am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

das war ein überraschend lebendiger tag, verglichen mit dem gestrigen absturz durch überschreibung. oder was auch immer das war.

auf der arbeit auf eine batzen arbeit gestoßen, der in ein paar wochen oder so auf mich zukommt. nicht dass mir davon mal wer erzählt hätte. aber gut, ich hab es selbst entdeckt und gleich darauf hingewiesen, dass es deutlich schlimmer ist, als es auf den ersten blick aussieht. sehr viel mehr händisches herumsuchen, systematisch aber aufwändig. wurde dann auch schnell bestätigt, das insiderwissen in meinem bereich. da kam ich mir nach jahren dann doch mal wieder ein bisschen kompetent und zuständig vor.

zwischendrin die waschmaschine laufen lassen zu können, zum briefkasten zu gehen, eine eilige überweisung zu erledigen und all so zeugs, neben der arbeit sozusagen, das fängt dann doch, mir ein klein wenig zu gefallen. spontan das bett abzuziehen zum beispiel, dass ich jetz in einem frischen bett liege. das ist unschlagbar.

kein schreiben heute, logisch. ein bisschen texterfassung für das übersetzungsprojekt am abend, nach dem essen, gegen neun. sieht machbar aus, und es ist immer eine erleichterung, eine gewisse übersicht zu haben. genau die habe ich endlich wieder einmal.

ebenso von vorteil ist es, noch etwas von dieser scharfen kürbismöhrensuppe im tiefkühlfach zu haben. und mich rechtzeitig daran zu erinnern, dass ich das tiefkühlfach leeressen muss, weil der kühlschrank abgetaut werden muss. steht so auf der liste, mit höchster priorität.

nicht so gut ist es, wenn mir der werkzeugkasten kurz nach elf uhr nachts auf den flurboden scheppert. dabei wollte ich doch nur einen schraubendreher, um den klorollenhalter besser zu fixieren, mit neuen längere schrauben. sowas kann ich ja manchmal nicht lassen, wenn es mir schon auffällt. auch mitten in der nacht.

also lauter kleine freuden heute, wenn ich es recht betrachte. (bis auf das geschepper.)

branding/4

am freitag den bestehenden text vor mich gestellt, fünfundzwanzig seiten, wie auf ein podest oder eine staffelei. dann zur axt gegriffen und los, weil zwei drittel davon weg muss. das heißt, ein neuer text soll entstehen, etwas anderes muss aus dem kommen, was bereits existiert.

zum abend hin auf etwa elf seiten gekommen, was nicht genug war. aber gut, hervorragend sogar. weil also keine fehler zu erwarten waren, in aller ruhe zum tango gegangen. gegessen, getanzt, geredet und getrunken.

in der nacht noch gedacht und über den titel entscheiden, die aufteilung. das dann am samstag gleich umgesetzt und etwa die hälfte des textrumpfs durchgearbeitet. fast mit leichtigkeit, muss ich sagen. so leicht, dass zwischendurch ganz entspannt das küchenregal abgebaut, umgebaut und wieder angebaut habe. was wesentlich länger gedauert hat, als ich gedacht hatte. das war schon ein bisschen mies.

erst spät also, am abend schon, in die zweite hälfte, von der ich dachte, dass sie nicht so aufwändig sein würde. wenig umzustellen, nur kürzen, keine probleme. von wegen. die abendarbeit lief nicht besonders rund, keine zufriedenheit wollte sich einstellen. nur frust und müdigkeit. aber runter auf knapp zehn seiten war ich am ende dann doch.

heute gleich am morgen eingesteigen. hinten eingestiegen, wo es mir nötig schien nach den unsauberheiten des vorherigen abends. leicht war es nicht, ich musste zum letzten mittel greifen. mir alles laut und langsam vorsagen, nicht nur schnell, damit es schnell geht. oder gar nicht, weil. nein, gar nicht geht gar nicht. rezitieren muss ich immer.

vier stunden waren das oder mehr noch, sechs vielleicht. doch das ergebnis ist gut, unter neun seiten bin ich gekommen. die dramaturgie stimmt, die spannung sogar. das denke ich, weiß es aber im grunde nicht.

