heute morgen gleich nach dem aufstehen das bett abziehen, um die bettwäsche in die waschmaschine werfen zu können, und dabei denken, diesmal aber nicht, wie eigentlich immer, bis zum abend mit dem neubeziehen zu warten, weil sich das jedesmal so blöd anfühlt. gerade eben dann ins schlafzimmer gehen und … tja, blöd.
alle tage
in den straßen
der job für heute kommt doch noch nicht. na gut, so ist das manchmal. bliebt also zeit, zu suchen, zu finden, zu verwerfen. blogs zu lesen, in büchern zu blättern. ich bin so müde. etwas, das früher einmal migräne hieß, kriecht mir durch den nacken. oder ist es doch nur der neue text, der neu zu beginnende?
wie komme ich bloß zu diesem thema, das mich seit herbst letzten jahres packt? gar nicht so sehr, daß ich mich bewußt damit beschäftige. vielmehr wächst es in mich ein, durch mich hindurch, aus mir heraus. womöglich ohne jeden sinn. andere dagegen reden, schreiben, bloggen ganz klar:
Sassen: Es gibt heute mehr Ungleichheit, mehr Armut, mehr Flüchtlinge, mehr Gefängnisinsassen, mehr Überwachung, mehr Leute, die aus ihren Häusern geworfen werden, weil sie die Hypotheken nicht mehr zahlen können. Üblicherweise sieht man diese Entwicklungen als separate Trends an. Aber als ich merkte, dass in den letzten 30 Jahren all diese Dinge massiv zugenommen haben, habe ich mich gefragt: Was sehe ich denn hier eigentlich? Und dann erkannte ich: Was hier stattfindet, sind Vertreibungen.
Maik Novotny, Exilierte auf der globalen Straße: Interview mit Saskia Sassen
Sassen: Eine Straße ist per se kein Ort für rituelle Routine, sondern ein Raum, in dem neue soziale und politische Formen entstehen können. Städte sind Orte, an denen die Machtlosen Geschichte machen können. Dadurch, dass sie füreinander sichtbar werden, können sie diese Machtlosigkeit ändern.
der arm der winkekatze hat heute, gegen abend unvermittelt aufgehört zu winken. hat pause gemacht, einfach so, die batterie war es nämlich nicht. ein stubser hat gereit, um sie wieder in ganz zu setzen. dazwischen aber war zeit, in der diele zu stehen und die möglichkeiten zu überdenken. etwas hat zu einem ende gefunden, das verdient eine gute pause. ohne zweifel. anschließend geht es dann weiter, nahtlos, wie ich hoffe. sonst wird der absturz zu gewaltig.
kleingeld
heute eine hose gekauft, eine nagelneue. keine aus zweiter hand. jetzt ein schlechtes gewissen, weil ich einfach so viel geld ausgegeben habe. einerseits. andererseits, weil es bestimmt eine von diesen billigjeans ist, die von kindern in bangladesh zusammengetackert wurde. wie auch immer, hätte ich nicht sollen.
angesichts dieser blöden alltagsproblematik heißt das für mich jetzt wohl: back to normal.
eisbergsurfen
als 1980 die „elterliche gewalt“ notdürftig in eine „elterliche sorge“ umgewidmet wurde, war ich schon siebzehn. das bedeutet, daß es für mich zu spät war. oder anders gesagt: ich selbst hatte es damals ohnehin schon (fast) hinter mir. so dachte ich zumindest, soweit ich mich erinnere. heute bedeutet diese tatsache etwas anderes. es bedeutet, daß nichts, was mir damals geschehen ist, rechtlich gesehen relevant ist, im grunde auch jetzt nicht. es war richtig, recht und gerecht.
berichte zum thema, wie etwa der bei StelgitzMind vor ein paar tagen, überraschen mich mitunter. nicht, weil mir nicht bekannt ist, daß es wirklich viele menschen gibt, die sich deutlich gegen gewalt wenden und insbesondere für gewaltfreie erziehung eintreten. leider vermengt sich, meiner erfahrung nach, mit diesem durchaus ehrenhaften engagement allzu häufig ein enorme unkenntnis gegenüber der materie, eine ablehnung, die mitunter an verleugnung grenzt. und damit kann ich bis heute nur denkbar schlecht umgehen. es ist, als würden meine erfahrungen und damit beinah auch ich mit verleugnet.
ein beispiel? einer der letzten sätze in besagtem artikel lautet: Zu harten Körperstrafen wie “Hinternversohlen” greifen vier Prozent. dieser bezieht sich auf heute, auf eine forsa-umfrage für die zeitschrift „eltern“ aus dem jahr 2012. und er bewirkt spontan zweierlei in mir:
- es berührt mich, weil mir bislang noch nie jemand gesagt hat, daß das, was mir über jahre regelmäßig geschehen ist – in die zange genommen werden, hose runter und arsch voll – tatsächlich eine „harte Körperstrafe“ war. wenn ich es für einen augenblick persönlich nehme, dann ist es fast eine art von anerkennung. und beruhigung.
- im nächsten moment möchte ich dann sagen: so schlimm war das aber nicht. und zwar nicht, weil es ich es zu relativieren oder gar zu rechtfertigen versuche. (vor der kollegin, die zugab, ihr kind auf die windeln zu klappsen, anders ginge es ja nicht und es täte ja auch nicht weh, stand ich innerlich zitternd vor fassungslosigkeit und wut.) auch möchte ich nicht behaupten, daß es mir nicht geschadet hätte. obwohl ich andererseits niemals sagen würde, ich sei beschädigt. das bin ich nicht, ich bin geprägt, wie alle anderen menschen auch. gewalt aber kennt andere formen, jenseits der körperlichkeit, die weitaus schrecklicher sind. (die schläge habe ich nach ein paar jahren mit ein paar worten, einem einzigen satz ein- für allemal beendet.) seelenmacht dagegen, verachtungsgewalt wird allzuleicht relativiert. das scheint niemand wahrhaben und wissen zu wollen.
was in dem oben genannten wie in anderen artikeln und beiträgen zum thema steht, ist schön und gut, ganz ehrlich. ich weiß das zu schätzen. aber es ist die spitze des eisbergs, wenn überhaupt. gewalt wurzelt tief und läßt sich kaum begreifen, geschweige denn bereden.
ich sehe sie überall, die kinder, die von erwachsenen an einem arm durch die straßen gezerrt werden, weil sie ihnen nicht schnell genug sind. ich höre das bellen der eltern, immer wieder, wie es über das schluchzen der kinder herfällt. ich verpasse sie nicht, die leise gefauchten beleidigungen in kaufhäusern und u-bahnen. die ständigen wiederholungen, die sich festsetzen und noch nach jahren, jahrzehnten in den menschen um wahrheit würgen.
verfluchte wahrheit. will ja doch keiner wissen. später.
atemgrenzen
kein mensch stirbt, bevor er dazu bereit ist. sagt eine freundin, die wohl weiß, was sie sagt, denn sie hat von berufs wegen schon viele menschen sterben sehen. das mit der bereitschaft kann allerdings überraschend schnell gehen, denke ich, von außen betrachtet. doch hat das außen vermutlich sehr wenig mit dem innen des sterbenden zu tun. das weiß sogar ich, die ich nur einen menschen sterben sehen habe.
wir weiterlebende, weiteratmende sind in dem moment viel weniger begleitung als vielmehr zweifelnde, staunende gäste. an der grenze des atmens eben, nicht darüber hinaus.