am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

branding/9

buddha am schreibtisch

lange unterwegs gewesen, ins leere gesucht, und ein bisschen was gefunden. kaum greifbar, also abwarten.

wieder zu hause am rechner dann lediglich ein bisschen an der struktur gebastelt. muss auch sein, die form finden, die ich füllen will. das ist wichtig, das habe ich gemerkt. der versuch, ohne das zu arbeiten, ist nun doch recht gescheitert im letzten jahr.

nicht zuletzt eine der überschriften geändert. keine ahnung, ob die neue bleiben wird, wichtig war, dass die alte gehen musste. zu flach, zu nichts.

ich verbleibe müde.

denim & unsinn

gegen mittag war es so heiß, dass mir der schweiß lief. aber hallo! ich hätte kurze hosen mitnehmen sollen. oder wenigstens kurze hosen kaufen, hab ich aber nicht. stattdessen bin ich in einem klassischen jeansladen gelandet, weil mich die schnäppchenverkäuferin auf der straße quasi hineingeschoben hat, zu ihren regulärkolleginnen drinnen. und ich mich hab schieben lassen, ich bin ja hier irgendwie anders als zu hause. hier funktioniert das besser mit den fremden menschen.

meine frage nach jeans ganz ohne gummi drin, also nur baumwolle, denim, dunkles blau, war schnell beantwortet. es gibt sie noch, diese puren 70er-hosen, die etwas steif und hart sind, wenn man sie kauft. einheitlich blau, ohne vorgefertigte benutzspuren oder löcher. einfach nur jeans. 501 heißen die dann, die unisex-variante, war klar. oder!?

ab morgen wird die hose eingeritten, so muss das ja. wenn ich mich recht erinnere. für morgen ist ja auch deutlich weniger sommer angesagt.

anschließend war der tag ein bisschen mau, leider. beim zeitunglesen in einem café hat es mir die laune verhagelt. etwas über literatur, egal. das ist und bleibt ein bereich, der mich entweder in den himmel hebt oder aber mit sofortiger wirkung zu vernichten droht. heute war es dann mal letzteres. es folgten zweifel über zweifel, ob das alles so richtig ist, was ich derzeit tue.

vielleicht sollte ich so etwas grundsätzlich nicht mehr lesen, aber gut. es ist, wie es ist. ich mache weiter, ob mit oder ohne zweifel. aber die angst ist größer diesmal, bei diesem projekt. erfahrung prägt, zweieinhalb jahre vollversagen.

auch das laufen durch die stadt leidet unter den zweifeln. die wärme, das licht, der himmel und das blau helfen da wenig. dennoch finde ich straßen und höfe, pflastersteine und fenstersimse, nach denen ich nicht gesucht habe. weil ich nicht wusste, dass ich sie brauchen würde. stimmungen, die ich für den text brauche, fürs schreiben.

was für ein unsinn, dieses vorhaben. das leben und alles.

branding/8

buddha am schreibtisch

ich mache langsam und nicht zu viel. immer noch ist die arbeit vorwiegend das sortieren des ersten teils und davon bislang auch nur das erste drittel. ich reiße den bestehenden text überall auf, manches fällt weg, alles setze ich anders zusammen, pflege die neue geschichte ein. das ist nicht ohne, weil dadurch so gut wie alle anschlüsse kaputtgehen.

eigentlich ist das papierarbeit, ich sagte es gestern schon. heute habe ich einen ganzen abschnitt doppelt vorgefunden, im abstand von nur eineinhalb seiten. das passier mir auf papier nicht.

aber es ist, wie es ist. unterwegs in wien fallen mir änderungen ein, die ich ich notiere. mehr kann ich nicht tun, aber das muss getan werden. sonst entfällt mir das gleich wieder. da sst eine alte schreibweisheit: immer alles aufschreiben.

wenn ich nach hause komme, arbeite ich diese notizen ab. sehe, dass ich das eine oder andere längst umgesetzt habe. komme dann aber auf noch etwas anderes und begreife gleich, dass das wiederum weitere änderungen erfordert. ich könnte also sagen, dass ich jetzt doch drin bin, im text. irgendwie zumindest.