ich höre trotzdem auf, da ist es noch hell. weil ich weiß, dass mehr nicht mehr geht, nicht an diesem wochenende. ich lasse den text und schicke ihn ab, zum gegenchecken. weiter geht es dann am donnerstag, die letzten feinheiten erledigen. so ist der plan.

keine zehn minuten später falle ich in mich zusammen, in eine tiefe, vor allem auch körperliche erschöpfung. es war ein anstrengendes wochenende, damit hatte ich so nicht gerechnet. das schreiben vor allem hat alles von mir verlangt, das vor allem hatte ich nicht auf dem plan. das bauen war ein leichtes dagegen, trotz leichtem muskelkater.

und jetzt ist mal schluss hier. in ein paar stunden fängt die neue arbeitswoche an.

die berliner wohnung ist gekündig, eine neue gefunden, woanders. ich freue mich sehr, ich weiß aber nicht mehr, wo sie ist. deshalb werde ich traurig, möchte doch gerne wieder zurück. also fahre ich herum auf der suche, mit straßenbahnen und zügen, bis ich mich völlig verloren habe. im zimmer meines bruders dann, bin ich beschämt. ich habe die geschenke zu hause vergessen, stattdessen das geschenkpapier eingepackt. und meine mutter sieht aus wie eine uralte zwölfjährige, scheint freundlich gesinnt. ich sehe nicht. ich habe die legosteindicken gläser aus meiner brille genommen, um sie zu putzen. ich sehe nichts, auch nicht die frau, die dazukommt. sie hat einen schlüssel, den höre ich in der tür. du bist ja gar nicht so monströs, sagt die frau. nein, sage ich. keine angst. ich stehe auf und dabei verliere ich die gläser. damit bin ich entgültig verloren und erwache.

#insight

irgendwo zwischen bauen und schreiben, dabei das haus heute nicht verlassen. die wohnung schon, zweimal war ich beim briefkasten. einmal für die zeitung, das andere mal für die post.

die schufa findet, ich sei kein großes risiko, aber es leben mehr als sieben parteien in dem haus, in dem ich wohne. das stimmt, beides. der optiker dankt für meinen brillenkauf und weist auf seinen stinknormalen service hin.

draußen hat die sonne geschienen.

vor ungefähr einem jahr gab es keine baumärkte, da war nix mit bauen. statt dessen habe ich diese holzpuzzle gemacht. und in der post waren hin und wieder postkarten mit durchhaltezusprüchen: bald ist impfung und nächstes jahr im sommer. dann tanzen wir und trinken wir, irgendwo mit sand zwischen den zehen.

das ist lange her, auch der sommer.

ich weiß, dass da draußen derzeit alles weitgehend normal ist. ich lese, wie manche menschen sich darüber aufregen. ich weiß, dass freunde ins kino gehen und zur arbeit und reisen planen. ich selbst geh da nicht mehr hin, nach draußen. es gibt kaum einen grund, aber ich bin eine der wenigen.

ich wollte nach leipzig, zur messe. ich hatte karten gekauft, schon vor wochen. obwohl ich nicht wusste, ob ich das hinkriegen würde. unter menschen sein, vielen fremden menschen. das werde ich nun nicht mehr herausfinden, aber das ist unwichtig.

es ist ein elend.

gut

die mischkalkulation meiner arbeitstage gelingt mir wieder besser, entsprechend entwickelt sich der schulterschmerz zurück. ein wenig zumindest. aber ich sollte es nicht beschreien, das rächt sich mitunter. ich bewege den kopf zu wenig, dehne die nackenmuskulatur kaum und vergesse auch das mit den augen. schließen und kneifen, ab und zu gießen. verdammt.

but first things first. vor dem wecker aufgewacht, dann ohne eile, aber doch recht bald aufgestanden. mit dem morgenkaffee noch einmal über das am wochenende sorgfältig durchgearbeitete kapitel gegangen. ein letztes mal, das ging tatsächlich zügig. alles gut geworden, weiter geht’s. aber erstmal zurück in den neuen text, aus dem ich jetzt für eine bewerbung einen auszug zusammenbauen muss.

