am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (3)

der schreiburlaub ist vorbei, das schreiben natürlich nicht. im moment arbeite ich nach der einfachen devise: immer am text entlang. denn es gibt ja einen text, es gibt viel text. das ist ein glück, so kann ich gleich in die feinheiten einsteigen. die sprache selbst, da ist noch viel drin. es dauert aber auch, es braucht seine zeit. drei seiten heute, immerhin. aber da muß ich noch mal ran, das weiß ich jetzt schon. dabei ist das erste kapitel das noch am gründlichsten überarbeitete.

daran denk ich besser nicht, was da auf mich zukommen mag. stattdessen die devise: erstmal durch den text, komme was da wolle. schritt für schritt. gründlich, anders geht es nicht.

was außerdem unmittelbar wieder auf den plan kommt, ist die arbeit, die brotarbeit. gleich morgen, da hilft nix. hinzu kommt also jetzt wieder das timing, die handhabung des ständigen wechsels. dabei müssen entscheidungen getroffen werden, die winzig erscheinen, es aber nicht sind. hinter ihnen lauert das vergessen und damit das versanden, das scheitern.

was ich brauche ist also eine gelungene balance zwischen brot und kunst. anders gesagt: ein leben.

fazit (2)

schwer, aber gut. ich sollte zufrieden sein. ich sehe, was geschafft ist, und es ist viel. mehr als ausreichend auf jeden fall. wenn auch nicht alles, was ich mir vorgenommen und was zusätzlich an mir vorbeigeschwebt ist in den letzten 14 tagen. natürlich nicht. denn da ist noch mehr, viel mehr zu tun.

ich erkenne mich wieder im schreiben, das ist das wichtigste. ich erinnere mich, wie es war, als das ganz selbstverständlich im zentrum von allem stand, ohne große mühe, ohne zweifel. und ich erkenne damit, wie weit ich mich davon entfernt hatte, wie tief eingesunken ich war in die reine vorstellung von kreativität. mein leben war erledigung und erschöpfung. von schöpfen keine rede.

völlig vergessen hatte ich in der weitgehehend wortlosen zeit, daß mit dem schreiben immer auch das bauen kommt. wenn die türen der wahrnehmung und intuition sich öffnen, dann auf ganzer ebene. mein spektrum ist weit, so habe ich also nun eine liste mit wohnunginternen umbauideen. oder ansätzen zumindest, die auch noch entwickelt und umgesetzt sein wollen. das ist gut, es darf nur nicht zum schreibersatz verkommen. das wäre gewissensberuhigung und selbstbetrug, was es tatsächlich schon allzuoft war. in wuppertal bereits, wo ich zuletzt die gesamte wohnung, jedes stück wand, sämtliche decken und alles, alles, alles andere renoviert habe. statt zu schreiben.

doch ich bin handwerk, das ist klar. ich sollte mich ab sofort endlich so nennen. ich bin das ewige zwischending: nicht wirklich frau, aber auch kein mann, nicht ganz und gar prolet, aber auch nie und nimmer intellektuell. ich lebe in einer werkstatt. ich bin mein werkstoff solange ich lebe. das ist der nährboden, in dem ich die dinge pflege, die meine welt bevölkern. das ist meine arbeit.

wirklich nicht gelungen ist mir in der vergangenen woche, den aspekt der meditation zu integrieren. allerhöchstens ansatzweise, mit anstrengung und unlust. das geht so nicht. ein guter geist, mehr bekannt und vertraut als beherrscht, ist zwingender bestandteil einer jeden werkstatt.

es braucht intuition und traum. für alles.

romantisierendes in den wochenblättern (108)

was für ein trauriges und ahnungsloses, beinah elendes stück satz, das der vielschichtigkeit und härte von armut, die sich niemals nur auf geld bezieht, völlig blind gegenübertritt:

… Menschen also, deren ganzer Lebensmut darauf baut, dass sie ihren Kindern zusehen können, wie sie etwas anderes lernen, entdecken, ausprobieren können als sie selbst, …

dabei ist der rest der kolumne mit dem knappen titel „Lernen“, die grundaussage und die daraus resultierenden forderungen, mehr als nur richtig und wichtig:

Wo aber Armut sich vererbt wie Privilegien, ist das Leben der einen so wenig Ausdruck eigener Leistungen oder Verdienste wie das der anderen.

