am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (47)


so langsam sollte ich wieder zurückfinden in den text, das nächste kapitel anfangen. das heißt, nein, angefangen habe ich schon. vor einiger zeit bereits, und heute sind ein paar noch recht dumme sätze hinzugekommen. ansätze, mehr nicht.

es fällt mir schwer, dieses kapitel. da ist ein bruch, der den text nicht weiter stört, im gegenteil. er ist höchst nötig. trotzdem kriege ich ihn nicht so recht in den griff, diesen bruch oder übergang. was auch immer. es ist wie ein großer schritt über etwas hinweg, das nur spürbar werden soll, nicht aber sichtbar. noch nicht.

der abgrund ist tief, ich darf nicht hinsehen. das alles kommt später, viel später. es ist also da, aber es wird nicht wort. (wie so vieles. ) darüber hinweg, auf der anderen seite wartet etwas, das eine art liebeserklärung sein sollte. so hoffe ich zumindest.

das fällt mir schwer. nicht, weil es um eine liebeserklärung geht. vielmehr, weil diese sich an eine person wendet, die ich noch gar nicht so gut kenne. und die ich vielleicht auch nicht mehr gut genug kennenlernen werde. das liegt in der geschichte, als autorin weiß ich das natürlich.

doch sprechen muss ich mit meiner hauptfigur.

wenn ich das allerdings genauer betrachte wird es klarer. auch die weiß natürlich, obwohl sie von davor erzählt. und sie ist es, die liebt.

nicht ich.

lässig

die müdigkeit, die ich mit mir herumschleppe, lässt mich nachlässig werden. ich erledige nicht mehr alles auf den punkt, nicht einmal so gerade eben. ich werde durchlässig, ich vergesse mich.

auf dem weg zur s-bahn fangen die menschen neben mir an zu laufen. fast alle, fast alle gleich, weil die ringbahn in die andere richtung gerade einfährt. ich renne nicht, es ist nicht meine richtung. nur der weg, das ist derselbe. der weg, auf dem wir uns befinden, scheint eine art brücke zu sein. das ist mir noch nie aufgefallen. doch es muss so sein, denn sie fängt im gleichförmigen laufschritt an zu schwingen.

nimmt mir den boden für einen augenblick, dass mir angst wird oder wirr. vielleicht auch nur leicht.

oder ist das nur in mir und nirgens sonst? torkelt mein kopf auf einem instabilen hals? schwankt meine existenz?

überhaupt frage ich mich, was ich noch bin. oder was ich sein kann, ab jetzt und immer wieder. ich sehe sie beide, die extreme mir. das gespreizte potenzial.

zum einen das lasttier, das der familie alles trägt und erträgt, ungefragt, wie ein stück nutzvieh. ungeschlachtet, solange es seinen zweck erfüllt, und nur deshalb noch lebendig. ungesehen auch, zum glück. tief in sich selbst verborgen, unsichtbar und sicher.

zum anderen die seltsame seele, die aus der ferne um die worten streicht, als wären sie ein instrument. ein einziges, ein klangkörper, in dem es atmet. eine zartheit, die weit reicht und ganz nah kommt. oder auch nicht. diese durchlässigkeit, die den wind liest, die augen geschlossen, und die schwingungen der brücken lebt, als wäre es musik. wie die muster im material, wie es tanzt.

alles tanzt. alles lebt.

es ist die müdigkeit, die mir das alles wieder sichtbar macht. selbst unter der last eines körpers, das lästige tier. so bin ich geboren, ich weiß es genau. ich erinnere mich.

pain fool

medikamente wirken und benehmen sich zeitgleich daneben. so ist das, aber ich kenne es wenig, weil ich die nur selten im leben welche nehmen musste.

die aktuelle zusammenstellung hat es in sich. die nächtlichen schmerzen halten sich in grenzen, und also kann ich wieder schlafen. endlich. tagsüber vergesse ich die schmerzen, nur ein leichter druck bleibt und ein plötzliches stechen bei einer allzu gewagten armbewegung. dennoch bewege ich mich zunehmend normal.

der schwindel jedoch, gleich nach dem aufstehen, der dann auch nicht mehr verschwinden wollte. nicht eine, nicht zwei, auch nicht drei stunden später. das ist nicht nur unangenehem, das hat mich an der ausübung meiner bürotätigkeit gehindert. heute zumindest. mal sehen, wie es morgen aussieht.

(nach einer kurzen recherche habe ich die antidepressiva in verdacht. werde also zügig die als erstes wieder zurückfahren. besser ist besser. allzulang will ich dieses spiel ohnehin nicht treiben.)

und dann wäre es natürlich auch gut, mal wieder vom körper in den geist überzugehen. in den text also, das buch. in den roman, für dessen verwirklichung ich heute schnell noch unterschrieben habe.

erste vierte zweitausendneunzehn. yeah!

zustände

am freitag bei der überaus klaren und netten neurologin gewesen, um mir endlich den ct-befund meiner halswirbelsäule näher erläutern zu lassen. das pro und contra einer operation auch, was aber nicht wirklich zur debatte steht, meinerseits. und ihrerseits einstweilen ebenfalls nicht, glücklicherweise.

auch die frage, ob durch die massive physio irgenetwas massiv kaputt gegangen sein könnte, untersucht und verneint sie. zumindest was die nerven angeht scheint alles in ordnung. das angebot eines schulter-cts lehne ich ab, ich will einfach mal eine weile keinen ärzte mehr sehen. auch da stimmt sie zu.

