als ich kind war, gab es ja noch spiele, die draußen gespielt wurden. ganz alleine, ohne erwachsene. und die waren zum teil sehr seltsam. mutter, darf ich zum beispiel, bei dem es um reisen ging. mutter, wie weit darf ich reisen, fragte man die spielmutter. und die sagte dann ja oder nein oder so. so genau erinnere ich mich nicht. seltsamerweise lief man aber, wenn man reisen durfte, auf die mutter zu und nicht etwa von ihr weg. dann gab es noch eine knotenmutter, die ein kindermenschenkettenknäuel zu erlösen hatte. das war immer sehr unangenehm, weil viel zu eng. lieber habe ich ja meine labyrinte in den sand gebaut, ganz allein und nur für mich. politisch korrekt war das alles natürlich auch nicht, wie wer hat angst vorm schwarzen mann eindeutig belegt. oder deutschland erklärt den krieg, nur etwa zwanzig jahre nachdem der krieg vorbei war. krieg ist wohl nie so richtig vorbei, uns kindern zumindest blieb auf die art er erhalten. als wort, als spiel. ich weiß nicht mehr wirklich wie das ging, keine ahnung, ob sich dabei überhaupt etwas gewinnen ließ. aber ich habe es immer gern gespielt, das weiß ich noch. ich war immer österreich, natürlich. ich war ja damals die einzige ausländerin, in der siedlung, in der schule, überall.
alle tage
frisurvertagung
geschafft. ich bin wieder im besitz einer art frisur, was gar nicht so einfach war. nachdem meine stammschere in friedrichshain mich nach jahren der treue gestern eiskalt hat abblitzen lassen und auch in einer einstündigen odyssee durch das sogenannte szeneviertel kein spontaner ersatz aufzutreiben war, mußte ich unverrichteter dinge erkennen, daß nicht nur ich schwierigkeiten mit der frisurfindung und -herstellung habe. nein, offensichtlich haben auch frisuren mittlerweile keine lust mehr auf mich. was ich verstehen kann.
so landete ich heute also in einem kleinen laden in der neuköllner hobrechtstraße. kein cut & go, trotzdem kam ich quasi sofort an die reihe. keine designhocker und auch keine sündhaft teuren und potthäßlichen spiegel aus italien, statt dessen schickes grün an den wänden und dunkelrotes holz dazu. (ging aber, besser als es gerade klingt zumindest.) vor allem aber, kein möchtegern topfriseur, der mir in seiner offensichtlich tief verinnerlichten hektik dauernd abwechselnd den kamm auf den kopf haut oder ihn mit schmackes auf den boden schmeißt. stattdessen beinah bedächtliches schneiden, schnitt für schnitt, in aller ruhe. mehr brauchte es heute auch nicht.
womit jedoch das grundproblem der zunehmenden inkompatibilität zwischen mir und dem prinzip frisur bei weitem nicht geklärt ist. immerhin kann ich nun für eine weile wieder raus, unter leute, ohne optisch allzusehr aus der rolle zu fallen. was frisuren können, können nur frisuren.
frisurtechnik
morgen muß ich zum friseur, dringend, das kommentargeplänkel hat es mir bewußt gemacht. und wieder weiß ich nicht, was ich ihm sagen soll, was er mal machem könnte. außer: eine frisur bitte, ein bißchen ab vielleicht. na, was denn auch sonst? also alles so wie beim letzten mal, und das ist daneben gegangen. für frisuren bin ich einfach nicht geschaffen. warum kann es denn kein leben ohne frisur geben?
hilfe!
manchmal öffnen sich ja diese berühmtberüchtigten türen im leben, und das ist im grunde nur gutzuheißen. obwohl gerade dann immer wieder auch menschen auftauchen, die sich eben dort hineinzuschlingeln versuchen, als wären diese türen in erster linie für sie gemacht. ich weiß nicht, wieso das so ist. offene türen sind wohl grundlegend einladend. ich habe aber nicht allzuviel platz und vor allem kaum kraft für im grunde fremde menschen in meinem leben. dieses chaos will wohldosiert sein, seit jeher. also bitte.
(alle, die sich hier nun unvermutet angesprochen fühlen mögen, sind ganz sicher nicht gemeint. das geht an keinen menschen, der hier liest. sonst stünde es ja hier nicht.)



