am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

schreibzeit/78

zerfetzt natürlich, immer zwischen allem und in der nacht. ich sammle und sortiere, in mir und auf zetteln. und ich ändere die schreibtaktik, wieder weg vom fragmentarischen. das steht mir nicht zu. das ist für andere, die es feiern können, das viele, das mäandernde. ich dagegen fange vorne an, wie die leser*innen. (vielleicht.) ich schreibe bis zum ende durch.

ich bin eine linie. es ist schon genug verwirrung, in allem.

ich weiß das ende, jetzt schon, ganz präzise sogar. der text wächst von hinten, das mag an der wenig kontinuierlichen arbeit daran liegen. das gefällt mir nicht.

ich bin elend

ich fasse mich kurz: das war ein wenig gutes urlaubsende. zurück in berlin gab es kurz ein moment von ruhe, damit hatte ich kaum gerechnet. ein paar tage, dann konnte ich erst einmal nicht laufen. beim aufstehen war klar, der der linke fuß sich dem rheuma ergeben hatte. eigentlich schon vor dem aufstehen, noch im schlaf. da wusste ich es schon. am nachmittag ergab sich das autoimmungeschehen der schmerzmedikation, und ich dachte schon: das ging schnell. das ist gut, wie immer. immer besser sogar.

nacht kam es dann wieder, und es ging nicht mehr, sodass ich mir das ganze wochenende, den montag über, bis weit in den dienstag hinein vorkam wie eine über 80-jährige. eine solche wucht hatte ich lange nicht mehr, sicher vier jahre oder so. weil die ibus nicht wirken wollten, selbst in höchstdosierung, hab ich tief in der kiste gegraben und ein paar alte cortinsonreste gefunden. das hat dann geholfen, langsam, aber stetig. in geringster dosierung, und ich lasse das jetzt auch wieder. in der hoffnung … alles ist hoffnung, was die schmerzfreie funktionalität meines körpers angeht.

so war ich dann auch im lcb, zum jährlichen sommerfest. kaum beweglich, ein irgendwie passendes bild an diesem ort. elend! zweimal wurde ich mit wucht angerempelt, wohl weil ich aufgrund der vorübergehenden gehverhinderung, der damit verbundenen trägheit, gar nicht ausweichen konnte. auch sowas ist ein elend, musste ich feststellen. alles! ist ein elend.

der rest war arbeit, mit großen konzentrationsschwierigkeiten. es ist überwältigend, welche ein nahezu komplett unbrauchbarer fuß auf den gesamten bewegungsapparat hat. auf die kraft auch, auch auf die mentale. dann arbeit mir ärger, aber wenigstens zeitversetzter ärger. (weil der auftraggeber in den staaten sitzt.) da bleibt immer ausreichend bedenkzeit, zum glück.

vieles, eigentlich alles bewegt sich, aus den fugen, aus dem griff. ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich mich in den nächsten text hineinbewege. noch schreibe ich nicht, ich sitze da und schaue. oder ich lese, mache notizen mitunter, weiter nichts. ich suche nach mir, nach den menschen, die ich begleiten werde. ich suche nach dem zusammenhang, der vieldimensional sein wird.

ich bin anders.

straßensand

es ist recht hell daußen, ein guter mond, seit tagen schon. das könnte ein schöner, später sommer werden, wer weiß.

schreibzeitfazit: ich sollte zufrieden sein, ich habe einen anfang gefunden und ein bisschen auch gemacht. allen widrigen umständen zum trotz. es bleibt ein schaler geschmack, weil ich so drauf war, verflochten in die geschehnisse der letzten wochen. so hat sich alles ein wenig umgegraben, die auszeit in der kleinen stadt war belastet, und die freie woche hier war recht leicht. vor allem, weil sich das rechnerproblem vergleichsweise einfach gelöst hat. ich habe einfach die endlose reihe an ziffern eingegeben, das wars. alles läuft wieder.

