am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

no harm

viele lichter überall in den fenstern gegenüber. jetzt ist sperrstunde in berlin, oder? ich meine, es hören zu können. viel menschenlärm unterwegs, ein permanentes gelaufe und gerede unter meines schlaffenster. ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. ist ja noch recht früh.

der unfall schwingt nach. so harmlos er mir zunächst erschien, entwickelt er langsam seine schlüsselkraft. auch die spontan konsultierte ärztin war schnell zur eindringlichkeit entschossen und hat mich überraschen radikal aus dem verkehr gezogen. da will ich mich fügen, denke ich. es zumindest versuchen.

heute also nichts gearbeitet. und es nicht vermisst. aber ein schlechtes gewissen, natürlich.

bremsen

ein tag pause, völlig unproduktiv. nur zeugs erledigt, das erledigt werden muss. esst den neuen herd entgegengenommen, dann das motorrad für die tüv-abnahme zum schrauber gebracht. auch wegen dem kleinen unfall gestern, also: nach feinberührung mit einem anderen fahrzeug umgefallen. nicht weiter schlimm. oder anders: ich bin wem seitlich reingefahren, der seinerseits einen abartig rasanten abbiegevorgang direkt vor meinem vorderrad inszeniert hat. gibt schöneres im leben. nach dem besuch beim schrauber noch zur physio, sonst irgendwie nix.

wenn ich mich recht erinnere.

meinen persönlichen schuldanteil an dem unfall kann ich nicht ganz von der hand weisen. ich bin einfach weitergerollt, hab das geschehen unmittelbar vor mir in aller seelenruhe betrachtet. wie in zeitlupe, ohne allerdings auch nur auch nur einmal auf die idee zu kommen, die bremse zu betätigen. sehr komisch.

eine tangofreundin predigte mir daraufhin eindringlich von erschöpfungszuständen und burnout, was ich dann heute mal ein bisschen recherchiert habe. ach ja, tatsächlich. das habe ich auch noch getan. wenig überraschend war da einiges dran. die wachsende unmöglichkeit von konzentration, wenig und noch dazu eher schlechter schlaf, zunehmende schmerzen, die nichts mit dem rheuma zu tun haben. natürlich ist auch die belastung nicht gering, einen beruf zu haben, für den ich, damit ich mir die ausübung leisten kann, einer anderen erwerbstätigkeit nachgehen muss. was dann in wenigstens zwei jahren dauerarbeit mündet. noch dazu einen beruf zu haben, der letztendlich immer tief in die eigenen abgründe führt. geschenkt. außerdem die situation seit mitte märz, die mich, ohne familie, ohne partner*in, forever, und ohne katze, selbst von meinem tangohobby weitgehend limitiert und ins schier ewige home office verbannt hat. von wo aus ich meine arbeit immer schlechter schaffe, zu absurd ist das vorgehen.

ich bin nicht mehr bei mir, ich merke es seit wochen. schon vor zwei monaten oder so, konnte ich mich kaum rühren. damals war es der körper, und ich wusste genau, dass eine woche pause es nicht gebracht hatte. jetzt ist es mein hirn, das nicht mehr will. nicht mehr bremsen, das ist fatal.

vermutlich muss ich genau die jetzt zügig finden. die bremse.

Xcuse

was für ein geschwätz gestern. was soll ich sagen? es ist schwer. offensichtlich bewege ich mich in gebieten, die fast ganz ohne sprache sind. so lange ist das her. und worte an sich sind ohnehin unzureichend, immer. einander hilflos ausgeliefert.

ich kann es nicht änderns. ich bin, wo ich bin. wenn am ende das schreiben an meinem leben hängt, davon abhängt vielleicht. dafür bin ich da.

ich werde weiter schauen, tiefer gehen. die bilder finden, die töne, den klang und die gerüche. all das, was es gab und gibt, noch vor den worten.

schaden

dieses jahr. und dieses buch. das auf einmal ist mitunter zuviel. beides zusammen legt den grund frei. den sumpf, aber nicht nur das. auch sand, schlamm und schrott wird abgeräumt. was bleibt ist der boden, auf dem ich lebe.

so klärt sich vieles. alles, so kommt es mir vor. und das ist gut, wenn nichts mehr ist. mehr als das geht kaum.