das abschließende angebot, einen hübschen schlafcocktail verschrieben zu bekommen, lehne ich nicht ab. nun verfüge ich also über einen medikamentenmix aus schmerz- und beruhigungsmittel zu muskelentspannung, dazu noch anitidepressiva in niedrigstdosierung zur schmerzervermeidung. das kenne ich schon aus der migränetherapie, wo es nicht geholfen hat. ein brennender geschmack, eine taube spur im mund, wie bei keiner anderen pille, die ich je geschluckt habe.

ich weiß nicht, ob das gut ist. vermutlich nicht, denn es verfälscht den zustand. aber ich schlafe wieder, so einigermaßen. und ich brauche das, etwas ruhe und ein wenig schlaf nach diesem schmerzmonat. eigentlich könnte ich den ganzen tag nur schlafen und im anschluss daran gleich auch die nacht.

aber das geht natürlich nicht. morgen darf ich dann früh raus und mit dem rad nach charlottenburg, weil die bvg streikt. (das motorrad verbietet sich, wegen der anhaltenden schulter- und kopfstarre. aber mal sehen, wie es morgen früh aussieht.)

hallelujah!

schlaflos

was für ein tag. noch vor dem schreibkurs durch den prenzlauer berg gehetzt, mich brav in dieses labor begeben, wie von einer ärztin vorgeschrieben. dann in den kurs, den zu beginnen im letzten jahr eine wirklich gute idee war. bringt mich wahnsinnig voran im text, immer wieder. anschießend zur gyn, wo ich fast zwei stunden im warteraum hocke. zunehmend ratlos. und noch ratloser, als ich feststelle, dass frau doktor mich in exakt in dem moment zu duzen beginnt, in dem sie meiner genitalien angesichtig wird. immerhin mal was neues. bislang gab es in diesem moment von diversen frauenärtzinnen immer nur die eine frage: was machen sie beruflich?

und all das nach einer weiteren, ziemlich miesen nacht. so gut wie schlaflos.

bei der physio gestern erfahren, dass die frau, die mich zu anfang derart miss(be)handelt hat, inzwischen gefeuert wurde. oder als freiberuflerin aus dem team entfernt, was auch immer. ich solle mir diesbezüglich keine sorgen machen, hieß es. weiter habe ich nicht gefragt.

sorgen mache ich mir aber, immer mehr sogar. drei, vier oder fünf wochen sind das jetzt schon, und vielleicht hört das nie wieder auf. (denke ich mitunter.) das ist doch keine erstverschlimmerung mehr. zumal nichts so richtig schlimm war, nur zu hart, zu eng, zu unbeweglich. aber dabei zumeist so gut wie schmerzfrei. bis ich mit dieser behandlung angefangen habe.

ich verfluche den tag, an dem ich mich in diese praxis begeben habe.

darunter

auf dem weg zur arbeit heute zum ersten mal das rechtzeitige aussteigen aus der u-bahn verpasst und lesend gleich drei stationen zu weit gefahren. buchmessenmaterial durchgeschaut, zum teil recht grottig, dünnschichtige bemühungen diverser edelfedern.

keine ahnung, warum ich das so spannend fand. vielleicht um meinen wert zu taxieren, mein level, mein niveau. wissen, wie das pendel schlägt. dass das pendel schlägt. mal dieseits, mal jenseits, neu ist das nicht.

alles ist schwung, wie im wasser die wellen, und ich bin unter.

resturlaub aus 2018, ein ganzer tag. das ist unbezahlbar, richtig und wichtig heute. in gelassenheit und ohne eingespanntsein in andere verpflichtungen organisiert sich manches wie von allein. also diese woche noch einiges an ärzte- und laborstress, dann sollte damit erst einmal ein monat ruhe sein. ein ganzer monat, nur die physio wird weiterverfolgt. in der hoffnung auf besserung, wenigstens an der stelle.

und jetzt erst einmal nichts, heute und hier. das ist auch wichtig. und richtig. das nichts.

drei nächte in leipzig, solide gestürzt durch eine stramme matraze am boden, die mir recht gut gefallen hat. vielleicht sogar wohlgetan, ich weiß nicht. kann auch sein, dass es der fehlende schreibtischeinsatz war, das viele laufen durch die hallen, die straßen, die stadt. oder das thema überhaupt, das wandeln im thema buch.

jetzt also wieder im heimischen schlafzimmer, im eigenen bett, lattenrostgestützt. weicher also, zumindest flexibler. und damit schmerzverursachend? ich bin gespannt.

überhaupt gibt es anderes in der welt, so viel anderes. welten und geschichten zu ergründen.

buchmesse leipzig 19

der entspannteste messebesuch ever, wohl weil ich nichts besonderes vorhatte. keine absicht, keine not. kein suchen oder herzeigen. keine pflicht mehr. die ohnehin nie funktioniert hat, nicht auf dieser ebene, zwischen all den menschen, die ebenso herumwuseln. oder eben nicht, aber mir kaum erreichbar , so oder so.

jetzt ist alles nur noch kür.

ich schlendere herum und finde aus zufall. es fällt mir zu, was ich nicht suche. mitunter aber das, woran ich denke. oder auch die, an die ich denke. ich finde platz, wo ich sein will, ich sitze gut, ich komme zurecht. ich muss mich nicht quälen, nicht einmal mühen.

manches findet sich auch nicht, manche menschen vor allem. ich forciere das nicht, wozu? es wird sich finden. vielleicht oder auch nicht. es ist genug. morgen fahre ich nach hause.

ich habe zu arbeiten.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner