am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

spiritus sanctus

beim frühstück, nach dem frühstück, den ganzen morgen im grunde auf dem balkon, versteckt hinter dem tomatenwald. musik, die einen radius um mich zirkelt, mich schützt, aber nicht völlig abschirmt. von unten andere musik, die vorbeifährt, zügig zum glück, rollergeheule und kreissägengepfeife von weit, hundegebell und darauf folgendes männergebrüll. (hundehalter in neukölln sind eine eigenartige spezies.) modeschimpfwort live erlebt und damit verifiziert: schwabenkind. (es ist soweit, jetzt auch in neukölln.) erste bienen, die von den blüten naschen. das buch von gestern fertiglesen. zum abschied die tomaten hochbinden, sie rüsten für die kommenden stürme. dann gießen und geizen. bei all dem einen grandiosen pickel am kinn haben, als wäre ich in der pubertät. so alt bin ich oder so jung heute.

jetzt an die arbeit.

touched

was mir früher schnell zu wut und raserei wurde und was ich aus diesem grund mehr und mehr gemieden habe, ist mir heute mit leichtigkeit mitunter freude und berührung, eine lust sogar. ist es die musik oder bin ich es, die sich verändert? und ist der tango schuld daran, nicht zuletzt?

in ruhe

auf dem weg vom tangounterricht nach hause, immer montags, immer nachts, noch eine kleine runde fahren. nicht viel, die sonnenallee runter, die kiefholzstraße wieder rauf bis zu mir. wie könnte ich jemals erklären, es in worte fassen, was es bedeutet, diese 250 kilo metall, gummi, öl und sprit* durch die nacht zu bewegen. diese leichtigkeit und milde, die sanftheit und ruhe von so viel kraft.

nachts ist das besonders spürbar, gegenwärtig, greifbar fast, das paradoxe daran. das glück einer bewegung, die über das selbst weit hinausgeht. so weit, daß es sich im grunde jeder kontrolle entzieht. und damit die illusion eines stabilen lebens imitiert.

dieses glück, kaum zu begreifen. und wie zu teilen? oder auch nur mitzuteilen.

darüber geht nur musik.

* und rost natürlich, in meinem fall.

nachgeburt

langsam die geburtstagsbedingte niedergeschlagenheit überwinden, wie jedes jahr. das wissen darum, nun also bereits dreimal soviel zeit geschafft zu haben, wie ich selbst jemals glaubte aushalten zu können. damals. im rückblick war es doch leichter und schöner sogar als ich es mir vorzustellen vermochte, das muß ich zugeben. möglicherweise ist das so etwas wie glück. das andererseits natürlich schnell in eine schwere umschlagen kann, die sich um das unerreichbare dreht, um die grundlegende vergänglichkeit auch. mit der ich grundlegend einverstanden bin.

ich glaube nicht an den kampf, gegen was auch immer. ich glaube nicht an gegner und verbündete, weder an krieg noch an frieden. in einem von beidem wohnt immer auch sein gegenstück, wie könnte es anders sein. zumindest die idee ist vorhanden, wie zum beweis quasi, daß alles auch anders sein könnte. ohne sich jemals ändern zu müssen.

und das kann es nicht sein, nicht für mich.

fifty-one

eines meiner großen ziele im leben ist es ja, meinen eigenen geburtstag zu vergessen, ein einziges mal nur. ein freund von mir hat das schon im alter von irgendwas in seinen 20ern geschafft, das bewundere ich zutiefst. und ich glaube und vermute, daß es ihm nicht nur einmal so gegangen ist. (genau weiß ich es aber nicht, man trifft sich, kennt sich und das bleibt auch. aber man sieht sich manchmal auf einmal nicht mehr.)

ich selbst bin weit davon entfernt, auf diese wunderbare art unachtsam mit mir sein zu können. da habe ich also wohl noch eine weite strecke vor mir.

wenn der rücken vorzugsweise an der stelle juckt und schmerzt, die ich selbst so gut wie nicht erreichen kann. was soll das wohl bedeuten?

etwas blut der köchin

in den letzten tage wieder einmal mit bauen beschäftigt. nicht besonderes, eine reparatur im flur und ein zusätzliches kleines bänkchen für den grundrissveränderten balkon, jetzt könnte ich noch einen oder zwei töpfe mit schatten- oder halbschattengewächsten unterbringen. aber nurmehr zwei gäste, allerhöchstens. außerdem ein neues cd-regal hinter der wohnbürotür, bringt dreimal soviel platz wie die bisherige konstruktion. alles in allem wirklich nichts besonderes, wie überhaupt mein bauen nichts besonderes ist. ich tue das gern, ich kann es ganz gut, besser als so mancher. aber ein meister bin ich eher nicht.

der wahre meister war mein vater, da muß ich nur eine der beiden küchenschubladen aufziehen und mir die schwalbenschwanzverbindung ansehen, die er handgesägt hat. das ist meisterschaft. bei mir platzt der umleimer schon nach einem tag ab, zwei mal habe ich mich verbohrt und drei der seitlich eingedrehten schrauben lassen das holz unschön aufspringen. ich habe keine lust mehr, daran noch etwas zu ändern. es hält und tut seinen zweck, das ist gut so. vielleicht pinsel ich irgendwann die abgeplatzte ecke weiß. mal sehen.

inzwischen ist das werkzeug weggeräumt, die späne zusammengefegt und die wohnung wieder ganz eine wohnung. der blaue fleck am daumen juckt, die unvermeidbaren risse, die kleinen schnitte in den händen, in der haut verheilen. etwas blut muß sein, egal was man tut.

ich kehre zurück zu meiner meisterschaft, das schreiben. es gibt einen plan, es gibt material, viel material. und ich bin in stimmung, wie seit langem nicht. also los.

tun

dinge reparieren. sie wieder heil machen, wie auch gesagt wird. als kind habe ich das oft so gehört. und meine mutter hat es gehaßt, dieses wort. als würde niemals wirklich etwas heilen können. was ein irrtum ist. doch nie habe ich mich so ausgedrückt, das habe ich nicht gewagt. nicht als kind.

aber ich habe es getan. ich tue es jetzt gerade. ich tue es, immer wieder.

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