das ist ein bisschen ein wahnsinn, so hin- und wieder zurückzuspringen zwischen zwei grundverschiedenen werken. oder aber ich bin jetzt wirklich ein absoluter schreibprofi, dass ich das auf mich nehme. und es wird gelingen, das weiß ich. es wird mich nur in die verzweiflung treiben und am ende elend erschöpft haben. das also morgen. und übermorgen. und am sonntag.

zurück zu heute: nach dem schreibtischschreiben erstmal ein bisschen mit holz gewerkelt. nein, eigentlich eine ziemlich heikle sache erledigt. zwei latten nur, festes buchenholz, für die neue befestigung des küchenregalbretts. die mussten an die wand geschraubt werden, mehr nicht. aber eben fest angeschraubt und das genau an das stück wand, an an dem schon kacheln kleben. also war präzises arbeiten angesagt, exaktes messen und bohren, ohne flüchtigkeitsfehler und auch das schicksal war gefragt. fünf schrauben, fünf löcher, und wäre nur eines davon daneben gegangen, es hätte alles nicht mehr funktioniert.

hat es aber. alles super, bombenfest und beinah exakt im wasser. ich kann auch das, wenn ich mich ein wenig zusammenreiße. morgen geht es weiter damit, hoffe ich. ich freu mich schon.

dann gleich wieder an den schreibtisch, die übersetzungsarbeit diesmal. nicht viel in dieser woche, die schreibarbeit geht vor. aber ganz vergessen will ich, besser darf ich das nicht schon wieder.

so gesehen: alles gut heute.

ein mensch

erst arbeit, der halbe tag, dann schnell zum baumarkt. wieder zu hause die mail meiner agentin nur kurz überflogen, weil zehn minuten später der physiothermin auf dem plan stand. wir reden über den frühling, die physiotherapeutin erzählt von den möven am wasser. dann schweigen wir, während meine rechte schulter gedehnt wird. danach einkaufen und wieder nach hause, an die übersetzung. ach nein, erst die mail richtig lesen.

zwischendrin stehe ich auf und sehe aus dem fenster. zwei autos stehen sich im gehege, dahinter warten weitere drei. sieht nicht nach unfall aus, eher nach streit. das vordere ist ein taxi, das steht im weg, das dahinter kann sich wohl nicht durchzwängen.

aber etwas stimmt nicht. der zweite wagen scheint in ein parkendes auto gefahren zu sein, ganz leicht nur, sicher nicht schlimm. dann kommt die polizei, der taxifahrer winkt sie heran. sie rennen. und zerren den fahrer aus dem wagen, legen den körper auf das kopfsteinpflaster, fangen an, auf den brustkorb zu drücken.

das geht so, bis die rettung eintrifft, wenig später der notarzt. es dauert, keine fünf minuten, aber es dauert. eine ewigkeit. da arbeiten dann zehn, fünfzehn personen, sicher vierzig minuten, permanente reanimation. dann hören sie auf.

von rechts höre ich den fußballplatz, da ist ein jubeln. vor mir sehe ich blaues und gelbes blinklicht, menschen in warnwesten, die ihre helme abnehmen.

ein toter mensch, zugedeckt, erst auf der straße, dann auf der trage. auf ihm liegen schläuche und beutel, eine hand noch ist zu sehen. ein letzter gruß, so lernen wir uns kennen.

ich gehe in die küche, kochen und essen, eine stunde vielleicht oder ein bisschen länger. als ich zurückkomme, noch einmal hinsehe, ist alles weg. auch die polizisten, die sich noch mit dem auto beschäftigen mussten. auch das auto ist verschwunden.

über die stelle scheppert ein mietroller, ganz normal. wo vor wenig mehr als einer stunde ein mensch gestorben ist.

von vorn

sehr müde. sehr nachdenklich und gereizt. ich weiß nicht, ob ich das noch weiter machen soll. an diesem manuskript arbeiten, immer und immer wieder, das doch keine*r will. oder dieses leben leben, das mir auf null gesetzt ist, als hätte es die vielen jahre und jahrzehnte nicht gegeben. die so viel kraft gekostet haben und mut, all die falschheiten und fehler zu tun.

das kann auch gut sein, alles. es geht nur eben noch einmal von vorn los. vielleicht.

