am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

ein mensch

erst arbeit, der halbe tag, dann schnell zum baumarkt. wieder zu hause die mail meiner agentin nur kurz überflogen, weil zehn minuten später der physiothermin auf dem plan stand. wir reden über den frühling, die physiotherapeutin erzählt von den möven am wasser. dann schweigen wir, während meine rechte schulter gedehnt wird. danach einkaufen und wieder nach hause, an die übersetzung. ach nein, erst die mail richtig lesen.

zwischendrin stehe ich auf und sehe aus dem fenster. zwei autos stehen sich im gehege, dahinter warten weitere drei. sieht nicht nach unfall aus, eher nach streit. das vordere ist ein taxi, das steht im weg, das dahinter kann sich wohl nicht durchzwängen.

aber etwas stimmt nicht. der zweite wagen scheint in ein parkendes auto gefahren zu sein, ganz leicht nur, sicher nicht schlimm. dann kommt die polizei, der taxifahrer winkt sie heran. sie rennen. und zerren den fahrer aus dem wagen, legen den körper auf das kopfsteinpflaster, fangen an, auf den brustkorb zu drücken.

das geht so, bis die rettung eintrifft, wenig später der notarzt. es dauert, keine fünf minuten, aber es dauert. eine ewigkeit. da arbeiten dann zehn, fünfzehn personen, sicher vierzig minuten, permanente reanimation. dann hören sie auf.

von rechts höre ich den fußballplatz, da ist ein jubeln. vor mir sehe ich blaues und gelbes blinklicht, menschen in warnwesten, die ihre helme abnehmen.

ein toter mensch, zugedeckt, erst auf der straße, dann auf der trage. auf ihm liegen schläuche und beutel, eine hand noch ist zu sehen. ein letzter gruß, so lernen wir uns kennen.

ich gehe in die küche, kochen und essen, eine stunde vielleicht oder ein bisschen länger. als ich zurückkomme, noch einmal hinsehe, ist alles weg. auch die polizisten, die sich noch mit dem auto beschäftigen mussten. auch das auto ist verschwunden.

über die stelle scheppert ein mietroller, ganz normal. wo vor wenig mehr als einer stunde ein mensch gestorben ist.

von vorn

sehr müde. sehr nachdenklich und gereizt. ich weiß nicht, ob ich das noch weiter machen soll. an diesem manuskript arbeiten, immer und immer wieder, das doch keine*r will. oder dieses leben leben, das mir auf null gesetzt ist, als hätte es die vielen jahre und jahrzehnte nicht gegeben. die so viel kraft gekostet haben und mut, all die falschheiten und fehler zu tun.

das kann auch gut sein, alles. es geht nur eben noch einmal von vorn los. vielleicht.

#insight

um der erschöpfung nachzugeben, nur ein ganz klein wenig vielleicht, gibt es viel zu viel zu tun. zum glück. ich tue ja einfach weiter, was ansteht, ohne sinn und zweck. als wäre da noch ein plan und eine welt, in die hineinzufinden ich mich bemühe. so war das gedacht, wenn ich mich recht erinnere. es gab einen plan. oder auch nicht, was weiß ich. es ist zu lange her.

das schlimmste ist diese tonlosigkeit, die mich seit zwei jahren umgibt. schlimmer noch als die aussichtslosigkeit oder die fehlende sicherheit. unsicher ist sowieso immer alles. das kenne ich, wenn auch nicht (mehr) so konzentriert. aber das leben in einem weitgehend resonanzfreierm raum, frei von menschen und zukunft. nichts betrifft mich noch, was ich tue geschieht in ganz kleinen kreisen, die nichts tangieren.

aber was rede ich. ich will nicht mehr reden, dieses totstellen ist mir längst (wieder) alltag geworden. sollen andere ihre corona-lobby-arbeit leisten, gruppen gründen und forderungen stellen. wütend sein, meinetwegen. ich stehe da nicht im weg.

ich bin nicht mehr da, und ich komme auch nicht zurück. das leben, wie es jetzt ist, drückt mich in eine andere richtung. wie so viele, derzeit. (wissend oder unwissend? schon klar oder noch verklärt? auf jeden fall schweigend!)

ich kämpfe nicht, das ist okay.

bonding/158

manche kapitel sind leicht, weil einfach so viel schon stimmt. da geht es nur ums kürzen, also um mehr klarheit und präzision, um sprachliches auch. ddas kann sich ziehen, aber es fält mir nicht schwer. andere kapitel dauern und kosten nerven, nicht weil sie länger sind oder wirklich lang. oft stellt sich das problem in der aufbereitung des inhalts dar, kaum dass ich angesetzt habe, zu lesen, mich zu wundern, zu ändern dann. solche arbeit geht tiefer, reicht in mich hinein, denn nur da findet sich die form. am inhalt, immerhin, musste bislang wenig bis nichts geändert werden.

