am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

sein

nach meiner benamung, nach all den fremdbezeichnungen und vergleichen mit tieren oder dreck, nach den kategorien, in die man als erwachsene gesteckt wird: auszubildende, motorradlesbe, studentin, deutsche, bürohilfe, autorin, geliebte, gehaßte, junge frau, junger mann. die da, der da, das da. nach all dem hatte ich heute morgen zum ersten mal das gefühl, ein mensch zu sein. vielleicht einfach nur das.

sollte im alter erlaubt sein.

dieses sein. da war so ein sein hinter allem. heute.

ein toter hund schleift mich im nacken durch die straßen. als wäre ich seine beute. aufwachen geht nicht.

und plötzlich wird mir klar, daß ich diese hochzeit, meine hochzeit dringend absagen muß. so kann ich nicht weiterträumen.

beim schopf

von der buchkönigin aus gehe ich mehr oder weniger spontan rüber zum friseur. es ist zeit, da ist die gelegenheit, und irgendwann muß es ja doch sein. die ältere frau, die sich  um mein anliegen kümmert – oder ist sie gar in meinem alter? eine rotgefärbte grauhaarige? bin ich nur wieder einmal die ewig jung gebliebene? das gör, das sich nicht um jahre kümmert?

wie auch immer. die ältere frau in dem kleinen laden will mir zuerst die brille aus der hand nehmen, die ich zum haarwaschen abgenommen habe. was mir schon nicht behagt. niemand nimmt mir die sicht, nie wieder. meine brille bleibt bei mir. nach einer recht rabiaten haarwäsche wirft die frau mir ein handtuch auf den kopf, dreht es hinten  zusammen und führt mich an diesem knoten im nacken zum schneideplatz. auch das ist unbehaglich, vor allem aber eine geste, auf die ich lieber verzichtet hätte. außerdem hatte ich die brille längst wieder auf. und selbst wenn, ich kann auch halbblind laufen. ich habe fühlende füße, hände und haut. ich kann hören, wo die dinge sind.

aber auf mittelalte friseurinnen trete ich natürlich immer wieder gerne mal. da muß man schon aufpassen, das stimmt. und ich bin eine friseurschweigerin, sagte ich das schon? die frau redet über das wetter, während sie schneidet, über sonne und regen im wechsel. oh wunder. gut, daß ich das nicht sehen muß.

zum abschluß bläst sie mir noch mit dem fön haarreste in ärmel und ausschnitt und heiße luft in  das migräneauge. das kann sie nicht wissen, kommentiert mein zucken aber mit einem fröhlichen berlinton: etwa zu heiß?

ich fürchte, ich brauche schon wieder einen neuen friseur.

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