am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

gefüge

ein einfaches wochenende, alles hat sich gefügt, eines ins andere. problemlos. sogar das anbringen des neuen gardinenstangen im schlafzimmer. das war sogar deutlich einfacher als die ganze zeit gedacht. wochenlang habe ich mich mehr oder weniger gedrückt, dann war alles in wenig mehr als einer stunde angebracht. dabei habe ich die vorhänge auch noch gewaschen. wenn schon, denn schon. heute dann noch die alten bohrstellen verputzt. fertig.

alles andere hat sich ähnlich gut benommen. das räumen und putzen, die bearbeitung des ebay-zeugs, endlich, und zuletzt ein wenig organisation der aktuellen übersetzungen. es ist gut, wenn die dinge ineinanderpassen und zu einem ende finden. dann bin ich zufrieden.

zwischen den dingen war leben, sonst nichts. dasitzen und glotzen, musik hören und lange und viel schweigen.

nur innen das geplapper, immerzu. das dann als nächstes.

niemand

ich will reden mit anderen schreibenden, immer schon. doch die gelegenheit ergibt sich selten, schon gar nicht mit denen, die schon groß sind. die bleiben unereichbar, auch wenn sie in sichtweite gekommen sind mit der zeit. dazu bin ich zu schüchtern.

doch dann rufe ich sie an, alle, lade sie ein in meinen salon. und sie kommen, alle, auch die wichtigsten. und sie reden, auch mit mir. ich erinnere mich nicht, worüber. nur dass ich irgendwann dastehe, aufrecht, die arme erhoben, rufe ich: und niemand weiß, wer ich bin.

so, wie ich da stehe. das ist keine schmach. es ist ein jubel, ein triumph, ein glück. so werde ich wach, heute morgen war das.

nachtn.

imagine

es bleibt schwer. immer noch, seit über drei wochen jetzt, muss ich mich mit einer ganz und gar unsinnigen bürokratischen angelegenheit beschäftigen, die mich einfach nur stört und nervt und ärgert auch. das vor allem. eine sache, die blöd in mein leben eingegriffen hat, es immer noch tut, wie alles derzeit tief, zu tief in mein persönliches leben sticht. und sticht. und sticht.

ich weiß nicht, was tun. was noch, und womit habe ich das verdient. ich will auch nicht mehr. wirklich nichts mehr tun, nichts regeln und nichts sein.

nur noch atmen vielleicht, die imaginationsräume öffnen und betreten. das tun im leben, das nur ich tun kann. und nur das, damit nicht zu viel davon verloren geht. in dieser zeit, die meine nerven frisst, mir bis ins herz greift. und daran reißt.

denn ganz egal, wie allgemein gern behauptet wird. ich weiß es anders: niemand ist ersetzbar. absolut.

körperwelten

heftigstes kopfweh, fast den ganzen tag. das fängt ja gut an. ein pochen im nacken, schon beim aufwachen, im laufe des tages zusätzlich einen spannungsring stramm um die stirn gespannt. mal was neues, ganz anders als migräne. und doch auch wieder nicht. der druck im rechten auge, im knochen darunter und direkt hinter dem ohr. so war doch migräne, eindeutig. und jetzt?

also irgendwie migräne plus kreislauf und herzrasen, dazu ein blutdruck im schmerzspagat bis zum nachmittag. vielleicht restschübe der wechseljahre?

sowieso

ich sitze so da, den ganzen tag. wie ein trauriges kapitel. ich bin nicht verlassen oder einsam, nicht viel mehr jedenfalls als sowieso. mein leben hat sich nur wenig verändert. arbeit, fast nur noch zu hause. das nervt. tango, so gut wie gar nicht mehr. das schmerzt.

aber sonst, alles wie gehabt, wie selbst geschaffen. wie verdient.

nichts, was von mir verlangt wird, ist neu oder besonders schlimm. zu handeln, wie es sich derzeit gezeimt zu handeln, ist kein problem.

es ist der schmerz, die erinnerung. die last, die mir vererbt ist. das zu durchdringen. was glaubt, so tief in mich hineingreifen zu dürfen.

lebenslänglich.

