am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

freitag nacht

die erste berliner sommernacht in diesem jahr, möchte ich meinen. fahrräder scheppern durch die straße. lautes lachen in verschiedenen sprachen. kopfsteinpflaster, das vergeht. ein cabrio lässt den motor aufheulen, zwanzig meter vollgas direkt vor meinem balkon. wie sinnvoll. ein juicer wechselt den akku, lässt den scooter aber genau so dämlich dastehen. quer zum fußweg, den arsch in der radspur. hunden heulen. e-autos pfeifen ihre hochtöne in die kurve, die reifen machen mehr lärm. menschen lassen sich vor dem schon geschlossenen späti gegenüber nieder, dafür stehen die bänke nacht für nacht. flaschen klacken aneinander, leiser gesang. hinter allem die martinshörner, gelegentlich, das ist hier immer. die nächste polizeiwache ist gleich um die ecke. ich lass das mal so.

aber schön kühl draußen. noch.

versehentlich

das war jetzt der erste tag nach wien, an dem ich so einigermaßen ruhig zu hause und hier angekommen sein konnte. obwohl ich viel gearbeitet habe. erst als angestellte, wo ich neben dem, was derzeit massiv ansteht, auch noch eine andere, nicht ganz unwichtige sache anstoßen konnte. darauf hatten ich schon kaum noch gehofft. dann fliegender wechsel an die übersetzungen, wo auch schon wieder eine kleine menge anstand. zwischendurch einmal kurz zum baumarkt und zurück. holz holen und holz bestellen, das war gut. das war es wohl, das ein bisschen ruhe gebracht hat. endlich.

draußen pisst es aus den linden, ständig muss ich die brille waschen. putzen allein genügt da nicht. aber dafür ist jetzt wirklich sommer.

der kopf ist klarer, wenn er nicht unter menschen ist. das wird mir mit mir heute klar. unter vielen menschen vor allem, damit muss ich leben. was rede ich, damit lebe ich. nun schon so lange. sechzig zu sein, darauf habe ich nie hingearbeitet. das ist eher ein versehen. genau so will ich es ab sofort handhaben, das alter. als wäre es ein versehen.

zu hause muss ich mich immer wieder daran erinnern, vom schreibtisch auch mal aufzustehen. ich trickse mich aus und räume ein bisschen auf, so komme ich in bewegung. und es kommt auch was in ordnung, ganz nebenbei, das ist gut. zum beispiel ist das bett frisch gemacht.

jetzt rufen die krähen, die ums haus verteilt wohnen. sie spielen abendschau oder sowas.

gestern habe ich die beiden tonbänder herausgekramt, die von mir und meinem bruder (band zwei, vermutlich) als kleinkinder aufgenommen wurden. das tonbandgerät habe ich schon lange nicht mehr, das war unrettbar hinüber. ich konnte also nie richtig anhören, was auf den bändern zu hören ist. jetzt denke ich darüber nach, sie digitalisieren zu lassen. das müsste doch gehen.

ich bin ehrlich, mir graust auch vor dem, was ich da möglicherweise zu hören bekomme. über fünfzig jahre ist das her, zum teil sicher an die sechzig. da bin ich dabei, die hauptperson sogar, aber ich bin noch nicht ich. doch das ist das geringere.

auf den bändern sind schließlich auch meine eltern zu hören.

hartes brot

heute recht spät hinüber in die arena gefahren, davor war die arbeit. für freitag ist ein termin vorgezogen worden, morgen ist auch alles recht eng, da kann ich wenig schieben und nacharbeiten. dieses recht spät war irgendwie wohl zu spät, ich finde mich nicht recht ein. als ich ankomme ballt sich alles um die hauptbühne herum, da sitzt gerade der wirtschaftsminister.

ich muss mir eingestehen, dass es auch die massen an menschen sind, die mir zu schaffen machen. und die schlechte luft in den hallen vermutlich. und überhaupt. ich bin müde bis zum geht nicht mehr, kaum dass ich dort bin. ich sehe also wenig und treffe eine schlechte wahl, alles ist ein bisschen langweilig. immerhin erwische ich ganz zuletzt eine referentin aus österreich und höre noch ein wenig (verdeutschtes) österreichisch. (nicht wienerisch, glaube ich zu hören.)

am ende ist flitter, wie immer. und mama, die ganze halle! nächstes jahr dann wieder in der STATION, wegen platz und barrierefreiheit. das ist ein wenig bedauerlich, für mich. aber natürlich genau richtig so, vor allem wegen letzterem.

auf dem rückweg kaufe ich etwas käse und schokolade in discounter am weg, blöderweise noch ein billigbrot, angeblich bio, aber knochentrocken und steinhart. ein paar meter nur hätte ich gehen müssen, einen laden weiter. da wäre ich besser bedient gewesen. immerhin ist es ein winzig kleines brot, also schnell vorbei.

