am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

am nachmittag mit madame und dem baby im café über literatur und so. sehr heiter, erhellend und amüsant. baby f. meinte dazu nur: dadadadadadadadadadada usw.

dann noch über alter und den mangel an erwachsensein in dieser komischen zeit. selbst bei mir, dabei übe ich schon fleißig an der 50. (ich weiß noch nicht, ob ich das feiern werde im nächsten jahr, aber ich sollte wohl. und wenn, dann in einem schlichten, schwarzen kleid. das habe ich heute tatsächlich laut gedacht. ich meine, möglicherweise, vielleicht.)

magic

gerade habe ich endlich die wanduhr in gang gebracht, seit anfang des jahres wollte ich das. im grunde ist es auch kein problem, und geht ganz schnell: auf den stuhl steigen, die klappe öffnen, das werk mit dem schlüssel aufziehen, die zeit einstellen, die klappe zu und zum schluß noch das pendel anstoßen.

aber es ist die kriegsuhr, die 46, im jahr nach dem krieg, beinah in der emscherflut untergegangen wäre. das ist meine kleine alltagmagie, heute, daß das übrig gebliebene uhrwerk jetzt hier neben mir tickt, über 66 jahre später.

der krieg ist vorbei.

gerade erst gemerkt. exakt gegenüber von meinem schlafzimmer findet eine party statt. musik, hopsen und johlen, gespräche am offenen fenster, alles durchdringt meine ruhe. überlege, im wohnbüro auf dem sofa zu schlafen. oder einfach wieder an den rechner zu gehen. egal. wenn da nicht mein nacken wäre. der kann heute einfach nicht mehr, der ist alt und kaputt.

wenig

viel arbeit heute. erst das fleißgeschreibe, zwei artikel, bezahlt. dann korrekturlesen für das ebook. (endlich!) den ersten text, mit erschreckend vielen fehlern vorgefunden. zuletzt – warum nur zuletzt, gegen halb elf – etwas mehr als eine seite frischen text, begleitet von einem fürchterlichen gefühl, fast wie taub. das mag täuschen. muß aber nicht. was bleibt ist die angst.

jetzt träumen gehen. tun, was getan werden muß. denn das schreiben ist ja noch lange nicht alles, derzeit. eigentlich ist es das wenigste.

herta müller

mist, verpaßt:

Welch zarte Andacht unter der Zuhörerschaft! Vor Neid muss die gesamte Pfarrerschaft erblassen, ist derlei doch selbst in den schönsten Gottesdiensten dieser Stadt nicht zu erleben. Nur die Mutigsten, also sehr Wenige wagten hier und da ob des heimlichen, untergründigen Witzes der von ihr vorgetragenen Texte leise zu schmunzeln. Keiner hüstelte, niemand fingerte am Bonbonpapier.

und ich hätte, in meinem durchaus gehobenen alter, auch noch den altersdurchnitt senken können:

Im Übrigen hinterließ das Festival an diesem Abend den Eindruck, als gehöre es zu den Sonderveranstaltungen der subventionsgestützten Vor- und Vollruheständlerbetreuung.

quelle: berliner zeitung

gestern abend, nachdem ich von charlottenburg nach hause gefahren bin, mit den sommerhandschuhen natürlich, war mir derart kalt, selbst die ringe sind mir anschließend von den fingern gerutscht. und heute waren die berliner in ihrer üblichen spätsommerkonfusion gefangen, pudelmützenträger in anoraks standen neben t-shirt-trägern und wanderstiefel neben nackten füßen in flipflops. mein gesicht fühlte sich wieder so seltsam heute im wind, so schmal und alt. die menschen sehen mich in letzter zeit auffallend oft an, finde ich. ich weiß aber nicht, wie ich das finden soll. oder warum ich es überhaupt bemerke. bei karstadt am hermannplatz hätte man mich fast aus der damentoilette geworfen. das ist eine alte geschichte, die braucht keine pointe mehr. die muß nicht einmal mehr erzählt werden.

nachts immer wieder nicht einschlafen können, ein ums andere mal, weil ich immer noch kurz etwas notieren muß. licht an, schreibzeug suchen, lesbar, lesbar, lesbar schreiben. wenigstens einigermaßen. das ist die seltsamste materialsammlung meines lebens, unfertig und brüchig. gar nichts, noch gar nichts sozusagen. und dennoch mehr denn je.

außerdem bedeutet das wohl, daß ich jetzt in drei baustellen gleichzeitig bagger. keine ahnung, was das soll.

novella (27)

immer diese angst, daß es vielleicht doch nicht geht. oder daß es wieder aufhört. gestern zum beispiel. nichts. oder nur murks. unzufriedenstellend. und daß es dann nie mehr besser wird. (war aber wohl nur die müdigkeit, gestern.)

gestern saß ich noch auf dem balkon in der sonne. seit heute ist der sommer vorüber, ich weiß nicht warum. eigentlich war es wärmer als gestern. heller sogar. ich sehe einen schweren winter kommen. ich möchte fliehen. jetzt. und bleibe doch, wie blei.

aber vielleicht bin ich einfach nur müde. die nacht gestern war lang und wirr.

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