am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

protokoll

ich bin ungerecht. aus der versehrtheit und der erinnerung an die ursachen ist es schwer, gerecht zu bleiben. oder gar zu sein.

das nur for the record.

nächtes jahr, irgendwann, werde ich wieder unter unversehrt firmieren. vielleicht.

oder auch nicht.

la peste

wie aus dem poetischen „in zeiten von corona“ klammheimlich das prosaische „in coronazeiten“ wurde.

bonding (139)

dass ich beide bisherigen manuskriptfassungen in jeweils dem moment fertiggestellt habe, in dem welt draußen unerträglich wird. das verstehe ich nicht, das ertrage ich auch nicht gut. das lässt mich zurück, wie eine idiotin vielleicht, zumindest aber eine absurdität von mensch. ein solches buch in eine solche zeit zu versenken, das ist einfach nur irre.

immerhin ist es auf dem weg. es ist auch angekommen, das hat meine agentin dann doch zügig bestätigt. spüren kann ich gerade nichts mehr. vor ein paar wochen war ich wach und dicht dran, da hätte mir ein klein wenig austausch womöglich geholfen. ich weiß nicht, ob ich darauf gehofft habe. vermutlich schon, obwohl autorinnenseelenpflege ganz sicher nicht zu den agenturaufgaben gehört. sehr gut also, ein glück, dass ich vergessen wurde, über den rand gerutscht bin irgendwie. das wäre sonst ziemlich peinlich geworden, könnte ich mir denken. und auf die art gewöhne ich mir solcherlei komische hoffnung gar nicht erst an.

inzwischen ist alles tot, es gibt nichts mehr zu sagen. etwas ist so tief in mich hineingekrochen, dass es längst nichts mehr mit dem buch zu tun hat. in ein paar tagen nur, das ist beeindruckend. und das geht jetzt auch niemanden mehr etwas an, dazu ist es zu spät.

das will nur überlebt sein, irgendwie, ganz allein.

oder auch nicht.

vor etwas mehr als einem jahr habe ich einen autor im radio so etwas sagen hören wie: immer, wenn ich ein buch fertig habe, bin ich völlig zerstört. damals habe ich mich ein wenig gegruselt, obwohl ich mir das gut vorstellen konnte. vielleicht auch gerade deshalb, weil ich es mir so gut vorstellen konnte. die lösung im radio hatte etwas mit gehen zu tun, mit spazieren vielleicht. oder mit dem laufen durch wälder.

jetzt bin also ich soweit. ich bin zerstört. aber gehen hilft nicht, das weiß ich schon.

fratzen

alles ein wenig besser ist es heute, vielleicht weil am morgen ein wenig die sonne. wie gestern auch schon. sonne ist gut, sonne hilft. sonne ist leben.

was sind das für platte sprüche, denke ich gerade. bis mir die gestrige sonne einfällt. (war das gestern?) na gut, denke ich. dann eben gut. und leben.

und gehen. ja, auch das. ich gehe ja gerne, das ist teil der schreibarbeit. sehr oft jedenfalls. und das gehen, nicht das schreiben, ging heute mal wieder richtig gut. die letzten tage bin ich eher geschlichen, fast gekrochen. das war seltsam. andererseits traue ich dem braten noch nicht recht. erstmal sehen, wie es morgen geht. mit mir.

sonst nicht viel. ein leerer tag, der mich zum ende dennoch sehr erschöpft hat.

als erstes habe ich gleich heute morgen mein facebook aufgeräumt. wenn themen aus privaten gruppen auf einmal in öffentlichen threads auftauchen, mit direktem, nahezu intimen bezug auf mich, dann ist es allerhöchste zeit, mal gründlich nachzudenken. zum einem, ob ich mit menschen, die so etwas machen, vermutlich nur gedankenlos, aber egal, tatsächlich befreundeg bin. (nein!) zum zweiten, ob diese art der kommunikation grundsätzlich, wenn auch pandemiebedingt irgendwie angesagt, für mich überaupt noch aktuell ist. (nein!)

so habe ich dann einiges an meinem facebook geändert. (ja!) ein bisschen was gelöscht und gesperrt, vor allem aber im hintergrund gebastelt. heimliche regeln eingeführt, ganz allein für mich. da gibt es doch tatsächlich bei facebook einige nette funktionen, die mir bislang noch gar nie untergekommen sind. oder die ich noch nie eingesetzt habe, einsetzen musste. das ist gut zu wissen.

jetzt passt die fratze einigermaßen gut, hoffe ich.

und es ist an mir, fortan die finger von dem dreck zu lassen, wenn es um persönliches geht. vertrauen gehört da nicht hin, nicht auf facebook. dafür sind blogs.

keine ahnung, wie ich das vergessen konnte.

