am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

#insight

es wird immer enger, das ist deutlich zu sehen. fast alle stehen nicht unerheblich unter spannung, auf die eine oder andere art. das alles wächst auf überforderung und verzweiflung, ich weiß. aber es ist mitunter schwer zu ertragen.

die meisten besserwissern herum, bemühen sich, ihr persönliches erleben in ein umfassendes wir zu gießen. das ist respektlos. andere suchen nach der schuld und den schuldigen, legen oben auf die besserwisserei noch eine schicht wut, verachtung und unflätigkeit. das ist unverschämt und arrogant, dass ich mich kaum halten kann. doch ich sage nichts, ich weiß ja. das ist auch nut not.

sicher gibt es noch unzählige viele andere strategien, die im grunde alle ihre berechtigung haben. weil sie helfen, vermutlich. aber diese beiden nerven am schlimmsten. mich zumindest. die verursacher sortiere ich weitgehend weg aus meinem engeren netzumfeld. zum glück gibt es solche kaum in meinem lebensnahen umfeld.

überhaupt ist es viel leichter, direkt zu kommunizieren. das eigene mag sich verlieren, dafür wird alles lebendig. wenn begegnung möglich ist. zum glück gibt es keine leugner in meinem umfeld, weder im netz noch sonst. das wär grad echt mir zuviel.

was alle gemein haben ist, dass sie jetzt rechnen und zählen. seit die impfpläne bekannt sind. alle reden nur noch in wochen oder monaten, die sich noch zu warten haben. bis alles wieder normal ist. ha!

wenn eines zerstört worden ist in diesem jahr, dann sind es wohl die illusionen. die träume und vorstellungen von der welt. an dem punkt höre ich nur gelächter, das ist alles. und das wird sich nicht rückbilden. dagegen hilft keine impfung, nur blindheit.

ps ich rechne auch, ja. vermutlich bin ich etwas früher an die reihe als die sogenannten normalen. vielleicht im mai, aber auch das dauert noch. wenn da draußen nicht langsam alles ein wenig zur ruhe kommt, dann sitze auch ich noch monate hier. allein, bei allem, was ich tue. oft tagelang. mein ganzes leben ist leergefegt, seit mitte märz 2020. angst macht mir aber vor allem die vorstellung, dass vielleicht in drei monaten oder so überall wieder die post abgehen könnte. weil dann die alten nicht mehr sterben und die jungen den mist ja locker wegstecken. wenn in dem moment alles in taumel verfällt, dann könnte es für mich zum ersten mal richtig eng werden. weil es draußen womöglich doch zu gefährlich, drinnen aber absolut nicht mehr auszuhalten sein könnte. nach über einem jahr.

was dann?

schade

früh aufgewacht, noch vor neun. dann wieder weggedöst, weil ich die augen kaum offenhalten konnte. bis nach elf weitergeschlafen, dabei fast ein bisschen geträumt. aber nicht wirklich, schade eigentlich.

so ungefähr war dann der tag, traumlos und ziemlich schnell vorbei. ein bisschen gebohrt und geschraubt, das mit dem leder auch. war ganz einfach. ist gut geworden.

und schreiben natürlich, das heißt: überarbeiten. das ist nicht einfach. gerade. wird aber auch gut.

keine weihnacht

weihnachten ist mir nicht, so noch viel weniger als sonst. wenn alle gleichermaßen verwirrt sind und nicht mehr den ebenso strengen wie andererseits auch beruhigenden regeln der alljährlichen familiären vertiefung folgen können, dann bin auch ich aufgeschmissen. nicht einmal zum kontraproduktiven akt des bügelns bin ich bislang gekommen. das mag lächerlich klingen, doch es hat sich über die jahre als ausgesprochen hilfreich erwiesen. ausreichen bügelwäsche ist allerdings vorhanden, das lässt hoffen.

ich schaffe das.

auch zu arbeiten habe ich, zu schreiben. die dritte fassung des romans, aber davon ein andermal. wenn ich damit fertig bin, fängt mein hirn an, sich mit dem bauen zu beschäftigen. also mitten in der nacht, dann kommen die ideen für die wohnung. natürlich allesamt nicht umsetzbar, um die zeit. auch wegen der feiertage natürlich. also notiere ich alles, lege das material zurecht und erledige am morgen in paar kleinigkeiten, die keinen oder wenig lärm machen. die magnetschnapper auswechseln, zum beipiel, die für die leichten, von mir nur aufgesetzten regaltüren zu stark sind. endlich habe ich schwächere besorgt. so ist das, wenn man ein klein wenig mehr geld hat. dann muss man nicht nehmen, was da ist. dann werden auch die feinheiten schön.