doch es gibt noch vieles, das zu bedenken ist. noch sind zum beispiel die namen nicht vergeben. das heißt, ich weiß sie, alle. aber sie sind alle noch nicht im text. an sich ist das nicht weiter schlimm, der plan war, sie sukzessive und nicht zu flott preiszugeben. nun habe ich aber heute nachmittag spontan ein paar nebenfiguren benamst. das war so nicht geplant, schien mir aber einfacher, um die kurze passage schlichter abzuhandeln.

jetzt habe ich also zwei nebenfiguren, die womöglich nie wieder vorkommen. aber sie haben namen. während über die hauptfiguren noch immer konsequent anhand ihrer familiären attribute verhandelt wird: der mann, die frau, das kind. das ist nicht ganz sinnfrei, und ich will es sicher nicht von grund auf ändern. aber es braucht doch ein genaues timing, damit es nicht allzu blöd wird, irgendwann. nur wann? und wie?

dazu muss ich womöglich morgen ein bisschen laufen. es wird ieder heiß.

heiß & leicht

ich schlafe lang und träume schlecht. immer wieder drehe ich mich um, um vielleicht noch irgendwie zu retten, was im traum schiefläuft. das funktioniert nicht. irgendwann stehe ich auf, koche kaffe und nähe einen meiner hosenknöpfe wieder an. das immerhin funktioniert.

es ist heiß in wien.

weil ich sowieso irgendwann in die zieglergasse muss, zu der zahnärztin, die mir im juni die lose krone wieder eingebastelt hat, um die dort gemachten röntgenbilder anzufordern, fahre ich ein bisschen u-bahn. weg von hier, in vertrautere gegenden. (tut mir leid!) das mit den aufnahmen regelt sich ganz einfach, und weil ich hier in wohnungsnähe einfach kein einladendes café finden kann, bleibe ich dort und frühstücke.

shakshuka, das ist tatsächlich frühstück. das habe ich neulich erst von meinem syrischen arbeitskollegen gelernt. so richtig leuchtet mir das nicht ein, es war auch diesmal mehr so ein mittägliches zweitfrühstück. und es war schön, dort im innenhof zu sitzen, ausgedehnt und gemütlich, die leute kommen und gehen zu sehen. das mache ich morgen wieder, da wird es noch heißer.

vielleicht schaffe ich es auch noch, eine hose zu finden. ich weiß zwar gar nicht, was genau ich will und was ich eigentlich brauche. so eine dünne radlerhose, wie sie mir gerade am arsch zerfällt, finde ich vermutlich nicht so einfach. aber mal sehen, vielleicht habe ich ja glück.

ich mag das, hier mit den menschen zu sprechen, mit denen ich so simples zeug wie bestellungen zu verhandeln habe. ich rede wieder dieses gesetzte hochdeutsch mit ein klein bisschen melodie, wie von allein. vielleicht sollte ich das in berlin auch machen, dann hätte ich da auch ein wenig mehr freude. (vielleicht ist das aber auch unglaublich albern, keine ahnung.)

zurück laufe ich wieder ein wenig in richtung innere. das wusste ich auch noch nicht, dass man durch den burggarten nicht nur kostenfrei durchlaufen kann, sondern auch auf dem rasen rumsitzen. das gefällt mir. überhaupt mag ich die gerade aufkommende leichtigkeit. das liegt wohl am wetter, und das ist eher seltsam. ich hatte ja gedacht, dass ich im pulli und mit jacke würde laufen müssen. sogar die wanderhalbschuhe habe ich dabei.

zu dieser zeit im jahr.

durch den wind

es ist windig und warm in wien, ein wenig schwül vielleicht auch. aber nicht mehr heiß. heiß wird es morgen wieder, habe ich gelesen. und am dienstag erst, es ist ein bisschen irre.

auch heute bin ich meiner aktuellen wiener gegend treu geblieben, vor allem wegen des schreibens. das greift sich seit gestern etliche stunden des tages, das ist gut. aber da wird natürlich die zeit ein bisschen knapp, um in wien ausgiebig durch verschiedene gegenden zu laufen.

also habe ich mich heute mal an der haustür in die andere richtung gewendet und bin einfach mal dahin gegangen. was soll ich sagen, eine andere welt. ein sehr seltsam geformter, offensichtlich recht junger park, umstanden von vielen, großen wohngebäuden, die allesamt auch sehr, sehr neu aussehen. schön sauber ist es auf der seite, während die andere eher verdreckt erscheint. wie bei mir zu hause steht hier sperrmüll auf den gehsteigen, neben den flaschensammelboxen und anderen mülltrennversuchen.