#insight

um der erschöpfung nachzugeben, nur ein ganz klein wenig vielleicht, gibt es viel zu viel zu tun. zum glück. ich tue ja einfach weiter, was ansteht, ohne sinn und zweck. als wäre da noch ein plan und eine welt, in die hineinzufinden ich mich bemühe. so war das gedacht, wenn ich mich recht erinnere. es gab einen plan. oder auch nicht, was weiß ich. es ist zu lange her.

das schlimmste ist diese tonlosigkeit, die mich seit zwei jahren umgibt. schlimmer noch als die aussichtslosigkeit oder die fehlende sicherheit. unsicher ist sowieso immer alles. das kenne ich, wenn auch nicht (mehr) so konzentriert. aber das leben in einem weitgehend resonanzfreierm raum, frei von menschen und zukunft. nichts betrifft mich noch, was ich tue geschieht in ganz kleinen kreisen, die nichts tangieren.

aber was rede ich. ich will nicht mehr reden, dieses totstellen ist mir längst (wieder) alltag geworden. sollen andere ihre corona-lobby-arbeit leisten, gruppen gründen und forderungen stellen. wütend sein, meinetwegen. ich stehe da nicht im weg.

ich bin nicht mehr da, und ich komme auch nicht zurück. das leben, wie es jetzt ist, drückt mich in eine andere richtung. wie so viele, derzeit. (wissend oder unwissend? schon klar oder noch verklärt? auf jeden fall schweigend!)

ich kämpfe nicht, das ist okay.

bonding/158

manche kapitel sind leicht, weil einfach so viel schon stimmt. da geht es nur ums kürzen, also um mehr klarheit und präzision, um sprachliches auch. ddas kann sich ziehen, aber es fält mir nicht schwer. andere kapitel dauern und kosten nerven, nicht weil sie länger sind oder wirklich lang. oft stellt sich das problem in der aufbereitung des inhalts dar, kaum dass ich angesetzt habe, zu lesen, mich zu wundern, zu ändern dann. solche arbeit geht tiefer, reicht in mich hinein, denn nur da findet sich die form. am inhalt, immerhin, musste bislang wenig bis nichts geändert werden.

gestern also zügig kapitel XIV abgeschlossen, nachdem mir der erste durchgang schon recht leicht von der hand ging. und dann, das kapitel XV heute: eine ziemliche quälerei, bei der es nicht nur ums kürzen ging, sondern auch um umstellungen und großräumige vernichtung von kleineren passagen. um überhaupt einmal einen grund da hineinzubekommen. das ist zwar bei weitem nicht so schwer, wie der erste wurf, ganz ins leere hinein. aber es ist schon auch nicht ohne, da vergehen schon auch stunden für ein paar seiten. elf waren es heute, jetzt sind es noch neun. mitte oder ende nächster woche kommt dann der zweite blick, mal sehen. ich hoffe, das wird. leichter vor allem. aber es kommt, wie es kommt. im schreiben tue ich immer alles, egal wie lange es dauert und wie viel es mich kostet. schreibend gebe ich immer alles, auch wenn ich erschöpft bin. von mit gibt es nie weniger als das.

erschöpft bin ich derzeit tatsächlich von grund auf. mich jetzt noch einmal so durch all diese manuskriptseiten zu arbeiten, es sind hunderte sind, und ich bin nicht einmal auf der hälfte. das gefällt mir gar nicht, von lust kann da keine rede mehr sein. nicht im geringsten.

komisch ist nur, dass ich nach ziemlich genau einem jahr, den text mitunter wie neu lese. fast als wäre er gar nicht von mir, so ist es auf den ersten blick. das ist hilfreich, denke ich. so sehe ich besser und kann auf das große sehen, das ganze. und genau darauf kommt es jetzt an. vermutlich.

aber was weiß denn ich?!

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