am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (134)

nicht viel heute, eigentlich nichts. da ist wohl nicht mehr viel luft. nur zwei oder drei seiten, geputzt, mehr nicht. alles auch gut, soweit.

bis ich dachte, dass da womöglich etwas fehlt. dass ich also vielleicht noch einmal durchsortieren sollte. (aber die anschlüss, die anschlüsse!) oder etwas einfügen, nicht viel natürlich. nur einen kleinen moment, ein einziger. dass die drehung stimmt.

da hab ich es dann gelassen, alles. es fallenlassen, bis morgen.

einerlei

der tag heute, der wie ein nichts begann. zum ende hin ist er mir völlig grundlos zu einem freitag geworden. das ist jetzt irgendwie nicht gut, denn eigentlich ist schon sonntag.

am anfang war leere und unlust. nix schreiben, aber vor allem wollte ich nicht sitzen. am schreibtisch, an diesem fenster, wie so oft in diesem jahr. immer und immer wieder, nur am schreibtisch sitzen und arbeiten. nichts sonst, keine freude, keine menschen. keine freunde auch, das ist 2020.

ich bin dann los, einfach aufs motorrad und raus. wobei ich ja auch auf dem motorrad im grunde nur sitze, aber immerhin in bewegung. ich hatte den rechner mit. hatte die irrige illusion, in genau dem café, wo ich vor etwas über drei jahren den beschluss gefasst habe, aus einem unbeholfenen romananfang konsequent einen vollständigen roman zu machern, eben diesen auch zuende zu bringen. diese idee habe ich schon lange, der irrtum war, dass es heute nicht der zeitpunkt war. aber so gar nicht!

ich hatte also eine gute fahrt und ein gelungenes, zweites frühstück in der kleinen statt. es war sonnig und warm, viel emenschen, die gemütlich drsußen saßen. nach dem essen habe ich den rechner ausgepackt und ein bisschen im internet gelesen. dabei habe ich mich völlig verloren, zuletzt tatsächlich die letzten, noch ausstehenden treiber geladen und installiert.

diese abwegigkeiten lagen wohl auch darin begründet, dass sich das neue laptop mit einer sim-karte bestücken lässt. was ich natüplich sofort getan habe, vor ein paar tagen schon. so steht mir mit diesem rechner jederzeit der denkbar umkomplizierteste netzzugang überhaupt verfügung. kein fragen nach wlan und passwort, keine umständliche einrichtung von hotspots auf dem mobiltelefon, mit den üblichen verbindungsschwierigkeiten. nur die pin eingeben und fertig.

aber das war natürlich nicht wirklich, was ich mir für den tag vorgenommen hatte. tatsächlich fuhr ich zurück, ohne die manuskriptdatei auch nur geöffnet zu haben. zu hause machte ich noch dies und das, dann ging ich ins wasser. so wurde mir frust und freitag, auf einmal.

spät erst, nach dem abendessen, saß ich dann doch am schreibtisch. zwei oder drei seiten vielleicht. und viel verwirrung und irritation. darüber, ob ich statt rein sprachlicher korrektur nicht eventuell doch noch einmal an die struktur muss.

ach, nein!

einig

den ganzen tag wie einen samstag empfunden und verbracht. sonst ist es oft umgekehrt, da denke ich am samstag, es wäre erst freitag. das ist unangenehm. damit ruiniere ich mir oft den sonntag.

jetzt gebe ich mir ein bisschen zeit, ohne schlechtes gewissen. das eine muss zum anderen finden, das ich zum text und umgekehrt. nicht nur für die fertigstellung, die seit heute greifbar erscheint. nachdem ich anfang august mit der überarbeitung begonnen habe, war das die ganze zeit nicht anders. und sie ist stetig gewachsen, die gewissheit, dass es etwas von mir braucht im text.

doch auch das weiterleben muss sich langsam finden. das auspendeln des gewaltigen gewichts von über vierhundertundachzig seiten. die bewältigung des katers, des entzugs womöglich. die traurigkeit des abschied. vielleicht. das weiß ich gar nicht genau, das kenne ich noch nicht. aber ab dieser phase bin ich wohl nicht mehr ganz mit mir.

dafür ein wenig zeit ist sicher keine schlechte idee. überhaupt zeit, wann hatte ich das zuletzt. um wieder einig zu sein mit mir.

morgen soll es sonnig und recht warm werden. perfekt für eine letzte motorradfahrt, raus aus der stadt.

aber erstmal schlafen. jetzt.

bonding (133)

viel arbeit heute, viel text. und viel geschafft, obwohl vieles auch noch im nebel liegt. unklar, ob es so bleiben kann. ob es steht, gut genug zumindest. für erste. inhalt und form, ich jongliere mit beidem, zeitgleich. ein bisschen ist das ein gewagtes spiel.

das letzte kapitel, wie fast alle ab der hälfte des manuskripts, ist in zwei teile gesägt. mit dem ersten teil dürfte ich einigermaßen durch sein, seit heute. das war nicht leicht, aber doch sauber machbar. der zweite teil, nun das letzte kapitel, dagegen ist ein brocken. alles ist anders, besonders die energie. aber auch die geschichte, dazu gibt es neue szenen, alles rückblenden. eigentlich mehr als das: flashbacks. damit steht und fällt die konstruktion.