außerdem habe ich alle griffe und knäufe im flur durch leder ersetzt. eigentlich war das für das wohnbüro gedacht, aber da habe ich mich anders entschieden. das leder war allerdings schon gekauft. man kann also die dinge, die schon da sind, durchaus auch einsetzen. wenn es sich so ergibt. das ist auch gut.

ganz automatisch kommen mit dieser art arbeit dann auch neue ideen. für morgen stehen also ein paar neue magnetschnapper und etwas mit leder auf dem plan. lederbänder für den dünnen stamm, der in die metallgarderobe integriert ist. bislang ist er mit schnüren befestigt. aber leder passt nun natürlich besser.

die schnüre hatte ich noch da, schon seit jahren. ein fehlkauf, seinerzeit. jetzt kommen sie zu ihren recht.

welten und die welt

das war ein durchaus besserer tag heute, einer mit weit weniger schmerz und ganz ohne schmerzmittel. ich beiße mich durch die zeit, spüre an jedem ende meines wesens die erschöpfung. da ist sie wieder, und ich weiß ja: weit war sie nie.

das tägliche virus-update ist nicht gerade hilfreich. england ist abgeriegelt, isoliert durch eine art vorgezogenem brexit. ein corona-brexit. tausende von lkw stauen sich vor den grenzen, auf der insel und auf dem festland gleichermaßen. was für eine üble ironie. wir sind eins, gehören alle zusammen. doch es gibt wieder grenzen, überall.

ich habe große sehnscht nach menschen. nicht nach bestimmten, das lässt sich regeln, irgendwie. oder auch nicht, doch wen kümmert das. dass leben aueinandergerissen werden, davon spricht kaum noch wer. egal. ich habe sehnsucht einfach nur danach, dass es menschen gibt, deren existenz ich wahrnehmen könnte. für eine weile, ganz dezent, in einem café vielleicht oder meinetwegen in der u-bahn. so weit ist es mit mir gekommen, so tief unten krieche ich in der hierarchie der wesenheiten.

für mich gibt es nur noch den supermarkt, und das ist nicht angenehem. da war ich heute morgen als erstes, und es war eigenartig. zu voll und viel zu hektisch auch. nicht gut, um menschen wahrzunehmen.

schreiben hilft, ja. aber auch schreiben strengt an. ich komme kaum mehr über meine grenzen. vielleicht reicht es trotzdem. vielleicht ist aber auch hier das limit erreicht. schlimm ist das nicht, es geht sicher ohne noch mehr. vermutlich. denn es ist schon viel, mehr als ich jemals gedacht hätte. doch es wäre auch schön, könnte ich noch die eine oder andere grenze sprengen. sprachlich und auch sonst.

vor allem aber schreckt mich die permanenten präsenz von nähe und begegnung in dem text. es ist eine andere welt, im grunde nicht mehr existent. ich liebe es, darin zu versinken. und es tötet mich.

schreibzeit (57)

lange her, der text hat gelegen, ist gegangen vielleicht. in sich oder auf, wie ein teig. ich weiß es nicht, ich habe nicht hingesehen. ich habe ihn gelassen, war mit mir selbst beschäftigt. ich habe dem text vertraut, meinem text. dem kann nicht wirklich etwas passieren, nicht mehr.

jetzt aber nähere ich mich wieder, ab morgen. es ist zeit weiterzuschreiben. so war es verabredet, seit anfang november in etwa. mitte januar soll dann die dritte fassung fertig sein. das wird immer noch keine endfassung sein, natürlich nicht. aber es soll die werden, die dann anschließend an die verlage geht. noch diesen winter, wenn ich das richtig verstanden habe. es ist also wichtig.

daran mag ich aber gerade nicht denken, das liegt außerhalb meiner reichweite. auch außerhalb des textes, noch. das alles kommt ganz bald, aber doch erst später. erstmal müssen wir noch einmal eng zusammenfinden, der text und ich. nur wir beide.

es ist schreibzeit.

mein reichtum

ich gehöre ja zu den menschen, die nachts besser sie selbst sind als am tag. was mich auf ewig ein wenig seltsam macht in dieser welt, die derart auf klare kanten im tageslicht ausgerichtet ist. auf lineares wachstum anstelle elliptischen wandelns. oder dümplen vielleicht, wie ein loses boot auf dunklem wasser. abgründige sanftheit von unten, wie ein sog. beängstigend, dieses nichtwissen.

das macht anders reich, will ich sagen. denen, die die tageszeiten zählen.

heute mal whisky, keinen gin. scheint dann doch winter geworden zu sein in mir. winter ist eigentlich gut. besser als herbst auf jeden fall. und der whisky tat auch besser als all der gin in letzter zeit. aber eigentlich ist natürlich gar nichts gut, das ganze jahr schon nicht. da hilft weder whisky noch gin. da hilft nichts.

