine frau auch, die wie ein bollwerk davorsteht. sie ist nur aus luft. innen ist chaos, licht und musik. revolution. die treppen sind leicht und endlos. die fehler der gegenwart ruhen in der vergangenheit. (das ist ein irrtum, ein trick.) es ist kurz nach sieben, als mein herz mich weckt. macht nichts, die augen bleiben geschlossen.

ein rotgeschnitzter wald von oben, ganz dicht und fein. an die arbeit.

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