ich zweifle nicht, aber das ist noch einmal richtig arbeit. fürchte ich. und gerade bin ich nicht sicher, ob ich mich gleich dieses wochenende da durchprügeln sollte. natürlich ist unklar, ob ich es schaffen kann, in zwei tagen. da ist so viel nebel, überall, dass ich das nicht einschätzen kann. überhaupt gar nicht.

vielleicht ist das aber auch egal.

win-win

vor lauter schreibfrust das große windows update vom mai 2020 angestoßen, der ersatzrechner für den totalschaden des voherigen war mir noch ohne dieses geliefert worden. anschließend dann drei stunden lag ziemlich besorgt gewesen, ob das eine so gute entscheidung war. das wärs natürlich gewesen, wenn das nicht geklappt und mir stattdessen nach zwei monaten den endlich wieder gut funktionierenden und schnellen neuen rechner zerschossen hätte.

ist zum glück alles gut gegangen.

beim warten und blättern in den manuskriptnotizen meiner agentin wurde mir außerdem noch klar, was gefehlt hatte bei der schreibarbeit heute. welche zusammenhänge ich nicht berücksichtigt hatte bei der bearbeitung von zwei um seiten auseinanderliegenden neuen szenen. diese beiden korrelieren zwar unmittelbar miteinander, nicht unmittelbar, aber energetisch auf jeden fall. sehr. andererseits existieren aber auch noch einige andere, bereits geschriebene szenen, die ebenfalls auf die neueinschübe abgestimmt werden müssen. das wird es gewesen sein.

ich schaue mir das später am tag mal an. (heute ist ja schon heute und nicht mehr gestern.)

aber erstmal schlafen.

schreibzeit (55)

manchmal ist es die hölle. wie komme ich nur darauf, schreiben zu wollen, schreiben zu müssen. wenn es immer wieder eine solche hölle bedeutet. irgendwann, gegen ende zumeist, mündet die arbeit in einer art wahnsinn. das weiß ich doch, nicht erst seit gestern.

keine ahnung, was ich heute getan habe. ob ich vorangekommen bin, irgendetwas brauchbares verfasst habe.

ich weiß nur wenig. ich sehe nichts. ich lebe in der schreibhölle heute, wie in einer höhle ohne licht. ohne ausgang auch.

beim zahnarzt gewesen. es gab nicht wirklich etwas zu beanstanden, mir ist im eifer des gefechts aber auch wieder einmal nicht alles eingefallen, was ich hätte fragen oder zumindest erwähnen wollen. immerhin gehe ich in drei wochen wieder, zu meiner ersten professionellen zahnreinigung überhaupt.

ob ich das überlebe?

bonding (132)

so recht kann ich gerade die finger nicht vom text lassen. nach der arbeit denke ich darin herum, obwohl ich totmüde bin. ich schlafe so schlecht in letzter zeit. trotzdem schaue dann manchmal sogar in die datei und tippe ein bisschen darin herum. ohne dass ich glaube, damit einen großen wurf machen zu können. vor allem aber schaue ich in bücher, sehr alte bücher, die ich vor jahrzehnten gelesen haben mag. alles über mütter und kinder, frühkindliche entwicklung und schwarze pädagogik. lange nicht gesehen, das zeug. zeug, das mich schaudern lässt.

außerdem schimpfworte recherchiert, gestern schon. das ist gar nicht so leicht. ich will für das buch nicht all die nehmen, die ich selbst kenne. das führt mich auf falschen grund. aber treffliche schmähnamen zu finden oder gar zu erfinden, das ist gar nicht so leicht. das braucht auch noch ein wenig, bis das sitzt.

bei genau dieser schimpfnamenrecherche hat sich zu allem überfluss noch ein fenster aufgetan, der titel für das nächste projekt. vielleicht ein arbeitstitel, aber das ding ist so gut. das könnte glatt der endgültige titel bleiben. es ist der schimpfname der hauptfigur, der so unglaublich passt. der den schimpf verlassen und ihr zueigen werden könnte. wenn ich es richtig mache. so eigen ist er. und zusammen mit diesem namen haben sich gleich auch erste neue strukturen gezeigt, ein erzählhaltung womöglich. die grundlage der story habe ich ja schon seit langem fest in der hand. genau weiß ich das alles nicht, natürlich nicht. ich habe auch die zeit nicht, ausgerechnet jetzt tiefer einzusteigen. oder hinauszufliegen aus diesem fenster, um mich umzusehen.

erst einmal muss ich ja durch das aktuelle manuskript. eine oder zwei wochen noch, bis das nächste stadium erreicht ist. wieder nur ein zwischenstadium, aber was für eines. die fassung, die an die verlage gehen wird.

also!

wut und selbstverachtung, wahnsinn und ständige denkwiederholungen stehen mir nicht mehr so gut wie mit zwanzig. das war eigentlich schon mit etwa dreißig weitgehend passé, obwohl ich mich nicht so recht daran gehalten habe. bis ich so ungefähr vierzig war, da wurde es dann wirklich unangebracht. inzwischen bin ich ja fünfzig, das heißt, genaugenommen weit über fünfzig.

das wär’s dann also. denke ich.

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