An der sozialen Durchlässigkeit einer demokratischen Gesellschaft hängt ihre ökonomische wie politische Existenz.

das ist so zu treffend und wahr, auch das elend darin. das unverstandene. das ist schade.

bonding (2)

einfach anfangen ist leicht gesagt, aber gar nicht so einfach. bis es dann getan ist. dann ist es am ende doch eher harmlos gewesen, eine handbewegung nur. und schlagartig ist alles, was zuvor möglich erschien, gar nicht mehr so einfach.

eine seite, die erste. ein bereits gut durch- und bearbeitetes stück text, wie mir schien. hat sich dann doch in seiner ganzen vielschichtigkeit aufgefaltet, die ich nicht erwartet hatte. so kommt es, daß eine seite auch mal zwei stunden aufmerksamkeit fordert und morgen sicher noch einmal durchgelesen werden möchte.

danke, gern geschehen.

bauglück

alles schön.

auch wenn ich zirka drei liter kleister angerührt habe, um ein paar briefmarkengroße tapetenflicken anzukleben. naja, ein wenig größer waren sie schon. der kleister reicht aber jetzt noch für geschätze zwei bis drei bahnen. die ich nicht habe, kein bedarf also. gut, daß tapetenkleister ebenso harmlos wie haltbar ist.

gut auch, daß ich sowieso eher abends oder nachts schreibe, dann kann ich tagsüber ohne schlechtes gewissen bauen. bauen ist in gewisser weise tief verbunden mit dem schreiben, für mich sind die prozesse nahezu identisch. ein spiel mit planung und intuition. bauen macht mich glücklich. schreiben auch.

heute also erstmal ein kleiner, spontaner lampenumbau, mit holzbohren und metallsägen. mit der neuen kleinen metallsäge, von der ich gestern noch dachte, daß ich sie doch gar nicht kaufen muß, weil ich ja eine habe, die ich auch schon so gut wie nie benutze. aber die neue ist so eine alte, wie die von meinem vater. mit diesem klassischen einklappbaren griff, da konnte ich nicht anders. dann die besagten verkleisterten tapetenflickereien, was echt nicht so nicht so ding ist und daher keinen besonderen spaß macht. zum schluß ein bißchen windows, updates für den zukünftigen schreibmaschinenrechner. klicken und warten, das ist nun wirklich langweilig.

was mich wundert: ich bin ja vorwiegend eine holzarbeiterin, warum erinnere ich mich so intensiv an eisenfeilen? bei meinem opa im schuppen.

geht nicht

also so geht es nicht. den ganzen tag nur zeug erledigt und vor mich hingerödelt. das ist kein schreiben, keine kreativität. obwohl man das auch anders sehen könnte.

gestern nacht zum beipiel, todmüde nach einem höchstaktiven tag, fiel mich beim eintritt in die wohnung, endlich, die entscheidende idee für die neue garderobe an und drei schritte weiter darauf basierend ein neues lichtkonzept fürs bett. darüber war ich heute noch so begeistert, daß ich darin herumgedacht habe, listen angefertigt und dazu gegoogelt habe. und wie das so ist, wenn erst einmal eine idee sich in bewegung gesetzt hat, dann folgt daraus ebenso schnell wie logisch neue bewegung. die dinge passen sich eigenmächtig an, man muß es nur wahrnehmen. und notieren vielleicht, um es irgendwann umzusetzen.

man muß den ideen auch raum geben, sich zu entwickeln. raum und zeit. so manches wird sich noch ändern, bevor es umgesetzt werden wird. manche entwicklung kommt sowieso erst in gang, wenn die gegebenheiten abgeklärt sind. was bei baulichen maßnahmen recht handgreiflich ist: rohre, gewinde, kabel, haken und glühlampen.