zu hause am rechner sehe ich, was ich wirklich verpasst habe. nicht unbedingt heute, glaube ich. aber irgendwann dieser tage gab es etwas zu #ichbinarmutsbetroffen. (was nicht unbedingt meine wortwahl wäre.) da ist schade, da wäre ich gern gewesen. das würde ich gerne nachsehen, aber das wird wohl nicht gehen. das war vermutlich auf keiner der großen bühnen. hat sich also nicht.

re:publica-,23 cent! (nicht 23,- euro? wie überall zu lesen.)

randnotizen: die kontinuierlichen hinrichtungen im iran, die stauwasserfluten in der ukraine und alte männer (rammsteiner) auf münchener bühnen.

GELD ist falsch

windig und bewölkt war es heute, dabei recht schwül. kein gutes wetter. ich war nicht gut drauf, immer noch müde. ich denke, ich muss mich damit abfinden, dass gerade so eine art migräne dabei ist, zu mir zurückzukehren. das hormonbedingte von früher gibt es natürlich nicht mehr, akurat auszählbare tage. das geschehen jetzt würde ich nicht mit schmerz beschreiben. es ist mehr eine verwirrung und erschöpfung, wie eine wucherung der luft, die um die rechte seite meines kopfes mistchwingt. vielleicht sollte ich versuchen, mit den medikamenten von früher zu arbeiten.

am nachmitteg laufe ich auf der re:publica in eine der besten veranstaltungen überhaupt, mit der ich nicht gerechnet hatte, weil ich sie im programm komplett übersehen hatte: einen salon! menschen, die über das schreiben reden. verdammt, über die hälfte habe ich verpasst. aber egal, es ist was es ist, und es war gut.

den anschließenden programmpunkt an dem ort, zu dem ich ursprünglich eigentlich wollte, zum thema klassismus, den schwänze ich gleich von anfang an. das heißt, eigentlich flüchte ich in dem moment, in dem mir klar wird, dass es sich womöglich um eine lehrstunde handelt. (mir wird wortlos ein zettel mit einem wort vor die füße gelegt.) solche spiele kann ich nicht, tut mir leid, dafür fehlt mir die nötige kindergartenerfahrung.

um das thema ist es schade, dazu hätte ich gern ein paar erfahrungen ausgetauscht. rund um die frage, was armut ausmacht, wenn es nicht um das zentrale thema GELD geht. aber da war ich wohl falsch. oder ich habe etwas verpasst, keine ahnung. aber ich rede lieber noch ein bisschen mit ein paar der salonteilnehmer*innen.

dann kaufe ich mir einen kleinen frozen yoghurt, der auch ohne das zweite topping viereurofuffzich kostet. das ist happig! aber lecker. anschließend höre ich luca zu, der mir erklärt, dass es twitter nicht mehr gibt. und dass wir alle da weg müssen. dabei denke ich an die twitter wall, damals auf der re:publica. wann war denn das? und an die erste twitterlesung.

ich treffe diesen und jenen, sie meisten im vorbeigehen. ich verpasse wohl noch viel mehr, menschen und themen. an die große wand hinter stage 1 klebe ich einen roten zetten unter den titel: was soll aus dem sortiment.

auf den zettel schreibe ich GELD. ob das gut ist oder witzig, das weiß ich nicht. es wird viel über KI geredet, eigentlich überall. es wird wenig geredet über armut, gerechtigkeit oder umverteilung. vielleicht verpasse ich das aber auch alles oder sehe nicht richtig.

ich gehe nach hause. der rest des tages ist arbeit, davor und danach. und auch hier, eine beständige anstrengung irgendwie wachzubleiben.

short circuit

das war anders gedacht, aber nun war es ein zwölf-stunden-tag, irgendwie. erst vier stunden arbeit, dann fünf stunden re:publica, dann nochmal drei stunden arbeit. jetzt bin ich wirklich durch, denn auch so viele menschen auf einmal sind arbeit für mich. ganz abgesehen von den themen, thesen und talks.

dazu war die nacht lang. schon fast im halbschlaf stelle ich fest, dass der ladevorgang des rads sich irgendwie eigenartig entwickelt. das ladegerät leuchtet grün, damit sollte das prozedere beendet sein. das rad aber blinkt rot, in schneller folge. im eilig hervorgekramten handzettel – nein, ein handbuch ist es nicht, nicht einmal ein handheft, es ist nurt ein großes blatt voller zeichnungen – da heißt es, es sei es kurzschluss. verdammt!