gestern nacht, so müde, dass ich mich selbst kaum mehr erkannt habe. während trump auf der anderen seite der erde das prinzip der goldenen kutsche für sich entdeckt hat, schaltete ich im zimmer das licht aus. dann lag ich im dunkel, einen moment nur, nicht mehr wach. nicht mehr ich. aber auch noch nicht ganz verloren, unter schlaf und schmerz begraben.

manches wird klar in der unschärfe zwischen den welten. so war es immer, schon als kind. menschen aus metall, wie insekten. wie soldaten mit puppenherzen. wie tot.

das ist unsinn, denke ich. das ist toll. ich bin so müde.

doch manches wird klar, auf einen schlag mitunter. in den unsinnigsten momenten auch, im müdigkeit zum beispiel. in erschöpfung. wie die tiefe furche, die eine deutliche spur durch mein leben zieht. eine grundlegende beschädigung, unverkennbar auf einmal. eine wunde, eine narbe von anfang bis jetzt.

was ich hätte sein können, ist verloren. ist früh zerstört, stattdessen bin ich anders. muss ich anders und limitiert. leben. was kein problem ist, das ist normal.

das ist auch gut jetzt. zu wissen und zu sehen, dass mein leben von grund auf und durchgehend beschädigt ist. dass sich das nicht mehr ändern und ebenso nicht leugnen lässt. obwohl ich das kaum je getan habe, denke ich. aber so klar betrachtet habe ich es dann doch auch noch nie. bislang.

die spur der vernichtung, die die gegebenheiten meines kindseins in meinem leben hinterlassen haben. eine gerade, ungebrochene kerbe. unverkennbar auf einmal.

es ist besser geworden mit den jahren, viel besser. aber es war auch viel arbeit, mit der ich mitunter auch mächtig unsinn angerichtet habe. anderen, nicht mir. unverzeihlich vielleicht. trotzdem oder gerae deshalb wird mir so manches vermultich für immer unerreichbar sein.

doch es könnte schlimmer sein. wenn ich selbst auf die art beschädigt worden wäre. das wesen, das ich bin. und das ist tatsächlich weit weniger der fall. nur mein potential in dieser welt ist mir genommen. weitgehend, nicht ganz.

oder anders gesagt: es ist durchaus schade, dass mich nie jemand beliebt hat. (auch und vor allem, weil ich mich zumeist so weit abseits von anderen menschen befinde.) aber es käme meiner vernichtung gleich, hätte ich selbst niemals geliebt. stillschweigend und ohne bedingungen auszuhandeln.

PS das alles ist ziemlich kryptisch und unklar, ich weiß. ich kann es noch nicht besser fassen. ich versuche es morgen nochmal. oder die tage.

vergangen

am ende eines solchen schreibtages ist alles blank und sauber, besonders wenn es ein sonntag ist. ich fahre den rechner herunter, auch wenn ich inzwischen weiß, dass selbst windows-rechner einfach immer weiterlaufen können. mein arbeitrechner im büro macht nichts anderes, seit mitte märz. ich sortiere alles, was auf dem schreibtisch herumliegt, zurück an seine platz. die blätter und stifte, die kaffeetasse und das whiskyglas. ich schalte die lautsprecher, die maus und die tastatur aus. das ganz zuletzt. ich schiebe den stuhl bis ganz an die tischkante. so kann es dann bleiben.

heute musste ich mich zuvor noch ausgiebig mit dem drucker beschäftigen, statt einfach nur die beiden kapitel aufs papier zu bringen. drucker sind eine technikkategorie für sich, zumindest wenn sie älter als etwa zwei jahre sind. dann sind sie nur noch mit vorsicht zu genießen. besonders diese dämlichen chips, über die die patronen inzwischen verfügen. nie weiß man so genau, ob die dinger auch akzeptiert werden. diesmal hatte ich aber wohl einfach nur eine ladung falscher patronen erwischt, bzw. selber falsch bestellt. (ich forsche da lieber nicht nach.) und immerhin: eine passende hat sich nach ausgiebiger herumprobiererei zum glück doch noch gefunden. also alles gut.

viel bleibt übrig an gedanken und verzweiflung, die mich in dieser schreibzeit, donnerstag bis sonntag, gequält haben. so viel, das ich sagen wollen würde. in mir steht es bereit, es drängt nahezu. aber dann zieht es sich wieder zurück. aus angst vermutlich oder aus fürsorge, dass ich mich nicht allzu sehr blamiere.