beim schreiben ist es nicht viel anders. wer schreibt, tut das auch, wenn er gerade nicht schreibt.

in bezug darauf gab es auch eine idee heute, eine pragmatische. mein erstes thinkpad, das x61, ist für den normalen bürobetrieb längst bei weiten zu alt und zu unterdimensioniert. ausgestattet mit dem aktuellesten betreibssystem laufen zwar durchaus sämtliche programme, die zu meiner gewohnten ausstattung gehören, das aber nur in einem ganz und gar arbeituntauglichen tempo. indiskutabel und auch längst nicht mehr nötig, da ja inzwischen zwei taugliche arbeitstiere zur verfügung stehen. für alle fälle.

deshalb ist der kleine jetzt downgegradet, um ab sofort als schreibmaschine zu fungieren. zwei drittel der programme sind entfernt, geblieben ist nur textverarbeitung und eine rudimentäre internetausstattung für alle fälle. so passt es, zumal die akkuleistung noch grandios ist, über vier stunden.

als nächstes muß ich mir dann wohl ein passendes café in der gegend suchen, wenn ich hier zuhause das rödeln nicht lassen kann. wenn ich sonst nicht ans schreiben komme. das sollte sich finden lassen, immerhin befinde ich mich ja im allerhipstersten bezirk berlins. und vielleicht geht das ja doch irgendwie, das schreiben im café, zumindest für die anstehenden überarbeitungen. auf papier ging es ja auch, damals in wuppertal.

das muß ich jetzt wohl einfach mal probieren. alles.

paddeltango

gestern hat die alte frau sport getrieben. erst drei stunden paddeln, inklusive an-* und vermutlich zeitgreiches abbaden. anschließend tango. das hat ihr den rest gegeben, noch vor mitternacht. und heute ist sie verkatert.

das zuhausesein bekommt ihr übrigens nicht. sie ist unmittelbar in den erledigungsmodus zurückgekehrt, in die diktatur der (inneren und äußeren) auflistungen. verdammt.

außerdem fängt sie an, über sich selbst in der dritten person zu berichten. die alte.

* stimmt ja gar nicht, ich war doch vielfach im wörthersee im juli. natürlich!

heute ist der letzte sommertag, wird allgemein behauptet. komischerweise hatte ich den eindruck, daß gestern der erste war. das ist irgendwie blöd. damit fällt vermutlich das abschlusspaddeln zusammen mit dem anbaden. ich war tatsächlich noch nicht schwimmen in diesem sommer.

zudem flüchtet sich die rechte hand, ausgerechnet, in etwas zuviel rheumagerschehen. seit gestern nacht, sodaß die träume daraus bestanden, eventuell doch nichts aufs wasser zu können, heute. mit ausreichend schmerzmitteln wird es aber gehen. hoffe ich.

locker und entpannt, offen und bereit ist irgendwie nichts in berlin.

nach dem fenster putzen noch ein bißchen was in der wohnung gebaut, ich kann halt nicht anders. dann nur noch zeugs erledigt, ich bin eben so. wenn ich zu hause bin. zur post und zu meinem motorradbeauftragten, der immer noch keinen schritt weiter ist auf der suche nach dem passenden ersatzteil für die 31 jahre alte maschine. das wäre wichtig. aber er erzählt mir schon seit wochen von seiner besten freundin, die nicht mehr lange leben wird. derzeit besucht er sie wohl abends immer im hospiz. da sag ich dann nichts mehr, da hoffe ich nur.

anschließend mit dem lieblingskollegen aus dem früheren job essen gewesen. mehr so schlemmen eigentlich, vorspeise und hauptgericht mit eis zum nachtisch. ein sanfter engel. darüber geredet haben wir nicht so viel, aber ich habe mich an das berufsdesaster damals erinnert, an das ich mich sonst kaum noch erinnere. und das ist gut so.

jetzt vorfreude aufs paddeln morgen.

mit schreiben hat das auf den esten blick nicht so viel zu tun, aber zumindest das bauen kommt dem für mich recht recht nah. ab donnerstag ist dann wieder alles frei. der weg und so. mal sehen.

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