gestern also zügig kapitel XIV abgeschlossen, nachdem mir der erste durchgang schon recht leicht von der hand ging. und dann, das kapitel XV heute: eine ziemliche quälerei, bei der es nicht nur ums kürzen ging, sondern auch um umstellungen und großräumige vernichtung von kleineren passagen. um überhaupt einmal einen grund da hineinzubekommen. das ist zwar bei weitem nicht so schwer, wie der erste wurf, ganz ins leere hinein. aber es ist schon auch nicht ohne, da vergehen schon auch stunden für ein paar seiten. elf waren es heute, jetzt sind es noch neun. mitte oder ende nächster woche kommt dann der zweite blick, mal sehen. ich hoffe, das wird. leichter vor allem. aber es kommt, wie es kommt. im schreiben tue ich immer alles, egal wie lange es dauert und wie viel es mich kostet. schreibend gebe ich immer alles, auch wenn ich erschöpft bin. von mit gibt es nie weniger als das.

erschöpft bin ich derzeit tatsächlich von grund auf. mich jetzt noch einmal so durch all diese manuskriptseiten zu arbeiten, es sind hunderte sind, und ich bin nicht einmal auf der hälfte. das gefällt mir gar nicht, von lust kann da keine rede mehr sein. nicht im geringsten.

komisch ist nur, dass ich nach ziemlich genau einem jahr, den text mitunter wie neu lese. fast als wäre er gar nicht von mir, so ist es auf den ersten blick. das ist hilfreich, denke ich. so sehe ich besser und kann auf das große sehen, das ganze. und genau darauf kommt es jetzt an. vermutlich.

aber was weiß denn ich?!

nahtlos

so ein kleiner, gelungener tag heute.

erst im baumarkt gewesen, dafür mit der neuen sonnenbrille radgefahren. sehr schön. beim vinyllaminat den helm liegengelassen und nach einer ganzen weile problemlos wiedergefunden. ein lösung für das kantenproblem im bad gefunden, aber keinen neunen fahrradwandhaken. ausverkauft, schade.

zu hause die kantenlösung im bad erfolgreich umgesetzt, dabei die grundidee dergestalt erweitert, dass ich unbeding noch einmal in diesen baumarkt muss, der nicht mein stammbaumarkt ist. nachschub holen, und vielleicht gibt es ja dann auch wieder den passen fahrradhaken. beim werkzeugwegräumen festgestellt, das sich ein regalbrettträgerklotz nach zirka achtzehn jahren komplett gelöst hat. ohne dass dabei irgendetetwas zusammengebrochen wäre, immerhin, aber das musste natürlich auch schnell noch repariert werden. logisch.

am nachmittag dann nahtlos in die produktübersetzungsarbeit geflutscht, da war es noch hell. nur ein bisschen fleißkärtchen einheimsen (tasks) und das chaos lichten. oder zu lichten versuchen, wobei das recht hoffnungslos ist. immer taucht da irgendwo noch ein kleiner irrsinn auf, mit dem ich nicht gerechnet hätte. viel lust hatte ich nicht, hab das also abgebrochen. gerade noch rechtzeitig.

pause mit rückenschmerzprofilaxe im bad und anschließendem kopfsalat. ich hab ja neulich kopfsalat wiederentdeckt, den einzigen salat meiner kindheit. und ich mache ihn so, wie früher mit zitrone. und natürlich ganz anders, mit honig oder ahornsirup und graatapfelkernen dazu. und ohne zitrone.

am abend dann kurz gezweifelt. fast hätte ich die textüberarbeitungen auf morgen verschoben, das anstehende kapitel. schlimm wäre das nicht gewesen, das hätte ich mir durchaus verdient. aber was solls. es gibt nichts, es ist nichts. alles nur allein, die arbeit und das sein.

und schreiben ist da noch das schönste, trotz allem.

bonding/157

ich muss es sagen, wie es ist. auch nach drei durchgängen geht so in text noch an die substanz. das, denke ich, hat den heftige schmerzbefall der letzten tage begründet. der betonklotz in meinem körper, rechts unter dem schulterblatt. das hat sich gelegt heute, ein wenig zumindest. puh! das mag auch daran liegen, dass ich da mächtige kapitel von letztem wochenende gestern, mit einem erheblichen kraftaufwand, doch noch irgendwie abgeschlossen habe. viel arbeit, die zufriedenstellend beendet ist.

vier seiten habe ich aus zuvor achtundzwanzig rausgeschrieben, und tatsächlich ist das gut so. man glaubt es ja nicht, auch ich nicht, mitunter. dass kürzen nicht nur eine qual ist, ein schmerzliches geschehen, bei dem man viele kleine wendungen und mikro-storys auf ewig in den orkus schickt. ein verlust also, nur das. man kann es so sehen, ja, aber es ist, wie im grunde alles, eine frage der perspektive. man muss auch auf die klarheit sehen, die dabei entsteht. ein transparenz, die stehen bleibt im gekürzten text, so muss es gemacht sein. mutig und in großen zügen.

kürzen bläst luft in den text. das muss das erste sein und das letzte sein, immer. die luft.