das meiste speist sich aus meiner vergangenheit, mit der ich mich in den letzten wochen zwangläufig zu beschäftigen hatte. dabei ist die vergangenheit selbst nicht das problem, da kenne ich mich aus. es ist vielmehr die gegenwart, die daraus geworden ist. eine gegenwart, die sich mehr und mehr aufklärt. und die mich ungemein entsetzt.

dazu kommt die ausicht, die sich mir in bezug auf das manuskript langsam aber absolut sicher erschließt. vielleicht sollte ich dem fall tatsächlich einfach mal „buch“ sagen, denn das wird es sein. ein buch!

da werden die nächsten schritte angegangen, sehr bald schon. das heißt, wenn alles so läuft wie verabredet. genau kann ich das allerdings nicht sagen, denn inzwischen habe ich schon seit wochen nichts mehr von der agentur gehört. über einen monat im grunde. irgendwie seltsam, vielleicht sollte ich mich sorgen. aber womöglich ist das auch völlig normal. was weiß denn ich!?

ich mache meine arbeit, diesbezüglich gibt es kein vertun. ich soll mich auch nur melden, wenn ich es aus irgendeinem grund nicht schaffe. absagen sozusagen. und das ist ja nicht der fall.

die schreibeinsamkeit dagegen, das ist allein meine sache. die angst vor dem kater danach. den „repercussions“, eines dieser wunderbaren englischen worte. da hilft sowieso nichts.

oh himmel, da muss ich noch viel verstehen, so viel lernen. einen standpunkt finden, was ohnehin nicht so leicht ist. einen grund für alles. also wieder etwas, das ganz allein für mich und aus mir heraus. wo ich dann stehen werde, wie ein solitär. und niemand an meiner seite. ich bleibe unbegleitet, wie immer eigentlich.

also gut, wenn es das sein soll. das werden ich können.

letztendlich.

nein. ich suche nicht nach lösungen, bevor ich das problem nicht umfassend erfasst habe.

bonding (135)

aufgestanden und durch das letzte kapitel geritten. nun ja, geritten. aber gehoppelt vielleicht, recht zügig gehoppelt sogar. am frühen nachmittag war ich durch. und überrascht. damit hatte ich nicht gerechnet.

da sich bislang auch keine zufriedenheit einstellen mag, gehe ich davon aus, dass ich noch nicht fertig sein kann. da ist so viel dialog, mit zwei, drei oder auch vier personen. das ist eine ganz eigene kategorie. vermutlich muss das nochmal ein bisschen liegen, bevor ich das beurteilen kann.

zur sicherheit tue ich also etwas, was ich bei diesem manuskript so gut wie nie gemacht habe. ich hab es nicht vermisst, auch kaum je daran gedacht. aber früher habe ich das immer getan, für jedes einzelne kapitel.

ich drucke aus, gerade jetzt. die letzten beiden kapitel.

um im laufe der woche montage und komposition zu prüfen, die struktur der dialoge durchzugehen und vor allem all die anderen ebenen irgendwie zu erfassen. da genau könnte es sitzen.

das problem, das ich gerade nicht erkennen kann. nicht sehen, nur spüren, irgendwie.

ach, wie ich das leid bin. wie unendlich leid.

was besseres aber könnte eine tun als schreiben in dieser zeit. inzwischen lebe ich in einem hochrisikogebiet, darf ohne zweifel bald schon die stadt nicht mehr verlassen. da schreibe ich mich doch gern in fremde welten und die abgründe anderleuts keller. lebe mit menschen, die es nicht gibt, belebe mich selbst in die vielen.

wenn ich es genau bedenke. so viel anders als sonst ist das eigentlich gar nicht. nur ist es mir schon lange nicht mehr aufgefallen, so gut hatte ich mich eingerichtet. mit dem leben und dem schreiben, dass ich sogar das härteste verlassensein meines lebens irgendwo unterbringen konnte. irgendwie, ohne dabei zu verrecken. ich weiß nicht einmal, wo.

was solls. das ist nur neues totes land in mir. und davon bin ich ohnehin angefüllt.

aber schreiben, das ist ein wirklich gefährliches spiel.

von wegen lüften

als ich kind war wurden nicht nur die räume regelmäßig gelüftet, häufiger als nur morgens und abends. es wurden auch die betten gelüftet, einmal die woche.

ist mir heute wieder eingefallen. hab ich dann auch gleich mal gemacht, weil ich ohnehin mein bett machen wollte.

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