gestern dachte ich noch, dass das eingebaut sein zwischen bahnschienen und autobahn es hier so gedrückt erscheinen lässt. eine theorie, aber was weiß ich schon. wien ist sicher nicht einfach so mal zu verstehen. aus einem blick auf die karte.

branding/7

buddha am schreibtisch

seit gestern sitze ich am text. nicht mehr davor, aber auch noch nicht darin. ich schlage mir mit grobem werkzeug eine schneise, und weiß noch nicht recht, was ich tue.

einen neuen anfang habe ich gebaut, etwa eine seite. den rest schiebe ich aus bereits bestehenden textfetzen zusammen. das war so nicht geplant, aber es war ja nicht der text schlecht, den ich vor etwa einem jahr begonnen habe. es war der ansatz, die einstellung, alles ohne zusammenhang.

den zusammenhang, oder besser einen hintergrund, den muss ich nun einfügen. unterheben oder einziehen, was auch immer. ich weiß, was es ist. eine kleine ausgangsgeschichte, die ist schon da. das einwirken in die alten textteile ist eine aufgabe, die kraft kostet. besonders, weil es dazu im grunde papier braucht. das alles ist so grob, das lässt sich am bildschirm kaum überblicken. das gibt es aber hier nicht, keinen drucker, keine papierarbeit.

so ist das jetzt, das lässt sich halt nicht ändern. ich will auch nicht meckern, ich preise das privileg, hier sein zu dürfen. mir eine unterkunft leisten zu können, mit küche, bett, schreibtisch und netz, um fast eine woche lang nur zu schreiben und zu laufen. das allein ist köstlich.

zufrieden macht mich die arbeit jedoch nicht. eher im gegenteil, das alles macht mir angst. noch habe ich nichts in der hand. alles mag mir wieder entgleiten, was sich über die letzten wochen entwickelt, verfestigt und recht stabil in meiner nähe aufgehalten hat. ob ich es aber greifen kann, halten und nutzen letztendlich.

dabei geht es nicht darum, ob ich einen text formen kann. das kann ich. immer. es ist die frage, ob ich die richtige haltung zu finden vermag, sie solide einzuflechten in der lage bin. ob ich also meine sprache weit genug öffnen kann, um die spannweite zwischen krieg und familie zu umfassen.

das alles frei von schuld und qual. obwohl es ein elend ist, und die zeit des schreibens sicher nicht ohne ein solches sein kann.

schreibzeit/79

ich bemühe mich, mich zu besinnen, warum ich hier bin. ich laufe draußen herum, einen halben tag lang. dann gehe ich zurück in meine unterkunft und setze mich an den winzgen schreibtisch, den ich gestern schon strategisch an den esstisch geschoben habe, um so etwas mehr platz zu haben. es passt ganz gut, ich bin zufrieden.

ich mache nicht viel aufhebens und fange einfach an. ganz vorne, da eben, wo ich mich gerade befinde. da ist ein elend, denn ich weiß noch gar nicht, immer noch nicht, wo die reise hingeht. einerseits. andererseits geht es halt nicht anders, es muss jetzt mal los. es muss einfach. endlich.

es ist anstrengend und mir wird übel mit der zeit. das mag am thema liegen oder an der ungewohnten arbeitshaltung am fremden schreibtisch. ich tippe auf ersteres, aber es hilft ja nichts.

ich muss da jetzt rein. ich will.

tobak

weniger warm heute, aber immer noch warm genug. regen war angekündigt, aber geregnet hat es dann doch kaum. also die jacke angezogen, aber nicht den pulli drunter. so war es gut, da hab ich dazugelernt gestern. den hut hätte ich auch zu hause lassen können, aber der ist zu schick für einen ständigen garderobenplatz. deshalb.

ich wollte der gegend doch noch eine chance geben und ein bisschen laufen. außerdem gehört ja laufen zum schreiben wie die buchstaben zur schrift. und ich wollte einen wochendend-standard finden und haben, das war gar nicht so leicht. die plastikhänger an den laternen waren leer, in dem einkaufzentrum gab es keinen zeitschriftenladen und dann war ich auf einmal am bahnhof. der dortige buchladen hatte auch keinen, ohnehin kam mir der ziemlich mäßig bestückt vor. nur ein riesenstapel sauber gedruckter pamphlete gegen die geschlechtergerechte sprache usw. ist mir gleich am eingang in die augen gehüpft. das wäre ja interessant gewesen, aber sowas kauft man ja nicht. (und verlinkt man nicht.) und klauen wolle ich auch nicht, wirklich nicht.

