am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

GELD ist falsch

windig und bewölkt war es heute, dabei recht schwül. kein gutes wetter. ich war nicht gut drauf, immer noch müde. ich denke, ich muss mich damit abfinden, dass gerade so eine art migräne dabei ist, zu mir zurückzukehren. das hormonbedingte von früher gibt es natürlich nicht mehr, akurat auszählbare tage. das geschehen jetzt würde ich nicht mit schmerz beschreiben. es ist mehr eine verwirrung und erschöpfung, wie eine wucherung der luft, die um die rechte seite meines kopfes mistchwingt. vielleicht sollte ich versuchen, mit den medikamenten von früher zu arbeiten.

am nachmitteg laufe ich auf der re:publica in eine der besten veranstaltungen überhaupt, mit der ich nicht gerechnet hatte, weil ich sie im programm komplett übersehen hatte: einen salon! menschen, die über das schreiben reden. verdammt, über die hälfte habe ich verpasst. aber egal, es ist was es ist, und es war gut.

den anschließenden programmpunkt an dem ort, zu dem ich ursprünglich eigentlich wollte, zum thema klassismus, den schwänze ich gleich von anfang an. das heißt, eigentlich flüchte ich in dem moment, in dem mir klar wird, dass es sich womöglich um eine lehrstunde handelt. (mir wird wortlos ein zettel mit einem wort vor die füße gelegt.) solche spiele kann ich nicht, tut mir leid, dafür fehlt mir die nötige kindergartenerfahrung.

um das thema ist es schade, dazu hätte ich gern ein paar erfahrungen ausgetauscht. rund um die frage, was armut ausmacht, wenn es nicht um das zentrale thema GELD geht. aber da war ich wohl falsch. oder ich habe etwas verpasst, keine ahnung. aber ich rede lieber noch ein bisschen mit ein paar der salonteilnehmer*innen.

dann kaufe ich mir einen kleinen frozen yoghurt, der auch ohne das zweite topping viereurofuffzich kostet. das ist happig! aber lecker. anschließend höre ich luca zu, der mir erklärt, dass es twitter nicht mehr gibt. und dass wir alle da weg müssen. dabei denke ich an die twitter wall, damals auf der re:publica. wann war denn das? und an die erste twitterlesung.

ich treffe diesen und jenen, sie meisten im vorbeigehen. ich verpasse wohl noch viel mehr, menschen und themen. an die große wand hinter stage 1 klebe ich einen roten zetten unter den titel: was soll aus dem sortiment.

auf den zettel schreibe ich GELD. ob das gut ist oder witzig, das weiß ich nicht. es wird viel über KI geredet, eigentlich überall. es wird wenig geredet über armut, gerechtigkeit oder umverteilung. vielleicht verpasse ich das aber auch alles oder sehe nicht richtig.

ich gehe nach hause. der rest des tages ist arbeit, davor und danach. und auch hier, eine beständige anstrengung irgendwie wachzubleiben.

short circuit

das war anders gedacht, aber nun war es ein zwölf-stunden-tag, irgendwie. erst vier stunden arbeit, dann fünf stunden re:publica, dann nochmal drei stunden arbeit. jetzt bin ich wirklich durch, denn auch so viele menschen auf einmal sind arbeit für mich. ganz abgesehen von den themen, thesen und talks.

dazu war die nacht lang. schon fast im halbschlaf stelle ich fest, dass der ladevorgang des rads sich irgendwie eigenartig entwickelt. das ladegerät leuchtet grün, damit sollte das prozedere beendet sein. das rad aber blinkt rot, in schneller folge. im eilig hervorgekramten handzettel – nein, ein handbuch ist es nicht, nicht einmal ein handheft, es ist nurt ein großes blatt voller zeichnungen – da heißt es, es sei es kurzschluss. verdammt!

ich drücke ein paarmal an dem schalter herum, aber es ändert sich nichts. ich bin frustriert. wieviel das wieder kostet, denke ich. es ist ein einfaches system, ein motor und ein schalter, dazwischen der akku, der aber im rahmen verbaut ist. ich weiß nicht, wie gut oder schlecht diese art e-bike ist, wenn es an reparaturen geht. doch inzwischen ist es fast zwei uhr nachts, das ist spät, selbst für mich. und es lässt nichts ändern, jetzt.