69

hell, diese welt. sichtbar. nur berührung verwandelt. (die sonne)

schreibzeit (56)

schreibzeit, das sind nicht nur meine ausflüge in die kleine stadt, die langen wochenenden zwischen den büroarbeitstagen oder die schnellen korrekturrunden nach einem achtstundentag. (letzteres ist von übel, das mache ich so gut wie nie.) schreibzeit ist viel mehr als das. keine summe, kein verlust. schreibzeit ist vor allem leben.

obwohl es sich durchaus um die gesamte zeit handelt, die vergeht, die ich lebe, während ein buch entsteht. also nicht nur die zeit, in der ich de facto am oder im text sitze, festgefahren oder in fluss. nein, absolut alle zeit. sieben jahre also, diesmal. (wobei ich gerade nicht weiß, wie ich die drei jahre totalunterbrechung werten soll.)

jetzt ist der text weg. natürlich nicht wirklich, er lauert auf diversen festplatten und anderen datenträgern. er ist ganz nah, gestern noch habe ich ihn nach tippfehlern und anderem unsinn durchsucht. etwas in mir ist irritiert, dass ich heute nicht dort eingestiegen bin. dass die menschen nicht getroffen, ihren gedanken und gesprächen nicht gelauscht habe. aber das geht nicht, es ist aus. fürs erste zumindest.

und jetzt bin ich überfressen und auf entzug zugleich. heute schon, das ist schlimm. bin ich leer, bis aufs letzte ausgeschöpft.

aber so ist das nach einer so langen schreibzeit. ach was, so ist das nach jedem text. aber die länge (der zeit und des textes) diesmal macht mir angst. die tiefe der erfahrung und die ebenso überraschende wie prägende persönliche beteiligung ganz zuletzt. damit hatte ich nicht gerechnet, das war dumm. das weiß ich besser. schon lange, schon immer. nicht erst, seit ich schreibe. leben kostet kraft. wirkliches leben, nicht nur das ableben der lebenszeit. das wäre warten, reines warten. und das liegt mir gar nicht.

der unfall vor etwas mehr als einer woche gehört auch dazu. als erste erscheinungsform der abgründigen erschöpfung, die sich in sieben jahren in mich eingeschrieben hat. kaum weiß ich, wie ich die augen offen und das hirn hochhalten soll. oder eine richtung in mein tun bringen. nun gut, so ist es schon lange, immer wieder mal. das kommt und geht, aber gerade komme ich nicht mehr darüber hinweg.

ich weiß, das liegt daran, dass die erinnerung aufgegangen ist. deshalb tobt jetzt alles wild durcheinander. so war es nie, so schnell. und die tür wird sich wohl auch nicht mehr schließen, der deckel nicht mehr fallen. das hatte ich ja gedacht, zumindest erwartet. inzwischen will ich das aber gar nicht mehr. es ist besser, das leben und alles, wenn man sich ganz zur verfügung hat. musik hören, den regen spüren, die sonne. wirklich alles.

und darüber hinaus zwischen dem, was ich lange schon weiß und was mir noch länger fast so unendlich langweilig ist. auch wenn es jetzt durch mich hindurchrast, als gäbe es kein morgen, ohne jeden sinn und zweck. in den feine ritzen, zwischen ein- und wieder ausatmen, mitunter. da sehe ich auch neues. altes im grunde, uraltes. das mir aber noch nie bewusst begegnet ist.

das wiederum ist eigentlich ganz gut.

bonding (138)

einfach nur die erste überarbeitung abschließen, das reicht natürlich nicht. das ding muss ja dann auch raus. vor über zwanzig jahren, als der erste roman an diesem punkt angekommen war, da hat das tatsächlich über ein jahr gedauert. der ausdruck lag in einem karton im ungeheizten extrazimmer, gleich neben dem papiermüll und dem ascheeimer. wenn ich mich recht erinnere.

so ist es jetzt nicht, ein glück. darüber bin ich dann doch hinaus. es ist aber auch unendlich viel leichter geworden, denn ich muss nun nicht selbst die passenden verlage ermitteln. mich umstellen auf verkaufsmodus, was mir so gar nicht liegt. was ich also ohnehin nicht einmal ansatzweise erreichen könnte.

ein pdf erstellen und es an die agentur schicken, das war dagegen heute eine recht einfache übung.

und dennoch beängstigend.

bonding (137)

fertig, denke ich.

die erste überarbeitung mit größeren umstruktuierungen und etlichen neuen elementen ist soeben fertig geworden. mitte oktober sollte es sein, so war es mit der agentur abgesprochen. ich bin ein streber, ich weiß. am ende meiner kräfte, mehr oder weniger auf dem zahnfleisch. keine konzentration mehr, kein elan. schlafen kann ich auch kaum noch, das aufstehen am morgen ist eine qual. und wie sich die vergangenheit geöffnet hat. ich weiß nicht, ob ich das alles so wollte. aber niemand fragt mich am ende. ich bin das material, und der text verlangt alles. von mir.

gestern also, am 15. 10. 2020 um 23.59 uhr, habe ich die finale datei gespeichert. die verlagsversion, so nenne ich das mal. sicher nicht ansatzweise veröffenlichungsreif und natürlich noch lange keine druckversion. auch wenn das gröbste erledigt sein sollte, da ist noch viel zu tun. so einiges habe ich auch schon selbst auf der liste. nicht für jetzt und nicht für bald. aber es steht schon da.

so, wie es jetzt ist, werde ich das ding morgen an die agentur geben. und von dort aus? himmel, was weiß ich. das mache ja nicht ich, das wird sich also zeigen. und ich werde es sehen, erleben. vermutlich. das überblicke ich nicht, kein bisschen.

ich begreife das alles sowieso gerade überhaupt gar nicht. heute nacht. sieht aus, als wäre es tatsächlich vorbei.

bis es dann weitergeht, irgendwann.

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