neuerdings drehe ich die heizung auf, bevor ich ins bett gehe. ich sitze dann im bett und schreibe in dieses blog. seit ich diesen kleinen, alten mac habe, ist das so. eigentlich habe ich den nur, weil er mich erinnert. das geräusch, das die tastatur macht. auch wenn ich das jetzt machen muss. egal. die dinge ändern mich.

morgen geht es los, da beginnen die rauhnächte. es ist zeit, aber heute war ich noch ich, ganz bei mir. es läuft, irgendwie. dabei ist es schrecklich, eigentlich. beängstigend.

eine kleine motorradrunde habe ich gedreht. weil da auf einmal ein zeitweises parkverbot war, hatte ich die kiste ein paar meter weiter abgestellt. und da war sie der müllabfuhr im weg, hab ich letzte woche vom küchenfenster aus gesehen. und heute war es so schön, nicht wirklich kalt und sehr sonnig, da musste ich einfach. fahren und tanken auch, luft in die reifen, wie immer nach einer weile. die batterie laden. und dann wieder an der richtigen stelle parken.

als gäbe es eine richtige stelle. als wäre da ein boden, auf dem etwas stehen könnte. das ist doch alles nicht. auch ich tue nur so, wie alle. leben auf einer dünnen schicht.

morgen oder spätestens montag geht es wieder ins buch. schreiben. ich weiß es schon, ich will es. auch wenn das auch nur so etwas ist, von grund auf grundlos. ich tue es doch.

gegenüber wird ein baum aufgebaut. die lichter schaukeln, es ist weihnachten. glücklich bin ich vor allem, wenn ich mir das neue rad anschaue, das hoffentlich bis zum frühjahr fertiggebaut sein und hier eintreffen wird. bis dahin habe ich bilder davon ausgedruckt. ich hole nach, wie es ist, wenn man beschenkt wird. das habe ich als kind irgendwie verpasst.

es ist gut, alles gut.

#insight

mal ist es besser, mal schlimmer. insgesamt sieht es schlecht aus, zumindest fühlt es sich so an. langsam werde ich auf kleiner flamme eingekocht. reduziert auf das minimum, immer noch ein bisschen weniger, am ende bleibt sicher nicht viel. für mich allein wäre das wohl okay, auf dem rein existenziellen level komme ich zurecht. das habe ich als kind gelernt, zwangsläufig, auch da gab es nur nur wenig von mir, das es zu behaupten galt. im grunde war alles ein versehen. ich war allein, weil ich es nicht anders wusste. andere menschen waren illusion, nur eine erfindung von mir. so dachte ich, damals.

heute ist das anders, ich weiß es besser. ich weiß aber nicht, ob ich so leben kann, wie menschen eben leben. und doch. noch vor einem jahr wäre ich nicht auf diesen gedanken gekommen. jetzt aber spüre ich, deutlich, was ich bin. und was ich eben nicht bin, nicht sein kann und nicht sein will. da ist ein riss, eine kluft. nicht neu und auch nicht unüberwindbar weit. aber tief, so gähnend hohl, dass all meine ahnung hineingezogen wird.

und etwas in mir ist gebrochen, vor einer woche oder so. die verbindung zu all der anstrengung, die jahre und jahrzehnte, in denen ich mich so bemüht habe. das war weitgehend sinnlos. auf einmal steht da etwas klar im raum, wie so vieles auf einmal sichtbar ist. es ist eine gnadenlosen zeit, die alles belanglose verwirft. also spiele ich nicht mehr, ich schärfe meine enden.

das werden viele nicht mögen, auch mir selbst gefällt es nicht wirklich. die vorstellung, durchs feuer zu gehen und geschmiedet zu werden. dann gehärtet, wie stahl. so war es in der nacht danach, als die verbindung gekappt war. schlaflos und wild, als würde die struktur meiner substanz erneuert. wie soll das gehen?

dass mir die offenheit bleibt, das zarte und weite. die sanftheit, mit der ich mich durch die worte bewege.

aus brennen

seltsamer rheumakörper, meiner. genau zwei tage dreht er ein bisschen auf, mehr als sonst, dass es mich wirklich wundert, fast sogar ängstigt. er zeigt mir, was er kann. was er könnte, ohne rücksicht. die schulter, dachte ich noch gestern, das dauert sicher eine woche, wenn nicht länger.

heute schon ist das vergessen, die schmerzen fast völlig verschwunden. selbst die ringe wollen mir wieder von den fingern fallen, besonders am abend.

so soll das. genau so!

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