ähnlich die weiteren tage. die bauarbeiter draußen klopfen die steine mit der hand, das klingelt eher als dass es scheppert. ich sehe, wie ein mann den ganzen tag steine spaltet. er klopft eine weile mit dem hammer die bruchlienie entlang, dann zerbricht er den stein mit einem einzigen schlag. das gelingt bei weitem nicht immer, der mann beschwert sich über sein werkzeug. es hilft aber nicht, er muss weiter, immer weiter. bei all dem beugt er den rücken, wie man es sicher nicht sollte.

alle männer da unten sind auf unterschiedliche weise Schwarz, und jung sind sie, manche noch nicht recht voll in ihrer kraft. obwohl sie davor nur so strotzen, besonders wenn sie die bagger bewegen. dann können sie alles.

heute morgen liegt eine zerfetzte taube mitten im baugelände. als wäre sie zerfahren worden, zerquetscht. obwohl da doch gar niemand fährt derzeit. drei krähen hüpfen um das tote tier und bedienen sich. um sie ist stille und leere. und die sandberge überall an meiner kreuzung, aus denen die straße gebaut wird.

ich selbst kann kaum laufen, das rheuma hat sich in den linken fuß geschlichen. ich humpel also herum, auch nach viel ibu, benutze sogar einen der stöcke, die ich vor jahren schon wohlweißlich besorgt habe. am nachmittag geht es dann, und ich erledige, was ich zu erledigen habe. besuche ein paar bekannte auf dem rückweg. ein bisschen zufall, ein bisschen auch nicht.

jetzt fängt der fuß wieder an, das ärgert mich.

schreibzeit/77

zum schreiben keinen zugang gefunden, aber auch nicht wirklich gesucht. im café gesessen und Péter Nádas gelesen: Schreiben als Beruf. über stumme poetische strukturen und das mit den räumen, was ich dieser tage auch beschrieben hatte. bei ihm heißt es: … der Raum des Romans.

ich fühle mich erwischt und erkannt. ich tue alles das, ganz genau. ich kenne das, ich weiß das. ich bin allerdings allein damit.

herbsteinzug

irgendwann in den vergangenen vierundzwanzig stunden muss der herbst eingetroffen sein. gestern nacht schon hat es draußen ein bisschen nach holzfeuer gerochen, jetzt gerade aber nicht mehr. stattdessen jetzt riecht es nach regen, nach wasser in der luft.

es ist gut, dass es hier weitgehend still ist, dass ich diese dinge bemerken kann. vieles ist so leise, dass ich es normalerweise gar nicht erst höre. und das merkt man nur schwer, all die dinge die fehlen fallen nicht auf. so auch der herbst, weil er zwar bleiben wird, denke ich. aber er wird sich vermutlich nicht gleich dauerhaft zeigen. morgen vielleicht noch und übermorgen. aber am wochenende schon wird er sich für eine weile verkiechen. das habe ich eben nachgesehen.

morgen geht es schon zurück. das war eine kurze, seltsame zeit in der kleinen stadt diesmal, die voraussetzungen waren auch denkbar schlecht. was die arbeit angeht, die vorarbeit zum schreiben, da kann ich zufrieden sein. durchaus. ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe, aber so ist es ja oft. wenn man einfach nur anfängt, dann geht es. die richtung, die dadurch vorgegeben wird, ist eben der anfang, der gemacht ist. der anfang ist egal, wie in jeder kunstform. vom anfang sieht am ende niemand mehr etwas. hoffentlich.

ich selbst aber bin hier nicht zu mir gekommen. oder weit weg von mir, wie sonst immer. oder oft, das auf jeden fall. da war keine ruhe für mich, keine sicherheit und zuversicht. das kann am augenblick liegen oder im text begründet sein. es kann auch mein leben sein, dass sich auf einen seltsam leeren punkt zu konzentrieren scheint.

ich erinnere mich, wie ich vor acht oder neun monaten vielleicht an genau diesem platz saß und überwältigt war. davon, wie das schreiben mit mir durchging. der alte text, der damals an sein ende kam.

und jetzt?

