am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

totes land (29) – arbeitsprobe

6.
Schlaf ist ein Problem. Nächte sind für vieles gut, für intensives Arbeiten, für und Konzentration auf das Wesentliche einerseits. Für Schweigen und Stille und Glück. Ebenso jedoch für Angstfülle, Menschenleere, Einsamkeit. Für dDie Qual der endlosenr Wiederholung Interpretationsschleifen. Alles ist möglich. Für, Erleuchtung und Verzweiflung gleichermaßen.
Es hilft nichts, alles wird stärker und klarer, auch ohne Schlaf. Der Schmerz ist es nicht. Schmerz ist vorhanden, zwangsläufig. Daran läßt sich nichts ändern. Und Karla ist einverstanden, mehr und mehr. Schmerz ist real. Er ist ein guter Teil auf dem Weg. Denn Schmerz ist gnädig, deutlich. Besser und leichter zu ertragen, als man meinen möchte. Im ersten Moment.

hab ich das wirklich gerade gesagt? am telefon? daß ich mein eigenes leben nicht wert bin?

ein schlechter tag. termingerecht, das migränetier lauert.

dieser bestimmte typ von mann, der plötzlich erkennt, daß er nicht um mich sondern allerhöchstens mit mir konkurrieren kann. der als letzten ausweg dann eine seltsame art von solidarität versucht, nach meinen typ fragt, blond oder eher dunkel. die da oder die andere, die mehr so wie ich. kurze haare und so, das ganze programm. lächerlich.
als hätte ich frauen jemals so betrachtet.

außerdem erheblich beeinträchtigt durch absurde physische vorgänge, z. b. dem der notgedrungenen vernichtung von körperfettreserven. aber sind ja grad genug da.

anker voraus

über zukunft zu reden, das ist so eine sache. vor ziemlich genau 20 jahren habe ich mich im rahmen des architekturstudiums, gleich für die erste entwurfsaufgabe, mit südengland und irland beschäftigt. gefordert war ein höchstens 20m² großer raum irgendwo auf der welt. inspiration stand im zentrum, die idee als idee, denn es sollte ein persönlicher arbeitsraum sein. ein zukünftiger zeichenplatz. eine mehr als gute aufgabe für die verwirrten anfänger. eine geniale sache, unverkennbar. einen raum für sich selbst zu bauen.
es wurde ein arbeitsraum, tatsächlich. doch es stand kein zeichentisch dort, nur ein schreibtisch. noch während der entwurfsarbeit fing ich wieder an. in der architekturbibliothek, zwischen bauko und haustechnik. wenn ich mich recht erinnere. damit war es entschieden. nebenbei entstand der einzige gute entwurf, den ich je zustande gebracht habe. ein nettes kleines modell, das ich heute noch habe, und die einzigen vorzeigbaren zeichnungen. ein rundes konzept, alles da, abgeschlossen.
die folgen liegen auf der hand. der rest des studiums zog sich zäh, ich war schlecht. zu schlecht für einen abschluß, architektur wurde zum nebenfach. das schreiben nahm mehr und mehr raum ein. ich weiß nicht, wie es gekommen wäre, hätte ich darin nicht schnell auch erfolg gehabt. außerdem war ich natürlich irgendwann in england, zwangsläufig, und nicht nur einmal. eine fast zehnjährige beziehung zog mich immer wieder dorthin. ein wirklich schönes land, doch das ist lange her. das ist vorbei.
neulich habe ich von england erzählt und die alten bilder gezeigt. es ging nur um das land, mehr nicht. es war eine andere, die diese sehnsucht treibt. heute. nicht ich, nicht mehr. und es hatte eine andere bedeutung. sie wolle teil einer gemeinschaft sein, erzählte sie mir. auch ein ziel, das sich nicht unbedingt in einem land verwirklicht. wenn man es genau nimmt. aber wer weiß?
letztendlich kommt es doch immer ganz anders. wenn ich heute anker werfen sollte. in die zukunft. man weiß ja nicht, was man tut. eine aufgabe, eine zeichnung, ein modell. das alles kann folgen haben. diese dinge haben macht.
mitunter hoffe ich nur noch, daß ich weiter schreiben kann. und daß das geld trotzdem irgendwie reicht. und die zeit vor allem. mehr nicht. mit gemeinschaft zumindest habe ich nicht viel im sinn. alles, was an familiäre strukturen erinnert, wird mir immer fremder. es fehlt nichts, denke ich. wenn nur das schreiben bleibt.
vielleicht ist das zuwenig.

wienrecherche (4)

jahrelang danebengelegen und ein foto, das – wie ich inzwischen vermute – meine großmutter väterlicherseits zeigt, für ein bild jener wiener urgroßmutter gehalten, die nunmehr definitiv oben zu sehen ist. die also, um die es ab sofort gehen soll. seltsam, denn es hat nur einen einzigen blick auf die rückseite des falsch eingeschätzten originalbildes gebraucht, um als herstellungsort einen stadtteil von essen auszumachen. das aber ist zeitlich unmöglich, denn in essen war das wiener fräulein keinesfalls mehr so jung, sondern bereits mutter von drei söhnen.
darüber hinaus muß ich vor jahren genau gewußt haben, welches das richtige bild ist, denn ich habe von beiden – der urgroßmutter und dem dazugehörigen urgroßvater – extra die originalfotos abfotografieren lassen, um sie meinem vater wiedergeben zu können. eine aktion, die – nebenbei bemerkt – seinerzeit gar nicht so billig war, jetzt aber am relativ neuen, weichen photopapier leicht zu erkennen ist. [tja, vorscannerzeiten.]
ich bin recht froh, daß das obenstehende das richtige ist. das, wovon auszugehen sein wird. es gibt einfach mehr her.

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