am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

endlich

für hoffnung bin ich zu alt. was bleibt, ist das wollen und das wünschen. das wissen um leben und leichtigkeit, das ich immer schon. das lachen auch.

es ist zeit.

natural tongue

vor gut einer woche unvermittelt viel englisch gesprochen, sicher drei stunden am stück. alltagsenglisch, geplänkel und plauderei. menschenzeug. und jetzt schwingt es wieder in mir, die zunge hat sich ebenso gelöst, wie auch die grundlegende grammatik dazu. und es geht noch, es geht gut. was für eine freude.

noch größer die freude über das wiederfinden, über dreißig jahre später. das wiedererkennen auch und das verstehen, ohne große umschweife, quasi auf den ersten blick.

das habe ich nicht verdient, aber: egal, es ist gut, so gut.

sonntag

gestern abend hat sich der blutdruck einigermaßen erholt, aus den absoluten niederungen zumindest ist er wieder auferstanden, hat sich in den normalbereich begeben. wie es sich gehört, mal sehen, wie lange das hält.

es ist sonntag, ich arbeite nicht. ich höre musik, ich schaue kluge beiträge über haut und berühung in der arte mediathek. das ist schmerzhaft, aber nicht neu, alles nicht. dann lese ich etwas im guardian, nichts über corona, nur das nicht. etwas über die musik, die ich gehört habe.

ich putze das klo, immerhin, die pflanzen gieße ich nicht. seit tagen schon, immer vergesse ich das, sobald der frühling, das licht. das ist dumm. aber ich stelle die infos zusammen, die es zur überarbeitung meiner webseiten braucht. endlich, denn das steht an, das kann nicht mehr ewig warten.

ich esse, ich trinke, keinen alkohol, noch nicht. später vielleicht, erstmal tatort. oder auch nicht, vielleicht schreiben. vielleicht bloggen. keine ahnung.

morgen ist feiertag, das ist gut.

spagat

die idee, den unter der dauerbelastung zunehmend rasenden blutdruck mittels mittelchen zu mindern, erweist sich seit ein paar tagen als überaus durchschlagend. alles im zweistelligen bereich, dazu schwindel, atemnot, vor allem unter der maske, und gelegentlich schlägt mich mein herz recht heftig. keine ahnung, ob das jetzt gesünder ist als rund 150/90 spät in der nacht noch.

am ende ist es rein psychisch, das behaupten ja ohnehin alle derzeit. ich bin also einfach nur kurz vor durch alles durch und irgendwie am ende. kann durchaus sein.

derweil wird in einer anderen welt mein manuskript gelesen, tatsächlich, darüber verhandelt und entschieden. vier absagen gibt es bislang, dumme und exquisite absagen, soweit ich das verstanden habe. an einer stelle wird konkret überlegt, geschoben und plaziert womöglich. dabei ist die rede von großer begeisterung, auch eine mögliche breite leserschaft wurde offensichtich erwähnt. kaum zu fassen im grunde.

mehr weiß ich noch nicht. mehr will ich auch nicht wissen, aber das wird. und ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. das alles ist eine art emotionaler spagat. hochleistungssport der psyche.

sich regen

auf sonne folgt dunkelheit, und ich tanze ein bisschen durch die nacht. so schnell kanns gehen.

reine freude, traurigkeit

so warm war es heute, dass ich mich völlig vertan habe beim anlegen der motorradklamotten. ein pullover zuviel, den winterschal mit brustlatz und die dicke überhose. immerhin nur die mittleren handschuhe, weil ich ja die griffheizung habe. so bin ich los. erst den luftdruck prüfen, dann die sonnenblende runter und eine erste kleine runde fahren.

da war es dann doch schnell ziemlich muckelig unter all der kluft. aber schön war es auch, ja. ein bisschen wie es immer ist, die erste fahrt im neuen jahr. das staunen darüber, dass es wieder läuft. die freude über die leichtigkeit, die kraft. heute gepaart mit einer traurigen leere, in die ich gleich am morgen geschlüpft bin. mit der ich also auch gefahren bin und alles andere getan habe. oder nicht getan, nicht gedacht, nicht gelebt.

diese tiefe traurigkeit, in die ich getaucht bin. irgendwann, ich weiß nicht, wann. lange vor meiner zeit.

seasonal greetings

es ist so großartig, dieses motorrad. über drei monate hat es draußen gestanden, still auf der stelle. vor einer woche noch war es sauber eingeschneit. vorbereitet hatte ich, wie so oft, nicht viel. manchmal tue ich das, aber meistens merke ich nicht rechtzeitig, wann die pause kommt. ich denke, dass ich sicher bald wieder fahren will und werde oder muss. also lasse ich die batterie einfach drin, und genau da bleibt sie dann. egal, was kommt. das ding ist ja kein spielzeug für mich, es ist mein fahrzeug. ich decke es meistens auch nicht ab, obwohl ich eine passende plane durchaus besitze. einfach weil es dazu zu nass ist und nie richtig trocknet. das soll man nicht, ein nasses motorrad einpacken.