vielleicht ist es morgen wieder gut, denke ich. und ägere mich gleich über solches denken.

ich schlafe also, und gleich am morgen fällt es mir wieder ein. ich drücke noch einmal auf den schalter, das rad blickt immer noch. intuitiv drehe ich an der kurbel, während der motor eingeschaltet ist. auf einmal ist der spuk vorbei, alles wieder im grünen bereich. ich kann es kaum glauben.

auf der arbeit muss ich mich erst sortieren, außerdem meine eigenartigen arbeitszeiten für diese woche verkünden. auf der re:publica geht es um geld. ich höre als erstes marlene engelhorn zu, die mir sehr sympatisch ist. die auch ziemlich viel sehr richtiges sagt. mitunter mit einer eigenartig freundlichen wut, wie mir schein. wie gesagt, sympatisch. dann laufe ich ein wenig umher, schaue mal hier und mal dort, am ende igor levit, der auch wütend ist, aber mit mehr nachdruck. und mit so viel recht.

anschließend zügig zurück an die arbeit, für das geld, nicht für die welt. für mein leben, mehr nicht. ich stelle fest, dass an dem rad der lenker locker ist. est denke ich mir nichts dabei, der wurde nbeulich erst umgebaut. sowas kann passieren. zu hause, als ich die schrauben festziehen will, sind diese aber so locker, dass es da keinen zusammenhang geben kann. verdammt!

der rest versinkt in müdigkeit, erschöpfung fast. morgen dann das ganze nochmal auf genau die art, nur hoffentlich ohne raddesaster. und übermorgen. und dann immer so weiter.

mein leben.

meet up

was man im alter so lernt und erlebt. da radel ich also am nachmittag vorsorglich zum re:publica-gelände hinüber, um mein ticket gegen ein bändchen und einen hänger zu tauschen. ich erwarte nicht viel, ein bisschen andrang vielleicht. aber da ist nichts, alles easy. ich kann gar nicht so schnell mein digitalticket aufrufen, da habe ich schon alles. erledigt.

danach sitze ich ein wenig vor der kleinen außenbühne, auf der es morgen ziemlich heiß sein wird. ich sitze unter einem sonnenschirm, und es ist heute schon heiß. ich weiß nicht warum, ich sitze einfach und warte auf nichts. ich will nur noch nicht gehen.

und am ende sitze ich fast vier stunden da, treffe erst die eine, dann drei weitere, zu zweit reden wir uns fest, und am ende quatscht uns ein leicht bis mittelschwer betunkener mann voll. er spricht mit verstellter stimme, mitunter, wechselt die stimmlage ins tuntige, anders kann ich es nicht sagen. ich vermag das nicht einzuschätzen, es fühlt sich nicht gut an. ist es erst gemeint? ist es eine persiflage? was ist gemeint?

wer bist du jetzt, frage ich beim zweiten oder dritten mal. könnte ja auch sein, dass er verschiedene identitäten behebergt. aber er sagt nur: ich weiß auch nicht. und redet dann weiter, ganz normal. von den menschen und ihrer erinnerung, von den leuten und der welt. wie sich alles ändert. am ende entschuldigt er sich, weil er zwei frauen mit seinem redefluss überfallen hat. das kriegt er gerade noch hin, immerhin.

aber was ich eigentlich sagen will: wenn ich mich nicht permanent wie irre bemühe, immer rechtzeitig am rechten platz zu sein, um die menschen zu treffen, die ich treffen möchte. wenn ich nicht herumrenne, vollkommen lost, um sie nicht immer alle zu verpassen; dann läuft es wie von selbst. dann kommen menschen zu mir, ganz von allein.

und es ist fast egal, wer sie sind, es passt schon. da ich ertrage sogar besoffene schwätzer, so einigermaßen.

angesagte orga

zurück also, in berlin. auch hier wird es langsam sommer, aber doch noch nicht so recht. nachts wird es kühl, zu kühl für balkone. doch das wird schon werden, auch hier. dafür sprechen allein die aufkommenden allergiesymptome, leichtes rotzen und schniefen. wie immer zu dieser zeit, dennoch zur sicherheit besser mal wieder einen covid-test gemacht. negativ.

