am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

mit geschlossenen augen sehe ich noch immer das raster, blaßblaue punkte auf schwerem grau, fast schwarz. da muß doch noch etwas sein, hinter den mustern. die zeit kennt keinen geist. (aufstehen, aufrecht gehen, denken denken nennen.)

kurz vor fünf ein rangierender wagen direkt unter meinem fenster, der den container, der dort steht, abzuholen versucht, es aber auch nach mehrmaligen versuchen nicht schafft, weil der container von beiden seiten zugeparkt ist. der hat mich geweckt. danach einfach nicht mehr einschlafen können, also hin und her mit mir, noch im bett, und ein paar seiten, mehr als zwei, notizen gesammelt, in der halbschlafwirrnis produziertes, irres zeug. dankbar bin ich für diese disziplin, denn ich hätte jedes wort vergessen, jede abfolge und allen zusammenhang, in den zwei stunden schlaf, die danach doch noch möglich waren.

der text läppert sich, wächst möglicherweise zu einem apokalyptischen großstadtkrimi heran, könnte dabei aber auch irgendwie weich bleiben. muß halt noch ausgeschrieben werden, diese sammlung aus fragmenten, die da zur zeit auf etwa sieben seiten steht. so zart wie hart und absurd natürlich. weiter weiß ich doch selber noch nicht.

ich träume von meiner ersten wohnung in berlin, immer wieder. ich laufe durch die straßen, suche sie, kann sie aber nicht finden. obwohl ich weiß, daß ich niemals weit weg bin, immer ganz in der nähe. wie blind bin ich, wie fehl. dabei weiß ich, sogar im traum, daß ich von dieser wohnung nur geträumt habe, damals, vor zwanzig oder dreißig jahren. und suche sie dennoch. heute. hier. in meinem träumen.

wieder die kirchenglocken von weit, wie jeden sonntag zur meditation. und die kleine meise, die war auch wieder da. tatsächlich.

mit dem motorrad durch essen fahren, ganz nah am bürgersteig vorsichtshalber, weil mir die tränen übers gesicht laufen. ich will nach hause, sage ich mir. immer wieder, ich will nach hause. wissend, daß es das nicht geben wird. niemals gegeben hat.

auf dem balkon einer freundin, die mir von ihrer liebe erzählt und mich dabei am ohr kitzelt. dann fragt sie unvermittelt, ob ich nicht weinen möchte, sie sei doch nun da und würde auch überall hinkommen. zu mir.

wissend, daß das nicht geschehen wird.

zur flucht nehme ich den hinterausgang, wie immer. die hölzerne kellertür, die direkt in den schacht führt und niemals verschlossen ist. der feuchte, dunkle grund, der meine heimat ist. und bleibt.

beim aufwachen geht der blick in die sonnengelben lindenblätter vor dem fenster. immerhin.

gnade

ach, dieser sommer, so verliebt war ich, so wach und roh. so irgendwo, besser aufgehoben, ein paar tage noch, nur ein paar tage frist. sonne, licht und der wind, etwas wärme in den letzten ecken, in die ich mich verkrieche. bevor ich mich vergrabe, eingrabe für den rest.

ach, die zeit, die vergeht.

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