sonntagsrosen

sonntags besticht die kleine stadt mit häufiger betätigung von kirchenglocken, die offensichtlich vielfältig vorhanden sind. die letzte session, gerade eben erst beendet, erweist sich als besonders ausgiebig. das ist mir noch nie so aufgefallen, zum glück liegt die quelle nicht allzu nahe. ich bin auch nicht sicher, ob mir das gefällt. aber es sind gute glocken, sehr weich und harmonisch. da hab ich schon schlimmere gehört. glocken, die geprügelt werden, dass sich die erzeugten obertöne anzugreifen scheinen.

also alles gut, ich nehme es als musik.

zum frühstück finde ich in der hiesigen kleinen bibliothek ein großes buch über die malerin Lotte Laserstein mit vielen ihrer bilder, vor allem auch von Traute Rose. (ihre hände!) ich bin überrascht und beeindruckt. ich setze mich an den rechner, suche und finde und schaue:

branding/6

buddha am schreibtisch

was die arbeit angeht war es mir heute reich, wirklich gut. gehadert habe ich in den letzten tagen, neben den widrigkeiten des alltag, gestohlene fahrzeuge und arbeitsverweigernde rechenmaschinen, wohl vor allem damit, dass mir durch den nerv der letzten woche die stimme und stimmung abhanden gekommen ist. das aber ist so, immer wieder, das lässt sich nicht zwingen. es ist der biorhythmus des schreibens, da muss man sich fügen.

dafür ging es heute hervorragend mit der weiteren ausarbeitung der struktur. oder, wie ich es gestern schon formuliert habe, das schaffen des raumes, die dimensionen und begrenzungen, die ich später dann zu betreten gedenke. um sie zu beschrieben.

sechs große kapitel sind geplant und seit heute auch, mehr oder weniger, mit erzählabsicht angefüllt. also das erste deutlich mehr als das letzte, so muss das sein. ich bin eine geradeausschreiberin, auch wenn ich das für diesen text anders zu denken versucht habe. das war vermutlich einer der fehler, die mir im ansatz passiert sind. im ersten versuch vor etwas mehr als einem jahr. text den ich nunmehr zu verwerfen habe, das ist auch keine leichte übung. da steckt ja durchaus auch etwas drin.

für fünf kapitel also sind nun haupt- und nebenstränge markiert, damit ich mich daran entlangarbeiten kann. für das sechste kapitel gibt es noch wenig, eben weil es das sechste kapitel ist. es soll auch eher eine art epilog sein, wenn alles läuft, wie es laufen soll.

nein, das tut es natürlich nie. aber egal.

überschriften gibt es auch, alle sechs. es gab schon vorher welche, aber zwei habe ich geändert und eine verschoben. das wird vermutlich auch nicht so bleiben, aber es kommt dem kern schon recht nahe. so denke ich heute.

für morgen bleibt nicht viel, ich habe, nachdem ich es im café zusammengekritzelt habe, danach gleich alles in ein dokument getippt. da kommt es mir sicher vor, ausbaufähig. für morgen bleibt da vor allem, die stimmung wiederzufinden. meine stimme als erzählwesen. meinen atem, mein wissen und meine liebe.

schreiben will ich all das, was ich heute entworfen habe, ohne eine spur von denunziation oder verachtung für meine figuren. obwohl die sich wirklich nicht dafür eignen, wenn ich ehrlich bin.

void

tag zwei von vier. alles mögliche mache ich hier, aber nur wenig hat mit schreiben zu tun. das läuft so nebenbei, und ich bin nicht zufrieden. vermutlich fresse ich mir eine ziemliche wampe an, denn es gibt ein schickes neues café, gleich um die ecke, das bietet frühstück bis um fünf an. da muss ich so einiges durchprobieren. zum glück habe ich das rad mit, da komme ich zwischen den fresseinheiten ein bisschen ins schwitzen.

heute musste ich mir den wecker stellen, weil ein schornsteinfeger angekündigt in die wohnung wollte. das war gut, da war ich früh unterwegs, bin ein paar der hiesigen schlösser und paläste abgefahren. manche stehen in völliger leere da, irgendwie sinnentleert auch, obwohl sie inzwischen wohl der uni zugehören. vielleicht bin ich immer zur völlig falschen zeit hier, aber es irritiert mich. diese verlassenheit.