denn ein schön langsames ankommen zu hause habe ich mir nicht so recht gegönnt. gleich gestern bin ich in die berliner randbezirke gereist, um all das was ich vor wien in einer wohnung von der wand geschraubt hatte, in einer anderen wohnung wieder an die wand zu schrauben. und ein bisschen mehr noch, außerdem die eine oder andere lampe. das war vielleicht keine so gute idee, aber solche notwendigkeiten lassen sich schlecht verschieben. ich hoffe, ich habe mit meiner (verständlichen aber unangebrachten) angespanntheit nicht allzusehr herumgenervt.

zufrieden bin ich natürlich auch nicht mit mir. eine schrankreihe hängt reichlich schief, was nicht nur an der schiefe der wände liegt. (aber auch!) im bad habe ich ein unverschämt großes loch in der decke verursacht, in dem die lampe jetzt nur so halbwegs verankert hängt. das könnte ich auf das hantieren mit einer veralteten bohrmaschine schieben, mit stromkabel dran und dementsprechend sperrig und schwer. für sowas bin ich zu alt, das kann ich ja nun mit fug und recht von mir sagen. aber eigentlich war es wohl die genervtheit. sorry.

gestern war es dann spät, aber heute ist frei. ich bemühe mich, nicht gleich die kommenden wochen durchzuplanen und all das zeug zu organisieren, was zwar organisiert werden muss. aber doch nicht heute. so richtig gelingt mir das nicht. ich räume nicht nur den koffer aus, sondern gleich auch anderes zeug, hin und her und wieder hin. ich bestelle wichtiges bei der apotheke und mache meine quartalsbestellung bei der büchergilde. beides mit geburtstagsgutschein, immerhin.

die re:publica wurde in diesem jahr nicht als bildungzeit anerkannt, das wirft einiges durcheinander. das thema GELD interessiert mich in diesem jahr tatächlich so richtig wirklich, sonst würde ich mein ticket vielleicht auf den markt werfen. aber so.

muss ich meine arbeitszeit irgendwie umsortieren, was gar nicht so einfach ist. das ist unangenehm und macht alles viel zu schell wieder viel zu eng. ich hoffe, es klappt irgendwie. puh!

richtungswechsel

zurück aus der kleinen großen stadt*, in der man bei der nutzung der öffentlichen verkehrsmittel locker von einem trittbrett aufs nächste wechselt. wie ein cowboy, das gewicht von einem steigbügel auf den anderen verlagert, um die richtung zu ändern

nun also in meiner großen drecksstadt**, wo ich bei der bvg-routenplanung zehn minuten brauche, um zu verstehen, ob die s1 ausfällt. oder doch nicht? und warum?***

* wien ** berlin *** nur eine andere taktung, das steht aber nirgends

zurückwärts gerichtet

im zug sitze ich rückwärts, sehe also dahin, wo ich herkomme. wie praktisch, berlin noch ein wenig den rücken zeigen zu können. wie passend auch.

bei der schlüsselrückgabe heute morgen, eigenständig, in so einen schlüsseltresor, habe ich vergessen, meinen usb-stick abzunehmen. den, den ich immer dabei habe. verschlüsselt ist er nicht, das ist blöd. da ist zwar nicht viel drauf, keine arbeit oder sowas. nur meine texte, das letzte manuskript, aller versionen, und das neue. die eine verworfene version. also lauter privatzeugs, dass ich dabeihaben will. für alle fälle. warum auch immer. nichts, das nicht irgendwo ander auch zur verfügung stünde.

dazu ein paar passworte, die aber niemandem etwas bringen, weil nur ich sie zuordnen kann.

ich ärgere mich, ein bisschen, als ich es merke. bleibe dann aber gelassen. die vermieter werden ihn finden und mir schicken, davon gehe ich aus.

der zug ist pünktlich los aus wien, ich konnte es kaum fassen. es ist ein deutscher zug, ganz eindeutig. drinnen fragt mich gleich als erstes ein österreicher, was denn die reservierungstexte an den sitzen zu bedeuten hätten. „ggf. freigeben“ steht an den meisten, auch an meinem. kein zustiegs- und kein zielort, nichts. ich rate herum und entschuldige mich. deutsche bahn, halt. soll doch froh sein, dass da überhaupt etwas steht. achselzucken.