eben habe ich das nächste kapitel zügig durchgepflügt. knapp zwölf seiten, ohne große probleme. jetzt sind es noch zehn. morgen oder samstag muss ich noch einmal da durch, nachschauen, ob ich nicht zu große löcher geschlagen habe. und egal, was ich dabei finde, eines weiß ich jetzt schon. das habe ich gesehen. emotional und sprachlich ist es ein gewinn.

alles, was ich gerade tue.

allerdings tut es weh, na gut. das ist so, das geht bis in die physis. immer wieder mal., immer öfter. so etwas gehört zum schreiben. dass es an die substanz geht, die eigene. das weiß ich schließlich nicht erst seit gestern.

ich versuche es also hinzukriegen, irgendwie. alles und immer wieder. mehr kann ich nicht tun.

unperfekt

heftigste schulterschmerzen, als würde unter meinem schulterblatt ein betonklotz wohnen. wenn ich den kopf in den nacken lege, dann stirbt mein rechter unterarm, meine hand. die physiotherapeutin hat mächtig an mir herumgezogen und -gedrückt. tatsächlich war der kopf danach ein wenig frei, ist er auch immer noch. aber die schulter, der brocken dort, das ist jetzt zum abend hin doch wieder überwältigend. zum glück sagt die erfahrung der letzten tage, dass ich das über die nacht zwar nicht weg- aber besserschlafen kann. also ganz ander als es in den letzten wochen und monaten war, wo ich am morgen vor schmerz aus dem bett gekrochen kam, um zügig in die bewegung zu kommen. bewegung hilft immerhin, hilft immer.

an den schreibtisch musste ich natürlich doch, vor und auch nach der physio, wie sowieso immer. verdammt! für das gemüt habe ich zwischendrin ein bisschen in der großen schraubenkiste gewühlt, ohne große hoffnung, um nach fünf weiten exemplaren der einen, absolut perfekten schraube für ein kleines küchenvorhaben zu suchen. was soll ich sagen? gefunden habe ich zwölf, dazu fünf gleiche, die aber kürzer sind und zweit weitere gleiche, nur noch kürzer. für den fall der fälle kann das überaus hilfreich sein, wie handwerksmenschen sicher wissen.

das ist wahrer überfluss, quasi echtes glück. der rest ist zu verschmerzen.

drei + dreißig

augenbrennen und koppings, fast den ganzen tag lang, auch jetzt noch. vom bürorechner auch heute noch zunächst einmal ausgeschlossen, bis ein workaround gefunden war. eine minimallösung zur übertragung eines einzigen bildschirms, der noch dazu minimal dargestellt war. klein und unscharf, vielleicht deshalb das brennen und pochen. wobei dann am nachmittag wieder alles funktioniert hat, zum glück. auch dann nicht so recht was geschafft, mehr gebastelt und gesucht. naja.

gerädert war ich aber doch.

so sehr, dass mir danach nichts mehr einfallen wollte. selbst der blick auf die liste brachte kein ergebnis. da gab es einfach kein to do, das sich erfolgreich streichen lassen wollte. oder doch, eines vielleicht. das konnte ich nicht mehr lesen, beim besten willen nicht. das habe ich dann von herzen gestrichen.

man muss nicht alles wissen.

zur erfrischung habe ich mir anschließend nur noch auf einer dieser internetseiten meine lebenserwartung ausrechnen lassen. lustige sache, mein normalgewicht und die dauerhafte nichtraucherei bringen mir ein bisschen extrazeit, während mein alleinleben mich jahre kostet. keine ahnung, was ich davon halten soll. das leben mit partner*in und kind*ern wiegt am besten, familie also, das wage ich ja zu bezweifeln. die (physische?) weiblichkeit wiederum bringt mich um einiges voran. für sport habe ich tango genommen, das gilt doch sicher. und beim alkohol habe ich die vor- bzw. nach-corona-dosis angegeben, nicht die aktuelle. dinge wie vorerkrankungen, gefährliche fahrzeuge oder die störkraft frühkindlicher lebenserfahrung wurden nicht abgefragt. ob das alles wirklich einen sinn ergibt? so?

egal, das ergebnis kann sich sehen lassen: ich habe noch sagenhafte dreiunddreißig jahre, quasi biblisch. kann also losgehen, jetzt, das letzte drittel.

out off office

sehr seltsamer arbeitstag heute, der vorwiegend abgeschnitten vom bürorechner stattfand. zum home office braucht es eine netzverbindung, was in den letzten zwei jahren weitgehend hervorragend funktioniert hat. auch heute war mein netz durchaus in ordnung, aber am anderen ende der stadt, wo meine arbeitsstätte sich befindet, da sah es wohl anders aus.

keine ahnung, warum. immer noch nicht.

das hat mir rhythmus und wochenplanung ziemlich in chaos gestürzt. andrerseits nee, sowas ist doch höhere gewalt. ich konnte nichts vorziehen, einfach so. ich kann auch nicht so recht was nachschieben, irgendwann ende der woche. es ist, wie es ist.

aber das nervt.

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