nach dem fahren und fressen, in der reihenfolge, hocke ich am computer und stelle fest, was ich in diesen tagen ständig feststelle. das ersatzgerät funktioniert nicht richtig, obwohl ich mich redlich bemüht habe, es immer auf dem neuesten stand zu halten. dennoch bin ich derzeit quasi permanent dabei, passwörter zu suchen, lizenzen einzuspielen, abzurufen oder festzustellen, dass manche grundlegend nicht mehr funktionieren wollen. selbst mein word, das ich zum schreiben gebrauche* will nicht. also gar nicht, denn den key hatte ich sofort zur hand. vermutlich habe ich die lizenz auf einem längst nicht mehr existenten rechner nicht deaktiviert. aber was weiß ich. libre office, zum glück ist mir das noch eingefallen. musste nur aktualisiert werden. ähnlich schwerfällig gibt sich allerdings das übersetzungsprogramm, das nur im demo-modus startet, obwohl es mir genau sagt, wann die lizenz ablaufen wird. in etwa einem jahr! und die pdf-bearbeitung, die ich tatsächlich kurz dringend gebraucht habe. und, und, und.

immerhin habe ich beim ständigen herumsuchen womöglich die rettung für meinen hauptrechner gefunden. und zwar den key, nach dem er mich gerade bei jedem startversuch fragt. ordentlich abgeheftet in dem wichtigsten ordner für solche sachen, in vierfacher ausführung verwahrt, an vier verschiedenen stellen. nur dass ich mich daran nicht hatte erinnern können, gestern, vorgestern und überhaupt. probieren kann ich das jetzt aber erst zu hause, doch ich habe wieder hoffnung. wenigstens ein bisschen.

sowas macht mich wahnsinnig, ich weiß nicht warum. das ist ein bisschen peinlich. zur gemütsberuhigung habe ich mir eben sogar noch schnell das deutschlandticket gebucht, gleich ab nächsten monat. es hilft ja nix, ich habe kein motorrad mehr, sicher bis kommende frühjahr. der buchungsvorgang war nicht einfach, die bvg war schnell außen vor. buchung erst ab oktober, buchung sowieso derzeit nicht möglich. sagte mir ein hinweis, der etwa eine halbe sekunde auftauchte. und dann gleich wieder verschwand, siebenen anläufe habe ich gebraucht, das zu begreifen.

die deutsche bahn macht es mir auch nicht leicht, aber da hat es dann doch geklappt. und die kündigung zum nächsten mai auch. danke, tschüß!

ach nee, moment. das schreiben gab es auch noch, irgendwo dazwischen. ein bisschen zumindest, das sagte ich ja bereits.

* jaja, ich weiß! ich habe scrivener versucht, das ist ein tolles programm. kommt mir aber dann doch nicht entgegen.

schreibzeit/76

es geht langsam, langsam, langsam. es ist nicht möglich, schreiboffenheit zu konservieren, zu verschieben, zu vertagen. was vor zehn tagen möglich erschien, ist nun verschwunden. ich weiß das, das macht nichts. ich tue, was auch nötig ist. die fleißarbeit.

ich muss die räume öffen und begrenzen zugleich, um später alles damit bespielen zu können. um schreibfreiheit herzustellen. ich setze also muster und strukturen in den leeren raum. das ist ein bisschen brutal, auch weil es keine begründung gibt. es gibt wenig mehr als eine ahnung. es gibt erfahrung und intuition. das ist alles.

das meine ich so. muster und strukturen sind das wichtigste für das schreibgelingen. das ist es, was stimmen muss, was immer wieder zu überprüfen und zu richten ist. doch besser so gut wie nichts davon sollte am ende sichtbar sein.

und es ist ein elend, diese arbeit. es ist die pure angst, dieser schritt ins nichts, der womöglich alles bedingen wird. es gleichzeitig festschreibt und verändern wird. seltsam.

das mit der kreativität.

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