#insight

wie anmaßend von mir, damals im märz, zu behaupten, dass mir die sich zuspitzende situation wenig ausmachen würde. das zu hause sein, auf sich selbst geworfen und über längere zeit allein. dass ich das kennen würde und sowieso nicht viel anders leben. dass ich halt bauen würde, die liste sei lang. alles easy.

das ist lange her, länger als erwartet, das gebe ich zu. das hatte ich nicht glauben wollen, wiewohl ich es im grunde durchaus verstanden hatte. damals schon. die bauliste ist immer noch recht lang, ich bin nicht zu viel gekommen. zu viel zu tun, bis zum geht nicht mehr. das ist auch nicht das ding, das ist ein symptom.

ich hätte es besser wissen können, das mit der zugespitzen situation und deren auswirkungen auf mich. ich hätte mich erinnern können, wie es ist, den kopf heben zu wollen, gegen alle angst. und dann nichts sehen zu können, wenn ich doch endlich irgendwie den mut gefunden. rein gar nichts, kein leben, keine zukunft, über jahre. ohne hoffnung, ohne welt. zu leben. ist das leben?

akut verschwinden mir immer mehr menschen. von manchen trenne ich mich, ganz im stillen, für immer, wie ich weiß. bestimmte gedankenlosigkeiten und beleidigungen mag ich einfach nicht mehr ertragen, auch moraline besserwisserei in meiner nähe habe ich endgültig als unbehaglich identifiziert. weg damit, das fratzenbuch macht’s möglich.

anders ist es im echten leben. auch da habe ich mich aktuell von allen realen begegnungen weitgehend zurückgezogen. meine kontakte sind auf null, ohne dass ich das beabsichtigt hätte. auf dauer will ich das so nicht beibehalten, aber so richtig weiß ich natürlich nicht. das hängt ja nicht allein von mir ab.

mein leben bewegt sich längst in eine richtung, die ich nicht mehr selbst bestimme. nicht im geringsten.

und jetzt verschwinden auch menschen, die ich noch gar nicht kennenlernen konnte. auf die ich heimlich gewartet habe, gehofft, so lange und so heimlich, dass ich es selbst kaum noch wusste. bis heute.

alles wird anders, wenn es zu spät ist. alles klärt sich auf. und ich bin alt geworden, vermutlich ist es für vieles auf eben diese art zu spät.

ich werde also anders sein. ich weiß noch nicht, wie oder was. besser oder wieder schlimmer, so wie früher am ende. aber ich werde nicht zurückkehren, auch ich werde verschwinden.

das ist mehr als klar.

für wahr

wo lebt die erfahrung der ersten lebensjahre? wo verkriecht sie sich, über die zeit, bis ins alter? all die jahre und jahrzehnte? und schläft dort. und bleibt. und wartet, vielleicht. unter der haut? in den knochen, im mark? in den muskelfasern vielleicht, den sehnen und bändern des bewegungsapparats? oder im blick? im hören und sehen und erfahren, für immer?

wo auch immer, es ist erreicht.

mein herz

ein bisschen betrunken bin ich, nach einer ganzen weile abstinenz. für die ruhe und den schlaf, hatte die ärztin mir dringend empfohlen. hat aber nicht viel geholfen, fürchte ich. oder ich habe es nicht ausreichend praktiziert und überhaupt: das gesamtpaket nicht berücksichtigt. achtsamkeit und stille, die zwei haben bei mir derzeit auch keine chance. keine ahnung.

außerdem schmerzen im nacken, manchmal fast ein pochen. das herz. auch da ist alkohol nicht gerade hilfreich, denke ich. aber wer weiß das schon.

all die jahre, die ich diesen kopf tragen muss. ihn weder verstecken kann, noch hoch halten. oder einfach lassen.

fallen und schreien.

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