der mann setzt sich einfach irgendwo hin, was soll er machen. und dreimal insgesamt muss er noch einmal wechseln, weil jemand anspruch auf den platz erhebt. anderen geht es ebenso, da stehen wir noch am gleis. das spiel geht weiter an jedem neuen halt. ob man dabei was gewinnen kann?

bis zur grenze sind wir pünktlich. jetzt, kurz vor regensburg hängen wir drei minuten. das ist nichts, oder?! das lässt sich herausfahren! ich bin zuversichtlich, immerhin funktioniert das wlan, so ein bisschen zumindest.

nicht immer, aber alles ist gut.

schreibzeit/75

ich stelle fest, dass ich ganz nebenbei erste resultate zu vermelden habe. kein stück text, aber planung. schreibzeitplanung.

erstmal drei tage in wien, auf dem weg nach klagenfurt. das war ohnehin schon gebucht, weil münchen in diesem jahr ausfällt. jetzt also schreibzeit, logisch.

im august dann doch noch einmal die kleine stadt bei berlin. zum abschied vielleicht, einmal noch im sommer. die gebuchte wohnung hat einen zauberhafte balkon mit blick auf enem walnussbaum.

im herbst dann wieder wien, eine andere gegend. favoriten. die unterkunft ist günstig, liegt am hauptbahnhof und ich bin nicht ganz sicher, ob sie zum arbeiten zu hundert prozent geeignet ist. aber es gibt einen tisch, darauf habe ich geachtet. sonst muss ich improvisieren.

über weihnachten zu hause, ausnahmsweise. muss ja auch mal wieder.

ostern 24 dann wieder wien, die große kleine stadt, wie ich sie jetzt heimlich nenne. ganz in der nähe, am westbahnhof, aber deutlich günstiger als die hiesigen etablissements. und mit badewanne, da hab ich echt schwein gehabt.

schreibzeit/74

das papier liegt zu hause, das habe ich inzwischen verwunden. in die digitalversion habe keinen blick geworfen, das wäre nicht gut. ich habe lediglich die alte version als alt abgespeichert, um platz für neues zu schaffen. in dem neuen befindet sich derzeit aber noch all das alte. (so ist das digitale, man wird es nicht so einfach los.)

himmel, das könnte auch die zustandbeschreibung meines derzeitigen lebensalltags sein!

die aktuelle schreibarbeit geschieht unabhängig von digitalen versionen oder papier. unauffällig auch, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. ich suche nach der haltung, die in den schulbüchern früher erzählperspektive hieß. oder so ähnlich. später, im studium, wurde das weiter ausgearbeitete, aber das schaue ich nun nicht extra nach. ich habe mir das nicht gemerkt, denn natürlich ist das alles unsinn.

wenn der text noch gar nicht geschrieben ist.

dann geht es darum eine haltung zu finden, nicht ein gefühl. auch keine moral, das am allerwenigsten. die haltung bedingt die sicht, zusammen mit der position. daraus allein wächst der text, denn haltung und position bestimmen, ganz grundsätzlich, was gesehen und gesagt werden kann. es bildet sich quasi ein erzählradius, innerhalb dessen allein ich arbeiten kann. und dieser radius muss sich in mir ausbreiten, nicht im material. bei mir zumindest, da ist das so.

keine angst, das ist keine akademische wahrheit, das erfinde ich gerade. um es mir selbst zu verdeutlichen.

ich sitze also nicht am schreibtisch, ich laufe durch die stadt. ich höre musik. ich denke nicht an das material, das es ja durchaus gibt, gespeichert sogar. (deshalb sehe ich es gar nicht erst an.) ich versuche gar nicht zu denken, auch nicht zu fühlen, zu verstehen. oder zu erfinden gar. ich versuche, offen zu sein, doch ich weiß nicht, wofür.

ich halte nichts, obwohl ich es finden muss.

ich versuche es mit knapper kargheit. (also armut?) dann neutralität und weite. ich mühe mich mit mitleid und abwägung. lande schließlich bei zartheit und farblosem licht, aber warm. ich suche, die fetzen zu fischen, die dabei entstehen. sie zu sehen und zu halten. ob sie tragen.

noch ist damit nicht genug.

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