aber es ist großartig, dieses motorrad. heute gegen mittag, als ich spontan davorstand, die zündung eingeschaltet und auf den knopf gedrückt habe. da lief die kiste innerhalb von vielleicht zehn sekunden. ein wenig hat sie aus dem rechten auspuff geraucht, das ist nicht fremd. aber nach einer weile tuckerte sie sanft und regelmäßig vor sich hin, als hätte ich sie gestern erst ausgeschaltet. dabei ist sie schon 35 in diesem jahr, ein echt altes mädchen. aber alles läuft. das licht geht, vorne, hinten, blinker und bremslicht, nachdem ich das zündschloss ein wenig mit graphitpulver behandelt hatte. bremse und kupplungshebel sind leichtgängig, wie immer. das wundert mich am meisten. an gasgriff und schalthebel zweifle ich nicht, auch wenn ich die wenig testen konnte. luft werde ich morgen prüfen und nachladen, falls nötig. wenn ich mich dann draufsetze und losfahre.

wer hätte das gedacht vor einer woche? es ist früh in diesem jahr, so früh wie selten. in berlin war es oft spät, viel später als früher in wuppertal. da saß ich oft zu karneval schon im sattel. aber hier, anfangs ging es oft weit ins jahr hinein. und irgendwie hatte ich mich daran gewöhnt.

2021 jetzt also schon im februar. die erste fahrt im jahr ist jedesmal voller zweifel. zweifel an mir, nicht an der maschine. doch das dauert nicht, dann kommt die freude. immer.

nichts ist

es geht auf und ab mit mir, aber ich kann und will hier dazu nicht schreiben. ja, auch das gibt es, recht oft sogar. es geht nicht um das buch, da ist alles in ordnung. ich höre nicht viel, ich lasse es laufen. es geht um verkauf, um himmels willen. da lass ich die finger von.

es geht um schmerz und um angst, um den verdammten mangel an welt. ich kann mich auf fast nichts mehr konzentrieren in dieser leere. und ich weiß nicht: ist es die erschöpfung, die ja nun depression heißen soll, oder doch die nicht enden wollende situation? oder alles, einfach alles. und das, was sowieso immer ist, noch dazu. normales menschsein mit kontrollverlust und bodenlosigkeit, das ewige fallen. bis es ein schweben wird, vielleicht. nichts ist sicher. nie.

so ist mir derzeit, als lebte ich in einem vakuum. als stünde ich auf einem schmalen grat, regungslos, in beständiger hoffnung, dass die balance halten möge. wohin fällt man, wenn gar nichts mehr ist?

und wie lange, wenn es keinen boden gibt?

schreibzeit (62)

wie es ist, ein manuskript zu beenden. nicht ein buch, das ist noch etwas ganz anderes. obwohl ich darüber vielleicht nicht genug weiß, das habe ich bis jetzt ja erst einmal getan. manuskripte habe ich aber schon einige beendet oder aber verenden lassen, versanden, verrecken.

wie auch immer, immer ist es am ende in lyrik gemündet. für mich, in kleinen kryptischen fetzen, die für nichts gut sind. zeichen der inneren zerstörtheit nach dem großen text. das ist gut, das hilft, gerade weil es überhaupt keinen wert hat. wie in einem delirium. wenn sich die manuskiptgifte noch im körper tummeln, also längst nicht gänzlich abgebaut sind. im gegenteil. noch ist es fast wie ein rausch, aber es nervt schon. das eigene, das häßlich, das sich bereits meldet. die übelkeit ist schon in sicht, die notwendige entgiftung. aber noch schwingt die musik und die räume atmen. darin die lyrik.

bislang ist dieser zustand nicht eingetreten. keine lächerlich kleine, spontan dahingeworfene lyrik. unwert, unfertig und sweet. ich weiß nicht, warum. vielleicht wegen corona und der welt überhaupt, der grundlegenden verlassenheit. denn das gehört auch zum beenden eines manuskripts.

dass die viel zu lang vernachlässtigen menschen wieder ihren platz einnehmen im alltäglichen leben, in meinem auch. die wenigen die ich kenne. doch das ist bis heute nicht geschehen, obwohl das manuskript, erste fassung, im april und dann die zweite fassung dann im oktober bereits (glaube ich, hab gerade keine lust nachzusehen) beendet war.

die menschen sind verschwunden, als hätte ich sie weggeschrieben. natürlich ist das nicht so, es ist die globale gesundheitskrise. und das ist gemein, aber es gehört nicht zu meinem schreiben. es ist ein elender zufall! und es ist unerträglich.

denn die lyrik kommt nach den menschen. zum glück. nur eben jetzt nicht, vielleicht.

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