beinah wäre ich schon wieder los und in vertraute gegenden gefahren, nur für eine zeitung. zum glück weiß ich inzwischen, dass man diesbezüglich hier auf das stichwort „tabak“ manchmal ganz gute karten hat. so wurde ich dann doch noch fündig.

also bin ich geblieben, hier in der umgebung. ich habe einen markt gefunden, der wie ein kleiner naschmarkt aussieht. nur dass er wohl nicht täglich stattfindet, denn gestern war es da noch recht leer. und viele tauben habe ich gesehen, überall in der nähe von fressbuden. also da, wo in berlin vorwiegend die spatzen sich aufhalten. die scheint es hier tatsächlich nicht zu geben. nebenbei habe ich gelernt, wie und wo man in wien glasflaschen entsorgt. ich war schon ein wenig in sorge und wollte auf mastodon, bluesky oder twitter nachfragen. oder gleich alle drei bemühen, wie man das gerade so macht. muss ich ja jetzt aber nicht mehr.

sommer in wien

nach den schlechten träumen erstmal zum einkaufen, dafür war gestern keine zeit. da war es früh, da ging es noch. nach dem frühstück dann und einem letzten kleinen übersetzereinsatz in diesem monat, als ich wieder aus meinem schicken wohnloch gekrochen kam, hat es mich fast erschlagen. ich laufe nur ein paar hundert meter und frage mich, warum ich eine jacke trage. (immerhin hatte ich den winterhut nicht aufgesetzt.) alle anderen laufen in kurzen hosen herum, in ärmellosen t-shirts und flipflops. naja, fast alle. einen habe ich gesehen in einer art daunenjacke. der war noch deplazierter als ich.

ich schwitze. also binde ich mir die jacke um die hüfte und laufe zur orientierung ein bisschen durch die unmittelbare gegend. ich bin nicht weit von da, wo ich beim letzten mal schon war. etwas südlich des hauptbahnhofs, in favoriten, glaube ich. nur nicht ganz so abgeschlagen, es ist nicht weit zur u-bahn. ich muss nicht so viel durch gähnend langweilige wohnstraßen, äh, wohngassen laufen. die wohngebäude sind hier wirklich nicht so spannend wie in anderen bezirken. und die straßen selbst, wie soll ich sagen? vermutlich bin ich berlin-verwöhnt, und dabei geht es mir nicht um die weitläufigkeit. mir fehlen die bäume. (das hab ich bestimmt schon mal irgendwo erwähnt.) hier gibt es kaum welche in den straßen, auch auf plätzen sind sie eher selten und wenn, dann sind sie winzig und dünn. richtige bäume gibt es nur in parks, habe ich den eindruck.

das ist wirklich berlin: all die alten bäume.

ich laufe, und ich finde die verbindung zu meinem vorherigen aufenthaltsort wie von selbst. sehr voll ist es hier, menschen aller couleur. rocker und punks, skateboards und rollatoren, schlips- und hijabträger*innen. große und kleine hunde, keine tauben, glaube ich. ich hab hier noch nie eine taube gesehen, kann das sein. oder spatzen.

hier ist es also ein bisschen wie zu hause, kebab und döner an allen ecken, burger und grillhähnchen. und ich schäme mich ein wenig, aber ich habe recht bald die nächste u-bahn genommen und bin in gegenden gefahren, die ich schon besser kenne. und die mir besser gefallen. es sind nur vier haltestellen bis zum zentrum. (wo ich dann auch nicht bleiben wollte, nur schnell etwas wegen einem wochenticket regeln.)

ohnehin bin ich diesmal nicht so sehr zum rumlaufen hier, sondern vor allem zum schreiben. oder eben das zu tun, was immer noch nötig sein wird, um wieder ins schreiben zu finden. lesen vor allem, denken und suchen. vielleicht auch einfach anfangen. und am ende womöglich doch laufen, was weiß ich. die gegend hier ist es jedenfalls nicht.

trotzdem bin ich froh, dass ich mir für 2024 eine andere ecke ausgesucht habe. nördlich vom westbahnhof, also mehr in die richtung, in der mein opa seine ersten jahre verbracht hat. das ist dann vermutlich ein bisschen mehr mein wien.

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