man kann sie schreiben und schreien.
natürlich schaffe ich es irgendwie nicht in den text, obwohl es drängt. da ist hier noch ein bißchen und da noch ein bißchen. zeug, das erledigt werden will oder auch muß. langsam lichtet es sich aber, und ich verspreche mir selbst für morgen, wenigstens einen anfang zu machen. zu machen, nicht nur zu versuchen.
wir spielen ein spiel. wir sind große und keine, und das spiel fängt immer wieder von vorn an. so geht die zeit, kreisförmig. kurz vor dem auftauchen, den aufwachen vielleicht, wird das spiel löchrig. es bricht aus den fugen, löst sich fast schon auf. da kommt einer von den großen mit einer waffe. und er löscht uns mit licht. das ist ein spaß.
so schön heute, also gestern eigentlich, so warm und naß mit ein bißchen licht. ich denke an kräuter und tomaten für den balkon, männertreu und die schwarzäugige natürlich. bald ist frühling.
außerdem sind mir bratkartoffeln gelungen, vielleicht das zweite oder allerhöchstens das dritte mal im leben.
aufschrei(b)en (1)
seit gestern oder so, vielleicht war es auch in der nacht davor, wird auf twitter ziemlich herumgeschrien. #aufschrei lautet der hashtag, unter dem eine wahre flut von kürzesten geschichten gepostet (160 zeichen) wird, in denen kurz und knapp von dem ganz normalen alltägliche sexismus berichtet wird. das ist lästig, zum teil aber auch grausam und immer wieder lächerlich. wenn es nicht so traurig wäre, so wüst und unverschämt.
ich selbst hielt mich zurück, ich bin wenig betroffen. ich werde nicht immer gleich als frau identifiziert, daher habe ich auch selten angst, draußen in der welt. wo auch immer. einzig dieser typ in der schallplattenabteilung fiel mir ein, als ich etwa 12 war und noch so klein, daß ich eine weile gebraucht habe, um zu verstehen, was der eigentlich an meinem arsch wollte.
so dachte ich.
bis mir dann bei der twitterlektüre immer mehr wieder einfiel. sachen, die ich längst vergessen hatte. der typ in köln, der mir mit weit offener hose nachlief. der malermeister in der lehre, der mir tapezieren beibringen sollte. statt dessen erklärte er mir, wie weiche hände kleister macht und daß sich da mein freund freuen würde. die schreiner, die zwischen kreissäge und hobelbank mit mir schweinchen spielen wollten, indem sie meinen letzten tampon zwischen sich hin- und herwarfen. nein, ich hab nicht mitgespielt. war mir zu blöd, ich hab einfach neue besorgt.
heute ernte ich vor allem verachtung. ich bin fast fünfzig und mit dem motorrad noch dazu mehr so das mannweib schlechthin. was natürlich unsinn ist. aber dennoch gehöre ich inzwischen offensichtlich in die kategorie, die kein mann mehr mit der kneifzange anfassen würde. so sieht das im alter aus, da ist frau die anmache einfach nicht mehr wert. aber auch das ist mir zu blöd.
gestern habe ich dann in einem kommentar bei karnele etwas über karneval geschrieben. und ich wußte nicht so genau warum, nur daß das ja jetzt ansteht in ein paar tagen.
eben, auf dem weg vom tango nach hause, fiel es mir dann wieder ein: viele jahre ist es her, ich war 16 oder 17, da kam ich am rosenmontag von der arbeit nach hause, mitten durch den karnevalszug in der innenstadt von essen. das ist nicht so doll, nicht wie in köln oder so. nur ein bißchen gedröhne und getorkel, aber viel platz drumherum.trotzdem stürzte auf einmal ein betrunkener kerl auf mich zu, gröhlte etwas von: ist doch karneval. im nächsten moment habe ich seine zunge irgendwo tief hinten in meinem rachen. so kam es mir vor. keine sekunde später flog der kerl gegen die nächste wand, besoffene sind leicht zu killen. der ekel blieb dennoch, stunden, tage, soweit ich mich erinnere. abrufen konnte ich ihn noch jahrelang.
so war das. und wenn ich es genau überlege, war das wohl mein erster „kuß“. leider.
[ach so: 160 zeichen reichen nicht. bei weitem nicht.]
gehend tanzen
drei stunden tango lernen bedeutet vor allem jede menge vorwärts und rückwärts gehen, je nach rolle, ab und zu ein bißchen wiegen, wenn es zu eng wird, und natürlich rückenschmerzen kriegen von den blöden schuhen. das alles zu zweit, außer den rückenschmerzen vermutlich. die sind nur für mich. das alles ist eigentlich so überhaupt nicht mein ding: auf wildfremde leute zugehen, sie gleich danach anfassen, beinah umarmen, auch noch selbst angefaßt werden und so einfach nur schweigend im rund gehen.
aber es geht. ist eine art kommunikation, glaube ich.
nach einer verrückten woche tritt langsam wieder ein wenig ruhe ein. was unverletzt ist, was nachwachsen kann und was auf dauer zerstört bleiben wird, das wird sich zeigen. wenn ich es nicht verpassen werde oder einfach vergessen im strudel der veränderungen. überhaupt: das vergessen nimmt einen immer höheren stellenwert ein mit den jahren. alle enden bleiben offen, wie könnte es anders sein.
derweil hat der körper abermals beschlossen, nicht mehr sonderlich viel zu sich nehmen zu wollen. kein reinfressen mehr, kein stopfen der hohlen stellen innen. wieder schlackern die hosen, diesmal eine der beiden neueren. (die eigentlich auf den zu erwartenden wiederzuwachs hin gekauft war, im herbst erst.) ballast abwerfen und leicht sein. ich sein. lerr sein und licht. wund und verwundert.
ich bin einverstanden, bis auf weiteres.