ich drücke ein paarmal an dem schalter herum, aber es ändert sich nichts. ich bin frustriert. wieviel das wieder kostet, denke ich. es ist ein einfaches system, ein motor und ein schalter, dazwischen der akku, der aber im rahmen verbaut ist. ich weiß nicht, wie gut oder schlecht diese art e-bike ist, wenn es an reparaturen geht. doch inzwischen ist es fast zwei uhr nachts, das ist spät, selbst für mich. und es lässt nichts ändern, jetzt.

vielleicht ist es morgen wieder gut, denke ich. und ägere mich gleich über solches denken.

ich schlafe also, und gleich am morgen fällt es mir wieder ein. ich drücke noch einmal auf den schalter, das rad blickt immer noch. intuitiv drehe ich an der kurbel, während der motor eingeschaltet ist. auf einmal ist der spuk vorbei, alles wieder im grünen bereich. ich kann es kaum glauben.

auf der arbeit muss ich mich erst sortieren, außerdem meine eigenartigen arbeitszeiten für diese woche verkünden. auf der re:publica geht es um geld. ich höre als erstes marlene engelhorn zu, die mir sehr sympatisch ist. die auch ziemlich viel sehr richtiges sagt. mitunter mit einer eigenartig freundlichen wut, wie mir schein. wie gesagt, sympatisch. dann laufe ich ein wenig umher, schaue mal hier und mal dort, am ende igor levit, der auch wütend ist, aber mit mehr nachdruck. und mit so viel recht.

anschließend zügig zurück an die arbeit, für das geld, nicht für die welt. für mein leben, mehr nicht. ich stelle fest, dass an dem rad der lenker locker ist. est denke ich mir nichts dabei, der wurde nbeulich erst umgebaut. sowas kann passieren. zu hause, als ich die schrauben festziehen will, sind diese aber so locker, dass es da keinen zusammenhang geben kann. verdammt!

der rest versinkt in müdigkeit, erschöpfung fast. morgen dann das ganze nochmal auf genau die art, nur hoffentlich ohne raddesaster. und übermorgen. und dann immer so weiter.

mein leben.

meet up

was man im alter so lernt und erlebt. da radel ich also am nachmittag vorsorglich zum re:publica-gelände hinüber, um mein ticket gegen ein bändchen und einen hänger zu tauschen. ich erwarte nicht viel, ein bisschen andrang vielleicht. aber da ist nichts, alles easy. ich kann gar nicht so schnell mein digitalticket aufrufen, da habe ich schon alles. erledigt.

danach sitze ich ein wenig vor der kleinen außenbühne, auf der es morgen ziemlich heiß sein wird. ich sitze unter einem sonnenschirm, und es ist heute schon heiß. ich weiß nicht warum, ich sitze einfach und warte auf nichts. ich will nur noch nicht gehen.

und am ende sitze ich fast vier stunden da, treffe erst die eine, dann drei weitere, zu zweit reden wir uns fest, und am ende quatscht uns ein leicht bis mittelschwer betunkener mann voll. er spricht mit verstellter stimme, mitunter, wechselt die stimmlage ins tuntige, anders kann ich es nicht sagen. ich vermag das nicht einzuschätzen, es fühlt sich nicht gut an. ist es erst gemeint? ist es eine persiflage? was ist gemeint?

wer bist du jetzt, frage ich beim zweiten oder dritten mal. könnte ja auch sein, dass er verschiedene identitäten behebergt. aber er sagt nur: ich weiß auch nicht. und redet dann weiter, ganz normal. von den menschen und ihrer erinnerung, von den leuten und der welt. wie sich alles ändert. am ende entschuldigt er sich, weil er zwei frauen mit seinem redefluss überfallen hat. das kriegt er gerade noch hin, immerhin.

aber was ich eigentlich sagen will: wenn ich mich nicht permanent wie irre bemühe, immer rechtzeitig am rechten platz zu sein, um die menschen zu treffen, die ich treffen möchte. wenn ich nicht herumrenne, vollkommen lost, um sie nicht immer alle zu verpassen; dann läuft es wie von selbst. dann kommen menschen zu mir, ganz von allein.

und es ist fast egal, wer sie sind, es passt schon. da ich ertrage sogar besoffene schwätzer, so einigermaßen.

angesagte orga

zurück also, in berlin. auch hier wird es langsam sommer, aber doch noch nicht so recht. nachts wird es kühl, zu kühl für balkone. doch das wird schon werden, auch hier. dafür sprechen allein die aufkommenden allergiesymptome, leichtes rotzen und schniefen. wie immer zu dieser zeit, dennoch zur sicherheit besser mal wieder einen covid-test gemacht. negativ.

denn ein schön langsames ankommen zu hause habe ich mir nicht so recht gegönnt. gleich gestern bin ich in die berliner randbezirke gereist, um all das was ich vor wien in einer wohnung von der wand geschraubt hatte, in einer anderen wohnung wieder an die wand zu schrauben. und ein bisschen mehr noch, außerdem die eine oder andere lampe. das war vielleicht keine so gute idee, aber solche notwendigkeiten lassen sich schlecht verschieben. ich hoffe, ich habe mit meiner (verständlichen aber unangebrachten) angespanntheit nicht allzusehr herumgenervt.

zufrieden bin ich natürlich auch nicht mit mir. eine schrankreihe hängt reichlich schief, was nicht nur an der schiefe der wände liegt. (aber auch!) im bad habe ich ein unverschämt großes loch in der decke verursacht, in dem die lampe jetzt nur so halbwegs verankert hängt. das könnte ich auf das hantieren mit einer veralteten bohrmaschine schieben, mit stromkabel dran und dementsprechend sperrig und schwer. für sowas bin ich zu alt, das kann ich ja nun mit fug und recht von mir sagen. aber eigentlich war es wohl die genervtheit. sorry.

gestern war es dann spät, aber heute ist frei. ich bemühe mich, nicht gleich die kommenden wochen durchzuplanen und all das zeug zu organisieren, was zwar organisiert werden muss. aber doch nicht heute. so richtig gelingt mir das nicht. ich räume nicht nur den koffer aus, sondern gleich auch anderes zeug, hin und her und wieder hin. ich bestelle wichtiges bei der apotheke und mache meine quartalsbestellung bei der büchergilde. beides mit geburtstagsgutschein, immerhin.

die re:publica wurde in diesem jahr nicht als bildungzeit anerkannt, das wirft einiges durcheinander. das thema GELD interessiert mich in diesem jahr tatächlich so richtig wirklich, sonst würde ich mein ticket vielleicht auf den markt werfen. aber so.

muss ich meine arbeitszeit irgendwie umsortieren, was gar nicht so einfach ist. das ist unangenehm und macht alles viel zu schell wieder viel zu eng. ich hoffe, es klappt irgendwie. puh!

richtungswechsel

zurück aus der kleinen großen stadt*, in der man bei der nutzung der öffentlichen verkehrsmittel locker von einem trittbrett aufs nächste wechselt. wie ein cowboy, das gewicht von einem steigbügel auf den anderen verlagert, um die richtung zu ändern

nun also in meiner großen drecksstadt**, wo ich bei der bvg-routenplanung zehn minuten brauche, um zu verstehen, ob die s1 ausfällt. oder doch nicht? und warum?***

* wien ** berlin *** nur eine andere taktung, das steht aber nirgends

zurückwärts gerichtet

im zug sitze ich rückwärts, sehe also dahin, wo ich herkomme. wie praktisch, berlin noch ein wenig den rücken zeigen zu können. wie passend auch.

bei der schlüsselrückgabe heute morgen, eigenständig, in so einen schlüsseltresor, habe ich vergessen, meinen usb-stick abzunehmen. den, den ich immer dabei habe. verschlüsselt ist er nicht, das ist blöd. da ist zwar nicht viel drauf, keine arbeit oder sowas. nur meine texte, das letzte manuskript, aller versionen, und das neue. die eine verworfene version. also lauter privatzeugs, dass ich dabeihaben will. für alle fälle. warum auch immer. nichts, das nicht irgendwo ander auch zur verfügung stünde.

dazu ein paar passworte, die aber niemandem etwas bringen, weil nur ich sie zuordnen kann.

ich ärgere mich, ein bisschen, als ich es merke. bleibe dann aber gelassen. die vermieter werden ihn finden und mir schicken, davon gehe ich aus.

der zug ist pünktlich los aus wien, ich konnte es kaum fassen. es ist ein deutscher zug, ganz eindeutig. drinnen fragt mich gleich als erstes ein österreicher, was denn die reservierungstexte an den sitzen zu bedeuten hätten. „ggf. freigeben“ steht an den meisten, auch an meinem. kein zustiegs- und kein zielort, nichts. ich rate herum und entschuldige mich. deutsche bahn, halt. soll doch froh sein, dass da überhaupt etwas steht. achselzucken.

der mann setzt sich einfach irgendwo hin, was soll er machen. und dreimal insgesamt muss er noch einmal wechseln, weil jemand anspruch auf den platz erhebt. anderen geht es ebenso, da stehen wir noch am gleis. das spiel geht weiter an jedem neuen halt. ob man dabei was gewinnen kann?

bis zur grenze sind wir pünktlich. jetzt, kurz vor regensburg hängen wir drei minuten. das ist nichts, oder?! das lässt sich herausfahren! ich bin zuversichtlich, immerhin funktioniert das wlan, so ein bisschen zumindest.

nicht immer, aber alles ist gut.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner